Test: L.A.M.A.

L.A.M.A.: Der spielerische Kartenquickie im Test

Zu gerne tauche ich ab in analoge Brettspielwelten mit packender Geschichte, ausuferndem Spielmaterial und einer Spieldauer weit jenseits von Gut und Böse. Dann gibt es aber auch Tage, an denen mir das dreißigseitige Regelmanual einfach zu viel ist und ich einfach nur entspannt spielen möchte. Ein kurzer Quickie muss her. Einfache Regeln, viel Interaktion mit den anderen Spielern sowie ein hoher Wiederspielwert, so fühlt sich das optimale Spiel in diesem Fall an. Beim Amigo-Verlag erzielt man hier eine ziemlich hohe Trefferquote. Das beweist auch das brandneue L.A.M.A., ein schnelles Kartenspiel, das genau diese Anforderungen erfüllen kann.

Das Lama, das einen direkt auf der Spieleschachtel anlächelt, ist schon einmal verdammt cool. Es erinnert ein wenig an Bully Herbigs Auftritt in „Ein Königreich für ein Lama“. Der Wahlspruch des Amigo-Lamas würde ebenso gut zu diesem Film passen und verdeutlicht gleichzeitig das Spielgefühl dieses Kartenspiels: „…nimm’s lässig!“

Ruhig Blut, kleines Lama

Doch wofür steht die Abkürzung L.A.M.A. eigentlich? Die Antwort darauf zeigt euch direkt an, worauf es in diesem Spiel ankommt. Lege alle Minuspunkte ab! Dies geschieht ganz einfach, indem ihr möglichst viele Karten von eurer Hand loswerdet. Im Optimalfall leert ihr eure Kartenhand gleich komplett. Dann werdet ihr auch die Minuspunkte wieder los, die ihr im Verlauf des Spiels sicherlich sammeln werdet.

Ganz so einfach, wie es sich zunächst anhört, ist die Sache aber natürlich nicht. In jeder Runde startet ihr das Spiel mit sechs Handkarten. Diese zieht ihr von einem Kartendeck mit 56 Karten. Darunter befinden sich acht verschiedenfarbige Sets mit Kartenwerten von einem bis sechs Punkten. Hinzu kommen noch acht Lamas, die den Kartenstapel komplettieren.

Ablegen, Nachziehen oder Ausscheiden

Die Regeln sind denkbar simpel. Seid ihr mit Handkarten ausgestattet, dreht ihr nur noch die oberste Karte des Nachziehstapels auf und schon kann es losgehen. Da ihr möglichst viele Karten loswerden wollt, seid ihr vor allem bestrebt, Karten von der Hand auszuspielen. Auf die oberste Karte in der Tischmitte dürft ihr jedoch nur Karten mit dem gleichen Wert oder einem Wert, der um genau eins höher ist, spielen. Ein Lama darf hingegen auf ein anderes Lama oder auf eine 6er-Karte gespielt werden. Liegt ein Lama in der Tischmitte aus, dürft ihr nur eine 1er-Karte oder eben ein anderes Lama auslegen.

Wenn ihr keine Karte von der Hand spielen könnt, stehen euch zwei Optionen zur Verfügung. Ihr könnt euch etwa dafür entscheiden, eine weitere Karte vom Nachziehstapel auf die Hand zu nehmen. Somit habt ihr nun allerdings potentiell mehr Minuspunkte auf der Hand. Dafür besteht aber auch die Chance, im weiteren Spielverlauf noch mehr Karten wieder loszuwerden. Zieht ihr eine Karte nach, dürft ihr die nachgezogene Karte nicht wieder direkt ausspielen. Ihr müsst warten, bis ihr wieder an die Reihe kommt.

Minuspunkte in schwarz und weiß

Als letzte Möglichkeit könnt ihr auch aus der laufenden Runde aussteigen. In diesem Fall legt ihr eure Handkarten erstmal verdeckt vor euch ab. Ihr wartet nun ab, bis der Durchgang beendet wurde. In dieser Runde könnt ihr nicht mehr aktiv ins Spiel eingreifen. Am Ende des Spiels werden verbleibende Handkarten nun mit Minuspunkten bestraft. Dazu zählt ihr die Werte eurer restlichen Karten zusammen. Entsprechend der Summe bekommt ihr nun Minuspunkte in Form von Chips.

Dem Spiel liegen weiße und schwarze Chips bei. Weiße Chips zählen einen Minuspunkt, schwarze Chips bringen euch gleich zehn Minuspunkte ein. Diese Punkte solltet ihr am besten schnellstmöglich wieder loswerden. Dies gelingt, wenn ihr in einem Durchgang alle Handkarten losgeworden seid. In diesem Fall dürft ihr einen Chip wieder abgeben. Dabei ist es egal, ob es sich um einen weißen oder einen schwarzen Chip handelt. Auf diese Weise könnt ihr mit einem Schlag euren Punktestand gehörig entlasten.

Lege alle Minuspunkte ab

Ein Durchgang dauert nur wenige Minuten. Da ist es auch gar nicht besonders schlimm, wenn ihr mal vorzeitig ausscheidet. Sobald es einem Spieler gelungen ist, alle Handkarten abzulegen oder wenn alle Spieler ausgestiegen sind, endet der Durchgang und es kommt zur Punktevergabe. Es wird solange gespielt, bis ein Spieler vierzig oder mehr Minuspunkte gesammelt hat. Habt ihr zu diesem Zeitpunkt die wenigsten Minuspunkte kassiert, habt ihr das Spiel gewonnen.

Natürlich könnt ihr, durch die Veränderung dieser Punktzahl, die Spieldauer nach Belieben verändern. Mit der 40er-Grenze dauert ein Spiel etwa 20 Minuten. Wenn ihr L.A.M.A. in einer etwas größeren Runde spielt, kann es vielleicht einige Minuten länger dauern. Bis zu sechs Spieler können sich an einer Partie beteiligen. In dieser Konstellation hat mir L.A.M.A. sogar am besten gefallen. Das Spiel könnt ihr ab sofort im Handel für etwa 8-10€ erwerben.

schneller Einstieg
einfache Regeln
Kartenspiel mit Flow
für bis zu 6 Spieler geeignet
mit coolen Lamas
schlichtes Design der Punktkarten

Sebastian Hamers

Karten mischen, Karten aussteilen, Karte aufdecken. Mit diesen drei schnellen Schritten habt ihr sämtliche Spielvorbereitungen für L.A.M.A. bereits abgeschlossen und ihr könnt euch ohne Umschweife ins Spiel stürzen. Selbst die Regelerklärung, die ihr möglicherweise vor dem Spiel noch geben müsst, ist in zwei Minuten passé. Einer entspannten Partie steht dann nichts mehr im Wege. Das Spiel ist so simpel, dass es ambitionierte Spieler nach dem Lesen der Regeln am liebsten vielleicht direkt wieder in den Schrank räumen möchten. Zu Unrecht, denn beim Spielen entwickelt sich schnell ein gewisser Flow. Einige interessante Entscheidungen gilt es auch zu treffen. Nehme ich eine Karte auf, in der Hoffnung später davon zu profitieren? Oder steige ich doch lieber direkt aus dem Spiel aus und nehme ein paar Minuspunkte in Kauf? Häufig ärgert man sich dann doch, wenn man sieht, was die anderen Spieler noch so alles raushauen und man selbst nicht mehr ins Spiel eingreifen kann. Manchmal ist es aber natürlich auch umgekehrt. Unter Umständen kann es auch eine taktische Überlegung sein, so viele Minuspunkte einzustecken, dass man genau zehn Minuspunkte vor sich liegen hat. Einen schwarzen Chip kann man mit etwas Glück auch schnell wieder loswerden. L.A.M.A. ist ein schnelles Kartenspiel mit einfachen Regeln, das sich sehr flüssig spielt und auch für mehrere Runden hintereinander zu unterhalten weiß.
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