Test: Octopath Traveler

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Test: Octopath Traveler

Octopath Traveler: Cyrus, Tressa und Ophilia zusammen unterwegs im Schneegebirge

Darauf haben wir seit der Hands-on Session in Frankfurt gewartet: Octopath Traveler. Damit wird die Nintendo Switch um ein spannendes, rundenbasiertes Pixelabenteuer erweitert und wir haben es von Anfang an mit nostalgischen Gefühlen in unser Herz geschlossen.

Erste Eindrücke von Orsterra

Ihr fühlt euch gleich zurückversetzt in eure Kindheit. Zumindest ging es uns so, als der Startbildschirm die ersten Spielwelteindrücke vermittelte. Die HD-2D-Animierung springt einem gleich so wunderschön gestaltet entgegen, dass die Schatten- und Lichtspiele die Welt um unsere Reisenden herum zum Leben erwecken. Hinzu kommen flüssige Kamerafahrten, die ruckelfrei über die hübsche Szenerie hinweggleiten.

Wir werden aufgefordert einen der acht Charaktere zu wählen und entscheiden uns für Professor Cyrus Albright. Er ist für den Unterricht der Prinzessin Mary und ihrer Freundin Therese zuständig. Als wir uns zum ersten Mal durch die riesigen Gänge des Palastes bewegen, bemerken wir, wie einige Palastwachen und –bewohner eine Sprechblase über ihrem Kopf haben. So erhalten wir dezent die Information, wer dazu bereit ist, mit uns zu sprechen und eventuell einen Nebenauftrag bereithält.

Gleich zu Beginn fällt ein einziger Aspekt als störend auf. Beim Durchqueren der Karte ist die Vignette am Rand des Sichtfeldes bei sonnigen und weiten Feldern etwas zu dunkel gehalten. Dadurch ist das Hauptaugenmerk natürlich auf die Mitte des Bildschirmes, also auf die Figur, gelenkt. Aber viel Landschaft und Umgebung scheint verschluckt zu werden, weil der sichtbare Radius relativ klein ist.

Entdeckt alle acht Wege, Haupt- und Nebengeschichten

Test: Octopath Traveler

Cyrus macht sich auf die Suche nach Teilen eines alten Buches.

Nach Abschluss des Prologes zieht es Cyrus in die Bibliothek, wo er sich Zutritt zum Spezialarchiv verschaffen möchten. Unglücklicherweise können wir in den Regalen gerade einen alten Folianten nicht finden. Beim Besuch des Schuldirektors versuchen wir herauszufinden, wie dieser verschlossene Foliant gestohlen worden sein könnte.

Also ziehen wir los und befragen die Bewohner der Stadt Atlasdamm. Indem wir unser Talent, das Studieren, einsetzen, erfahren wir mehr über das Leben der Bewohner. Auf diese Weise erfahren wir nach und nach, was sich an dem gewissen Tag zugetragen hat. Um die Aufgabe abzuschließen, stellt man uns nach dem Sammeln aller Informationen Fragen, die wir beantworten müssen. Ein Appell also an euch: Achtet auf die Gespräche und überspringt besonders bei solchen Aufgaben nicht die Dialoge. Denn ihr könnt zwar bereits geführte Gespräche nachlesen, aber die Entwickler waren so gewieft, nicht alle Dialoge vollständig aufzuführen. Köpfchen ist also gefragt.

Neben der Hauptstory tauchen immer wieder auf der gesamten riesigen Weltkarte hilfsbedürftige Personen auf. Wenn ihr euch ihren Quests annehmt, schließt ihr die Nebenhandlungen ab. Der Fortschritt der Handlung eines jeden Charakters sowie der Nebengeschichten ist im Menü aufgeführt. Dieses weist auch weitere nützliche Informationen über Fähigkeiten, Inventar, Reisejournal, den Fortschritt der Charaktereigenschaften usw. auf. Ihr erreicht das Menü über die X-Taste.

Jetzt startet das Abenteuer erst richtig

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Tressa träumt von der weiten Welt und möchte ihre Erlebnisse in einem Reisebuch festhalten.

Mit dem Aufdecken des Foliantendiebes scheint das ruhige Professorenleben von Cyrus wieder einzukehren. Doch der Schein trügt. Der Schuldirektor überrascht uns mit einer völlig anderen Angelegenheit. Wir, der ruhmreiche und brillante Kopf des Palastes, erfahren nämlich plötzlich, was es bedeutet, wenn die gesamte Existenz am Palast ins Schwanken gerät. Denn Schulleiter Yvon beschuldigt uns, eine unmoralische Beziehung mit der Prinzessin eingegangen zu sein. Jedenfalls lauten so die Gerüchte.

Daraufhin schlägt die Gehilfin des Schulleiters, Lucia, vor, ein Forschungsjahr zu unternehmen, sodass weder der Ruf der königlichen Akademie und der Prinzessin noch unserer beschädigt wird. Da Cyrus‘ gesuchte Bücher in einzelnen Teilen in ganz Orsterra verteilt wurden, kommt diese Gegebenheit geradezu gelegen.

Schließlich machen wir uns auf die Reise und verlassen die Stadt Atlasdamm über das Südost-Tor. Weil Cyrus‘ Kollegin Odette viel über arkane Studien weiß, brechen wir nach Kammbruch auf. Auf unserer Reise durchqueren wir Graslandschaften, bis wir in Richtung Südosten Tressa in Rippeltiden treffen.

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Die Vignette verhindert die Sicht.

Alle anderen sieben Charaktere erzählen beim ersten Treffen von ihren Vorgeschichten in ihren Heimatstädten. Die spielbaren Charaktere sind: Professor Cyrus, Händlerin Tressa, Klerikerin Ophilia, Dieb Therion, Jägerin H’aanit, Krieger Olberic, Apotheker Alfyn und Tänzerin Primrose. Jeder hat eigene Talente und Fähigkeiten, die ihr individuell im Verlauf der Story anwenden könnt. Der Handlungsstrang ist dadurch von euren eigenen Entscheidungen beeinflusst.

Ihr müsst zuerst Kapitel 1 beenden, bevor die anderen Gefährten zusammen mit eurer Truppe andere Teile Orsterras bereisen und sich als Teil eurer Gruppe anschließen können. Maximal vier Charaktere können gleichzeitig unterwegs sein, der Rest verweilt währenddessen in Gasthäusern.

Sobald sich eine zweite Person euch anschließt, kommt wesentlich mehr Schwung in die Geschichte und Kampfverläufe. Noch mehr Abwechslung erhaltet ihr durch die Weiterentwicklung der Fertigkeiten. Sie werden zu echten, greifbaren Persönlichkeiten und streifen nicht als leere „Hülle“ durch die Gegend.

Wege-Aktionen

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Der Feuerball schwächt die Defensive des linken Gegners, weil er diese Schwäche besitzt.

In Octopath Traveler verfügt jeder Charakter über einzigartige Talente. Sobald ihr mit einem NPC interagieren könnt, drückt ihr die Y-Taste, um diese an der Person anzuwenden. Cyrus besitzt das Talent andere zu studieren. Jedoch steht nicht von Beginn an fest, dass diese Aktion erfolgreich sein wird. Das Talent funktioniert nur mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit. Der Erfolg ist wiederum von der Entwicklung des Helden und dem verfügbaren Geld abhängig.

Die acht Reisenden besitzen noble und schurkenhafte Talente. Setzt ihr Therions Talent „Stehlen“ ein, statt mit Tressa freundlich zu verhandeln, führt ihr eine schurkenhafte-Aktion aus. Diese ist jederzeit durchführbar und unabhängig von der Stufe eures Charakters verfügbar. Aber passt auf, dass ihr die Gastfreundschaft der Stadtbewohner nicht überstrapaziert. Jegliches Scheitern wirkt sich nämlich negativ auf euren Ruf aus. In jeder Stadt verfügt ihr damit über ein bestimmtes Ansehen.

Bon Voyage

 

In Orsterra bewegt ihr euch ganz klassisch zu Fuß fort. Die Entwickler verbesserten nach ersten Tests zusammen mit der Community einige Aspekte. Die Fortbewegungsgeschwindigkeit gehört ebenfalls dazu. Weil einige Abschnitte sehr groß sind und ein Durchqueren der Karte von Nord nach Süd ziemlich lange dauern würde, haben sie durch die vielen Vorschläge die Tastenbelegung zum Laufen geändert. Zuvor ging die Figur beim Bewegen des Sticks langsam voran. Schnelles Laufen ging nur mithilfe des Drückens des Sticks. Nach der Verbesserung wechselt euer Charakter vom Gehen zum Laufen durch Bewegen des Sticks bis zum Anschlag.

Eine weitere Reisemöglichkeit gibt es jedoch. Und zwar könnt ihr Schnell-Reisen, indem ihr die Abkürzung über die Minus-Taste drückt. Damit könnt ihr in kürzester und zu jeder Zeit alle Winkel von Orsterra bereisen, ohne auf Gefahren zu stoßen. Denn normalerweise stellen sich auf der Reise einige Gefahren in den Weg, die ihr besiegen müsst. Auch das schnelle Laufen führt zu erhöhter Aufmerksamkeit bei den Monstern, wodurch ihr häufiger Gefahren gegenüber steht. Das ist natürlich super praktisch, wenn ihr eure Charaktere aufleveln wollt.

Das Kampfsystem

Test: Octopath Traveler

Die Defensive des Gegners ist gebrochen.

So haben wir uns das vorgestellt. Nostalgie pur! Die rundenbasierten Kämpfe erinnern zusammen mit der Pixelgrafik an Klassiker aus alten Zeiten. In Abwechslung mit dem Gegner müsst ihr Aktionen mit euren Charakteren durchführen. Entweder ihr greift mit Waffen oder magischen Fähigkeiten an, benutzt Objekte aus eurem Inventar, verteidigt euch oder flieht aus dem Gefecht. Wenn ihr eure Fähigkeiten erweitert, eröffnen sich auch mehr Möglichkeiten, während des Kampfverlaufes agil und gewandt zu reagieren.

Um weitere Fertigkeiten zu erlernen, benötigt ihr LBP (Laufbahnpunkte). Der Abstand zwischen den Punkten, bis zur nächsten Möglichkeit, eine Fähigkeit freizuschalten, ist relativ groß. Aber das liegt auch daran, dass es schwieriger sein soll, neue zu erhalten, um nicht direkt zu Beginn übermächtig dazustehen.

Octopath Traveler bietet durchaus mehr als das klassische RPG. Damit eure Gesundheit und Energie für magische Fähigkeiten während des Kampfes wieder aufgefüllt werden kann, müsst ihr ordentlich Heiltrauben, Anregende Pflaumen und Oliven des Lebens sammeln. Es gibt jede Menge geheimnisvolle Kräuter mit unterschiedlichen Eigenschaften. Einige nehmen euch eure Todesangst und verleihen euch Mut, andere lassen eure Gegner einschlafen. Stopft euch also die Taschen voll, damit ihr im Kampf die Oberhand behaltet.

Das besondere sind die Boosts, welche jede Runde automatisch gesammelt werden, wenn ihr keine magischen Fähigkeiten einsetzt. Ihr könnt maximal drei Boosts gleichzeitig einsetzen und so eure Aktion verstärken. Zum Beispiel führt ihr damit drei aufeinander folgende Schwert- oder andere Waffenattacken aus. So könnt ihr die Defensive des Gegners schneller reduzieren, um ihn für eine Runde aussetzen zu lassen. In dieser Zeit ist er besonders anfällig für Attacken, weil die Verteidigung durchbrochen ist.

Epischer Soundtrack und solide Vertonung

Test: Octopath Traveler

Gleich die ersten Sekunden machen deutlich, dass jede Melodie einzigartig ist. Sofort verstummt die Außenwelt und orchestrale Klänge ertönen durch die Kopfhörer. Die überwältigende Kombination an Streichinstrumenten passt perfekt zur Atmosphäre und jeder Charakter erhält eine eigene musikalische Inszenierung. Da bleibt der eine oder andere Melodiefetzen eine Weile hängen.

Leider verfügt Octopath Traveler über keine deutsche Sprachausgabe, aber das stört uns überhaupt nicht. Dafür gibt es japanischen oder englischen Ton und die Texte sind ins Deutsche übersetzt.

Octopath Traveler erscheint am 13. Juli 2018 für die Nintendo Switch.

Riesige Karte
Faszinierende Landschaften und wunderschöne Settings
Packende Story mit bewegendem Soundtrack
Interessante Gruppendynamik und keine „Hüllen“-Charaktere
Acht Geschichten und Rollen zu entdecken, die für einen hohen Wiederspielwert sorgen
Beginn zieht sich mit einem einzigen Helden etwas dahin
Vignette am Rand des Sichtfensters teilweise immer noch etwas zu dunkel

Jennifer K.

Welchen Weg wählt ihr – den noblen oder schurkenhaften? Sucht euch einen der acht Reisenden aus und holt euch die anderen Gefährten als Unterstützung mit ins Team. Zusammen macht ihr euch auf die Reise durch den riesigen Kontinent Orsterra. Unerwartete Wendungen prägen die vielen Spielstunden mit der fesselnden Story rund um die magische Welt von Octopath Traveler. Levelt euch auf und beweist euren Mut und eure Stärke im Kampf gegen die Gefahren der Fantasiewelt. Erlebt lebendige Geschichten und eindrucksvolle Grafik aus einem Hybrid aus nostalgisch-pixeliger, manchmal etwas wenig beleuchteter, HD-2D- und CG-Animierung. Für 60 Euro gibt es ein RPG voller Geheimnisse und Schätze zu entdecken.
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