Test: Machiavillain

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Was kommt dabei heraus, wenn man den Indie-Geheimtipp RimWorld nimmt und ihn einmal gründlich durch die Geschichte des Horrorfilms zieht? Grim World? Nein: Machiavillain! Die zum Fürchten liebenswerte Management-Simulation aus dem Hause Wildfactor Games vertraut euch eine sympathische Truppe chaotischer Skelette, Zombies, Vampire und anderer Monster an, die uns seit Jahrzehnten in Albträumen heimsuchen. Mit im Paket ist jedoch auch ein großes Stück Land, auf dem ihr nun in mühevoller Kleinarbeit ein Spukhaus errichtet, das Michael Myers vor Neid die Augen aus der Maske treibt. Wir haben uns als mörderischer Hausbesitzer versucht und Machiavillain auf dem PC einem gründlichen Test unterzogen.

Gruseln will er nur mit Gruselvilla

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Wenn die Liga der machiavillainistischen Schurken in Form des glibbrigen Cthulhu anruft, dann geht man besser ran. Das denkt ihr euch zumindest, als ihr eines vernebelten Tages ein Angebot der weltberühmten Verbrecherorganisation bekommt, das ihr nicht ablehnen könnt. Ihr seid als neuer Grundstücksbesitzer mit der Aufgabe betraut worden, eine unvergleichliche Villa des Schreckens zu errichten und dort ahnungslose Opfer festzuhalten, zu foltern und schließlich auf bestialische Art und Weise um die Ecke zu bringen – Je qualvoller desto besser. In der Management-Simulation seid ihr somit abscheulicher Architekt und höllischer Hausmeister gleichermaßen. Natürlich könnt ihr diese noble Aufgabe nicht allein bestreiten und besorgt euch kompetente Hilfe.

Vor jedem neuen Spieldurchlauf auf der prozedural generierten Karte engagiert ihr drei Monster, um die Drecksarbeit für euch zu erledigen. Sie alle sind ikonischen Figuren aus dem Horror-Genre nachempfunden. Die Wahl fällt schwer, denn die ulkigen Handlanger verfügen über zufällig ausgewählte Fertigkeiten, Bedürfnisse, Stärken und Schwächen. Während der knochige Hugo besonders gut darin ist, neue Opfer mit vielversprechenden Briefen in eure Villa zu locken, schwächelt er vielleicht, wenn es darum geht, Forschung zu betreiben, um neue, bösartige Technologien auszutüfteln.

Monster ist nicht gleich Monster

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Ihr verbringt also schon vor dem eigentlichen Spiel eine ganze Zeit damit, die perfekte Truppe für euren Aufstieg zum besten Monsterschlächter der Liga zusammenzutrommeln. Bös‘ Ding will Weile haben! Im Vergleich zum großen Vorbild RimWorld ist die Anzahl der möglichen Kombinationen aus Handlangern jedoch deutlich begrenzt. Nur gelegentlich mischt sich zwischen Zombies, Mumien und Skelette einer der lichtscheuen Vampire.

Ähnliches gilt auch für die Menge der Perks und Nachteile, die jedes Monster mit sich bringt. Etwas mehr Vielfalt hätte Machiavillain hier richtig gut getan. Die Zusammenstellung des Teams fühlt sich also nicht ansatzweise so lebenswichtig an wie beim Genre-Primus. Im späteren Spielverlauf könnt ihr zwar neue Abarten von Monstern wie etwa den unheimlichen Horrorclown oder den putzigen Kürbiskopf freischalten und in eure Dienste stellen, beim nächsten Spieldurchlauf warten jedoch wieder nur Knochenjockel und Undead Udo auf ihre Festanstellung.

Wir hätten uns ein System gewünscht, das einmal erforschte Monster auch für die nächste Runde freigibt. Wiederspielwert ist hier das Stichwort, denn zum Release gibt es lediglich einen Kartentyp, nur einen Spielmodus und natürlich kaum Mods, mit denen man Machiavillain aufpimpen könnte.

Schaffe, schaffe, Spukhäusle baue!

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Habt ihr das A-Team unter den Horrorfilm-Kreaturen beisammen, machen sich die willenlosen Vasallen sofort daran, eifrig Ressourcen zu sammeln – sofern ihr es anordnet. Das funktioniert über eine Prioritätenliste wie man sie schon aus Prison Architekt und Co. kennt. Ihr teilt einem Diener die Aufgaben zu, für die er wie geschaffen ist (anhand einer 5-Sterne-Skala ersichtlich) und schon macht sich der hirnlose Heinz an die Arbeit. Das funktioniert grundsätzlich gut. ihr könnt die Aufgabenverteilung allerdings nur für alle Diener gleichzeitig umsortieren und nicht für jedes Monster individuell, sodass ihr immer wieder damit beschäftigt seid, an der Prioritätenliste herumzuackern. Auch Shortcuts zum An- und Abwählen der Diener hätten dem Spiel richtig gut getan. Alles Dinge, die andere Management-Sims schon deutlich besser hingekriegt haben.

Nachdem ihr das erste Holz geschlagen und ein paar Steine aus dem nächstgelegenen Felsen geklöppelt habt, ist eure Kreativität gefragt. Stellt euch jedoch zunächst folgende Frage: Wie muss ich meine Geistervilla gestalten, um ahnungslose Opfer möglichst lange drinnen zu halten und sie anschließend fachgerecht abzuschlachten zu können? Ein Mix aus bösartigen Deko-Elementen wie etwa dem Fledermauskäfig und prestigeträchtigen Möbelstücken à la Kronleuchter wirkt Wunder und sorgt dafür, dass sich nicht nur eure Vasallen wohlfühlen, sondern auch die Besucher – vom Banker bis hin zur obligatorischen Jungfrau. Leider seid ihr zu Anfang so damit beschäftigt, eure Truppe am Leben und bei Laune zu halten, dass Deko auf der To-booh-Liste schnell nach ganz unten rutscht.

Regeln über Regeln

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Mithilfe von Werbebriefen, Zeitungsartikeln oder Blog-Einträgen neugierige Opfer anzulocken, ist nicht nur für euren Aufstieg in der Liga der machiavellistischen Schurken essenziell,denn mit jedem getöteten Opfer steigt euer Ansehen bei Cthulhu und Co, sondern auch der einzige Weg, um eure Monster mit Nahrung zu versorgen. Um allerdings zum König der Spukhäuser aufzusteigen, solltet ihr die Regeln der Liga befolgen. 1. Bring sie alle um! 2. Bring sie um, wenn sie allein sind. 3. Die Jungfrau muss als Letztes sterben. 4 Töte nur bei Nacht. 5. Lass den Hund in Frieden.

Wer sich an die Richtlinien hält, wird mit wertvollem Bösinium belohnt, das ihr nutzt, um neue Monster zu rekrutieren oder zusätzliche Slots für Vasallen freizuschalten. Da wir mit Regeln allerdings ungefähr so viel anfangen können wie Dracula mit einem Schminkspiegel, haben wir die verwöhnten Elendstouristen lieber gleich gevierteilt, verdroschen, verbrannt und anschließend per Förderband in die Kühltruhe verfrachtet – Alles möglich mit ein bisschen investierter Zeit.

Horror mit Charme-Offensive

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Dass wir Machiavillain trotz seiner vielen kleinen Macken trotzdem verschlungen haben und die ersten Stunden und Spieldurchläufe wie im Fledermausflug vergingen, verdankt das Spiel seinem grandiosen Humor und Setting. Wo viele Management-Simulationen die ernsthafte Schiene fahren, driften die Entwickler bei Wildfactor gern mal ab in grenzenlos bekloppten, aber immer charmanten Nerdhumor ab. Denkt an ein beliebiges Horrorfilm-Klischee: Machiavillain greift es auf – garantiert!

Eine Anspielung jagt die nächste und die Flavor-Texte der Monster, Möbel und Missionen strotzen nur so vor liebevoller Komik. Auch der Look ist zum Dahinschmelzen. Immer wieder ertappten wir uns dabei wie wir den knuffigen Animationen der Charaktere minutenlang hinterhergafften, anstatt uns um Opfer zu kümmern, die gerade gemütlich durch unsere Vorratskammer spazierten. Ein Spiel, in das so viel Herzblut geflossen ist, könnt ihr nicht hassen – es sei denn, ihr seid abgrundtief böse. Oh warte!

Bugiavillain

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Es gibt nämlich tatsächlich noch ein paar Dinge, bei denen euch in Machiavillain vor lauter Wut die Adern platzen. Da wäre zum einen der Soundtrack des Spiels – ein wahres Meisterwerk des Bösen. Das unmotivierte Gedudel mag beim ersten Spieldurchlauf noch recht amüsant sein, passt es doch ganz gut ins düster vergnügte Horrorsetting. Spätestens aber nach dem zweiten Game Over möchtet ihr die Kettensäge anschmeißen und mit euch selbst die Van Gogh-Nummer durchziehen, so repetitiv ist das nervtötende Auf und Ab der Tonleiter.

Ähnliches gilt auch für die Technik des Spiels. Dass die Entwickler dem Setting treu bleiben und Machiavillain gelegentlich so wenig Licht schenken, dass ihr vom beherzten Schlachten kaum etwas mitbekommt, lässt sich ohne Weiteres verschmerzen. Dass es aber gleich zwei Gamebreaking-Bugs in die finale Version des Spiels geschafft haben, ist der wahre Horror. In drei aufeinanderfolgenden Spieldurchläufen war es uns nicht möglich, mithilfe von Zeitungsannoncen mehr als 5 Vasallen zu rekrutieren, da sich das Default-Monster Joe Malcom, offensichtlich ein Fragment der Entwicklung, auch nach etlichen Workarounds nicht anheuern ließ und alle weiteren Slots blockierte. Auch, dass wir trotz freiem Slot beim Kauf neuer Minions nur Geld verloren, aber keine Arbeitskraft bekamen und das immer wieder, hinterlässt bei uns einen bitteren, fast blutigen Nachgeschmack.

Tolles Horror-Setting
Liebevoller Artstyle
Grandioser Humor
Mod-Support geplant
Solide Management-Mechaniken
Nur ein Spielmodus und Kartentyp
Soundtrack aus der Hölle
Geringer Wiederspielwert
Unausgereifte Steuerung
Gamebreaking-Bugs

Christian Böttcher

Machiavillain ist ein charmantes Spiel mit vielen kleinen Fehlern. In Sachen Wiederspielwert, Steuerung und Performance haben wir von anderen Management-Simulationen schon deutlich Besseres gesehen. Trotzdem verliebten wir uns binnen Minuten in das grandiose Horrorsetting, welches allerlei Gestalten aus der Filmgeschichte wiederbelebt und zu euren willenlosen Monstersklaven macht. Die Spielmechaniken sind nicht neu, aber sorgen in Kombination mit dem irrwitzigen Nerd-Humor, der aus jeder Pore dringt, für ein Spielerlebnis, das vor allem Gelegenheitsspieler ansprechen dürfte. Wer RimWorld oder Prison Architekt mag und dazu noch auf schrägen Humor mit Gruselfaktor steht, findet in Machiavillain einen echten Geheimtipp exklusiv für den PC.
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