Test: No Man’s Sky

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In letzter Zeit haben nur wenige Spiele noch während der Entwicklung einen derartigen Hype ausgelöst wie „No Man’s Sky“. Der ein oder andere erinnert sich vielleicht noch an die Morddrohungen, die auf Hello Games-Gründer Sean Murray niedergeprasselt sind, als er schweren Herzens eine Verschiebung des Release-Termins ankündigte. Da hat es einen doch ein bisschen gegruselt. Aber Hype hin oder her. Jetzt ist das Spiel da und natürlich haben wir direkt einmal die PS4 angeworfen, um unsere ganz eigenen Erfahrungen mit der unendlichen Weite des Universums zu machen. Mittlerweile haben wir mehrere Stunden auf unserem Entdecker-Buckel angesammelt, weshalb wir euch von unseren Erfahrung erzählen wollen.

Ein kleines Team mit großen Träumen

„Ich bin im australischen Outback aufgewachsen, und meine stärkste Erinnerung ist der überwältigende Anblick der Sterne bei Nacht. Ich habe viel Science-Fiction gelesen und mir gewünscht, in diese Welten reisen zu können. Wenn es unser Spiel schafft, dass ein paar Leute einen Augenblick lang glauben, dass sie in einem Science-Fiction-Roman gelandet sind, oder über die Größe unseres Universums nachdenken… dann macht mich das glücklich.“

Das Vorwort unseres Pressehefts ist nervös, man kann sich glatt vorstellen wie Sean händeringend neben einem sitzt und auf unsere Reaktion wartet. „Mir ist gerade beim Schreiben ein bisschen schlecht“, steht da und man muss sagen – es ist irgendwie ziemlich sympathisch! Und zeigt wie wichtig dieses Spiel ihm und auch dem Team hinter „No Man’s Sky“ ist. Es ist auf jeden Fall das größte und auch ehrgeizigste Spiel, dass Hello Games bisher rausgebracht hat, denn es soll dem Spieler das ermöglichen, wovon Sean schon seit Kindertagen träumt: das Erkunden weit entfernter Sterne und ihrer unentdeckten Welten.No Man's Sky Neues Video erklärt die Generierung der Spielwelt

Your Universe Awaits

Was das Team erreichen wollte ist jetzt klar, aber einige von euch fragen sich vielleicht noch, wie genau das denn bitte funktionieren soll? Ganz „einfach“: mithilfe eines Algorithmus. Das Universum von „No Man’s Sky“ beruht auf den Berechnungen einer einzigen, vorher festgelegten Anzahl. Die nutzt der Algorithmus um den Teil des Universums zu generieren, in dem ihr euch befindet. Er legt fest, wie Flora und Fauna in eurem Gebiet aussehen oder ob sie überhaupt vorhanden sind. So kann der eine Planet geradezu idyllisch sein und der nächste so feindlich, dass man mit dem Raumschiff lieber direkt wieder kehrtmacht.

Das wirklich Aufregende ist, dass jeder Spieler, der nach euch diesen Planeten betritt, genau das zu sehen bekommt, was ihr dort gesehen habt. Der Algorithmus merkt sich, was er da generiert hat und speichert dieses Ergebnis nicht nur für eure eigenen zukünftigen Sessions ab, sondern auch für alle anderen Spieler, die sich im Universum von „No Man’s Sky“ herumtreiben. Da werden die Augen eigentlich fast schon automatisch groß vor Staunen und einem entschlüpfen am laufenden Band die „oohs“ und „aaahs“.

Weder die Entwickler noch die Spieler haben einen Einfluss darauf, was der Algorithmus erschafft. Bei über 18.446.744.073.709.551.616 (18 Trillionen. Trillionen.) möglichen Planeten wäre das auch schwierig zu kontrollieren. Ist aber auch nicht Sinn der Sache und stört beim Spielen überhaupt nicht. Das Design-Team von Hello Games hat nur darauf geachtet, dass das Programm sich an gewisse Regeln hält, damit alles schön ästhetisch bleibt. So bekommen zum Beispiel die Pflanzen und Tiere einer Welt auch Farben verpasst, die ein optisch angenehmes Gesamtbild erschaffen. no-mans-sky-bild-2

Auch wenn wir also keinen Einfluss darauf haben, in was für eine Welt es uns verschlägt, können wir uns immerhin aussuchen, wie wir uns ins Zentrum der Galaxie vorarbeiten. Kämpfer, Entdecker, Händler. Wählt einfach den Spielstil, der am besten zu euch passt oder wechselt frei hin und her. Es gibt keine Charakterklassen, die bestimmen was ihr könnt und was nicht. Behauptet euch als Pirat in Weltraumkämpfen oder werdet reich durch geschicktes Verhandeln.

Die Qual der Namenswahl

Wer jetzt also mit der Erkundung des Universums loslegt, der kann seine Entdeckungen hochladen und so mit anderen Spielern teilen. Das geht vom System in dem ihr startet, über einzelne Planeten und Monde bis hin zu den Lebewesen und Steinen, die ihr auf den jeweiligen Planeten findet. Natürlich kann man sich mit dem vorgegebenen Namen einer Pflanze abfinden. Ihr könnt aber auch kreativ werden und selbst Namen vergeben. Bei der Vielzahl an Entdeckungen, die man binnen kürzester Zeit macht, gestaltet sich das irgendwann ein bisschen schwierig, stellenweise arbeitsreich und auch langweilig. Und dann heißt ein Planet halt einfach mal Ananas8. Für immer.

Fürs Hochladen bekommt ihr übrigens auch Geld, also geizt nicht mit euren Entdeckungen und analysiert so schnell wie sich euer Umgebungsscanner aufladen kann. Uns hat das auf jeden Fall die ersten paar Stunden des Abenteuers finanziert.

Erste Eindrücke-No Man's Sky03Der ewige K(r)ampf um Inventarplätze

Und wo wir grad beim Geld sind: das ist in diesem Spiel gar nicht mal so unwichtig. Denn wer keine Units hat, kann weder seinen Exo-Anzug ausbauen, noch ein größeres Raumschiff in die Finger bekommen (es sei denn man klaut es jemandem oder findet zufälligerweise ein Wrack, das sich reparieren lässt). Wer also zur Spielerkategorie „Notorische-Alles-Einsammler“ gehört, dem geht leider ziemlich schnell der Stauraum aus. Gerade am Anfang recht ärgerlich, wenn man noch nicht abschätzen kann, welche Funde wertvoll oder wichtig sind und einen Platz im beengten Inventar verdient haben.

Eine eurer Top-Prioritäten sollte also sein, die magere Slot-Anzahl an eurem Anzug zu erweitern. Vor allem zu Beginn des Spiels lohnt es sich daher immer Units anzusparen und die Augen nach Upgrade-Stationen auf euren Planeten und Monden offen zu halten. Denn mit jedem Upgrade, das ihr so findet, steigt der Preis um 10.000 Units und euer Bankkonto schrumpft zusammen. Darin hat sich für uns noch am ehesten der Survival-Charakter des Games gezeigt. Denn wer Glück hat und niemandem auf die Füße tritt, kommt zumindest fürs Erste vollkommen um kämpferische Auseinandersetzungen herum. Da ist das Inventar bisher die größte Herausforderung gewesen.

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Ressourcen, Ressourcen und noch mehr Ressourcen

Wenn ihr dann erstmal ein wenig Platz geschaffen habt, ist es Zeit fleißig Ressourcen zu sammeln. Jegliche Erweiterung für Raumschiff, Exo-Anzug und Waffe brauchen ebenfalls einen eigenen Slot und müssen mit spezifischen Stoffen wie etwa Isotopen aufgeladen werden. Gerade fürs Lebenserhaltungssystem sollte man also immer ein bisschen Plutonium oder Kohlenstoff zur Hand haben, sonst wird’s vor allem bei der Erkundung feindlicher Biome schnell eng. Will man auf Nummer sicher gehen, sollte man sich für den Bergbau nicht zu weit vom Schiff entfernen.

Andere Möglichkeiten, an Material zu kommen, sind die Schalter des intergalaktischen Marktes, auf die ihr an verschiedenen Stellen stoßt. Da könnt ihr eure überflüssigen Ressourcen dann auch mehr oder weniger effektiv gegen Bares eintauschen oder einfach das fehlende Oxid für den neuen Schild shoppen. Außerdem kann man die einheimischen Tiere füttern. Manchmal legen sie dann aus purer Dankbarkeit das ein oder andere seltene Steinchen für euch frei. Aber auch für die Interaktion mit intelligenteren außerirdischen Lebensformen wie den Gek sind bestimmte Isotope oder Silikate etc. wichtig.

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Langzeitspaß?

Doch kommen wir mal zur den Kernfragen: Macht das ganze Spaß und lohnt sich der Kauf? Genau hierauf können wir euch selbst nach über 25 Stunden nur unsere ganz persönliche Antwort geben. Was wir aber bisher gesehen haben gefällt uns ganz gut. Zugegeben, es ist eine Frage des Spielertyps. Aber davor hat auch Sean Murray die Fans schon gewarnt. Es ist eben kein typisches Weltraumabenteuer und lässt sich weder mit „Star Wars“-Spielen noch mit anderen futuristischen Shootern vergleichen. Es ist vielmehr eine Möglichkeit für euch, sich in die dunkle Fremde am Nachthimmel zu vertiefen und nach den Sternen zu greifen.

Aber gewisse Sachen stören uns am Ende dann doch. Zum einen fallen viele der Gameplay-Mechaniken wie das Entdecken und Benennen von Dingen sehr flach aus. Das wird nicht jeden stören, gerade Hardcore-Sammler nicht. Vor allem normale Spieler werden hier jedoch schnell ihre Motivation verlieren, gerade in Hinblick auf die Chance das andere Spieler jemals etwas davon mitbekommen, oder umgekehrt. Ein weiterer Kritikpunkt sind fehlende Rücksetzpunkte, so kann es schon mal vorkommen, dass ihr euch in eine Höhle verirrt und stundenlang planlos durch die Gegend rennt, was für ordentlich Frust sorgen kann. So sind es eher die kleine Dinge die euch schnell zum Hinterfragen eurer eigenen Aktionen bringt, was stellenweise deutlich an der Langzeit-Motivation kratzt.

Atmosphärische Umwelt von Farbe bis Sound
Vielfalt an Biomen
Endloses Entdeckungspotential
Freie Wahl des Spielstils
Man kann bei den Namen richtig kreativ werden
Lästige Inventarschieberei
Bisher keine nennenswerten Herausforderungen
Keine definitive Story
Fehlende Rücksetzpunkte
Zu flache Gameplay-Mechaniken

Laura G.

Mit "No Man's Sky" hat Hello Games nicht nur ein wahnsinnig spannendes Konzept realisiert sondern auch Kindheitsträume greifbar gemacht. Wer schon immer mal in aller Ruhe fremde Welten erforschen und die zahllosen Sterne am Nachthimmel bereisen wollte, der ist hier auf jeden Fall an der richtigen Adresse und ganz gut unterhalten. Das Game lebt von eurer Neugier und eurem Forschungsdrang. Sammelt Ressourcen und nähert euch mithilfe immer besserer Ausrüstung dem Kern der Galaxie. Keiner weiß, was uns da erwartet! Wer allerdings eine dramatische Story braucht, um sich in einem Spiel zu verlieren, oder auf der Suche nach dem immer nächsten Action-Kick ist, für den ist "No Man's Sky" vielleicht nicht unbedingt das Wahre und wird schnell langweilig. Persönlich finde ich den Titel für zwischendurch ganz nett und entspannt, aber mir wäre das Spiel bei aller Liebe zum Weltraum keine 60€ wert.

Daniel M.

No Man's Sky ist ohne Frage eines der meist kritisierten und diskutierten Spiele des Jahres, was insbesondere mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis zusammenhängt. Als Fan von Survival und Exploring Games bin ich mit viel Spannung an das Game herangegangen, doch seine 60 Euro ist es selbst mit zwei zugekniffenen Augen für mich nicht wert. Für das, was No Man's Sky ist, also ein prozedural generiertes Universum, ist es nicht schlecht, wenn man allerdings den ersten Platenen ein paar Stunden erkundet hat, dann wird man auch auf den zig Trillionen weiteren Himmelskörpern keine Überraschungen mehr erleben. Das Spiel bietet einfach zu viel Inhalt, ohne wirkliche Inhalte zu bieten. Am meisten habe ich zudem den Kernpunkt des Spiels zu kritisieren: Das Erforschen von Planeten, Fauna und Flora, sowie das benennen dieser. Dies kann ein sehr dankenswertes Feature sein, wenn es denn richtig umgesetzt wird. Ich bleibe der Annahme skeptisch gegenübergestellt, dass andere Spieler in diesem gigantischen Universum die von mir gemachten Entdeckungen jemals sehen wird, denn dies war in Elite Dangerous, welches gerade mal 400 Millionen Sterne besaß, schon ein schwieriges Unterfangen. Entsprechend habe ich mir schon nach dem dritten Planeten die Frage gestellt, warum ich all die zufällig zusammengewürfelten Pflanzen und Tiere überhaupt mühsam benennen sollte, wenn der Spieler sowieso keine wirklich Belohnung dafür erfährt? Entsprechend kann ich nur eines sagen: No Man's Sky ist ein nettes kleines Sandbox Spiel, dass die Möglichkeiten von prozedural berechnetem Content grandios aufzeigt, aber spielerisch kaum zeitgemäße Inhalte bietet und vor allem preislich viel zu hoch angesetzt ist.
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