Test: Moonlighter – Die Geschichte eines Ladenhüters

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Ihr seid der Betreiber des Moonlighter

Ihr kennt sicher H&M, New Yorker oder Louis Vuitton. Doch nirgendwo werdet ihr so schlecht behandelt und dreist über die Ladentheke gezogen wie im Moonlighter. So nennt sich das Geschäft, wo ein mutiger Händler im gleichnamigen Videospiel seine erbeutete Ware an den Mann bringt. Das Action-RPG mit Rogue-Lite-Elementen von Digital Sun verspricht ein nie dagewesenes Spielkonzept, das euch in der Nacht in knallharte Dungeons schickt, während ihr die dort gefundenen Schätze am Tag verhökert. Ob das auch langfristig Laune macht, erfahrt ihr in unserem Test.

Geschäftsmodell: Hauen und Handeln

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Gute Miene zum bösen Preis

Das kleine, verschlafene Dörfchen Rynoka ist ein friedlicher Ort, in dem die Welt noch in Ordnung ist. Zumindest, bis dort eine archäologische Expedition riesige Portale zum Vorschein bringt. Schnell stellt sich heraus: Die mysteriösen Tore führen in unbekannte Dimensionen voller verschachtelter Höhlen, steiniger Einöden und tropfnasser Oasen. Es dauert also nicht lang, bis die ersten Helden auf der Suche nach Reichtum und Ruhm in die Siedlung strömen, allesamt ein gieriges Glitzern in den Augen. Das bemerkt auch der Inhaber des Moonlighter, einem kleinen Krämerladen, der sich bisher nur schwerlich über Wasser halten konnte.

Geschäftsfuchs Will hat also die zündende Idee: Warum nicht den neuerlichen Ansturm nutzen, um den verzweifelten Schatzsuchern überteuerten Ramsch anzudrehen? Um einen stetigen Nachschub an wertlosen Gegenständen zu sichern, beschließt der ambitionierte Geschäftemacher, den Portalen in der Nacht selbst einen Besuch abzustatten. Zu seiner Überraschung warten dort jedoch nur klobige Golems auf ihn, die ihn erst einmal gehörig aus den Latschen hauen. Angefixt plant der frischgebackene Held und Händler, in der kommenden Nacht mit seinem verrosteten Schwert zurückzukehren, um es den leblosen Steinwesen zu zeigen. Es folgen viele Nächte, in denen er sich durch Dungeons prügelt und viele Tage geprägt von lukrativen Geschäften.

Rogue-Lite mit Verkaufsargument

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Ein Rogue-Lite mit Twist

Das Grundkonzept von Moonlighter ist innovativ, denn es lässt euch nicht nur in die Rolle des typischen Helden schlüpfen, sondern beleuchtet erstmals auch, was mit all den Schätzen geschieht, die der Abenteurer von seinen Reisen mitbringt. Mit dem schlichten Verhökern der Items beim nächsten NPC ist es schließlich nicht getan. Ihr selbst seid der Händler und müsst nicht nur entscheiden, welche Waren ihr der zahlenden Kundschaft anbietet, sondern auch, zu welchem Preis ihr diese versetzt. Dementsprechend stellt sich Moonlighter schnell als erfrischender Mix aus Action-RGP und Wirtschaftssimulation heraus. Damit ist es deutlich komplexer als viele andere Vertreter des Genre.

Obwohl die kaufmännischen Elemente ausgeprägter sind als bei anderen Indie-Perlen, steht im Zentrum von Moonlighter trotzdem ein klassisches Rogue-Lite. Das bedeutet, ihr kämpft euch mit Besen, Schwert, Bogen und Co. durch prozedural generierte Level, in denen ihr erst jeden Raum vom Monstergeschmeiß befreien müsst, bevor ihr den nächsten freischaltet. Stück für Stück dringt ihr somit in die tieferen Ebenen der Dungeons vor, wo euch deutlich mehr Gegner und der ein oder andere Bosskampf erwarten. Habt ihr diesen bezwungen, geht der ganze Spaß im nächsten Areal von vorne los. Bis ihr die vier verschiedenen Biome (Golem, Wald, Wüste, Tech) endgültig hinter euch lassen könnt und zur Endsequenz kommt, vergehen je nach Spielweise rund 20 bis 30 Stunden.

Mit vier Tasten zum Helden

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Kein Spiel ohne Schleim

Das Kampfsystem bleibt über den Verlauf des Spiels simpel und fordert euch trotzdem einiges an Geschicklichkeit ab. Mehr als vier Tasten braucht ihr allerdings nicht, um einen erfolgreichen Run zu absolvieren. Die Eingaben beschränken sich auf Schlagen, Blocken, Dashen und Tränke Schlucken. Das mag auf den ersten Blick recht eintönig wirken, funktioniert aufgrund der kniffligen Levelarchitektur mit todbringenden Abgründen, Steinen hinter denen ihr kurz Luft holen könnt und explosiven Umgebungsobjekten allerdings hervorragend. Schade nur, dass ihr mit der Waffe nicht in jede beliebige Richtung schlagen könnt, sondern auf die vier-direktionale Steuerung angewiesen seid, dank der sich die Kämpfe etwas hakelig spielen.

Bereiten euch die Golems im ersten Dungeon noch gehörige Schwierigkeiten, indem sie euch mit wenigen Schlägen über die Wupper schicken, stellt sich doch recht schnell Fortschritt ein, wenn ihr euch klug anstellt und alles einsammelt, was euch vor die Linse kommt. Zweige, Knochen, Kristalle, undefinierbarer Schleim: Alles findet Platz in eurem Rucksack, den ihr bis zum Platzen füllt. Habt ihr genug Gegenstände beisammen oder zu viel Angst vor dem nächsten Raum? Dann nutzt ein mystisches Amulett, das Will am Anfang seiner Reise erhält und ihr werdet ratzfatz zum Moonlighter zurückgeschickt – allerdings müsst ihr dafür einen kleinen Betrag zahlen. Dort angekommen, beginnt das große Feilschen mit den neu gewonnen Waren.

Frohe Kunde für frohe Kunden

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Die Registerkasse klingelt

Bevor ihr jedoch den Laden öffnet und die wartende Kundschaft bedient, werden die Items sortiert und eingeschätzt, denn nicht jedes Material ist dazu gedacht, über die Ladentheke zu gehen. Einige Items nutzt ihr stattdessen, um eure Waffen zu verbessern, Tränke zu brauen oder neue Baupläne freizuschalten. Die könnt ihr allerdings nur nutzen, wenn ihr zuvor ein wenig Liebe in euer Dorf gesteckt habt. Und mit Liebe meine ich Gold! Wenn ihr den Bürgermeister mit genügend Kohle unterstützt, halten schon bald Schmiede und Alchimisten Einzug in die kleine Siedlung. Auch euren Laden könnt ihr mit etwas Kleingeld aufpimpen. Mehr Verkaufsplätze, eine Dose für Trinkgeld oder Grabbeltische: Alles kein Problem, wenn der Rubel rollt.

Damit eure Einnahmen blitzschnell in die Höhe schießen, ist es wichtig zu verstehen, welche Waren ihr zu welchem Preis anbieten könnt. Hier hilft nur eins: Experimentieren. Platziert ihr einen Gegenstand auf dem Verkaufstisch, gibt euch die Kundschaft per Emoji direktes Feedback zu eurem festgelegten Preis. Erntet ihr ein zufriedenes Lächeln, könnt ihr euch sicher sein, die Ware auch in Zukunft zu diesem Preis anbieten zu können. Verlassen die Kunden weinend euren Laden, ist dies ein recht deutliches Zeichen dafür, dass ihr eure Preise senken solltet. Oder aber ihr habt ihnen Zwiebeln angedreht. Im praktischen Notizbuch haltet ihr die besten Preise fest und entwickelt im Laufe der Zeit einen ausgeprägten Geschäftssinn. Da es allerdings eine schier endlose Anzahl verschiedener Waren gibt, kann das Einschätzen schon mal zum Zeitfresser werden.

Beat, Sleep, Sell, Repeat

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Grinden bis zum Abwinken

Wenn ihr euch mit Moonlighter erst einmal eingegrooved habt, was durchaus einige Stunden dauern kann, lernt ihr den stückweisen Fortschritt des Spiels zu schätzen. Selbst wenn ihr in einem Dungeon draufgeht und den gesamten Inhalt des Rucksacks verliert, habt ihr immer das Gefühl, etwas gelernt zu haben, wenn ihr eine Minute später zurückkehrt. Allerdings ist der Mix aus Rogue-Lite und Shopping-RPG auch ein knallharter Grinder, der von euch verlangt, einmal abgeschlossene Dungeons immer und immer wieder zu durchqueren, selbst wenn ihr deren Gegnermassen mit einem Hieb ins Jenseits schickt. Auch der Weg zurück ins Spiel nach einer längeren Pause fällt dank überladener Verkaufsmechaniken recht schwer. Das Spiel ist also nichts für Zwischendurch, sondern lädt dazu ein, viele Stunden am Stück genossen zu werden.

Tolle Mischung aus Rogue-Lite und Wirtschaftssimulation
Gefühl des Fortschritts stellt sich schnell ein
Solide RPG-Elemente
Anspruchsvolle Kämpfe und Deals
Extrem nützliches Notizbuch <3
Nur vier-direktionale Kämpfe
Sehr zeitaufwändig
Spielabschnitte wiederholen sich
Lange Eingewöhnungsphase

Christian Böttcher

Mit Moonlighter fährt Digital Sun einen erfrischenden Ansatz, der folgende Frage in den Vordergrund rückt: Was passiert mit all den Schätzen, die wir auf unseren Abenteuern sammeln? Euch erwartet ein gelungener Mix aus Rogue-Lite und Wirtschaftssimulation, der vor allem Vielspieler ansprechen dürfte. Bis ihr euch mit dem Spiel eingegrooved habt, dauert es eine ganze Weile, dann belohnt euch das Spiel allerdings mit einem durchdachten Spagat aus kämpferischen und kaufmännischen Spielinhalten. Wer kein Problem mit exzessivem Grinding hat, kommt hier voll auf seine Kosten.
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