Test: King’s Quest Kapitel 1 – A Knight to remember

Test King's Quest Kapitel 1 A Knight to remember

Ja, ihr habt richtig gelesen, dies ist ein Test zu King’s Quest. Nein, wir haben nicht gerade Retro-Woche und wollen euch jeden Tag einen uralten Klassiker vorstellen. Tatsächlich handelt es sich bei King’s Quest Kapitel 1 – A Knight to remember um ein komplett neues Spiel aus dem Hause Sierra, das in fünf Episoden die Vorgeschichte von Grahams Abenteuern aus dem Jahre 1983 erzählen möchte. Genauer gesagt erzählt König Graham, inzwischen ein alter Greis, die Abenteuer aus seiner Jugend seiner Enkelin Gwendolyn, die ihrem Opa gespannt zuhört.

Zurück vor den Anfang

Die erste von fünf Episoden hört auf den Namen „A Knight to remember“ und beginnt mit der Ankunft Grahams in Daventry, dem Königreich, dessen Krone Graham später einmal tragen wird. Graham ist dem Ruf des derzeitigen Königs gefolgt, der in einem Wettstreit ein neues Mitglied für die Königsgarde sucht, das irgendwann einmal sogar selbst König werden könnte, denn der König hat keine Erben. Natürlich kann sich Graham eine solche Gelegenheit nicht entgehen lassen und macht sich sogleich nach Daventry auf, um an besagtem Wettstreit teilzunehmen.

King’s Quest gewinnt rein optisch gesehen keine Grafikpreise, was den Realismus und die Auflösung angeht. Der Comicstil ist in sich aber stimmig und schafft eine Atmosphäre, in der man sich von Anfang an wohlfühlt. Die in warmen Farben liebevoll gestaltete Spielumgebung lädt zum Erkunden ein und die einzigartigen Charaktere tragen ebenfalls dazu bei, dass das Königreich Daventry ein Herz und eine Seele erhält.

Test King's Quest Kapitel 1 A Knight to remember (2)Bring mir 3 Murlockaugen

Adventure-typisch hat jeder in Daventry ein irgendwie geartetes Problem, dass natürlich nur der jugendliche Graham lösen kann, meist, indem er irgendeinen fehlenden Gegenstand beschafft. Bei diesen Botengängen offenbart King’s Quest Kapitel 1 – A Knight to remember seine erste Schwäche. Die Spielwelt ist nämlich aus vielen verschiedenen Bereichen zusammengesetzt, die nach dem Baukastenprinzip aneinander gereiht sind. Graham kann sich innerhalb dieser Bildschirme frei bewegen, durchschreitet er den Bildschirmrand, erreicht er den nächsten Bildschirm. Je mehr Gegenstände ich für Daventrys Bürger besorgen soll, desto mehr stört mich Grahams gemächliche Fortbewegungsgeschwindigkeit. Beim ersten Betreten jeder neuen Umgebung kann ich so zwar die wunderschönen Bildhintergründe bewundern, nach der zwanzigsten Durchquerung wird in mir aber der Wunsch nach einer Schnellreisefunktion immer stärker.

Der eher gemütliche Adventure-Alltag wird hin und wieder durch Geschicklichkeits-Minispiele unterbrochen, die Fingerfertigkeit, Schnelligkeit und gutes Timing erfordern. Diese Passagen durchbrechen die gemächliche Atmosphäre des sonstigen Spielgeschehens und bieten somit eine erfrischende Abwechslung. Von diesen Minispielen würde ich in den kommenden Episoden gerne mehr sehen.

Nicht jedermanns Sache

Während die klassischen Vorgänger des neuen King’s Quest eher ernsterer Natur waren, ist in King’s Quest Kapitel 1 – A Knight to remember ein deutlich beschwingterer Atmosphäreansatz gewählt worden. Auch der Humor, der sich durch die Dialoge zieht, zielt ganz klar auf ein eher jüngeres Publikum ab. Ich konnte damit während meines Tests nicht wirklich viel anfangen, habe es aber auch nicht als störend empfunden. Solltet ihr also King’s Quest-Veteranen sein und bereits im Jahre 1983 Grahams Weg begleitet haben, müsst ihr euch dafür wappnen, den Humor etwas zu ignorieren, oder euch darauf einzulassen. In jedem Fall ist der Flair der Neuauflage ein anderer als der aus dem Original.

Eingangs hatte ich bereits erwähnt, dass die Geschichte des jungen Graham von ihm selbst erzählt wird. Dies zeigt sich auch in einigen Game-Design Entscheidungen, in denen auf diese Tatsache mit Humor zurückgegriffen wurde. Manche Pfade werden vom Spiel irgendwann einfach übersprungen, sobald man sie oft genug passiert hat. Das Umhergelatsche wird somit wenigstens etwas entzerrt, auch wenn sich die überspringbaren Passagen deutlich in Grenzen halten.

Mass Effect lässt grüßen

Da King’s Quest später einmal aus fünf Episoden bestehen wird, habe ich als Spieler hin und wieder die Wahl zwischen verschiedenen Möglichkeiten, um ein bestimmtes Problem zu lösen. Zu Beginn des Spiels bekommt Graham es beispielsweise direkt mit einem Drachen zu tun, der in einer Höhle angekettet ist. Mit dem Untier kann er letztendlich unterschiedlich verfahren. Lässt er es frei und ermöglicht so ein spekulatives Wiedersehen in einer späteren Episode oder schießt er ihm ins Auge,um ihn zu verwunden und ihm so entkommen zu können? Welche Auswirkungen diese und alle weiteren Entscheidungen für den späteren Spielverlauf haben, bleibt abzuwarten. In jedem Fall halte ich die Möglichkeit, die Geschichte, die König Graham erzählt, zu beeinflussen, für einen ungemein interessanten Ansatz. Das könnte auch den Wiederspielwert der gesamten Serie erhöhen.

Der Umfang dieser ersten Episode ist mit 4-6 Stunden, je nachdem wie oft man sich in den einzelnen Spielbildschirmen verläuft und wie lange man für die Geschicklichkeits-und Rätseleinlagen braucht, absolut zufriedenstellend ausgefallen. Sollten die weiteren vier Episoden auch diesen Umfang aufweisen, können wir uns auf viele weitere Stunden in der Welt von Daventry freuen. Ich bin da guter Dinge. Der Preis von 40 Euro für alle fünf Episoden wäre dann auch durchaus gerechtfertigt.

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Ob wir den später noch wiedersehen?

Beeindruckender Spielumfang
Liebevoll gestaltete, atmosphärische Spielwelt
Minispiele lockern das Spielerlebnis auf
Charaktere haben alle Alleinstellungsmerkmale und Wiedererkennungswert
"Hol-und Bring-Aufgaben" zu prominent vertreten
Laufwege durch die einzelnen Spielbildschirme viel zu lang

Benedikt R.

Mit King's Quest Kapitel 1 - A Knight so remember" haben die Jungs von Sierra einen Serienauftakt abgeliefert, der Lust auf mehr macht. Die Spielwelt lädt zum Erkunden ein, der junge, freche und erfindungsreiche Graham unterhält mit seiner liebenswert-tollpatschigen Art auf grandiose Art und Weise. Wenn die Entscheidungen, die ich in diesem Teil treffen durfte auch tatsächliche signifikante Auswirkungen auf den späteren Storyverlauf haben, und die Minispiele in den folgenden Teilen stärker vertreten sein werden, dann freue ich mich wie ein Schneekönig auf die Fortsetzung der neuen King's Quest Reihe. Ich spreche hiermit eine ausdrückliche Kaufempfehlung aus!
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