Test: Natural Doctrine

test natural doctrine wallpaperEs gibt viele Spiele da draußen, aber nur wenige befinden sich unter diesen, die dem Spieler wirklich alles abverlangen. In den frühen Nintendo Zeiten gab es zahlreiche solcher Spiele, wozu unter anderem die Mega Man Games auf dem NES und GameBoy gehörten. Zugegeben, der enorme Schwierigkeitsgrad war hier meist einfach nur ein Mittel um über die ansonsten kurze Spielzeit hinwegzutäuschen. Heute hingegen stehen uns Datenträger mit immens größeren Kapazitäten zur Verfügung und Spiele wie das Dark Souls Franchise haben uns gezeigt, das frustrierend schwere Spiele durchaus Ihre Daseinsberechtigung besitzen. Der erste völlig unabhängig entwickelte Titel aus dem Hause Kadokawa Games trägt den Namen Natural Doctrine und auch hier verspricht man uns knallharte Action und enorm fordernde Kämpfe – Grund genug für uns herauszufinden was sich tatsächlich dahinter verbirgt.

Mit Natural Doctrine bekommen wir es mit einem rundenbasierten Strategie jRPG zu tun, welches sich am besten als Mischung aus einem Fire Emblem, einem Valkyria Chronicles und einem Grandia 2 beschreiben lässt. Eigentlich sollte diese Mischung für Hochkarätigkeit stehen, aber leider hat der Entwickler nicht die notwendige Finesse bei der Entwicklung des Spiels walten lassen um die herausstechensten Eigenschaften der genannten Spiele in Natural Doctrine einfließen zu lassen. Stattdessen bekommt es der Spieler mit einer halbgaren Story, Klischee behafteten Charakteren, einer veralteten grafischen Präsentation und endlosen unfairen Kämpfen zu tun.

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Tod und Verfall

Die Schlachtfelder in Natural Doctrine sind in mehrere rechteckige Bereiche unterteilt. In jedem dieser Areale können bis zu vier Charaktere Platz finden. Die Positionierung dieser spielt zudem eine übergeordnete Rolle. So können Fernkämpfer Ziele in zwei Zonen Entfernung angreifen, aber gleichzeitig gilt es diese auch gegen feindliche Angriffe zu schützen, indem man einen Verteidiger mit seinem Schild in den Weg stellt. Auch die Umgebung kann genutzt werden taktische Vorteile zu erlangen und um Deckung zu finden. Das größte Problem an Natural Doctrine ist jedoch das folgende: Wenn auch nur einer eurer Charaktere stirbt, dann bedeutet dies das Game Over und ihr müsst einen Speicherstand laden oder ab einem Checkpoint erneut starten – und dies passiert leider viel zu oft.

Der Grund warum eure Helden die Radieschen so oft von unten begutachten dürfen,  liegt an dem äußerst komplexen „Initiative System“ von Natural Doctrine. Am oberen Bildschirmrand wird so eine Reihe an Symbolen angezeigt, die euch verdeutlichen, wann welcher Charakter am Zug ist, sprich die Initiative besitzt. Das große Problem liegt allerdings an den Verlinkungen, die ihr mit anderen Charakteren eingehen könnt. Denn nicht nur ihr könnt dies, sondern auch eure Gegner, die meist mit vier zu eins in der Überzahl sind. Angenommen euer Gegner hat eine Figur, die vor euch am Zug ist. Dann kann diese Figur nahezu alle anderen Einheiten mit in den Kampf einbeziehen –  statt einem Gegner greifen euch dann plötzlich zehn Stück an.

Verlinkungen stellen  unterschiedliche Bedingungen voraus, die es zu erfüllen gilt. Zum Beispiel müssen andere Mitstreiter in derselben Zone wie eurer Nahkämpfer sein, der mit der Standard-Attacke angreift. Wird dies erfüllt, dann dürfen alle in dieser Zone in diesem Zug ebenfalls mit angreifen. Entsteht eine solche Verlinkungen gesellt sich zudem noch eine Verbindungslinie im Spiel hinzu, die nicht nur den Link selbst anzeigt, sondern auch zusätzliche Boni auflistet. Je weiter entfernt eure verlinkten Charaktere voneinander stehen, je stärker sind diese Vorzüge, die sich unter anderen in erhöhter Angriffskraft oder einer Veränderung der Crit-Chance äußert. Bedenkt man nun, dass auch der Gegner über diese Verlinkungen verfügt und in der Regel diese Mechanik weitaus besser beherrscht als der Spieler, ist das Ableben eines eigenen Charakters nicht mehr fern.NAtURAL DOCtRINE_20140715143257

Trial & Error

Ein großer Schwachpunkt von Natural Doctrine ist das unfair gestaltete System. So könnt ihr euch in einen Dungeon begeben, aber erst nach vielleicht fünf Versuchen ist es möglich diesen auch relativ unbeschadet wieder zu verlassen. Statt durch Vorsicht und taktischen Vorgehen das Spiel zu meistern, wird man selbst auf dem geringsten der vier Schwierigkeitsgrade dazu verdammt jede Gegnerhorde auszutesten, oftmals dabei zu sterben und durch die gesammelten Erfahrungen einen neuen Plan zu schmieden. Es stellt sich also nicht direkt die Frage ob man einen Dungeon schafft sondern wie viele Versuche es dauert.

Intensiviert werden diese frustrierenden Geschehnisse nur noch durch kleinere, geskriptete Events. Bestes Beispiel ist der erste Dungeon im Spiel, in dem ihr auf eine Zelle mit einem größeren Monster drin stoßt. Nach Öffnen dieser wird die eigene Gruppe direkt angegriffen. Doch anstelle sich verteidigen zu können, wird man von dieser Kreatur fast mit einem einzigen Treffer hingerichtet, wohingegen die eigene Truppe rund 15 Züge brauchen würde. Also gilt es in mehren Spielstunden nochmal mit einer erfahreneren Truppe zurückzukehren um dem Monster den Gar auszumachen. Dererlei unintuitive Elemente lassen sich immer wieder im Spiel finden, wie bspw. plötzliche und unerwartete Spawns von Gegnern, die einem nach Stundenlangen taktischen Vorgehen überraschen & oftmals töten. Somit ist die bis dahin investierte Zeit wieder zu nichte gemacht. Das Ergebnis: Ein fluchender Spieler und fliegende Gamepads.NAtURAL DOCtRINE_20140715134720

Das Levelsystem

In Natural Doctrine besitzt jeder eurer Charakter einen eigenen eigenen Skilltree. Mit jedem neuen erlangten Level erhaltet ihr einen Skillpunkt, den ihr in neue Fähigkeiten und Bonus-Attribute investieren könnt. Eine Besonderheit ist die Möglichkeit die Punkte jederzeit zurücksetzen zu können, was euch eine neue taktische Ausrichtung ermöglicht. Allerdings fällt der Fähigkeitsbaum auch relativ spartanisch aus. Wir hätten uns hier einen wesentlich komplexeren Aufbau und vor allem mehr und spektakulärere Fähigkeiten gewünscht, insbesondere im Bereich Magie.

+ Immense taktische Möglichkeiten
+ Skillpunkte jederzeit neu verteilbar
+ Interessantes Link-System
- Frustrierend schwer
- Initiativ-System schwer zu beherschen
- Unfaire und unintuitive geskriptete Events
- Einfallslose Story
- Klischeehafte Charaktere
- Grafisch veraltet

Daniel M.

Als Hardcore Gamer liebe ich es Herausforderungen anzugehen, mich den Problemen mit Überlegtheit und Vorsicht zu stellen. Der unmittelbare Tod ist für mich nur ein umso größerer Anreiz, aber leider hat es Kadokawa Games mit Natural Doctrine hier ein wenig übertrieben. Nicht nur das man von der Anzahl der Kämpfer stets massiv unterlegen ist, auch scheint die K.I. das komplexe Kampfsystem zu jedem Zeitpunkt besser zu beherrschen als man selbst – und das selbst auf der niedrigsten Schwierigkeitsstufe. Hinzu gesellen sich zahlreiche geskriptete Ereignisse, die nicht dem Stand der heutigen Zeit entsprechen und einem nach stundenlangen vorsichtigen meistern eines Dungeons den Spieler unmittelbar sofort wieder ins Jenseits schickt, ohne dass man auch nur die geringste Chance hat. Es ist sehr bedauerlich, dass Kadokawa Games die Gelegenheit nicht genutzt hat ein wirklich großartiges und vor allem angemessen balanciertes Spiel zu erschaffen.
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