Test: Lost Sphear

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Lost Sphear ist der inoffizielle Nachfolger zu I am Setsuna

Das Studio Tokyo RPG Factory eiferte schon im inoffiziellen Vorgänger I am Setsuna alten JRPG-Klassikern, allen voran Chrono Trigger und den alten Final Fantasy-Teilen, nach. In Lost Sphear wird das nostalgische Gefühl, das schon I am Setsuna aufleben ließ, konsequent weitergeführt. So schickt euch auch Lost Sphear wieder auf eine Reise in die Welt der frühen JRPG’s. Dabei lässt es leider auch viele Klischees nicht aus. Was uns gefallen hat, was uns nicht gefallen hat und ob ihr etwas mit dem Spiel der Nostalgieschmiede anfangen könnt, erfahrt ihr unserem Test.

Rettet das Verlorene

Die Geschichte beginnt im Dorf Elgarth, in dem ihr mit dem Helden Kanata startet. Eure Heimat, inklusive großer Teile der Welt, verschwinden plötzlich in weißem Nebel. Wie es der Zufall aber will, entdeckt der jüngliche Held jedoch schnell seine Fähigkeit, die verlorenen Teile der Welt mit Hilfe von Erinnerungen wiederherzustellen. Also macht ihr euch recht schnell mit einer Gruppe aus bis zu vier Kämpfern auf, um alles wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Die Charaktere bedienen dabei üblicher Klischees, wie etwa den schweigsamen aber herzensguten Hauptprotagonisten oder den hitzköpfigen Gerechtigkeitskämpfer.

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Weite Teile der Welt werden von weißem Nebel verschluckt

Die Geschichte rund um das Verlorene kann über die gut 20 Stunden Spielzeit recht gut unterhalten. Die Dialoge sind größtenteils unterhaltsam und liebenswert gestaltet, erfordern aber oft auch Durchhaltevermögen aufgrund ihres Umfangs. Alles abseits der Hauptstory ist nicht allzu aufregend. Ihr könnt euch klassischerweise mit allen Dorfbewohnern unterhalten und ihre Textfelder Satz für Satz durchklicken. Die bieten jedoch selten spannende Unterhaltungen. Die Story erlebt außerdem häufig Strecken, in denen man merkt, dass die Spielzeit auf Krampf in die Länge gezogen werden sollte. Ihr werdet vor allem gegen Ende mit einigen Backtracking-Passagen, unnötigen Sammelaufgaben und wiederverwerteten Gegner-Designs konfrontiert.

Viel drin, aber wenig von Nöten

Seid ihr einmal nicht in den schlauchigen Dungeons oder Städten unterwegs, bewegt ihr euch in einer großen Oberwelt-Karte durch die Welt – Ganz wie in alten Spielen der Final Fantasy-Reihe. Auf der Karte könnt ihr verschiedene Items sammeln oder verlorene Gebiete wiederherstellen und so Fähigkeiten freischalten, die euch im Kampf nützen. Mit den gesammelten Items könnt ihr beispielsweise kochen und so kurze Status-Boosts erhalten. Die richtigen Items zu finden ist allerdings eine Frage des Glücks und das ganze System ist generell eher überflüssig, da es euch in den Kämpfen keinen unbedingt benötigten Vorteil bringt.

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Über die Oberwelt-Karte bewegt ihr euch durch die Welt

Bei den Schmieden in den Städten, die ihr besucht, könnt ihr neue Ausrüstung erwerben und später auch verbessern. Eure verbesserte Ausrüstung hinkt aber immer hinter den neuen Sets hinterher, die ihr relativ schnell neu erwerben könnt. Deshalb ist es leider oft nicht nötig, seine Ausrüstung wirklich zu verbessern. Das Magiesystem dagegen ist schon sinniger. Ihr sammelt Spiritnite, die eure Skills darstellen und sich in vielen Fällen miteinander kombinieren lassen. So fügt ihr euren Skills zum Beispiel zusätzlichen Giftschaden oder eine Chance auf Energieentzug hinzu. Die nötigen Teile für neue Spiritnite sammelt ihr in Kämpfen. Um das System voll auszunutzen ist also viel Grinding angesagt. Dennoch ist es ein recht gelungenes Magiesystem.

Kämpfe aus vergangenen Zeiten

Die Konfrontationen sind ein Mix aus rundenbasierten Kämpfen und selbstständiger Positionierung der Figuren. Am unteren Rand des Bildschirms sind die Statusleisten der Charaktere zu sehen. Ihre Aktionsleiste füllt sich nach und nach auf. Dann kann man den Angriff bestimmen und sie gleichzeitig auf dem Schlachtfeld bewegen. Das ermöglicht eine gewisse Taktik in den Kämpfen. Man kann so auch Spezialangriffen der Gegner ausweichen oder seinen Angriff so platzieren, dass mehrere Gegner auf einmal getroffen werden.

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Wenn ihr euch richtig positioniert trefft ihr mehrere Gegner

Außerdem lädt sich innerhalb des Kampfes eure Setsuna-Anzeige auf, mit der ihr mit einem richtig platzierten Knopfdruck mehr Schaden anrichten lässt. Hinzu kommen verschiedene Resistenzen, Buffs und Debuffs, die es zu beachten gilt. Dazu kommen im späteren Spielverlauf noch die so genanten Volcosuits. In diesen Mechs habt ihr noch einmal ein paar neue Angriffsmöglichkeiten. Ihr könnt beispielsweise eine Koop-Attacke starten, in der zwei der Charaktere gleichzeitig angreifen. Diese Anzüge sind nicht übermächtig, aber bieten ein nettes Feature in den Kämpfen. Das Kampfsystem weiß durchaus über ein paar Stunden zu unterhalten. Besonders brenzlig wird es jedoch selten.

Vertraute Klänge

Die Grafik von Lost Sphear ist in einem klassischen 32-Bit Stil gehalten. Passend also zum großen Nostalgie-Anspruch des Spiels. Der Oldschool-Look ist durchweg gut gelungen, allerdings fehlt es oft an abwechslungsreichen Designs, zum Beispiel der Dungeons. Meistens sind es graue oder braune generisch wirkende Strukturen. Insgesamt bietet das Spiel aber genau das Aussehen für das was es sein will. Eben eine Hommage an alte JRPG’s.

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Hier sieht man die Hauptstadt der Welt von Lost Sphear

Auch beim Soundtrack wurde sich leider wieder etwas zu viel aus der Klischeeksite bedient. Die musikalische Untermalung ist sehr vielfältig, allerdings klingt sie auch wie eine Best-Of von JRPG-Hits. Es gibt melancholische Flöteneinlagen, die ruhig und nachdenklich wirken, aber auch dramatische Soundkulissen, die Kämpfe untermalen. Leider klingt auch hier zu wenig Eigenständigkeit.

Unterhaltsame Story
Stimmige 32-Bit Grafik
Umfangreiches Magiesystem
Teilweise unnötig wirkende Features

Jareth M.

Lost Sphear ist durch und durch eine Hommage an alte JRPG-Klassiker wie etwa Chrono Trigger. Es werden sehr viele Klischees abgehandelt und ein Best-Of an Features zusammengewürfelt. Lost Sphear ist aber in dem was es sein will gut. Zu empfehlen ist es Spielern, die Sehnsucht nach alten JRPG-Klassikern haben und das alte Gefühl mal wieder aufleben lassen wollen. Für einen Preis von rund 50 Euro sollte die Investition für Nicht-Hardcore-Fans von diesem Genre jedoch gut überlegt sein.
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