Test: Marvel’s Guardians of the Galaxy: The Telltale Series

Die Crew wie wir sie kennen in Marvel’s Guardians of the Galaxy: The Telltale Series

Entspannte Musik auf die Ohren und ein bisschen tanzen. Das ist wohl der perfekte Start in den Tag. Doch sofort wird diese Idylle unterbrochen. Ein Notruf der Nova Corps erreicht euch. Sie werden von Thanos verfolgt. Nett wie ihr seid, versprecht ihr natürlich, zur Hilfe zu kommen.

Prompt geht es also los in der Story der ersten Episode von insgesamt fünf. Die weiteren vier sind aber leider noch nicht verfügbar, so viel sei hier schon mal erwähn.  Als Star-Lord macht ihr euch umgehend auf den Weg, begleitet vom Rest eurer Crew. Nur blöd, dass euer Schiff direkt mal erwischt wird und ihr eher eine Bruchlandung auf dem Planeten macht. Nichtsdestotrotz wollt ihr euer Versprechen halten und der Weltraumpolizei zur Hilfe kommen. Hierbei müsst ihr schon die ersten Aussagen eures Helden auswählen, die allesamt einen Einfluss auf die Geschichte haben – zumindest ein wenig.

Der verrückte Titan Thanos

Auf dem fremden Planeten habt ihr anschließend eure erste Entdeckungsphase im Spiel. Ihr müsst einen Weg in den Tempel finden und dort eine Möglichkeit, eure Crew hereinzulassen. Dabei habt ihr natürlich die Möglichkeit, eure Raketen-Boots zu verwenden und hoch hinaus zu fliegen. Aber das ist auch mehr oder minder das einzig Spannende an diesem Teil der Geschichte. Euch wird angezeigt, was ihr denn so anklicken könnt, wodurch das Lösen des Rätsels nicht sonderlich schwer ist.

Habt ihr euren Freunden ermöglicht, euch ins Innere zu begleiten, geht es in den Kampf mit dem Titanen Thanos. Hier wird das Gefecht dann schon recht actionreich und es kommt auf eure schnellen Reaktionen bei den Tasten an. Als gelernte und geübte Gamer stellt aber auch dies keine große Herausforderung für euch dar. Im Vordergrund des Spiels steht eben das Erzählen der Story. Hierbei bekommen wir aber nicht selten das Gefühl, dass ein wenig zu sehr auf die Entfaltung der Geschichte vertraut wird.

Nach dieser schnellen Phase in der ersten Episode kehrt ein wenig Ruhe ein und ihr findet euch in vielen Dialogen mit den Beteiligten wieder, in denen ihr immer wieder Entscheidungen treffen und sogar Partei ergreifen müsst. Inwiefern diese aber wirklichen Einfluss auf die Story haben, wird sich wohl erst in den späteren Episoden zeigen. In der bisher einzigen spielbaren Episode merkten wir nun relativ wenig von diesem Einfluss.

Was Thanos wohl wusste?

Was Thanos wohl wusste?

Erst gegen Ende nimmt die Geschichte wieder etwas mehr Fahrt auf und öffnet die Galaxis für die späteren Teilabschnitte, als ihr Bekanntschaft mit einigen Kree macht und ein wohl doch sehr mächtiges Artefakt in eurem Besitz wisst. Das Ende selbst ist auch wieder ein Mix aus schnellen und ruhigen Passagen des Spielsystems. Ein großer Wermutstropfen ist beim Ende dann aber der Blick auf die Uhr. Ungefähr anderthalb bis zwei Stunden brauchten wir gerade einmal, bis wir es zum Abspann schafften.

Auch wenn das Finale der Episode unser Interesse an der Geschichte nochmal geweckt hatte, wirkte diese vorher ein wenig platt. Selbst die tiefgreifenden Dialoge mit den einzelnen Figuren wie Gamora oder Rocket wirken eben nicht so tiefgreifend wie sie vielleicht sein sollen. Der Witz aus dem Film und den Comics ist stellenweise aber gut verarbeitet, wirkt allerdings auch nicht an jeder Stelle und verliert daher etwas an Charme für das Spielerlebnis.

Ein wahrer Ohrenschmaus

Einen ganz wichtigen Punkt in Sachen Charme macht schlussendlich die Musik aus. Und die ist hier wirklich klasse. Originalsongs und passend komponierte Tracks lassen das Fanherz höher schlagen. Hier gibt es wirklich nichts zu beanstanden, das wurde super umgesetzt. So gut die Musik ist, so seltsam wirkt jedoch der Star-Lord Peter Quill an sich. Die grafische Darstellung ist gut, spiegelt die Welt von Marvel sehr schön wider und auch die anderen Charaktere sind erkennbar als diese. Aber nicht unser Star Lord. Sicherlich ist es nicht gewollt und wohl auch nicht erlaubt, sich an Chris Pratt bei der Darstellung zu orientieren. Dennoch sieht der Held irgendwie schlicht und einfach falsch aus.

Nach einer harten Nacht in der Bar ist eine jeder Schlafplatz recht

Nach einer harten Nacht in der Bar ist einem jeder Schlafplatz recht

Vielleicht weiß das unser Charakter und geht deswegen so, als hätte er gerade ein Zäpfchen verabreicht bekommen. Aber abgesehen von der Geh-Animation ist das Spiel recht sehenswert. Nur blöd, dass wir stellenweise gar nicht so viel sehen. Die Kamera ist recht fix, auch wenn ihr euch mit dem rechten Stick bei der PlayStation 4-Version etwas umschauen könnt. Dadurch wirkt leider auch das Gameplay sehr statisch und stumpf.

Dafür trumpfen umso mehr die englischen Sprecher bei dem Spiel auf. Diese wirken wirklich authentisch und verleihen jedem Charakter seine speziellen Züge. Für alle, die nicht so sattelfest mit der englischen Sprache sind, gibt es deutsche Untertitel. Diese haben aber leider ab und an ein paar Fehler oder tauchen zu früh oder zu spät auf. Eine Sache, die aber mit einem kleinen Patch sicherlich schnell behoben ist.

Da momentan nur eine Episode zur Verfügung steht, können wir nicht genau sagen, was der komplette Umfang des Spiels final beinhalten wird und wie viele Gameplaystunden am Ende zusammen kommen. Ein bisschen haben wir das Gefühl, dass das Spiel noch unbedingt vor dem Kinostart des zweiten Films auf eure Festplatten sollte. Ein bisschen Hype schadet ja niemandem. Der Preis von 22,99€ für den Season Pass, also Episode 1 und alle weiteren, wirkt daher momentan trotzdem etwas zu hoch angesetzt, vor allem da wir nicht wissen, wann denn die weiteren Episoden erscheinen. Einzeln kostet der erste Abschnitt 6,49€ im PlayStation Store.

Gefühl, im Marvel-Universum drin zu sein
Sehr gute Sprachausgabe
Witzige Passagen/Dialoge
Interessantes Ende der ersten Episode
Abwechslungsreiche Spielgeschwindigkeit
Guter Lizenz-Soundtrack
Entscheidungen sollen sich auf den Spielverlauf auswirken
gewöhnungsbedürftiger Star Lord
Fehlerhafte Untertitel
philosophische Dialoge ohne wirklichen Tiefgang
Kurze Spielzeit
Kleine Welten
Auswirkungen der Entscheidungen kaum spürbar

Philipp

Das neueste Telltale Abenteuer führte mich also in die Welt von Marvel zu den Guardians. Ich war sehr gespannt. Vor allem mit dem zweiten Teil, der diese Woche ins Kino kommt, ist eine Art Hype zumindest etwas spürbar. Aber ich muss sagen, dass mich das Spiel nie gepackt hat. Die Realtime-Action hielt sich von der Herausforderung her in Grenzen. Selbst wenn ich mal gar nicht reagiert habe, hatte ich nicht das Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben. Dafür kam das Gefühl manchmal auf, obwohl ich genau die richtigen Knöpfe gedrückt habe. Mir kam es vor, als wenn ich so oder so zum Ende der Geschichte kommen würde. Und das Ende kam ja dann auch recht fix. Eine Episode ist bisher recht wenig, auch wenn die weiteren im Preis enthalten sind. Dafür hat mich der Soundtrack geflasht und ich fühlte mich auf jeden Fall ins Marvel-Universum versetzt. Die Darstellung des Star Lords war dann aber wieder eine andere Sache. Auf jeden Fall gewöhnungsbedürftig. Aber für waschechte Fans sollte sich das Spiel lohnen, denke ich. Wer nur mal einen Blick reinwerfen wollen würde, sollte sich erst bei YouTube vergewissern, ob er mit der Darstellung klar kommt und dann vielleicht nur die erste Episode einzeln erwerben.
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