Test: Lost Cities – Das Brettspiel

Lost Cities? Da war doch was… Ganz genau, bei Kosmos gibt es schon seit geraumer Zeit ein gleichnamiges Zwei-Personen-Spiel. Jetzt wurde die Produktreihe erweitert, ein „großes“ Brettspiel für bis zu vier Spielern steht ab sofort im Handel. In den USA ist diese erweiterte Variante schon seit ein paar Jahren zu haben. Der Erfolg der US-Version hat nun dafür gesorgt, dass Lost Cities – Das Brettspiel jetzt auch in deutscher Sprache verfügbar ist.

Thematisch hat sich am Wesen des Spiels nichts verändert. Als Finanzier einer Expedition schickt ihr eure Forscher vom zentralen Camp aus in die Wildnis. Dort gibt es insgesamt fünf verschollene Städte zu entdecken, die Ruhm und Reichtum versprechen. Der Wettlauf hat begonnen, wer wird der erfolgreichste Forscher und entdeckt als erstes die Lost Cities?

Das zentrale Forschungslager

Jeder Spieler schnappt sich zunächst alle Figuren seiner Farbe, das sind insgesamt vier Forscher und ein Expeditionsleiter, der durch eine etwas größere Figur dargestellt werden. Alle Spielfiguren starten zunächst in der Mitte des Spielplans im zentralen Forschungslager. Von dort ausgehend werden die Forscher in die weite Welt hinausgeschickt. Fünf Routen führen zu den sagenhaften verlorenen Städten. Auf jede Route könnt ihr also genau eine Figur ansetzen.

Der Weg zu den Lost Cities ist jedoch lang. Die Fortbewegung wird durch insgesamt 110 Karten gesteuert, von denen ihr in jeder Runde acht auf der Hand habt. Die Karten findet ihr in fünf unterschiedlichen Farben wieder, jede Farbe ist einer Route zu einer Stadt zugeordnet. Um eine Forscherfigur zu bewegen, könnt ihr in jedem Zug nur genau eine Karte einsetzen. Um euch der blauen Stadt zu nähern, müsst ihr folgerichtig eine blaue Karte ausspielen.

Ein langer steiniger Weg

Die Karten in Lost Cities sind nummeriert, ihr findet dort Werte zwischen null und zehn. Jeder Kartenwert ist pro Farbe zweimal vertreten. Ihr beginnt eure Expedition mit einer möglichst niedrigen Karte. Legt diese Karte offen vor euch aus und zieht eine Forscherfigur ein Feld auf dem Spielplan nach vorne. Die nächsten Schritte setzen voraus, dass die folgenden Karten einen mindestens ebenso hohen Wert aufweisen wie die zuvor gespielte Karte.

Vom zentralen Lager in der Mitte bis zu einer Stadt benötigt ihr immer neun Schritte. Wenn ihr das Ziel also tatsächlich erreichen wollt, dürft ihr euch keine großen Lücken in der Ablage leisten. Es ist aber auch nicht unbedingt erforderlich, den Weg bis zur Stadt zu vollenden. Für jeden Schritt, den ihr auf dem Weg zur Stadt zurücklegt, gibt es Siegpunkte. Doch Vorsicht, die ersten Felder bringen euch noch satte Minuspunkte ein. Erst ab dem vierten Feld rückt die Siegpunktausbeute in den positiven Bereich. Unter Umständen kann es dadurch also sogar besser sein, eine Expedition erst gar nicht zu beginnen. So spart ihr euch möglicherweise ein paar ärgerliche Minuspunkte. Die große Figur, der Expeditionsleiter, verdoppelt dabei die Punkteausbeute, sowohl im positiven als auch im negativen Bereich.

Eine Frage des Timings

Solange keine Wertung stattfindet, spielt es allerdings keine Rolle, auf welchem Feld sich eure Forscherfiguren befinden. Punkte werden erst ausgeschüttet, sobald die insgesamt fünfte Spielfigur eine der Brücken, die sich zwischen dem sechsten und siebten Feld befinden, überschreitet. Dann wird das Spiel sofort unterbrochen und es kommt zu einer Wertung. Jetzt addiert ihr die Werte auf den Feldern auf denen eure eigenen Figuren stehen und kassiert entsprechend Siegpunkte.

Anschließend setzt ihr alle Figuren wieder in das zentrale Forschungslager in der Mitte des Spielfelds und beginnt das Spiel wieder von vorne. Alle ausgelegten Karten werden zusammengemischt und die acht Handkarten erneut an die Spieler verteilt. Die gesamte Partie verläuft über drei Wertungen, erst danach kommt es zur großen Endabrechnung.

Kleine Gimmicks peppen das Spiel auf

Hört sich alles ganz leicht an? Ist es auch, aber dennoch gibt es ein paar Kleinigkeiten, die etwas taktische Raffinesse ins Spiel bringen. Seid ihr am Zug, dann könnt ihr einfach eine Karte von der Hand spielen, sie in eurer eigenen Auslage anlegen und dadurch eine Figur um ein Feld nach vorne ziehen. Alternativ dazu könnt ihr auch eine Karte abwerfen, die ihr vielleicht nicht mehr gebrauchen könnt. Auf diese Weise abgeworfene Karten werden nach Farbe sortiert und landen auf den gemeinsamen offenen Ablagestapeln. Die abgeworfene Karte wird direkt durch eine neue Karte ersetzt, die ihr hoffentlich besser verwenden könnt.

Nachdem ihr eine Karte entweder angelegt oder abgeworfen habt, zieht ihr nun eine Karte nach, sodass ihr wieder acht Karten auf der Hand habt. Die neue Karte könnt ihr entweder vom verdeckten Nachziehstapel nehmen oder aber ihr bedient euch von einer der offenen Ablagestapel. Dabei dürft ihr aber immer nur die oberste Karte eines Stapels nehmen.

Was machen die Mitspieler?

Dieser Umstand führt dazu, dass ihr vielleicht ein wenig im Blick haben solltet, welche Karte ihr tatsächlich abwerft. Möglicherweise verhelft ihr euren Rivalen durch eine abgeworfene Karte zu einer fetten Punkteausbeute. Auf der anderen Seite helfen euch Karten, die ihr nicht mehr ausspielen könnt, natürlich auch nicht weiter. Durch das Abwerfen erhöhen sich die Optionen für die weiteren Züge wieder, eine schwere Entscheidung.

Taktisch relevant sind auch die 25 Ereignis-Plättchen, die vor Spielbeginn auf dem Spielplan platziert werden. Die Plättchen werden nach dem Zufallsprinzip verteilt, liegen aber offen für jeden sichtbar aus. Ereignisse werden ausgelöst, sobald ein Forscher das dazugehörige Feld betritt. In Lost Cities gibt es drei unterschiedliche Arten von Ereignissen. Da wären zunächst die Artefakte, die ihr auf dem Weg zu den Städten sammeln könnt. Je mehr Artefakte ihr sammelt, desto besser. Am Spielende zählt ihr eure ganzen gesammelten Artefakte und tauscht sie gegen zusätzliche Siegpunkte ein. Wer wenige oder sogar gar keine Artefakte entdeckt hat, muss sogar Minuspunkte hinnehmen. Betretet ihr mit einer Figur ein Feld mit einem Artefakt, so bleibt das dazugehörige Plättchenfeld nun leer. Figuren, die nach euch auf dieses Feld ziehen, gehen also leer aus.

Manchmal bringt euch ein Ereignis auch direkt ein paar Siegpunkte ein. Diese könnt ihr einfach eurem Konto gutschreiben. Das Ereignis-Plättchen bleibt allerdings an Ort und Stelle, folgende Forscher anderer Spieler können diese Prämie also ebenso kassieren. Gleiches gilt auch für die dritte Art von Ereignissen, den Etappen-Plättchen. Ein solches Ereignis erlaubt es euch, eine beliebige Figur um ein Feld noch vorne rücken, egal auf welcher Route sie sich befindet.

Nach drei Wertungen endet Lost Cities, am Ende des Spiels werden lediglich noch die Punkte für die Artefakte addiert. Der Spieler mit den meisten Siegpunkten gewinnt das Spiel. Für eine Partie benötigt ihr ungefähr eine Dreiviertelstunde. In der Anleitung findet ihr aber auch eine Abwandlung für eine deutlich schnellere Runde. Lost Cities steht ab sofort im Handel und kostet zwischen 25€ und 30€.

geringe Einstiegshürde
optisch sehr schick
auch für Taktiker ansprechend
nimmt deutlich mehr Platz ein als das Zwei-Personen-Spiel

Sebastian Hamers

Der Blick auf die vierseitige Anleitung täuscht ein wenig über die taktischen Möglichkeiten von Lost Cities – Das Brettspiel hinweg. Es gibt durchaus einige Fragen, die sich euch im Spielverlauf immer wieder stellen. Lohnt es sich eine Expedition noch zu beginnen? Wie sehr lohnt sich für mich das Sammeln der Artefakte? Auf welche Route schicke ich den Expeditionsleiter? Kann ich diese Handkarte tatsächlich abwerfen? Behaltet ihr das Treiben eurer Mitspieler im Auge, wird auch dies euer eigenes Vorgehen beeinflussen. Ein großer Trumpf von Lost Cities sind die wirklich sehr einfachen Regeln und dadurch die hohe Zugänglichkeit des Spiels. Das Regelwerk ist schnell verstanden und offenbart die taktischen Möglichkeiten erst im weiteren Verlauf des Spiels. In der Anleitung findet ihr zudem noch eine weitere Variante, die das Spiel noch einen Hauch komplexer gestaltet. Mir hat Lost Cities gut gefallen, da es trotz seiner Zugänglichkeit einen guten Schuss Taktik mit ins Spiel bringt.
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