Test: Mario & Luigi Superstar Saga + Bowser’s Schergen

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Kommt mit auf eine Reise in die Vergangenheit, ins Jahr 2003 – Ein wahrhaft denkwürdiges Jahr. Nicht nur, dass die Mario und Luigi-Reihe ihr Debüt feierte, nein, Arnold Schwarzenegger wurde Gouverneur von Kalifornien und genau wie der Terminator kamen Mario und Luigi ebenfalls zurück, oft,  so oft bis wir nicht mehr konnten und uns nach der guten alten Zeit sehnten. Nintendo wäre nicht Nintendo, wenn sie dem aktuellen Heißhunger nach amtlicher Retrokost nicht nachkommen würden. So wurde uns ziemlich flott ein Remake des fantastischen „Mario & Luigi Superstar Saga“ serviert, als Beilage gibt es diesmal „Bowser’s Schergen“. Hier erfahrt ihr wie uns der Happen aus der Vergangenheit gemundet hat und ob sich denn zuschlagen lohnt.

Neues aus dem Pilzkönigreich

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Ach herrjemine! Das sollte ein stinknormaler Tag für Prinzessin Peach werden, Besuch aus dem benachbartem Bohnenland, neue diplomatische Beziehungen, naja das Übliche halt. Doch die Feierlichkeiten sollten nicht lange weilen, da die Besucher aus dem Bohnenlande nicht diejenigen waren, für die sie sich ausgaben. Kaum zu glauben, das alles war nur ein Vorwand, um die engelsgleiche, reine Stimme der Prinzessin zu stehlen. Doch wer würde so eine böse Übeltat begehen? Niemand geringeres als die fiese Hexe Lugmilla und ihr gestörter Assistent Krankfried. Mit Bowser wäre Mario ja noch fertig geworden, aber diesmal hat er es mit zwei durchtriebenen Schurken zu tun. Da bleibt unserem bärtigen Helden in Latzhose nichts anderes übrig als sich mit seinem Brüder zusammenzutun und Ludmillas Spur der Verwüstung zu folgen. Es gilt Berge zu erklimmen, den perfekten Witzwein zu keltern, Donner und Feuer zu meistern, das alles nur, damit Prinzessin Peach wieder glücklich sein kann – Eine wahre Heldengeschichte.

Sieht aus wie damals, klingt auch so

Wer das Original gespielt hat weiß, wie liebevoll und detailliert Superstar Saga schon damals auf dem Gameboy Advance war. Nicht nur, dass die Grafik des Originals ziemlich gut gealtert ist und heutzutage immer noch ein Augenschmaus ist, brillierte das Spiel schon damals durch unglaublich charmante Animationen. Sei es Luigis kleine Tanzeinlage, wenn er im Kampf auf eine Aktion wartet oder der Moment, wenn Marios Körper aufgeht wie ein Hefekloß, weil er mal wieder zu viel Wasser getrunken hat. Es waren charmante kleine Animationen wie diese im Zusammenspiel mit der ebenso liebreizenden Grafik und noch andere wichtigen Faktoren, auf die wir später zu sprechen kommen, die diese Spiel einfach so rund gemacht haben.

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Mit diesen Gedanken im Hinterkopf stellten wir uns schon bei der Ankündigung eines Remakes die Frage: „Brauchen wir das jetzt wirklich?“. Hier die kurze Antwort auf die Frage: „Ja!“. Das Remake macht, was ein gutes Remake machen sollte. Statt diese alte Perle zu besudeln, hat Nintendo geschaut, wie man nicht nur das alte Funkeln beibehält, sondern dem Ganzen auch neuen Glanz einhaucht. Die Farben sind deutlich satter als im Original und hier und da wurden noch einige nette Details hinzugefügt wie z.B. Schatten von Wolken, die über den Köpfen der Klempner hinwegziehen. Auch in Punkto Animation hat man versucht, noch mehr rauszuholen. So sehen die Bewegungen von den Charakteren alle viel flüssiger aus als damals.

Die Neuerungen mögen sich jetzt nicht spannend anhören aber ihr kennt ja das Sprichwort: „Der Teufel liegt im Detail“ und es sind eben Kleinigkeiten wie diese, die uns damals wie heute besonders positiv aufgefallen sind. Was schon damals immer für ein Schmunzeln gesorgt hat, war das Sounddesign. Genau so wie die Grafik mit dem nötigen Feingefühl überarbeitet wurde, so hat auch der Sound die gleiche Aufmerksamkeit gewidmet bekommen. An sich klingt alles noch wie im Original, bis auf einige Ausnahmen wie z.B. die Bosskampf-Musik, die sich im Remake, unserer Meinung nach, tatsächlich besser anhört als im Original. Ebenfalls ein Pluspunkt ist die Tatsache, dass sich die Entwickler der aktuellen Version auch nicht gescheut haben, neue Sounds einzufügen, denn sobald man die Virus Gegner in der Lachhochschule alle einfarbig hat, spielt jetzt ein Theme, was jeder Mario-Fan kennen sollte. Und das ist nur eins der vielen Beispiele.

Hammer, Thunder, Fire

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Doch Grafik und Sound wären nur halb so gut, wenn da nicht das stimmige Gameplay wäre. Wie die meisten von euch bereits wissen, ist die Mario und Luigi-Reihe ein RPG durch und durch. Die Kämpfe werden rundenbasiert ausgetragen und nach jeder gewonnenen Begegnung mit dem Feind gibt es Erfahrungspunkte und gelegentlich auch mal ein oder zwei Items. Ebenfalls üblich für RPGs sind die verschiedenen Fähigkeiten, die im Laufe der Story erlernt werden, um voran zu kommen und gegebenenfalls alte Gebiete weiter zu erschließen. So erlernen Mario und Luigi wie man ordentlich einen Hammer schwingt und sich Feuer und Donner zu Eigen macht. Das macht sie zu Herren der Elemente. Diese erlernten Fähigkeiten helfen nicht nur, das tückische Terrain des Bohnenlands zu überwinden, richtig eingesetzt können Bruder und Bruder, Hand in Hand, auch fatalen Schaden in Kämpfen verursachen. Dazu aber gleich mehr, jetzt kommen erstmal Basics des Kampfes.

Wer Mario kennt weiß, dass er eine Sache ziemlich gut kann: Springen. Diesen Signature-Move gilt schon früh zu perfektionieren. Denn durch gutes Timing und rechtzeitigen Tastendruck kann der Sprung mehr Schaden zufügen. Und hier kommt auch schon eine der ersten Neuerungen im Kampfsystem hervor, denn durch richtiges Timing wird nicht nur mehr Schaden verursacht, sonder auch ein weiterer Sprung angekettet, wodurch ihr mit einem Zug doppelt so viel Schaden anrichten könnt. Weitere Einzelattacken wie der Hammer oder Feuer und Donner werden im späteren Verlauf freigeschaltet, belohnen aber perfektes Timing leider nicht mit einer zusätzlichen Attacke.

Kommen wir zurück zu den eben kurz angeschnitten Paar-Attacken. Mit dem richtigen Timing richten Mario und Luigi gemeinsam enormen Combo-Schaden an.  Da diese Attacken so stark sein können, wird deren Benutzung  durch „Bruderpunkte“ limitiert. Keine Punkte mehr, keine Paar-Attacken mehr, ganz simpel. Dennoch sollte man die Paar-Attacken so oft man nur kann einsetzen, denn nach mehrmaliger erfolgreicher Ausführung schaltet man noch stärkere Alternativen der Fähigkeiten frei.

Auch außerhalb des Kampfes hat sich einiges am Gameplay getan. Anders als im Original kann man nicht zwischen den Brüdern wechseln, in der Regel ist Mario immer der Charakter, der gesteuert wird und Luigi zieht nach. Eine Ausnahme bilden hier einige Attacken, für die es notwendig ist, dass Luigi den Vordermann mimt. Desweiteren gibt es jetzt in der Welt neue, praktische Boxen, welche die verbrauchten Bruderpunkte wieder komplett herstellen – sehr hilfreich, wenn es darum geht, einen Boss zu besiegen.

Außerdem wurden noch einige Features eingeführt, die Neueinsteigern den Start in das Spiel vereinfachen. So kann man nun die Schwierigkeit des Spiel so einstellen wie es einem gerade passt oder zu schwierige Kämpfe gleich nochmal auf leicht machen. Ebenfalls eine angenehme Neuerung: Es kann jetzt jederzeit und überall gespeichert werden, so kann man auch mal zwischendurch ne kurze Runde spielen, ohne den Fortschritt zu verlieren. Besonders gut gefiel uns die neue Karte, sie zeigt auf, wo man hingehen muss, falls man mal die Orientierung verliert und man kann außerdem noch Markierungen an verdächtigen Orten hinterlassen.

Du kleiner, mutiger Gumba

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Während Mario und Luigi ihrer Superstar Saga nachgehen, ereilt sich eine weitere Geschichte, eine Geschichte von den kleinen Helden im Hintergrund: Die Schergen Saga. Hier schlüpft ihr in die Rolle von Bowsers treuen Minions, die entschlossen auf der Suche nach ihrem Anführer sind. Gekämpft wird von selbst mit einem Heer der winzigen Kreaturen. Trotz der von selbst ablaufenden Kämpfe gibt es auch hier einige taktische Komponenten. Es finden sich gibt drei Arten von Kämpfern, die Schützen, die Flieger und die Stürmer. Wie man sich schon vorstellen kann, hebeln sie sich im Kampf nach dem Schere-Stein-Papier-Prinzip gegenseitig aus. Der Modus glänzt aber eher durch seine humorvolle Story und der Darstellung wie die Schergen miteinander umspringen.

Persönliches Fazit

Als ich damals das Spiel als kleiner Bub spielte, war es wie eine Offenbarung für mich, denn dieses Spiel hat mir gezeigt wie man Rollenspiele richtig macht. Deswegen war es für mich schwer möglich, unvoreingenommen an das Remake heran zu gehen. Zugegeben, an einigen Stellen ist es einfacher, besonders wenn es um Timing und Geschicklichkeit, aber im Kern ist es immer noch das Superstar-Abenteuer der Klempner Brüder, in dem ich mich als Kind stundenlang verlor.

Zeitloser Look
Gameplay unverändert gut
Grafischer Feinschliff gelungen
Schwierigkeitsgrad jederzeit wechselbar
Keine spielerischen Neuerungen

Spaceboy

Remake oder Rebreak? Die ewige Frage, die wohl bei jeder Neuauflage eines geliebten Klassikers mitschwingt. Mario und Luigi Superstar Saga + Bowsers Schergen ist definitiv ein gelungenes Remake. Weder treibt es Schindluder mit dem Original noch wurde versucht, zu viel daran zu verändern. Stattdessen haben sich die guten Leute bei Nintendo ein ausgezeichnetes Spiel zur Brust genommen und haben nochmal überall mit der Lupe geschaut, wie man es noch schöner und zeitgemäßer präsentieren kann. Wer also guten Humor hat und Mario und seine Gang mag, kann bedenkenlos zugreifen.
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