Test: My Hero One’s Justice

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Alle paar Jahre tritt in Japan einer der typischen und beliebten Endlos-Animes zum Vorschein, die dabei in der Regel komplett unterschiedliche Thematiken behandeln. In der Vergangenheit hatten wir es hier mit Ninjas in Naruto, mit Piraten in One Piece, mit Kampfsportlern in Dragon Ball und mit Soul Reapern in Bleach zu tun. Mit My Hero Academia, auch bekannt unter dem Namen Boku No Hero Academia, geht es nun um Superhelden und -schurken. Und genau wie die damaligen Franchises, bekommen Fans es auch hier wieder mit Videospielumsetzungen zu tun. Im Rampenlicht steht dieses Mal das Beat’em Up: My Hero One’s Justice.

Darum geht’s bei dem Superhelden-Epos

Die Geschichte des Animes versetzt uns in eine Welt, in der Superhelden tatsächlich existieren. Streng genommen ist dies nichts sonderlich einzigartiges, denn ein großer Teil der Menschen werden hier mit sogenannten Quirks geboren. Diese verleihen den Menschen die unterschiedlichsten und stellenweise merkwürdigsten Fähigkeiten. Superstärke? Check! Gravitation beeinflussen? Natürlich mit dabei! Laserstrahlen aus dem Bauchnabel verschießen? Jep, auch sowas gibt es!

Doch wie es bei Superfähigkeiten nun mal so ist, so sind diese nicht unbedingt bei allen Menschen gut aufgehoben. Etliche nutzen diese für ihre eigenen Vorteile, weshalb Helden nur umso wichtiger in der Gesellschaft sind. Auch unser Protagonist Izuku „Deku“ Midoriya strebt das Heldentum an, doch besitzt er selbst keinen Quirk. Genau dies ändert sich, als sein Vorbild All Might – und zudem das Symbol für Frieden und Gerechtigkeit –  ihm seine Kräfte vermacht. Zusammen an der U.A. Academy muss er allerdings erst einmal zum Helden ausgebildet werden und vor allem seine ungezähmten neuen Kräfte beherrschen lernen.

Warum wir euch die Story des Animes so explizit erzählen, fragt ihr euch? Dies liegt daran, dass My Hero One’s Justice quasi mitten in der Story des Geschehens ansetzt. Und zwar an der Stelle, an der Deku All Mights früheren Lehrer Gran Torino kennenlernt. Ergo finden wir uns mitten in der zweiten Anime Season wieder, was den Einstieg etwas erschwert und gerade für Einsteiger für ordentliche Konfusion sorgen dürfte.

Ab ins Gefecht

My Hero One’s Justice steht für eines: Geballte und actionreiche Beat’em Up-Duelle. Dabei kommt das Game sehr einem Ableger der Ultimate Ninja Storm-Serie nahe, die im Naruto-Universum angesiedelt ist. So finden wir uns hier in großen 3D-Arenen wieder, in denen wir gegen unsere Kontrahenten antreten und im freien Lauf Attacken ausweichen oder durchführen können. Durch zahlreiche Kombo-Möglichkeiten können wir auch die Quirks unserer verschiedenen Helden oder Schurken, je nach dem für wen wir uns im Kampf entscheiden, voll ausnutzen.

Die Charaktere in My Hero One’s Justice spielen sich, wie man sie auch schon aus dem Anime und Manga kennt, sehr unterschiedlich. Dieses gewisse asynchrone Kampfverhalten kommt sehr angenehm daher und sorgt auch für ordentliche Abwechslung. Weniger positiv hingegen ist, dass gewisse Attacken unglaublich präzises Timing benötigen. Im Tutorial hingen wir so 15 geschlagene Minuten fest, da zwei verschiedene Attacken einfach nicht aktiviert werden wollten.

Besonders eindrucksvoll kommen zudem bestimmte Momente daher, bei denen es sich wirklich anfühlt, als hätten wir Superkräfte. Hier können wir sogar für kurze Zeit den Gesetzen der Physik trotzen und an den Wänden entlanglaufen sowie Gegnern hier ordentlich einheizen. Eine Super-Anzeige, die sich langsam im Verlauf eines Kampfes füllt, ermöglicht es uns auch, verschiedene „Plus Ultra“-Angriffe auszuüben, die in der Regel in zwei Varianten daherkommen. Einsteigern wird zudem ein automatischer Modus angeboten, wodurch Kombos sich einfacher ausführen lassen. Der manuelle Modus hingegen richtet sich an Fortgeschrittene, die die Vorteile von Unterbrechungen und anderen Features nutzen möchten.

Rechtschaffend gut und doch chaotisch böse

Während die Kämpfe sehr spektakulär ausfallen, so fehlt es My Hero One’s Justice im Endeffekt stellenweise am nötigen Feinschliff, um sich als herausragend gutes Beat’em Up zu präsentieren. Die Sprungeinlagen sorgen für ein etwas chaotisches Kampfgefühl und auch gibt es zu wenige Möglichkeiten, sich aus einer Kombo zu befreien.  Bei Naruto wurde dies mit den Replacement-Jutsus erfreulich gut gelöst, wohingegen in My Hero One’s Justice ein Kombo schon einem „stun-lock“ gleichkommt. Könnt ihr euren Gegner im Dauerangriff festhalten, so gewinnt ihr vermutlich auch.

Optisch ist My Hero One’s Justice auch ein zweischneidiges Schwert. Während gerade die Charaktere stellenweise sehr pixlig im Cell-Shading-Look daherkommen, so ist die Gesamtpräsentation doch sehr eindrucksvoll. Besonders die Zerstörungen, die durch die Kämpfe in den einzelnen Leveln angerichtet werden, sind eine Augenweide. Zugegeben sind diese in der Regel eher kosmetischer Art, aber dennoch sind sie sehr sehenswert und vermitteln, wie viel Energie in den unterschiedlichen Attacken unserer Helden und Schurken steckt.

Zerstörbare Level
Wunderbar inszenierte Charaktere
Schnelle und rasante Action
Großes Maß an Individualisierung
Charakter-Auswahl auf 20 Kämpfer limitiert
Kombos können Todesfallen sein
Story beginnt mitten in der zweiten Anime-Season

Daniel Meyer

My Hero One’s Justice richtet sich an erster Linie an Fans. Dies beginnt bereits damit, dass man mitten in die bisherige Geschichte der Serie hineingeworfen wird. Aber auch Neueinsteiger können ohne Wissen um die eigentliche Story schnell beste Unterhaltung genießen. Gerade für Fights auf der heimischen Couch ist der Titel perfekt geeignet. Zudem gibt es zahllose Möglichkeiten, die eigenen Helden zu individualisieren und sie mit Items auszustatten, sodass man sich in Online-Fights perfekt präsentieren kann. Etwas schade ist jedoch, dass das Aufgebot von 20 Charakteren relativ übersichtlich ausfällt. Wer die Serie kennt weiß, dass hier noch deutlich mehr Potential bestand. Ebenso ist die Tiefe und das Balancing der Kämpfe zu bemängeln. Dies fällt beim ersten Blick kaum auf, doch gerade für anspruchsvolle Fights fehlt es hier am Feinschliff. Damit ist My Hero One’s Justice ein sehr solides Beat’em Up, aus dem man aber auch noch deutlich mehr hätte machen können.
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