Test: Metro Exodus – Atmosphärisches Brett trotz offener Spielwelt

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Metro Exodus: Was kann der neue First-Person-Shooter? – Bildquelle: Koch Media/4A Games

Metro atmet frische Luft – Nachdem wir uns in der Vergangenheit durch beengte Tunnel quetschen mussten, um Artjom zur Seite zu stehen, schickt uns der Entwickler 4A Games nun auf eine Reise quer durch die weite Welt der russischen Postapokalypse. Dabei sollen alte Stärken der Reihe jedoch nicht in Vergessenheit geraten und das trotz der offenen Spielwelt. Kann das funktionieren? Wir haben Metro Exodus ausführlich getestet und verraten euch, ob der First-Person-Shooter Anlass zum Strahlen gibt oder besser tief im dunklen U-Bahn-Tunnel geblieben wäre.

Zukunft an der Oberfläche

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Gibt es ein Leben außerhalb der Metro? Bildquelle: Koch Media/4A Games

Schwere Stiefel stapfen durch einen mit Spinnweben verhangenen Tunnel. Die Luft zum Schneiden dick, der Weg führt nur in eine Richtung: Nach oben. Mit jedem Schritt auf der Leiter schwillt das Geräusch des Geigerzähler weiter an – ein atonales Fiepen in gespitzten Ohren, das daran erinnert, warum wir die letzten 20 Jahre in abgeschirmter Sicherheit verbracht haben. Und doch treibt er uns voran: Der Drang nach frischer Luft, nach Freiheit, einer neuen Heimat. Schweißgetränkte Handschuhe nähern sich dem Griff, packen fest zu. Das Jahr: 2036. Der Ort: Moskau. Inmitten der verlassenen Metropole öffnet sich ein schneebedeckter Gullideckel und die beschwerliche Reise in eine Zukunft abseits der Metro beginnt.

Nach einigen Alleingängen an der Oberfläche steht für Artjom, den stillen Held unserer Geschichte, fest: Es gibt ein Leben außerhalb der sicheren Tunnel, die seit einem verheerenden Atomkrieg den letzten Zufluchtsort für die Überlebenden darstellen. In ihm keimt ein Rest Hoffnung auf eine neue Zivilisation und so überzeugt er seine Gefährten des Spartaner Ordens kurzerhand, ihm ins Ungewisse zu folgen, um weit im russischen Osten ein neues Leben anzufangen. Eine funktionstüchtige Dampflok ist schnell besorgt und so machen sich die Pioniere des Ödlands auf die Suche nach einer zweiten Heimat. Mit an Bord der frisch getauften Aurora: Oberst Miller, Anführer des Ordens und Vater von Anna, Artjoms Ehefrau. Hinzu kommt ein Haufen illustrer Soldaten, die ihr bereits aus dem Vorgänger kennen dürftet.

Ein Zug voller

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Bereit zur Abreise – Bildquelle: Koch Media/ 4A Games

Im Zeitraum eines Jahres durchquert die postapokalyptische Reisegruppe karge Wüsten, eisige Sumpflandschaften. und bewaldete Täler, nur um festzustellen, dass die Welt sich vielleicht vom erdrückenden Griff der Strahlung befreien konnte, nun allerdings fest in den Händen der Überlebenden liegt, die alles andere als erfreut sind über die Anwesenheit von Artjom und Co. In dieser lebensfeindlichen Umgebung gilt es sich zu behaupten, um schließlich den richtigen Platz für einen Neuanfang zu finden. Winter, Frühling, Sommer und Herbst stellen euch dabei nicht nur vor wechselnde Herausforderungen, sondern gehen auch mit ihren ganz eigenen Story-Abschnitten einher. Ohne zuviel verraten zu wollen: Metro Exodus nutzt die vier Jahreszeiten, um eine stimmungsvolle Geschichte zu erzählen so mitreißend emotional wie kein Teil der Reihe es zuvor geschafft hat. Möglich ist das, weil der First-Person-Shooter sich Zeit nimmt für seine liebenswerten, wenn auch verschrobenen Charaktere.

Sei es Oberst Miller, der in der Schlacht um D6 seine Beine verloren hat und nun als Hirte der Gruppe zwischen nachdenklicher Strenge und kühnem Entdeckergeist wankt oder aber seine einfühlsame Tochter Anna. Schnell gerät die eisige Postapokalypse in Vergessenheit, wenn sie gemeinsam mit Artjom von einer paradiesischen Zukunft weit weg vom düsteren Alltag in der Metro träumt. Frei nach dem Motto „Stay a while and listen“ haben die Mitreisenden immer etwas interessantes zu erzählen, sodass wir nie genau wissen, wann die relevanten Informationen für den nächsten Einsatz abseits der Aurora erschöpft sind und die Charaktere stattdessen etwas Persönliches von sich preisgeben. Metro Exodus ist in diesen Szenen unberechenbar und das ganz bewusst. Es ist uns überlassen, ob wir zuhören und jeden Tropfen Charaktertiefe einsaugen, selbst wenn der ein oder andere Dialog in die Klischeekiste abdriftet, oder uns direkt in den nächsten Auftrag stürzen. Wer die Vorgänger nicht gespielt hat, sollte allerdings vorsichtig mit Metro Exodus umgehen, denn Anspielungen und wichtige Plot-Devices warten an jeder Ecke. Unsere Empfehlung: Spielt vorher die Redux-Fassung von Last Light und 2033 und ihr werdet eine großartige Zeit an Bord der Aurora haben.

Geschichten aus der Postapokalypse

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Nur eins von drei offenen Arealen – Bildquelle: Koch Media/4A Games

Die Aurora ist dabei mehr als nur der soziale Mittelpunkt der Geschichte. Die Dampflokomotive dient als Hub der Spielwelt, von wo aus wir in die offenen Areale Russlands starten und stellt gleichzeitig die einzige Hoffnung der Gruppe dar, jemals eine bewohnbare Heimat zu finden. Außerdem findet ihr hier eine nützliche Werkbank, an der ihr das neue Crafting-System voll ausreizen könnt. Dazu aber später mehr. Da sich ein verrosteter alter Zug jedoch als recht anfällig für die Widrigkeiten der Postapokalypse herausstellt, sind wir immer wieder gezwungen, die Fahrt ins Ungewisse zu unterbrechen, um Wasser zur Kühlung der Motoren zu besorgen oder die Aurora für eine riskante Flucht aus der Gefahrenzone fit zu machen. Hier beginnt sich Metro Exodus erstmals von seinen Vorgängern abzuspalten, denn neben den verwinkelten Tunnelsystemen der Metro lässt uns das Spiel erstmals auch die Welt an der Oberfläche erkunden – und die hat einiges zu bieten.

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Was ist hier wohl geschehen? Bildquelle: Koch Media/4A Games

Environmental Storytelling, also das Erzählen kleiner Geschichten über die Spielwelt selbst, gehörte schon früher zu den großen Stärken der Reihe. In Exodus setzt 4A Games dem Ganzen aber die atmosphärische Krone auf. Die drei großen, offenen Areale des Spiels sind derart vollgestopft mit winzigen Stories, welches das Schicksal der toten wie lebenden Ödland-Bewohner beleuchten, dass wir aus dem Staunen kaum herauskamen. Nimmt man sich die Zeit, um Notizen zu lesen, auf kleine Hinweise zu achten und seiner Phantasie freien Lauf zu lassen, entwickelt sich Metro Exodus binnen Stunden zu einem schaurig-schönen Mosaik des Verfalls. Während die Hauptgeschichte euch rund 15 bis 20 Stunden beschäftigt, steckt in den vielen Nebenschauplätzen weitaus mehr Spielzeit, denn die Mitreisenden schicken euch immer wieder auf Exkursionen, um persönliche Gegenstände aufzuspüren. Dabei verkommt das Spiel allerdings nie zu einem traditionellen Open World Titel, der euch ohne narratives Fleisch von A nach B schickt. Jede optionale Nebenaufgabe ist mit der Geschichte verwoben und das ist auch gut so.

Beklemmend, trostlos, elektrisierend

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Fanatismus in einer verdreckten Welt – Bildquelle: Koch Media/4A Games

Seine Identität als beklemmender Shooter mit Horror-Elementen verliert Metro Exodus trotz der beizeiten offenen Passagen zum Glück nie aus den Augen. Ganz im Gegenteil: Während wir das triste Ausmaß der nuklearen Katastrophe bislang lediglich unter Tage und in ausgewählten Siedlungen an der Oberfläche erleben durften, offenbart Russland nach dem nuklearen Winter nun seinen ganzen, perfiden Schrecken. Auch wenn Teile der Welt sich von der Zerstörung erholt haben und nun neu erblühen, haben sich die Menschen in ihr doch verändert. In einem verschneiten Sumpfland treffen wir beispielsweise auf eine getriebene Sekte, die der Elektrizität entsagt und jeden als Ketzer zum Tode verurteilt, der sich mithilfe von elektrischem Strom am Leben zu halten versucht – die Ironie ist offenkundig. Obwohl wir die Kirche meilenweit kommen sehen und uns mental auf das Schlimmste im Menschen vorbereiten können, trifft uns Exodus mit seiner trostlosen, düsteren Stimmung in Mark und Bein. Die Entwickler schaffen es, auch die größte Wüste zu einem Ort klaustrophober Einsamkeit zu machen – und das ohne die Spielwelt leer erscheinen zu lassen.

Drei Faktoren haben dabei maßgeblichen Anteil an der dichten Atmosphäre von Metro Exodus: Das Verhältnis zwischen linearer Levelarchitektur und offener Spielwelt, die Präsentation und nicht zuletzt das Sounddesign. Die weitläufigen Abschnitte fernab der Aurora kontrastiert das Spiel immer wieder mit knackigen Einschüben, in denen nicht nur die Geschichte ordentlich Fahrt aufnimmt, sondern auch das altbekannte Metro-Feeling in den Vordergrund rückt. Denn ganz ohne die beklemmenden Tunnel unterhalb der verstrahlten Oberfläche, kommt auch Exodus nicht aus. Horror entsteht dort wie üblich nicht durch schiere Gewalt und sinnlose Brutalität, sondern wird mit subtilen Schockmomenten vorangetrieben, die ein unangenehmes Kribbeln im Nacken zurücklassen. Obwohl sich offene und begrenzte Spielabschnitte recht formelhaft abwechseln, gelingt der Spagat zwischen ihnen über die komplette Spielzeit gut, sodass weder die Atmosphäre noch das Gameplay unter dem neuen Spielkonzept leiden. Das auch, weil uns Exodus selbst in den offenen Gebieten immer wieder in abgeschlossene Räume, ober- und unterirdisch verfrachtet, die ganz in der Tradition der beengten Linearität stehen.

Licht am Ende der Metro

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Viel Altbekanntes im neuen Metro – Bildquelle: Koch Media/4A Games

Auch wenn wir in puncto Präsentation aktuell noch zwischen den Stühlen stehen, ist sie doch integraler Bestandteil des Spiels und Grund für so manchen „Wow-Moment“. Erneut kommt die überarbeitete 4A Engine zum Einsatz, die im Großen und Ganzen einen guten Job macht und Metro Exodus zweifelsohne zu einem der schönsten Spiele auf dem PC werden lässt. Fehlerlos ist sie jedoch bei Weitem nicht. Die Gesichtsanimationen der Figuren sind weiterhin ein Graus und einige der Texturen erinnern in ihrer fehlenden Komplexität mehr an ein schickeres Skyrim als einen modernen AAA-Titel. Besonders in der Weitsicht fallen schwammige Umgebungselemente störend ins Auge. Warum uns die Optik trotzdem ein Grinsen aufs Gesicht zaubert? Ganz einfach: Es werde Licht!

Die Licht- und dynamischen Wettereffekte tauchen Metro Exodus in einen atmosphärischen Schimmer, der die Trostlosigkeit der Postapokalypse atemberaubend zu vermitteln weiß. Mit einer RTX-Karte im Gehäuse und Raytracing treibt ihr diesen Eindruck auf die Spitze, denn das Spiel ist mit seinen vielen Laternen, Reflexionen und nicht zuletzt der Atemschutzmaske, in der das Licht bricht, der perfekte Kandidat für die neue Technologie. Einziges Manko dabei: Gelegentlich hatte unsere Review-Fassung noch mit leichten Tearing-Problemen zu kämpfen, auch wenn diese seit unserer finalen Vorschau deutlich geringer ausfielen. Bleibt also nur folgendes Fazit: In vielen Passagen ist Metro Exodus dunkel, dreckig, blutig und echt, in den meisten schlichtweg wunderschön.

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Die Welt abseits der Tunnel – Bildquelle: Koch Media/4A Games

Das gilt jedoch nicht nur für die Optik, sondern auch den Sound. Während uns herkömmliche Shooter mit bombastischen Klängen in die richtige Stimmung versetzen wollen, schafft Exodus das Ganze ohne auch nur einen Ton von sich zu geben. In den seltenen, wirklich schnellen Action-Abschnitten ertönt ein unaufhörlich eindringlicher Soundtrack, der uns in blanke Panik versetzt, abgesehen davon treten die Sounds der Spielwelt in den Vordergrund. Krächzende Krähen, ächzendes Metall und ein nervenzerfetzender Geigerzähler: Das Sounddesign von Metro Exodus ist nicht nur vielseitig, sondern auch extrem effektiv. Wir garantieren: Nach dem ersten Spieldurchlauf werdet ihr tickende Uhren mit ganz anderen Ohren wahrnehmen. Wir haben das Spiel in der deutschen Fassung durchgespielt und sind positiv überrascht von der Synchronisation, die nicht auf Top-Level spielt, aber gerade mit der deutschen Synchronstimme von Anna eine echte Bereicherung an Bord hat.

Patronen: Mehr Geschoss als Handelsware

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Crafting statt Patronenhandel – Bildquelle: Koch Media/4A Games

So eindrucksvoll die Atmosphäre von Metro Exodus auch sein mag, stellt sich natürlich die Frage: Wie spielt sich denn der finale Teil der Reihe? Im Vergleich zu den Vorgängern hat sich kaum etwas verändert, euch erwartet eine wuchtige Mischung aus Stealth- und Shooter-Passagen, an denen vor allem Fans von Oldschool-Shootern wie Fallout: New Vegas oder Wolfenstein ihre wahre Freude haben werden. Dabei geht es jedoch deutlich gemächlicher zu als in vielen herkömmlichen FPS-Titeln. Stattdessen stehen cleveres Ressourcenmanagement und Survival-Elemente ganz oben auf der To-Do-Liste der Postapokalypse. Ein notwendiger Schritt, um euch in den offenen Arealen der Spielwelt etwas zu tun zu geben. Schade ist aber, dass die innovativen Bezahlsysteme aus den alten Titeln keinen Platz an Bord der Aurora finden. Ihr müsst also nicht mehr abwägen, ob ihr wertvolle Patronen einsetzt, um Verbesserungen freizuschalten oder Medipacks zu kaufen. Heißt jedoch nicht, dass nicht jede Kugel zählt.

Auf der Reise durch das ländliche Russland ist Munition natürlich mehr als begrenzt, also heißt es: Effizienz beweisen und Kopfschüsse verteilen oder wohlüberlegt an Gegnern vorbeischleichen. Zweiteres ist in Metro Exodus nicht immer eine Option, aber in den meisten Fällen lohnenswert, denn die einzige Belohnung für einen erlegten Mutanten besteht darin, weiteratmen zu dürfen. Ganz im Sinne des brutalen Metro-Realismus erhaltet ihr Munition lediglich aus versteckten Truhen oder von humanoiden Gegnern, die tatsächlich eine entsprechende Waffe bei sich tragen. Alternativ könnt ihr Kugeln nun aber auch selbst herstellen, vorausgesetzt, ihr verfügt über die notwendigen Materialien. In guter alter Survival-Manier durchsucht ihr also jeden Winkel nach Chemikalien oder Metallen, um mithilfe eures DIY-Allzweck-Rucksacks Medikits zu basteln, Granaten zu bauen oder Köder-Gegenstände anzufertigen.

Kein Shooter für APM-Junkies

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Schnell wird’s nur selten – Bildquelle: Koch Media/4A Games

Dieses neue Crafting-System ist auch bitter notwendig, denn die Umgebung nimmt nun maßgeblichen Einfluss auf eure Ausrüstung. Plantscht ihr zu lange in Pfützen herum oder müsst einen Sandsturm durchqueren, verdrecken Waffen und Atemmaske zwangsläufig und ihr müsst sie an überall auf der Karte verstreuten Werkbänken oder an Bord der Aurora wieder reinigen. Tut ihr dies nicht, kann es zu tödlichen Fehlfunktionen oder Ladehemmungen kommen – nichts, auf was wir in der Postapokalypse besonders scharf wären. Für mehr Spieltiefe sollen zahlreiche Upgrades für eure Waffen sorgen, die beispielsweise das Magazin aufstocken oder euch mit einem neuen Visier belohnen. Wirklich neu ist das nicht, aber eine nette Ergänzung zum spielerischen Durchschnitt, den Metro Exodus ansonsten liefert. Alleinstellungsmerkmal sind hier klar die behäbigen, aber dafür enorm wuchtigen Kämpfe gegen Mutanten oder degenerierte Menschen.

Wer also erwartet, brachial schnelle und zeitgemäße Shooter-Kost serviert zu bekommen, ist auch beim neuesten Metro-Teil an der falschen Adresse. Alles dreht sich darum, die blutrünstigen, extrem bedrohlich entworfenen Gegner auf Abstand zu halten und dabei möglichst wenig Kugeln zu verschwenden. Bereits ein saftiger Treffer kann auf den höheren Schwierigkeitsgraden tödlich enden, sodass ihr stets eure Position im Auge behalten müsst. Das Spiel lässt euch jederzeit spüren, dass ihr in einem verstärkten Anzug steckt, denn Serien-typisches Abwischen der verdreckten Atemmaske, Nachfüllen der Filter, um Strahlung zu vermeiden und umständliches Nachladen, das nicht automatisch vonstatten geht, gehören weiterhin zu den Kernelementen des Spiels und tragen merklich zur bedrückenden Atmosphäre bei. Neben diesen alten, wenn auch gewöhnungsbedürftigen Stärken hat es aber auch eine urtypische Schwäche der Reihe in den neuen Titel geschafft: Die dümmliche und inkonsequente KI.

Kurz, sperrig und trotzdem genial

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Metro atmet frische Luft – Bildquelle Koch Media/4A Games

Viele der Level sind deutlich offener gestaltet und lassen somit eine ganze Menge Spielraum für ausgedehntes Schleichen. Allerdings können wir noch so vorsichtig sein, zu seltenen Gelegenheiten erspähen uns die Gegner, obwohl sie uns hinter einer Wand eigentlich nicht sehen dürften. Andererseits können wir an manchen Handlangern offen vorbeispazieren, ohne dass sie auch nur die geringsten Anstalten machen, uns mit Kugeln einzudecken. Hier könnte 4A Games mit einem Content-Patch sicher noch einiges geradebügeln. Abseits davon machen die Kämpfe in Metro Exodus aber trotz oder gerade wegen der sperrigen Gameplay-Systeme, die uns jeden unserer Schritte überdenken lassen, richtig Laune. Besonders die zwei Sonderwaffen des Spiels, das pneumatische Gewehr Tikhar und die Armbrust Helsing, haben es uns angetan, denn sie nutzen die Limitierungen im Gameplay und geben uns ein Werkzeug an die Hand, mit dem wir trotz Ressourcenmangel effektiv spielen können. Die Munition für das Tihar können wir nämlich jederzeit billig herstellen, dafür müssen wir stets dafür sorgen, dass die Waffe mit genug Druckluft versorgt ist.

Einziger Wermutstropfen bleibt die recht kurze Spielzeit von Metro Exodus. In rund 20 Stunden seid ihr mit der atemberaubenden Reise quer durch das degenerierte Russland durch und wischt euch die letzte Träne aus dem Augenwinkel, ob der packenden Inszenierung, die zum großen Finale enorm an Fahrt aufnimmt und bei vielen für einen wehmütigen Abschied von der Reihe sorgen dürfte. Aber auch in dieser Hinsicht gibt es gute Neuigkeiten, denn abhängig davon wie ihr innerhalb eures Playthroughs agiert, verändern sich einige der Story-Elemente. Seid ihr beispielsweise als Pazifist unterwegs und schafft es, ungesehen an Zivilisten vorbeizuschleichen, die einer Gehirnwäsche unterzogen wurden, rechnen euch die Einheimischen das anschließend hoch an, was zu einer Vielzahl an differierenden Story-Strängen führen kann. Wie genau diese aussehen, konnten wir bis dato noch nicht herausfinden, diese Freude überlassen wir ganz euch und unserem nächsten Mal mit Metro Exodus.

Unglaublich dichte Atmosphäre
Liebenswerte, verschrobene Charaktere
Story mit emotionalem Tiefgang
Metro-Feeling trotz offener Spielwelt
Gelungenes Ressourcenmanagement und Crafting
Wuchtige Kämpfe im Stil der Reihe
Stimmige Lichteffekte - auch ohne Raytracing
4A Engine nicht ohne kleinere Schwächen
Behäbige Kämpfe nichts für jedermann
Schwache und inkonsequente KI
Recht kurze Spielzeit

Christian Böttcher

Auch mit dem vorerst letzten Teil der Reihe bleibt Metro so ungeschliffen, bedrückend und wuchtig wie früher. An Bord der Aurora schickt euch Metro Exodus quer durch das postapokalyptische Russland, auf der verzweifelten Suche nach einer neuen Heimat. Am beschlagenen Fenster zieht eine offene Spielwelt vorbei, die es schafft, alte Stärken mit neuem Leben zu füllen, ohne dass dabei der raue Kern des First-Person-Shooters verloren geht. So dicht wie die Rauchschwaden der Dampflok kommt auch die unbequem klaustrophobische Atmosphäre daher, während die Mitreisenden euch mit jeder verquatschten Minute mehr ans Herz wachsen. Schließlich mündet die fesselnde Reise, vorbei an geifernden Mutanten und degenerierten menschlichen Überbleibseln des atomaren Winters, in einer hochemotionalen Endstation, die dank optischer Glanzleistungen in ein atemberaubendes Licht getaucht wird. Eine atmosphärische Offenbarung, die spielerisch allerdings noch Luft nach oben hat.
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