Test: Madden NFL 15

Madden-NFL-15-Test-Bild-1Hierzulande ist es der traditionelle Fußball, in den USA ist jedoch der Football das Maß aller Dinge. Während wir Europäer uns bereits auf FIFA 15 freuen, warteten die Spieler auf der anderen Seite des Teichs auf Madden NFL 15. Wir haben das Spiel getestet und sagen euch, ob ihr auch auch als Europäer gefallen finden könnt.

Rauf auf den Platz, ran ans Training

Ich schätze American Football als Zuschauer sehr. Ich verfolge die Regular Season ebenso wie die Playoffs und natürlich den Super Bowl und bin ein sympathisant der New England Patriots. Auf der Konsole oder dem Feld stellt Madden NFL 15 jedoch meine erste Erfahrung mit dem Sport dar, da ich sonst ein ausschließlicher FIFA-Spieler bin. So ist es auch nicht verwunderlich, dass ich nach dem ersten Einlegen von Madden NFL 15 die Voreinstellung für Anfänger wählte und meine ersten Partien im einfachsten Schwierigkeitsgrad „Rookie“absolvierte.

Doch bevor ich überhaupt das erste Mal aufs Feld konnte, musste ich das Tutorial über mich ergehen lassen. Für Spieler, die bereits Erfahrung mit Madden haben sei gesagt, dass dieses optional ist. Solltet ihr jedoch ebenso Neuling sein, wie ich, dann empfiehlt es sich, das Tutorium zu absolvieren. Ihr solltet jedoch viel Zeit mitbringen. Zudem ist „Madden NFL 15“ nichts für Spieler, die entweder der englischen Sprache nicht mächtig sind und/oder sich mit dem Sport absolut nicht auskennen. Auch die deutsche Fassung kommt komplett mit englischem Text und Ton daher, welche zudem gespickt sind mit Fachausdrücken aus dem Sport, die selbst ein regelmäßiger Zuschauer kaum zuordnen kann.

Das Training besteht aus mehreren Teilbereichen, innerhalb derer wiederum mehrere Trainingseinheiten zu bestehen sind: Basic Offense, Basic Defense, Football Concepts, Advanced Offense und Strategy. Hinzu kommt noch der neue Gauntled-Modus, der euch eure Fertigkeiten unter Beweis stellen lässt. Insgesamt fünf Trainingsarten mit 34 Tutorials und 44 Drills. Innerhalb jedes Tutorials und Drills sind zudem im Schnitt 5-10 Einheiten zu absolvieren. Das Training wird euch also alleine schon mehrere Stunden beschäftigen, dafür aber auch bereit machen, für euer erstes Match.

Hierfür habt ihr eine sehr vielfältige Auswahl. Neben weiteren Trainingseinheiten im Practice-Modus, stehen euch das Madden Ultimate Team (MUT), eine Karriere als Coach, Eigentümer oder Spieler, Online-Matches, den Fantsasy Football-Modus und natürlich die Sofort Spielen-Option. Unser Augenmerk im Test lag vor allem auf dem letzten Menüpunkt und somit den Spielen selbst. Für diese sind zumindest ein Grundverständnis des Sports und eine gesunde Selbsteinschätzung nötig, um tatsächlich auch erfolgreich zu sein. Madden NFL 15 verfügt über alle Teams der vier NFL-Ligen, sowie selbstverständlich den kompletten Kadern. Vor dem Spiel geht es an die Mannschaftauswahl, bevor ihr eure Schwierigkeitsstufe wählen dürft. Rookie und Pro stellen dabei die Anfängerschwierigkeiten dar. Anschließend gelangt ihr auf ein Menü, in dem ihr solche Entscheidungen wie Quarterlänge (alles zwischen einer und 15 Minuten), Spielort, Anlass (Testspiel oder Super Bow), Tageszeit, Wetter und mehr festlegt, bevor das eigentliche Spiel beginnt.

Die Spiele sind aufgemacht wie die TV-Übertragungen, einschließlich einem Blick in die Motion Capture-unterstütze Kommentatoren Kabine, vermeintlichen Werbeunterbrechungen und Verizon Halbzeit-Report. Hinzu kommen noch Vorstellungen der wichtigsten Spieler (in der Regel die Quarterbacks), der Offense- und Defense-Teams im laufenden Spiel und gelegentlich auch den GMC Moment of the Game und die Wahl zum MVP.

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Die Verteidigung wackelt!

Beginnt dann das eigentliche Spiel, setzt sich der Eindruck leider viel zu oft fort, dass ihr Teil einer TV-Übertragung seid. Insbesondere in der Defense hatte ich den Eindruck, dass ich mehr ein Zuschauer bin, als dass ich tatsächlich etwas ausrichten kann. Die Möglichkeiten der Defense wurden von EA in Madden NFL 15 erweitert, indem zum Beispiel die Kamera angepasst wurde, so dass es eine Einstellung gibt, die nah hinter den angewählten Spieler zoomt und ihr besser und flexibler laufen, tacklen und einen Fumble provozieren könnt. Besonders als Anfänger oder Gelegenheitsspieler lässt man die Drecksarbeit aber lieber vom Computer übernehmen. In den meisten Fällen war dies effizienter, als selbst etwas zu versuchen. Zu schnell geht es plötzlich, zu viele Leute wuseln auf dem Platz in einem kleinen Raum herum, zu leicht passiert ein Fehler.

Das Playbook verschafft da keine große Besserung, sowohl in Offense als auch Defense. Ihr erhaltet immer einige Vorschläge, die in der Defense allerdings reines Glücksspiel sind, davon abgesehen, dass ihr natürlich wissen solltet, was genau ihr da eigentlich wählt, was ein Blitz oder ein Man ist. Es ist natürlich auch möglich, einfach den erstbesten Vorschlag auszuwählen. Glücklicherweise enthält ein solcher Vorschlag nicht nur eine Grafik über Aufstellung, Laufwege und Raumdeckungen, sondern auch eine Info, warum euch dieser Spielzug vorgeschlagen wird. Dies kann entweder auf den Statistiken des realen Teams, auf den häufigsten Wahlen der Online-Community, oder euren eigenen verwendeten „Plays“ beruhen. Zudem erhaltet ihr gesagt, in wie vielen Prozent der Fälle der Spielzug online Effektiv war und wie viele Yards damit im Schnitt in der Offensive gut gemacht werden könnten. Es sei aber erwähnt, dass kundige Madden NFL 15-Spieler die Möglichkeit haben, sich im Menü ein eigenes Playbook zusammen zu stellen.

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Stark im Angriff?

Effektiv zeigt sich jedoch die Offense, die im Kern aus Pass- und Laufspielen besteht, dass Passspiele reine Glückssache sind. In Madden NFL 15 wurden die Quarterbacks und deren Pässe so überarbeitet, dass es nicht mehr so einfach ist, das Ei an den Receiver zu bringen. Im Klartext bedeutet das, dass Interceptions und Incompletes deutlich häufiger an der Tagesordnung sind, als ankommende Pässe. So bestand mein eigenes Spiel zum größten Teil aus Runs, die dank umfangreicher Bewegungssteuerung in den meisten Fällen zum Erfolg führen.

Tragisch wird es jedoch, wenn das Playbook euch keinen Run wählen lassen will. Hier zeigt sich ein weiteres Manko in Madden NFL 15, denn wirklich freie Hand bei der Wahl habt ihr nicht. Ihr müsst aus einer stark begrenzten Anzahl an Spielzügen einen wählen, unabhängig davon, ob ihr diesen überhaupt ausführen wollt. Es lassen sich aber immerhin die Laufwege der Spieler per Tastendruck anpassen und während eines Passspielzuges, könnt ihr euch auch entscheiden mit dem Quarterback einen Run zu starten, müsst dann aber auf spezielle Bewegungen verzichten, deren Tasten dann für die Receiver reserviert sind.

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Ein bisschen mittendrin, statt nur dabei

Dafür ist das Gefühl, in Madden NFL 15 einen Touchdown zu erzielen und womöglich sogar eine anschließende 2-Point-Conversion erfolgreich zum Abschluss zu bringen, ebenso befriedigend und vielleicht sogar noch besser, als ein Tor in FIFA zu erzielen. Leider kann so ein Touchdown aber nicht richtig gefeiert werden, weil ihr anschließend in einer von vielen, vielen nicht überspringbaren Sequenzen gefangen seid, bevor es zum nächsten Spielzug geht. Im Falle einer Verlängerung seid ihr aktiv Teil des Geschehens und könnt beim Münzwurf eine Seite wählen und anschließend bestimmen, ob ihr den Kickoff haben wollt, oder etwas anderes.

Ansonsten bekommt ihr, trotz moderat auftretenden Physik-Fehlern, ein recht realistisch simuliertes Footballspiel geboten, in dem ihr nicht ausschließlich untätig und unwissend herumsteht. Die KI stellt schon auf den niedrigsten Stufen eine echte Herausforderung dar, die Punkte werden hart erkämpft, ohne dass es unfair wird und die zahlreichen Online- und Offlinemodi werden fließend verknüpft.

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 Optisch ein kleiner Titan

Auch neben dem Platz ist in Madden NFL 15 nicht alles so schnieke, wie es vielleicht sein könnte. Die Kommentatoren, die Animationen und die Spieler und Coaches selbst sehen grafisch super aus für eine Simulation, während aber Rasen, Publikum und alle anderen Details abseits des Platzes eher schmucklos daherkommen. Ein Problem mit dem sich allerdings auch FIFA und andere Simulationen herumschlagen müssen. Ebenso unschön sind lange Ladezeiten und Clippingfehler, die im Spielgeschehen jedoch untergehen. Cheerleader und Marschkapellen sind ebenso wenig zu erwarten, wie ein riesiger Platzsturm nach dem Gewinn des Super Bowls.

Madden NFL 15 enthält, wie die meisten Spiele, Glitches, von denen manche bereits bekannt sind. EA Sports nimmt die Sache allerdings scheinbar mit Humor und veranstaltete zum Beispiel eine Wochenend-Solo-Challenge, die es euch ermöglichte, den so genannten Tiny Titan zu spielen. Der Tiny Titan ist ein Glitch, der einen Spieler der Tennessee Titans winzig erscheinen lässt.

Authentisches Football-Erlebnis...
Umfangreiche, verknüpfte On- und Offlinemodi
Einsteigerfreundlich dank viel Training
Realistische Simulation
Playbook liefert Begründungungen
Gauntled-Modus als Arcadespielplatz
...Bei dem ihr euch oft nur wie Zuschauer fühlt.
Keine deutsche Lokalisierung
Physikaussetzer
Clipping und detailarmer Spielfeldrand
Nur wirklich verständlich für Footballkenner

Marco S.

Madden NFL 15 bietet feinsten American Football für Fans des Sports. Die Schwächen die der Titel aus unserer Sicht aufweist, sind zu einem großen Teil dem Sport selbst geschuldet, der nun einmal langsam, sehr taktisch und ein Medienhighlight ist. Technische Schwächen gleicht Madden NFL 15 durch vielfältige Modi, einem umfangreichen Training und der passenden Kulisse aus. Dennoch fehlt eine sinnvolle Lokalisierung und spürbarer Fortschritt, was bei allen EA Sports-Spielen zu bemängeln ist. Madden NFL 15 ist ein gutes Footballspiel, letztlich aber nur etwas für jene, die der englischen Sprache mächtig sind und wenigstens fundiertes Basiswissen des Sports besitzen.
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