Test: Lost Galaxy – Das intergalaktische Kartenspiel

Lost Galaxy-Ressourcen

Lost Galaxy – Kartenspiel-Quickie mit App

Mit dem Debütspiel Leaders landete der österreichische Brettspiel-Verlag Rudy Games sofort einen Hit. Die moderne Risiko-Variante besticht mit einer innovativen Begleit-App, die aus dem Grundgerüst des Klassikers das Beste rausholt. Seitdem hat sich der Verlag in der Brettspiel-Welt etabliert. Rudy Games verfolgt bei der Entwicklung ihrer Spiele ein klares Konzept. Der Verlag hat es sich zur Aufgabe gemacht, moderne Technik mit bewährten Brettspiel-Traditionen zu verquicken. Sämtliche Rudy-Spiele kommen mit einer Begleit-App für iOS und Android daher. Ebenso ist das Team bei ihrem neuen Werk Lost Galaxy verfahren. Das Spiel selbst besteht lediglich aus Karten, für das Spielen müsst ihr nur noch die zugehörige App aus dem Download-Store herunterladen, dann kann es auch gleich losgehen.

Ein schöner Zusatzeffekt bei Brettspielen mit App-Anbindung ist, dass sie meist sogar komplett ohne Anleitung auskommen. So liegt Lost Galaxy auch lediglich ein kleines Blättchen bei, das euch bei der Installation der App helfen soll. Alle weiteren Erklärungen zum Spiel werden von der App vorgenommen. Eine kurze Einweisung in das Regelwerk bleibt euch letztlich aber doch nicht erspart. Beim Starten der App werdet ihr schrittweise in die Abläufe von Lost Galaxy eingeführt. Da die Regeln von Lost Galaxy jedoch wirklich sehr einfach sind, könnt ihr innerhalb weniger Minuten tatsächlich mit dem Spiel beginnen.

Allesvernichtende Supernova

Habt ihr euch mit den Regeln einmal vertraut gemacht, geht alles blitzschnell. Jeder Spieler wählt eine von vier Alien-Fraktionen. Anschließend legt ihr euer Smartphone auf den Tisch, verteilt die Starthand und startet die App. Von der App wird auch die Spieldauer bestimmt. Im Programm tickt eine Uhr herunter, die nach 10-15 Minuten das Spielende einleitet. Damit ist Lost Galaxy ein knackiger Quickie für Zwischendurch.

Doch worum geht’s eigentlich? Im Weltraum überschlagen sich die Ereignisse. Die Berechnungen der Wissenschaftler haben ergeben, dass sich die Sonne schon bald in eine Super-Nova verwandeln wird und sämtliche Planeten im Sonnensystem vernichten wird. Die raumfahrenden Alien-Völker müssen also schnell handeln und ihre Bevölkerung rasch evakuieren. Dabei sind sie allerdings auch auf die Hilfe der anderen Völker angewiesen. Mit ihren gigantischen Sternenschiffen bringen sie gemeinsam die Bevölkerung der umliegenden Planeten in Sicherheit.

Evakuierung der Planeten

Rund um das Smartphone in der Tischmitte müsst ihr Platz lassen für acht Anlegefelder. Auf diesen legt ihr im Spielverlauf eure Handkarten ab. Diese bestehen zum großen Teil aus farbigen Karten mit Zahlenwerten zwischen einem und vier Punkten. Jede Farbe steht für ein anderes Alienvolk. Auf eurer Hand befinden sich also nicht nur Karten des eigenen Volks, sondern eine bunte Mischung aus Alienkarten quer durch alle Rassen.

Diese Zahlenkarten legt ihr nun rund um das Smartphone auf den acht freien Plätzen an. Ein neuer Stapel muss dabei immer mit einer Alienkarte im Wert von einem Punkt eröffnet werden. Auf dieser Einser-Karte dürft ihr nun in aufsteigender Reihenfolge auch die Zweier-, Dreier- und Vierer-Karten legen. Zum Abschluss muss mit dem Sternenschiff eine Sonderkarte gespielt werden. Ein Sternenschiff wird keinem Sternenvolk zugezählt. Es nimmt alle bereits gespielten Karten des Stapels auf und bringt die Einwohner in Sicherheit.

Sternenschiff in Sicht

Die Crew des Sternenschiffs achtet dabei nicht darauf, zu welchem Volk die Bewohner des Planeten gehören. Völker aller Rassen dürfen mit an Bord. Dennoch wirkt sich die Rettungsaktion am Spielende auf den Punktestand aus. Nach Ablauf der Spielzeit werden alle geretteten Aliens wieder dem dazugehörigen Spieler zugeführt. Dieser sahnt nun auch die Punkte ab. Ihr zählt einfach alle Kartenwerte eurer Farbe zusammen und ermittelt so euren Punktestand. Weitere Pluspunkte gibt es aber dennoch, wenn ihr einen Sternenschiff zur Rettung ausgesendet habt. Jede erfolgreiche Evakuierung wird mit immerhin fünf Siegpunkten belohnt.

Somit kann es sich also vielleicht auch lohnen, einen Planeten zu evakuieren, auf dem sich wenige oder auch gar keine Bewohner eures eigenen Volks befinden. Letztlich sollte euer Augenmerk darauf liegen, eure eigenen Aliens auf möglichst vielen Planeten zu verbreiten, damit sie vom Sternenschiff gerettet werden können. Das ist allerdings gar nicht so einfach, da ihr auch immer wieder fremde Aliens vom Nachziehstapel erwischen werdet.

Chaotisches Treiben im Weltraum

Der Spielablauf in Lost Galaxy ist ziemlich einfach. Ihr dürft so lange Karten auf den Ablagefeldern platzieren, wie es euch möglich ist. Anschließend zieht ihr immer wieder auf sechs Karten auf, bevor der nächste Spieler an die Reihe kommt. Neben den Alienkarten haben sich noch einige Sonderkarten in den Nachziehstapel gemischt. Sie sorgen für ein wenig Abwechslung, aber auch für Chaos im Spielablauf.

Wenn ihr etwa ein Kampfgeschwader ins Feld führt, könnt ihr die oberste Karte eines Planeten entfernen und aus dem Spiel nehmen. Noch durschlagkräftiger ist der Planetenzerstörer, der gleich den gesamten Planeten mitsamt allen Bewohnern von der Bildfläche pustet. Zum Glück könnt ihr euch vor derlei Aktionen mit einem Schutzschild schützen. Wenn ihr ein Schild auf der Hand habt, dürft ihr dieses jetzt als Spontanaktion spielen. Als weitere kleine Gemeinheit kommt noch der Traktorstrahl ins Spiel, mit dem ihr einen beliebigen Spieler zu einer kleinen Auszeit zwingen könnt.

Zufallsereignisse via App

Während des Spiels macht sich zudem auch die App selbständig und streut immer wieder Zufallsereignisse ein. Manchmal wandert beispielsweise ein Satellit quer über den Bildschirm. Tippt ihr rechtzeitig auf den Satelliten, werden dem Besitzer zwei zusätzliche Karten ausgeteilt. Es gibt jedoch auch globale Ereignisse, die etwa die Spielrichtung drehen oder sich auf den Zustand der Planeten auswirken.

Erwähnenswert sind abschließend noch die vier Alienvölker, die alle über eine unterschiedliche Sonderfähigkeit verfügen. Die Sirians können auf sieben statt sechs Handkarten zurückgreifen, die Cyborgs dürfen bereits Planeten auf der dritten Stufe evakuieren. Broods vernichten pro Runde eine Handkarte eines Mitspielers, während die Mechs eine Planetenkarte wieder entfernen können.

Lost Galaxy wurde im letzten Herbst zur SPIEL in Essen veröffentlicht und kann inzwischen auch im Handel erworben werden. Das Spiel kostet etwa 15€, die App könnt ihr kostenlos aus den Stores für iOS und Android herunterladen.

mit intuitiver Begleit-App
sehr zugänglich
Regelerklärung via App
Zufallselemente dank digitaler Unterstützung
gut als Spielesnack geeignet
höherer Chaosfaktor, geringere taktische Tiefe

Sebastian Hamers

Nach dem doch etwas komplexeren Leaders hat Rudy Games mit Lost Galaxy nun ein eher simples Kartenspiel veröffentlicht. Epische Spieleabende werdet ihr damit nicht bestreiten. Als kleiner Spielesnack eignet es sich aber gut. Mehr als eine Viertelstunde dauert die Partie selbst mit vier Spielern nicht. Die taktischen Möglichkeiten sind zudem eher reduziert. Letztlich versucht ihr eure Aliens an möglichst vielen Evakuierungen zu beteiligen und euren Mitbewerbern durch den Einsatz von Zusatzkarten kräftig in die Suppe zu spucken. Aufgelockert wird das Spiel durch die wirklich sehr schöne App. Die eingestreuten Zufallsereignisse sorgen für ein paar kleine Überraschungen zwischendurch. Gut gefallen haben mir auch die unterschiedlichen Fähigkeiten der Sternenvölker. Sie erlauben nicht nur ein paar mehr taktische Kniffe, sondern sind auch gut ausbalanciert. Als Spielehappen zwischendurch ist Lost Galaxy einen Blick wert. Einfache Regeln, kurze Spieldauer und die intuitive App sorgen zudem dafür, dass sich Lost Galaxy auch gut mit jüngeren Spielern zocken lässt, die sich über die leicht chaotische Spielweise freuen und über die geringeren taktischen Einflussmöglichkeiten hinwegsehen.
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