Test: Little Witch Academia: Chamber of Time

Vorbei ist die Zeit, in der sich Fans japanischer Games Sorgen machen mussten, ob diese es überhaupt in den Westen schaffen würden. Zugegeben, dies betrifft sicherlich nicht alle Titel, denn über einen Großteil können sich eingefleischte Japano-Gamer mittlerweile freuen, und das sogar mit originaler Synchronisation und einer zeitlichen Nähe des Release-Tags. Dies mag für manche, insbesondere jüngere Gamer, merkwürdig klingen, doch selbstverständlich ist eine Veröffentlichung in Europa keinesfalls. Selbst um große Marken wie die Tales of-Serie musste man sich in der Vergangenheit noch Sorgen machen. Dass diese Zeit allerdings um ist, das zeigen auch zahlreiche Launches wie das neue Little Witch Academia: Chamber of Time. Ihr habt noch nichts davon gehört? Keine Sorge, wir verraten euch, was dahinter steckt.

Vom Anime zum Game

Gerade bei japanischen Videospielen ist es nicht selten der Fall, dass diese auf dem Zug erfolgreicher Animations-Serien aufzuspringen versuchen. Die Geldkuh will ja gemolken werden. Bei vielen Spielen funktioniert das gut und am Ende kommt dabei auch ein akzeptables und unterhaltsames Produkt heraus – bei anderen weniger. Little Witch Academia: Chamber of Time gelingt der Spagat allerdings eher gemischt, sodass sich der Titel insbesondere an Fans orientiert – Gameplay-technisch fällt das Spiel hingegen von der Tischkante. Aber einmal der Reihe nach…

Little Witch Academia: Chamber of Time basiert auf der gleichnamigen Anime-Serie, die via Netflix zu sehen ist. Der Anime selbst kommt dabei mit einem gewissen Ghibli-Charme daher – also dem japanischen Pendant zu Disney – und weiß durch seine humoristische Präsentation durchaus zu überzeugen. Obwohl der Titel von Beginn an eher den Anschein macht, an Mädchen gerichtet zu sein, so ist dies ein Trugschluss. Denn sowohl für jede Altersgruppe als auch jedes Geschlecht, scheint die Serie geeignet zu sein. Dies liegt daran, dass Fantasy und Comedy im Fokus liegen.

Und täglich grüßt das Murmeltier

Gesehen haben müsst ihr den Anime übrigens nicht, denn Little Witch Academia: Chamber of Time präsentiert die Hintergrundgeschichten der unterschiedlichen Charaktere durch angenehme Rückblenden. Entsprechend ist der Titel auch im Laufe der Geschichte des Anime angesiedelt und wir schlüpfen in die Rolle der lebensfrohen und verkorksten, angehenden Hexe Akko, die an der Hexenschule Luna Nova das Magie-Handwerk erlernen will.

Akko ist allerdings nicht unbedingt die begabteste Hexe und obendrein auch für allerlei Schabernack offen. Als sie eines Tages mal wieder dabei erwischt wird, wird sie zum Aufräumen der Bibliothek verdonnert. Nach gerade einmal drei einsortierten Büchern schläft sie vor Langeweile an einem Tisch ein und die Zeit fliegt dahin. Währenddessen platziert allerdings eine wundersame Gestalt ein Buch direkt vor unserer Heldin, welche eben diesen Schmöker nach dem Aufwachen in ein Regal abstellt. Das Resultat: Eine geheime Tür öffnet sich, und in den Kellergewölben dahinter findet Akko, zusammen mit ihren Freunden Sucy und Lotte, die Kammer der Zeit.

Und genau hier beginnt der Schlamassel, denn durch das Betreten der Kammer werden die drei Freundinnen in einer Zeitschleife gefangen und müssen den gleichen Tag immer und immer wieder von vorne erleben. Dabei unterteilt sich das Game in zwei Teile: Zum einen die Kämpfe in Dungeons in 2D-Side Scrolling Manier und das Erforschen der Schule. Die Kämpfe werden dabei mit euch als Protagonisten und zwei Support-Charakteren bestritten, in denen ihr in einer 2D-Landschaft zahlreichen Gegnern das Leben schwer machen müsst. Sehr innovativ und spaßig kommt das Gekämpfe allerdings nicht daher, was der unpräzisen Steuerung, der schlecht durchdachten Kampfmechanik und dem ewig gleichen Schema des Button-Mashing anzulasten ist.

Auf Streifzug durch die Zeitschleife

Das Erkunden der Schule hingegen fällt deutlich interessanter aus. Was insbesondere für Fans eine schöne Sache sein dürfte: Die geliebten Areale des Animes selbst zu erforschen. Etwas schade ist hier jedoch die mangelnde Flüssigkeit der Animationen und die schwerfällige Orientierung. Die langen Gänge der Schule sehen sich in der Regel zu ähnlich, sodass man schnell den Weg aus den Augen verliert. Positiv ist hingegen die Möglichkeit, sich mit anderen Charakteren zu unterhalten und Nebenmissionen zu erledigen. Die Zeitkomponente des Games spielt hier eine besondere Rolle, denn manche Areale und NPCs lassen sich nur zu bestimmten Tageszeiten erkunden und finden. Entsprechend ist hier gute Planung gefragt, denn sonst muss man bis zum Anbruch des gerade absolvierten Tages warten – weil Zeitschleife.

Gerade die Optik hinter Little Witch Academia: Chamber of Time ist ein eher zweischneidiges Schwert. Während das Design selbst großartig und wunderschön anzusehen ist, so wären weichere Bewegungen der Charaktere durchaus wünschenswert gewesen. Dafür sind jedoch gerade die Zwischensequenzen brillant gelungen und die Verwendung von eigens produzierten Anime-Szenen ist hier besonders wertzuschätzen.

Wunderschön umgesetztes Art-Design
So humoristisch wie die Serie
Freies Erkunden der Welt möglich
Charakterbewegungen nicht flüssig genug
Kampfsystem zu repetitiv
Zu uninspiriertes Leveldesign

Daniel Meyer

Ob sich Little Witch Academia: Chamber of Time gegen die großgewachsene Konkurrenz durchzusetzen vermag ist eher zweifelhaft, aber dennoch hat der Titel sich seinen eigenen Platz verdient. Allerdings findet man eben diesen nur im Nischenmarkt, da sich das Game speziell an Fans der Anime-Serie richtet. Little Witch Academia: Chamber of Time kann ohne Frage unterhalten und bietet auch den einen oder anderen Schmunzler, aber gleichzeitig besitzt der Titel zu viele Ecken und Kanten, um wirklich eine rundum gelungene Spielerfahrung zu bieten.  
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