Test: Mutabo

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Ist das überhaupt ein Brettspiel? Diese Frage könnte man sich in der Tat stellen, wenn man Mutabo vom Verlag „Drei Hasen in der Abendsonne“ betrachtet. Ein Brett gibt es schon einmal nicht… und ein Spiel irgendwie auch nicht. Jedenfalls keins, das am Ende Gewinner und Verlierer hervorbringt. Immerhin gibt es aber eine Handvoll Karten, dazu einen DINA4-Block und ein paar Bleistifte. Ist Mutabo denn nun ein Spiel? Letztlich ist das doch vollkommen egal! Denn Spaß macht Mutabo auf jeden Fall.

Mein erster Kontakt mit Mutabo löste gleich einen Abwehrreflex bei mir aus. Ich soll malen? Um Himmels Willen, zeichnen kann ich doch so überhaupt nicht. „Genau das sind die besten Mutabo-Spieler.“ Mit diesen Worten überzeugte mich der nette Verlagsvertreter, es doch einmal zu versuchen.

26.244 inspirierende Geschichten

Bevor es wirklich ans Malen geht, zieht jeder Spieler zwei Karten, eine rote und eine grüne. Auf der roten Karte findet ihr sechs Satzanfänge, auf der grünen Karte befinden sich passend dazu die gleiche Zahl an Satzenden. Ihr sucht euch eine beliebige Kombination heraus und bildet so einen vollständigen Satz, der immer eine kleine Geschichte erzählt. Die Mini-Geschichten sind meistens etwas kurios und auch nicht immer sinnvoll. „Eine Giraffe mit Hirschgeweih trägt eine dicke Brille.“ So könnte einer der 26.244 möglichen Mutabo-Sätze lauten, die sich mit Hilfe der Karten zusammenstecken lassen.

Jetzt bekommt jeder Spieler noch Stift und Papier. Das Blatt ist weitgehend blank, beinhaltet aber einige Linien, die das Papier in verschieden große Abschnitte unterteilt. In das erste schmale Feld schreibt ihr zunächst den von euch zusammengesetzten Satz. Dann knickt ihr das Blatt, sodass der Text für die Mitspieler nicht mehr zu sehen ist. Anschließend gibt jeder Spieler sein Blatt an den nächsten Mitspieler weiter.

Stille Post meets Montagsmaler

Jetzt dürft ihr euch einmal kurz anschauen, welchen Satz euer Mitspieler auf das Papier gebracht hat. Dann wird endlich zum Zeichenstift gegriffen. Im nächsten Abschnitt des Blatts versucht ihr nun die kleine Geschichte als Zeichnung darzustellen. Wie gut euch die künstlerische Nacherzählung gelungen ist, wird dann auch direkt auf die Probe gestellt.

Denn nun werden die Blätter erneut an den nächsten Spieler weitergereicht. Guckt euch das frisch geschaffene Gemälde an und stellt die gezeigte Szene mit einem Satz im nächsten Feld des Papiers dar. Den Originalsatz im obersten Abschnitt könnt ihr dabei natürlich nicht einsehen. Ihr müsst euch also voll und ganz auf die Zeichenfertigkeiten eures Mitspielers verlassen.

Fertig? Dann kann es auch gleich weitergehen. Knickt das Blatt erneut, sodass nur noch euer zuletzt aufgeschriebene Satz zu lesen ist. Einmal mehr werden die Blätter weitergegeben. Es ist Zeit für ein weiteres Kunstwerk. Wieder versucht ihr nun den gezeigten Satz in einem Bild festzuhalten. Aller Voraussicht nach wird sich nun zunehmend ein Verfremdungseffekt einstellen.

Somit erinnert Mutabo ein wenig an Stille Post. Am Ende der Runde ist die originale Aussage durch so viele Ohren gewandert, dass eine völlig andere Wortfolge entstanden ist. Ähnlich geht es auch bei Mutabo zu. Hier werden stattdessen jedoch Bilder immer wieder neu interpretiert und beschrieben. Zum Schluss könnt ihr euch dann noch gemeinsam betrachten, welchen seltsamen Weg die kleine Geschichte genommen hat. Es ist ziemlich witzig zu sehen, wie die kleinen Kunstwerke von den unterschiedlichen Spielern ausgelegt wurden. Gerade die etwas weniger talentierten Zeichner tragen ihren guten Teil dazu bei, Mutabo zu beleben. Dank ihres ungewöhnlichen Zeichenstils kann sich die Geschichte schnell deutlich verwandeln. Das sorgt beim späteren Durchsehen der Blätter für besonders viele Lacher.

Mutabo ist ein kreatives Erlebnis für drei bis sechs Spieler ab zehn Jahren. Für einen Durchgang braucht ihr etwa eine halbe Stunde. Das Spiel kostet knapp 20€.

sorgt für Kreativität
auch für untalentierte Zeichner geeignet
wirkt entspannend
Kartenauswahl hätte größer sein können

Sebastian Hamers

Normalerweise hätte ich um ein Spiel wie Mutabo sicherlich einen weiten Bogen gemacht. Malen und Zeichnen? Nicht mit mir! Mittlerweile muss ich mir aber doch eingestehen, dass mir Mutabo richtig viel Spaß macht. Das Spiel setzt mich nicht unter Druck und erwartet ein vorzeigbares Ergebnis von mir. Sogar mit - oder vielleicht sogar gerade wegen - meiner geringen zeichnerischen Begabung, kann ich meinen Beitrag zum Spielspaß leisten. Mir macht es große Freude zu sehen, wie sich die ursprüngliche Geschichte weiterentwickelt. Ziemlich lustig und absurd sind auch schon die Sätze, die ihr mit Hilfe der Karten zusammensetzen könnt. Mit etwas Kreativität könnt ihr euch natürlich auch selbst zusätzliche Karten basteln. Die Erweiterungsmöglichkeiten sind riesig. Mutabo hat mich als bekennender Kunst-Banause positiv überrascht und hat mich tatsächlich dazu animiert, freiwillig (!), einen Zeichenstift in die Hand zu nehmen.
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