Test: One Piece: Grand Cruise (VR)

Test: One Piece: Grand Cruise (VR)

Auf dem Schiff begrüßt euch der Kapitän der Piratencrew: Monkey D. Ruffy

Mit One Piece: Grand Cruise erscheint der erste Anime als VR-Spiel. Da dieser Teil exklusiv für die PSVR entwickelt wurde, konnten sich die Entwickler voll und ganz auf die Performance auf der Konsole konzentrieren. Aber Performance alleine reicht nicht aus, um ein Spiel zu komplettieren.

Das neue Strohhut Mitglied

Als außerordentlicher One Piece-Fan waren die Erwartungen an das Spiel sehr hoch. Der Trailer schaute recht anständig aus und diente der entsprechenden Vorfreude. Das Erste, was einen erwartet ist ein gestaltloser Charakter sowie ein Menü. Darin könnt ihr das Geschlecht eures Charakters verändern… Mehr Individuelles aber auch nicht. Weiter stehen die Einblendung von Untertiteln zur Auswahl, der Rest sind Infos zur Bedienung des Menüs.

Meine weibliche Hülle (so nenne ich fortan meinen eigenen Charakter) ist bereit und ich muss mich zwischen drei Optionen entscheiden. Eigentlich sind es sogar nur zwei: Seegefechte gegen die Marine und Schlage den Kraken zurück. Die dritte Option stellt sich als Abspann heraus und dient womöglich nur der imposanteren Wirkung des Hauptmenüs.

Test: One Piece: Grand Cruise (VR)

Als einer der neuen Rekruten müsst ihr euch zusammen mit den Strohhüten ins Gefecht stürzen.

Ich entscheide mich für das Abenteuer mit dem Kraken und darf mir eine Position auf der Sunny auswählen, von der aus ich mich an den Gefechten beteiligen kann. Später stellt sich heraus, dass die Position, von der aus ihr kämpft, keinerlei Auswirkungen auf den Kampfverlauf oder die Gespräche hat.

ようこそ!– Willkommen auf der Thousand Sunny

Auf der Sunny angekommen begrüßt mich eine Teleschnecke. Wenn ihr euch dabei umschaut, seht ihr die Crewmitglieder herumstehen. Chopper ist der erste, der sich nähert und ich komme aus dem Staunen nicht mehr heraus. Als mir plötzlich Ruffy genau vor die Füße springt, trete ich automatisch einen Schritt zurück. Die Charaktere wirken so echt und lebendig, ich hätte schwören können, dass er genau vor mir stand und musste mir versichern, dass er nur im Spiel zu sehen ist.

Test: One Piece: Grand Cruise (VR)

In der Kombüse ist Sanji der Chef. Im Gespräch werden wir zum Essen eingeladen und sprechen über Rezepte.

Zu Beginn muss ich mich entscheiden, welchen Raum ich betreten möchte. Zur Wahl stehen Namis Kajüte, Sanjis Kombüse, das Oberdeck und Choppers Lazarett. Schade ist, dass bei der Entscheidung Zeit abläuft, sodass kaum Zeit bleibt, um sich in Ruhe umzuschauen und mit den Charakteren zu sprechen. Diese reagieren nämlich auf längere Blicke. Doch zur wirklichen Interaktion kommt es dann nicht, denn sie reden einen Satz, der völlig zusammenhanglos ist.

Genau ins Schwarze getroffen

Test: One Piece: Grand Cruise (VR)

Während der Balken sich leert, müsst ihr euch entscheiden, ob ihr Choppers Lieblingssüßigkeit, Zuckerwatte, dabei habt oder nicht.

In den Räumen sieht es wirklich spannend aus. Beim Umschauen fallen viele Details auf, die aus der Serie bekannt sind. So liegt in Namis Kajüte ein Sack Berry (die Währung im One Piece-Universum) herum, den ich aufsammele. Beim Versuch, die Truhe zu meiner rechten zu öffnen, werde ich harsch von Nami zurecht gewiesen, muss jedoch grinsen. So kennen wir die diebische Navigatorin. Bandai hat bei der Umsetzung der Charaktere wirklich den Nagel auf den Kopf getroffen.

Weitere versteckte Details, die jedem Fan die Augen zum Strahlen bringen und mir aufgefallen sind, sind zum Beispiel Choppers Super-Hero-Umhang im Lazarett, Sogekings Maske in der Kombüse und überall ist der Strohhut zu finden.

Der Besuch stellt sich neben den Kämpfen als bester Moment heraus, denn das Schmunzeln will mir gar nicht mehr aus dem Gesicht weichen. In jedem Raum befinden sich zwei bis drei der Strohhüte und führen mit uns die gewohnt gewitzten Konversationen, wie One Piece-Fans sie kennen. So versucht Brook ständig durch das Fenster in der Tür herein zu gaffen und bekommt ordentlich Ärger von Nami.

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Auf dem Oberdeck trefft ihr auf Zorro, Franky und jede Menge Cola sowie Gewichte.

Ich wäre gerne noch eine Weile in jedem der Räume geblieben. Während der Gespräche führen verschiedene Entscheidungen zu anderen Gesprächsausgängen, so wäre ich gerne noch eine bisschen bei Chopper und Robin verweilt. Aber auch hier haben wir nur begrenzt viel Zeit, weil Ruffy uns unterbricht.

Der Kraken und De Flamingo

Auf Deck angekommen erwartet uns der riesige Kraken. Seine Größe und die den Mast umschlingenden Tentakel beeindrucken außerordentlich. Der Kampf dafür umso weniger. Denn dabei kommt nur wüstes und einfältiges X-Tasten-Gehämmer zum Einsatz. Zum Glück prahlen zwischendurch Franky, Robin, Zorro, Sanji und Ruffy mit coolen Attacken, die ein echter Augenschmaus von Nahem sind.

Nach ein paar Runden ist der Kampf vorbei und die nächste Gefahr droht. De Flamingo kreuzt auf dem Schiff auf und fordert die Mannschaft zum Kampf auf. Die Rekruten verstecken sich, doch wir sind dermaßen erstarrt, dass wir nicht schnell genug von Deck kommen. Machtlos im Kampf gegen De Flamingo schauen wir Ruffy über die Schulter.

Da unser Charakter keine eigenen Kräfte besitzt, beschützt uns Ruffy. Trotz Entscheidungsmöglichkeiten während des Kampfes, haben wir leider keine Beeinflussung auf den Kampf. Denn egal für was wir uns entscheiden, der Kampf geht jedes Mal gleich aus.

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Auch Don Quichotte de Flamingo, einer der sieben Samurai der Meere und größten Feinde Ruffys ist mit an Bord.

Zum Abschied sagt Ruffy, dass wir jetzt Freunde sind, wodurch einem als Fan natürlich das Piratenherz aufgeht. Kindheitsträume werden wahr und ich fühle mich gleich an Ruffys sagenhafte Worte erinnert: „Selbst wenn ich sterbe, meine Freunde gebe ich nicht her!“. Da fällt der Abschied gleich umso mehr schwer.

Zwei Abenteuer, kaum Abwechslung

Neben der Krakenmission gibt es auch ein zweites Abenteuer mit der Marine. Doch gleich zu Beginn stelle ich fest, dass der Einleitungstext genau derselbe ist. Der einzige Unterschied innerhalb der gesamten Mission ist, dass wir nicht den Kraken mit Kanonenkugeln abschießen müssen, sondern die Marineschiffe.

Die einzige wirkliche Abwechslung kann nochmal herausgeholt werden, wenn ihr das Geschlecht eures Charakters wechselt und euch mal statt als Frau als Mann in jeden der Räume begebt. Da kommen ganz andere Gespräche bei rum.

Die Crew leibhaftig erleben

Test: One Piece: Grand Cruise (VR)

Der Vorteil der VR: Mitten im Geschehen. Noch näher dabei werdet ihr nirgendwo anders sein können.

Toei Animations hat sich mal wieder selbst übertroffen. Die Thousand Sunny, das Schiff der Strohhutpiraten, sowie alle Charaktere überzeugen mit eindrucksvoller Grafik. Näher könnt ihr den One Piece-Charakteren wirklich nicht kommen.  Dies ist der Part, der meinen Eindruck vom Spiel besonders beeinflusst hat. Denn das One Piece-Universum wird zum Anfassen nahe gebracht. Es wirkt richtig wahrhaftig und echt, sodass ich so manches Mal unbewusst die Hand ausgestreckt habe.

Der Traum vom großen Seegefecht bleibt ein Traum

Die Gesprächsfetzen und einzelenen Szenen sind angelehnt an die kurze Story vom Beitrag von Eiichiro Oda, dem Autor von One Piece, aus dem Shounen Jump Magazin. In diesem erscheinen ganz viele Manga des Genres Shounen. Dementsprechend sehen die beiden großen Schlachten und Ruffys Kampf mit De Flamingo richtig gut aus und wirken spektakulär. Aber der Tiefgang dahinter fehlt.

Zudem kann von Gegnern im Plural kann kaum die Rede sein, wenn der liebe Krake kaum was aushält und De Flamingo schnell wieder mit leeren Worten wie „das nächste Mal kommst du nicht davon“ abhaut. Ebenso ist kein Multiplayer vorhanden, der für die Zukunft der VR-Spiele bestimmt noch viel hergeben könnte.

  • 14.06.2018 um 16:06
Gigantische Thousand Sunny mit eindrucksvoller Grafik
Originale Sprachausgabe
Hautnahes Treffen mit den Strohhutpiraten
Gewohnter Humor wie im Original
Story so gut wie gar nicht vorhanden
Sehr kurzweiliges Vergnügen
Beide Minispiele sind sich sehr ähnlich
Keine Herausforderung

Jennifer K.

Für 10 Euro kann nicht mehr als zwei Minispiele dieser Klasse erwartet werden. Es bietet top Qualität, dafür weniger Quantität und jede Menge lustigen Spielspaß für den kurzen Zeitvertreib. Besonders One Piece-Fans kommen ihren Erwartungen und Vertrautheiten an das One Piece-Universum zugute. Jedoch solltet ihr ebenfalls VR-Besitzer sein, denn eine Anschaffung der Ausrüstung extra für One Piece: Grand Cruise wäre unsinnig. Deswegen gibt es trotz des witzigen Humors und der beeindruckenden De Flamingo-Szene bloß sechs von zehn Totenköpfen.
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