Test: New Super Mario Bros U Deluxe

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Im Test: New Super Mario Bros U Deluxe!
Bildquelle: Nintendo

Super Mario ist ein gutes Spiel. Immer. Wehe dem, der was anderes sagt. Und tatsächlich fällt es schwer, auf ein Mario-Spiel aus der Hauptreihe zu kommen, das nicht in irgendeiner Weise gut ist. Natürlich gibt es dabei für jeden einen Favoriten. Der eine mag die 2D-Spiele lieber, der andere hält dafür die 3D-Spiele wie Galaxy oder Sunshine mehr in seinem Herzen.

Und natürlich gibt es für jeden ein schwarzes Schaf in der Riege, das einem weniger Spaß macht als die anderen. Aber ein Super Mario-Spiel zu hassen, fällt einem Jump ’n Run-Fan meistens äußerst schwer.

Auch New Super Mario Bros U Deluxe ist ein gutes Spiel. Doch das war es auch schon in seiner Urfassung von 2012 und irgendwie kommen wir nicht umhin, einige Ermüdungserscheinungen im Design der „New“-Reihe zu verspüren.

Ports royale!

Ihr werdet es wohl schon bemerkt haben, U Deluxe (So nennen wir es jetzt der Einfachheit halber) ist abermals ein neuer Wii U-Port für die Switch. Das scheint bei Nintendo derzeit ziemlich im Trend zu liegen, denken wir nur mal zurück an Mario Kart 8 Deluxe, DKC: Tropical Freeze oder Captain Toad. Vermutlich möchte Nintendo damit den guten Spielen seines unbeliebten Wii-Nachfolgers eine neue Möglichkeit für das Rampenlicht geben. Nur zu gut verständlich, schließlich hat sich die Switch jetzt schon doppelt so oft verkauft als die Wii U es in ihrem Lebenszyklus geschafft hat.

Damit ist das U in New Super Mario Bros U Deluxe schon einmal abgedeckt, aber was macht es denn so deluxe? Nun, tatsächlich beinhaltet das Spiel nicht nur den Port seines Vorbilds, mit im Paket enthalten ist auch New Super Luigi U, dass auf der Wii U noch als DLC zu erstehen war. Damit bekommt das Spiel noch eine kleine Contentspritze, die die 60€ Kaufpreis für das Spiel etwas nachvollziehbarer macht. Jedenfalls dürftet ihr mit der normalen Kampagne, Super Luigi U und den drei Herausforderungsmodi mehr als lang genug beschäftigt sein. Und eine ganze Menge Spaß werdet ihr dabei mit Sicherheit auch finden.

Gameplay: gewohnt gut gelungen

Das Jump ’n Run-Gameplay von Super Mario ist einfach so gut wie eh und je. Auf Goombas, Koopas und Hammerbrüder zu springen ist so befriedigend wie eh und je. Noch dazu sind die Power Ups spaßig einzusetzen. Besonders wenn ihr aber versucht, ein Level ohne Stopp mit nahtlos aneinandergereihten Sprüngen durchzuspielen, glänzt das Spiel mit einem unglaublich flüssigen Spielgefühl. Hier macht sich der typische Nintendo-Polish bemerkbar, der das Gameplay in ihren First Party-Spielen seit jeher so gut macht.

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Bildquelle: Nintendo

Dabei ist U Deluxe allerdings keineswegs ein einfaches Spiel. Auch wenn wir kaum einmal ein Game Over erleiden mussten, hat der eine oder andere Level uns so einiges an Leben gekostet. Auch ist das Zeitlimit pro Level etwas knackiger geworden und verlangte so manches Mal, dass wir unsere Entdeckungstouren vorzeitig beenden mussten. Dass wir den Game Over-Bildschirm kaum zu sehen bekamen lag aber vor allem an der sehr liberalen Verteilung von 1-Ups. Es kann schon einmal vorkommen, dass ihr in einem einzigen Level 8 Extraleben einheimsen könnt. Auch die Bossgegner der Schlösser sind im Kontrast zum übrigen Spiel äußerst einfach, vor allem weil sich U Deluxe immer noch nicht vom altbackenen „3 Treffer“-Prinzip löst.

Um neueren Spielern das Leben in U Deluxe ein wenig leichter zu machen, ist erstmals Toadette als spielbarer Charakter mit von der Partie. Toadette ist extra für Anfänger designt, so hat sie ein einfacheres Moveset als andere Charaktere und verdient schneller 1-Ups. Außerdem kommt mit ihr die Krone als neues Power-Up ins Spiel, die aus Toadette fix eine Bowsette Peachette macht. Mit diesem Power-Up habt ihr dann das gleiche Moveset, das ihr auch schon als Peach in früheren Teilen der „New“-Reihe hattet.

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Bildquelle: Nintendo

Zuletzt sorgt die schiere Menge an Levels unweigerlich für einige Abwechslung im Gameplay. Das Spiel ist dermaßen vollgepfropft mit Levelelementen, dass es in wirklich fast jedem Level ein neues Gimmick zu meistern gibt. Lakitus, Bob-Ombs, übergroße und winzig kleine Levelarchitektur, Wasserdrachen, die euch konstant verfolgen, das sind nur ein paar der zahlreichen Hindernisse. Zusätzlich sorgen die Luigi-Level für eine knackige Herausforderung für die unter euch, die das Gameplay schon im Blut haben.

Mario, wir gehen im Kreis herum!

Eben im Leveldesign ist es aber auch, dass sich einer der Schwachpunkte von U Deluxe verbirgt. So viel Spaß das durchschreiten der Welt auch macht, wir werden das Gefühl nicht los, alles schon gesehen zu haben. Bei einer über 30 Jahre lang laufenden Spielereihe ist das irgendwann unausweichlich.  Wir kamen aber nicht umhin, wieder und wieder recycelte Elemente aus früheren 2D-Marios zu entdecken. Seien es die schrumpfenden Plattformen, die Riesenlevel oder die Spukhäuser, alles altbekannt. Überraschungen sind eher die Ausnahme.

Erschwerend hinzu kommt, dass die „New“-Reihe seit inzwischen über 10 Jahren im immer gleichen Look daherkommt. Jetzt ist vielleicht alles HD und schön glattpoliert, aber viel getraut hat sich U (Deluxe) nicht. Einzig und allein ein wunderschöner Level, der an Van Goghs Sternennacht erinnert, hebt sich in seiner Ästhetik vom Rest ab.

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Bildquelle: Nintendo

Auch die Welten sind abermals gleich thematisiert wie üblich. Es gibt eine Wiesenwelt, eine Wüstenwelt, eine Schneewelt, eine Wasserwelt und so weiter etc. pp. Man mag es sich kaum eingestehen, aber diese Weltenaufteilung nach Schema F ist im Jahr 2019 nicht mehr gerade zeitgemäß. Was fehlt, ist die völlig ungebremste Kreativität, die beispielsweise Mario Odyssey oder  Super Mario Bros 3 so einzigartig machen.

Auch die Musik ist irgendwie nicht mehr so eingängig, wie sie mal war. Sie tut immer noch ihren Zweck, die Levelatmosphäre einzufangen und zu verdeutlichen. Wenn wir aber an frühere Teile des Franchise zurückdenken, springen sofort wesentlich ikonischere und weniger monotone Melodien zurück ins Gewissen. Unterhaltsamer wird die sonst recht unspektakuläre Musik aber mit einem Mini-Yoshi in den Händen. Dieses fängt an, in Harmonie über die übrige Levelmelodie zu quaken und das ist dermaßen niedlich und sorgt für so viel mehr Charme, dass die Musik sich ohne direkt ein wenig leer anfühlt.

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Bildquelle: Nintendo

Besser mit Freunden

Was  New Super Mario Bros U Deluxe aber im Vergleich mit anderen Platformern immer noch spielenswert macht, ist der Multiplayermodus. Hier könnt ihr mit bis zu vier Spielern gleichzeitig umherhüpfen und das macht  gerade durch das dabei ausbrechende Chaos einen riesigen Spaß. Besonders wenn man einen Mitspieler „versehentlich“ in einen Lavapool schmeißt, kommt schnell schallendes Gelächter auf, während man sich an anderer Stelle durch Teamwork eine Sternmünze ergaunert und ein waschechtes Erfolgsgefühl erlebt.

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Bildquelle: Nintendo

Genau in solchen Momenten ist New Super Mario Bros U Deluxe das familienfreundliche Jump’n Run, das seit jeher zur Königsklasse des Genres gehört.

Enthält sowohl das Grundspiel als auch New Super Luigi U
Gameplay ist so knackig wie eh und je
Große Levelauswahl mit viel Variation
Macht besonders im Mehrspielermodus Spaß
Die meisten Ideen sind bereits aus früheren Mario-Spielen bekannt
Optik der New Super Mario Bros-Reihe hat sich seit über 10 Jahren kaum verändert
Musik wird schnell monoton
Kaum zusätzliche Inhalte

Joost Rademacher

So viel Spaß New Super Mario Bros U Deluxe auch macht, irgendwie hinterlässt es einen faden Nachgeschmack. Auch wenn es technisch wenig am Spiel auszusetzen gibt und die Portabilität der Switch wie immer ein massiver Pluspunkt für das Spiel ist, es fühlt sich ein wenig abgenutzt an. Zu schematisch ist das Gameplay, zu altbekannt ist häufig das Leveldesign und zu wenig Neuerungen bringt dieser Port. Wer es seinerzeit auf der WiiU verpasst hat oder einen spaßigen Jump 'n Run-Abend mit Freunden verbringen möchte, ist hier sicherlich bestens bedient. Auf wen das aber nicht zutrifft, der wird für einen schmaleren Preis im Nintendo Store mindestens genau so gute, wenn nicht bessere Plattformer von Indie-Entwicklern finden. Vielleicht wird es Zeit, dass Nintendo ihr 2D-Mario-Konzept überarbeiten, so wie sie es für die 3D-Spiele schon mit Odyssey geschafft haben.
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