Test: Oh Sir…! Beleidigung-Simulator für Nintendo Switch

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Oh-Sir-ThumbnailAuf deutsch fremde Menschen oder Freunde zu beleidigen, dürfte für die meisten wohl keine neue Beschäftigung sein. Ich erinnere mich gerne an die Zeit, in der man sich als Kind gegenseitig mehr oder weniger sinnvolle und beleidigende Sätze um die Ohren gehauen hat. Mit “Oh…Sir!” fühle ich mich wieder in diese Zeit zurückversetzt. Das Spiel hat keinen anderen Sinn als sich durch das Zusammensetzen von einzelnen Wortschnipseln gegenseitig mit witzigen Flegeleien verbal in Grund und Boden zu stampfen. Dies passiert im Spiel, so viel vorweg, auf Englisch. Wer seine Englisch-Skills improven will, macht mit diesem Spiel alles richtig. In der Schule oder in Sprachkursen, lernt man schließlich nur, sich höflich und korrekt auszudrücken. Das ist hier nicht der Fall.

Bisher gab es “Oh…Sir!” nur im Google PlayStore und im App Store zum Downloaden. Nun veröffentlicht “Vile Monarch” diese Woche zwei neue Beleidigungs-Simulatoren im Nintendo eShop. Oh…Sir! The Insult Simulator und Oh…Sir! The Hollywood Roast stehen ab dem 18. Januar zum Kauf bereit. Das Spiel könnt ihr alleine gegen den Computer oder online gegen Fremde Spieler spielen. Zudem besteht auch noch die Möglichkeit, das Spiel gegen Freunde zu spielen. Die Switch erlaubt euch, das Game mobil zu zocken oder Zuhause on couch.

Flegeleien very british

Während ihr in der “Insult Simulator” Version gewöhnliche britische Personen verbal dem Erdboden gleich machen müsst, könnt ihr euch in der Hollywood-Version unter anderem als Dirty Potter oder Marilyn Morphineus gegenseitig dissen. Um mit den Beleidigungen starten zu können, müsst ihr erst einen Charakter und dann ein Szenario auswählen. Bei der Insult-Version stehen euch am Anfang vier wütende Briten zur Auswahl. Im Tournament-Modus könnte ihr dann weitere Streithähne freischalten.  Jeder Charakter hat hierbei seine eigene Biografie. Je nach persönlicher Vorgeschichte reagieren alle Charaktere unterschiedlich empfindlich auf die verschiedenen Beleidigungen. Während die alte Dame über ihr Alter oder ihr baldiges Ableben so gar nicht lachen kann, mag es der Arbeiter beispielsweise gar nicht, auf sein geringes Einkommen angesprochen zu werden.

Wenn ihr euch entschieden habt, wird euch ein kurzer Überblick darüber gegeben, warum es überhaupt zu der hitzigen Auseinandersetzung gekommen ist. Am Anfang jeder Runde werden allen Spielern zwei Textbausteine, die man nur selber sehen kann, zugeteilt. Diese kann man durch Tee trinken (Y Drücken) jede Runde neu zusammenwürfeln. Typisch britisch.  Zwischen den beiden Streithähnen erscheint eine Tafel mit weiteren Textbausteinen. Dann geht es auch schon los, abwechselnd kann nun jeder Spieler Bausteine auswählen, um am Ende auf einen mehr oder weniger sinnvollen Satz zu kommen. Die Bausteine aus der Mitte kann nur ein Spieler pro Runde nutzen. Nach der Nutzung verschwinden die Phrasen aus der Mitte. So muss man immer aufpassen, dass man nicht plötzlich mitten in seiner wunderbar ausgedachten Flegelei ohne passenden Abschluss dasteht. Die Sätze müssen nämlich grammatikalisch richtig sein, was das spiel für nicht wirklich gute Englisch-Sprecher ein wenig schwierig gestaltet. Es reicht leider nicht, ein Fan des britischen Humors zu sein, denn ohne gehobene Englisch-Kenntnisse entgeht einem die ein oder andere Pointe.

Jeder Zug wird mit einem Ausrufezeichen beendet. Im Anschluss wird ausgewertet. Je mehr man auf den charakterlichen Schwachpunkt setzt, je ausgeklügelter der Satz und je härter die Beleidigung, desto mehr Punkte werden dem Gegner abgezogen. Glücklicherweise gibt es kein Eingabefeld, sodass letztendlich keine wirklich persönlich angreifenden oder verletzenden Beleidigungen entstehen können. Normalerweise kommen witzige, nicht wirklich sinnvolle Beleidigungen dabei raus. Die Satzzusammenstellungen sind alle very britisch. Direkt und trocken, aber niemals vulgär.

Bis einer weint

Wenn ihr das Spiel startet, könnt ihr im Hauptmenü zwischen verschiedenen Spiel-Modi auswählen. Neben dem Trainingsmodus, den man getrost überspringen kann, gibt es für den Solospieler das Tournament, welches aus 5 aufeinanderfolgenden Streitereien besteht und natürlich den “Instantargument”-Modus. Aufregender wird das Ganze dann im Multiplayer- Modus. Die Schimpfduelle sind sowohl online gegen Fremde möglich, sowie auch offline on couch gegen “echte Freunde”.OhSir-Menue

Mit einer ausgeklügelten Story kann “Oh…Sir!” nicht wirklich dienen.  Vor Eröffnung jeder Runde gibt es ein Einleitungsgespräch, welches den Grund der Streiterei erklärt. Je nach Szenario variiert die Geschichte. Mal steht man im Zug und streitet sich über die Richtigkeit der Sitzplatzwahl und mal steht man in einer legendären Tierhandlung. Diese Tierhandlung findet man in einem Sketch der britischen Komikertruppe Monty Python. In dieser Szene wird natürlich über den toten Papagei gestritten.

OhSirPetshop

Technisch bzw. grafisch betrachtet, ist das Spiel nicht besonders aufwendig gestaltet. Alles ist in einem grafischen Comicstil gehalten. Simpelste Grafik wirft einen beim Spielen in das letzte Jahrzehnt zurück. Was dem Spielspaß, wie ich finde, aber keine Abbruch tut. Die verbalen Frechheiten werden von einem Sprachcomputer vorgelesen – Alles etwas schrullig, dennoch irgendwie charmant.

“Oh…Sir!” eignet sich zum Zeitvertreib für zwischendurch. Für einen Preis von nur 1,99 Euro kann man hier ruhig zuschlagen. Man kann gut seine Schlagfähigkeit fürs „Real Life“ trainieren. Ein großes Manko ist jedoch die fehlende deutsche Sprachausgabe. Wer kein Problem damit hat, sich auf Englisch zu beleidigen, der möge seinen Tee abstellen und hetzen, was das Zeug hält.

Beleidigen ohne Reue
Multiplayer On Couch
Erweiterung des Wortschatzes
Preis/Leistung stimmt
Nur auf englisch Verfügbar
wenig Abwechslungsreich

VvjenB

Ich selbst bin noch nicht häufig dazu gekommen, jemanden auf Englisch derart zu beschimpfen. Wenn ich mal in England unterwegs war, war ich immer sehr darum bemüht, höflich und sympathisch zu wirken. Wer aber lernen will, sich in britischer Manier mal so richtig zu streiten, ist mit Oh...Sir! The Insult Simulator gut bedient. Leider ist das Spiel nicht sonderlich abwechslungsreich, weswegen mir im Singleplayer Modus schnell langweilig geworden ist. Die Zusammensetzung der Wortschnipsel lässt viele witzige Kombinationen zu, die euch immer wieder zum Schmunzeln bringen, doch man hat auch schnell alle Schnipsel gesehen. Anders sieht das Ganze aus, wenn man zu zweit spielt. Ich finde die Variante am besten, sich mit freunden on couch Beleidigungen um die Ohren zu zimmern. Auch könnte ich mir das Spiel als ein gutes Trinkspiel vorstellen. Der Preis von 1,99€ scheint mir auf jedenfall angemessen - Eins ist sicher: Das Verhältnis zwischen Preis und Leistung stimmt.
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