Test: Pandoria

Aufbruch in ein fantastisches Land – So performt Pandoria im Test

Wenn die SPIEL in Essen im Oktober den großen Tummelplatz für Brettspieler eröffnet, buhlen jährlich mehr als eintausend neue Spiele um die Gunst der Aufmerksamkeit. Als Spieler ist es schwer, sich da einen umfassenden Überblick zu verschaffen. Die Brettspiel-Neuheiten der großen Verlage haben viele noch gut auf dem Schirm. Dabei verpassen sie jedoch oft die spannenden Titel der kleineren Verlage. Im vergangenen Jahr hat der deutsche Verlag Irongames mit Pandoria ein ziemlich vielversprechendes Projekt vorgestellt. Spiele von kleinen Verlagen haben es im Handel vergleichsweise schwer, da sie oft eben nicht in den Händlerregalen der großen Ketten landen und selbst im gut sortierten Fachhandel nicht immer verfügbar sind. So verpassen Spieler leider oftmals eine echte Spieleperle.

Die Geschichte von Pandoria beginnt in einer fruchtbaren Fantasy-Landschaft, die auf den Namen „Hidden Lands“ hört. Leider war der friedliche Landstrich offenbar doch nicht ganz so gut versteckt, wie es der Name vermuten lässt. Eines Tages überfluteten feindliche Goblinhorden das Land. Die Völker der Elfen, Zwerge, Menschen, Halblinge und Magier schafften es nicht, ihre Streitkräfte rechtzeitig zu mobilisieren und ergriffen die Flucht. Schon bald entdeckten sie eine neue Heimat: Pandoria. Nach dem Krieg waren die Fronten zwischen den Völkern jedoch verhärtet. Es beginnt ein Wettlauf um die Ressourcen des neuen Landes. In Pandoria übernehmt ihr die Kontrolle über eines der fünf Völker und versucht es zu Wohlstand und Reichtum zu führen.

Eine Insel mit zwei Bergen

Vor euch erstreckt sich Pandoria, reich an Schätzen der Natur, die nur darauf warten, von euch geerntet zu werden. Das Land ist umschlossen von Bergen und Wasser, die der Landschaft eine natürliche Umgrenzung verschaffen. Innerhalb dieser Insel kann sich euer Volk entfalten. Das Spielbrett, auf dem sich Pandoria ausbreitet, besteht aus einer großen Zahl von Hexfeldern. Diese werden im Spielverlauf von euch mit Plättchen belegt und somit erschlossen.

Bei Spielbeginn liegen zunächst lediglich zwei Startplättchen aus. Diese stellen den Ausganspunkt für alle Völker dar. Von hier aus breiten sich die Stämme immer weiter aus, um Pandoria zu erschließen. Jedes Plättchen stellt ein Doppel-Hexfeld dar und belegt somit immer gleich zwei Felder auf dem Spielfeld. Wie ihr die Plättchen legt, bleibt im Großen und Ganzen euch überlassen. Ihr müsst lediglich darauf achten, dass ihr sie direkt an bereits ausliegende Plättchen anlegt.

Rohstoffe ernten

In jeder Runde dürft ihr immer genau ein Doppelplättchen auf dem Spielfeld platzieren. Anschließend stellt ihr noch einen Arbeiter auf eines der beiden Felder des gerade gelegten Doppelplättchens. Auf den Plättchen findet ihr unterschiedliche Landschaftstypen wieder. Jeder Landschaftstyp verfügt über andere Ressourcen, die ihr später ernten könnt. In Waldflächen findet ihr Holz, im Gebirge könnt ihr wertvolle Kristalle aufstöbern, im Hügelland lässt sich Gold erwirtschaften und über die Städte erhaltet ihr direkte Siegpunkte.

Die Früchte eurer Arbeit könnt ihr jedoch erst dann einfahren, wenn ihr ein Gebiet auf dem Spielplan abgeschlossen habt. Um Holz zu erhalten müsst ihr zuvor erst ein oder am besten gleich mehrere zusammenhängende Waldfelder komplett mit Plättchen anderer Landschaftsarten eingezäunt haben. Hat ein Spieler ein Gebiet auf diese Art abgeschlossen, erhält jedes Volk seinen Anteil an der Beute, sofern sich eigene Arbeiter direkt um das abgeschlossene Gebiet herum befinden.

So kann jeder Stammesführer an der Vorarbeit der anderen Völker partizipieren. Dazu müssen nur die Arbeiter des eigenen Volks passend auf dem Spielfeld platziert werden. Dabei kann man sich aber auch schnell mal verzocken. Seid ihr vielleicht auf eine ganz andere Ressource aus, platziert ihr eure Arbeiter auch dementsprechend. Es ist also gar nicht selbstverständlich, dass alle Völker brav Hand in Hand arbeiten. Erschwerend hinzu kommt noch, dass Arbeiter, die mit einem Gebiet eingezäunt werden, direkt vom Spielfeld entfernt werden. Sie gehen also am Ende des Tages ohne ihren verdienten Lohn nach Hause.

Augen auf beim Kartenkauf

Alle Arbeiter, die ihrem Volk einen Ertrag mit nach Hause bringen, werden ebenso vom Spielfeld genommen. Sie können in den nächsten Runden wieder neu eingesetzt werden. Ihre Arbeit hat dem eigenen Volk wertvolle Ressourcen gebracht. Mit Goldstücken dürft ihr etwa eure Kartenhand aufstocken. Auf dem Markt liegen stets vier Karten offen aus, die ihr mit dem nötigen Kleingeld erwerben könnt. Als Käufer dürft ihr jedoch nur auftreten, wenn ihr in der laufenden Runde selbst durch das Legen eines Doppelplättchens für den Abschluss eines Gebietes gesorgt habt.

Eine stattliche Anzahl von Handkarten bringt euch allerdings noch lange keinen Vorteil ein. Ihr müsst die Karten also zunächst ins Spiel bringen. Auch hier gibt es wieder eine strenge Limitierung. Pro Runde dürft ihr maximal genau eine Karte ausspielen. Dafür lässt sich jede Karte auf zwei unterschiedliche Arten verwenden, was euch zumindest etwas flexibler macht.

Ressourcen-Jonglage

Jede Handkarte kann als Zauberspruch ausgespielt werden. Bei Zaubern handelt es sich um einmalige Effekte. Ihr führt den beschriebenen Effekt aus und legt die Karten anschließend zu eurem Ablagestapel. Zuvor müsst ihr jedoch noch die Kosten für den Zauberspruch bezahlen, der in Form von Kristallen entrichtet wird. Kristalle wiederum erhaltet ihr durch Abschlüsse von Gebirgsgebieten.

Alternativ könnt ihr eine Karte auch zum Bauen eines Gebäudes verwenden. Gebäude stellen bleibende Karten dar, die euch für den restlichen Spielverlauf einen dauerhaften Vorteil gewähren. Die Bezahlung eines Gebäudes geht diesmal zu Lasten eures Holz-Kontos. Um Gebäude zu errichten müsst ihr also zunächst Waldgebiete erschlossen haben, damit ihr die Kosten begleichen könnt. Die Bauplätze, die jedem Volk zur Verfügung stehen, sind allerdings begrenzt. Nach dem fünften Gebäude ist Schluss oder aber ihr müsst ein bereits errichtetes Gebäude wieder entfernen.

Randvoll gefüllte Speicher

So müsst ihr also mit allen drei verschiedenen Ressourcen jonglieren, um den Wohlstand des eigenen Volkes auszubauen. Gold benötigt ihr um die Karen zu erwerben, Kristalle und Holz werden fällig um Zauber zu sprechen oder Gebäude zu errichten. Genau dieses Ressourcen-Management wird in Pandoria aber schnell zum Problem.

Im Spielverlauf werden praktisch ständig Gebiete abgeschlossen und somit auch frische Ressourcen unter den Spielern verteilt. Gerade wenn große Areale finalisiert werden, kann es schnell mal vorkommen, dass ein Spieler gleich 30 oder auch 40 Einheiten mit einem Schlag erhält. Leider sind die Vorratskammern der Völker nicht besonders üppig ausgestattet. Bei zehn Einheiten ist Schluss, egal ob es dabei um Holz, Kristalle oder auch Gold handelt.

 

Verbleibendes Einkommen verfällt zwar nicht, wird jedoch in einem recht ungünstigen Kurs in Siegpunkte umgemünzt. Insbesondere gegen Spielende kann das natürlich sehr willkommen sein, doch gerade an einer frühen Stelle im Spiel schränkt es die eigenen Möglichkeiten doch sehr ein. Die künstliche Verknappung gehört mit zum Konzept von Pandoria und ist ein zentraler Bestandteil des Spiels.

Die Jagd nach den Siegpunkten

Für die Siegpunkte gilt diese Verknappung natürlich nicht. Sobald ihr Siegpunkte gewinnt, zieht ihr euren Marker direkt auf der Siegpunktleiste weiter. So habt ihr immer gut im Blick, welcher Spieler gerade in Führung liegt. Je näher ihr der Zielgerade entgegeneilt, desto häufiger wird euer Blick auf den Punktestand fallen. Jetzt noch schnell die letzten Siegpunkte einfahren.

Dies gelingt am einfachsten, indem ihr möglichst große Stadtgebiete abschließt und viele eurer Arbeiter um die Stadtgrenzen herum platziert. Eine weitere Möglichkeit, um an zusätzliche Siegpunkte zu gelangen, besteht im Bau von Monumenten. Bevor ihr ein Monument errichtet, müsst ihr nicht nur etwas Holz investieren, sondern auch ein bereits ausliegendes Gebäude wieder entfernen. Ihr verliert sofort sämtliche Vorteile, die euch das Gebäude eingebracht hat. Anstelle des Gebäudes steht dort nun ein Monument, das nur eine einzige Funktion hat: es bringt euch Siegpunkte.

Hier gilt: der frühe Vogel fängt den Wurm. Die ersten errichteten Monumente sind besonders viele Siegpunkte wert. Letztlich ist es eine Frage des guten Timings. Auf die Vorteile eines Gebäudes möchte natürlich niemand verzichten, doch am Ende des Spiels ist sicher bald der erste Spieler gewillt, diesen Vorteil gegen Siegpunkte einzutauschen.

Fünf Völker – eine Region

Das Spiel endet, sobald ein Spieler kein Doppelplättchen mehr nachziehen kann, da der allgemeine Vorrat verbraucht ist. Den großen Teil der Siegpunkte habt ihr zu diesem Zeitpunkt bereits auf der Siegpunktleiste mitgezählt. Ein paar wenige Punkte gibt es jetzt noch für verbleibende Ressourcen, im Großen und Ganzen bleibt der Punktestand aber unberührt. So habt ihr tatsächlich schon im Spielverlauf immer sehr gut im Blick, wer die besten Chancen auf den Sieg hat.

Nach der ersten Partie empfiehlt es sich auch schon bald zur fortgeschrittenen Variante überzugehen. In dieser Version erhält jedes Volk eine individuelle Fähigkeit, die das Spielgefühl nochmal ein wenig verändert. In der Einsteigervariante unterscheiden sich die Völker kaum merklich voneinander, lediglich die Startressourcen sind etwas anders verteilt.

Pandoria ist ein strategisches Legespiel für zwei bis vier Spieler ab zehn Jahren. Für eine Partie müsst ihr etwa 90 Minuten Spieldauer einrechnen. Das Spiel ist ab sofort verfügbar und kostet zwischen 40€ und 45€. Wenn ihr das Spiel nicht bei eurem Händler vor Ort findet, könnt ihr das Spiel auch direkt beim Verlag bestellen. Im Online-Shop bekommt ihr auch einige Zusatzmaterialien, um euer Spiel aufzuwerten.

hohes Maß an Interaktion
sehr gut zu zweit oder in Zweier-Teams spielbar
spannende Karten-Kombos
angenehm kurzes Regelwerk
taktisch fordernd
Fantasy-Thema nur Beiwerk
spielt sich zu dritt nicht ganz so gut

Sebastian Hamers

Pandoria kommt mit seinem schicken Coverbild und seiner kleinen Vorgeschichte mit dem Versprechen daher, uns in eine faszinierende Fantasy-Welt zu entführen. Dieses Versprechen kann Pandoria leider nicht einhalten. Geschenkt! Vor uns liegt ein abstraktes Spiel mit einem sehr zarten thematischen Anstrich. Was sich hinter der Fantasy-Oberfläche verbirgt, kann sich dafür wirklich sehen lassen. Pandoria bedient sich klassischen Brettspieltugenden und stellt das Management von Ressourcen in den Mittelpunkt. Die Art und Weise wie diese Ressourcen gewonnen werden, fühlt sich dabei ziemlich frisch und unverbraucht an. Das Maß an Interaktion ist zudem sehr hoch. Beinahe jede Aktion eines Mitspielers hat auch Konsequenzen für mein eigenes Handeln. Bei vier, stellenweise sogar schon bei drei Spielern, kommt mitunter etwas das Gefühl auf, wenig Kontrolle über das eigene Fortkommen zu haben. Zu sehr ist man den Aktionen der Konkurrenz ausgeliefert. Als Zwei-Personen-Spiel funktioniert Pandoria dafür umso besser. Das Spiel wird so viel taktischer und berechenbarer. Vielleicht schlägt das Regelwerk auch deshalb vor, aus einer Vier-Spieler-Partie ein Teamspiel zu machen. Mir hat das Jonglieren mit den unterschiedlichen Ressourcen viel Spaß gemacht, gerade die künstliche Verknappung durch Speicherobergrenzen hat ihren Anteil daran. Versierte Pandoria-Spieler finden in den Handkarten auch immer mehr mächtige Kombinationen aus Zaubern und Gebäuden wieder, die ihnen beim Ressourcensammeln kräftig unter die Arme greifen. Trotz der vielen Möglichkeiten gestaltet sich das Regelwerk dabei angenehm übersichtlich. Auf gerade einmal vier Seiten findet ihr alles, was ihr zum Spielen benötigt. Pandoria ist ein taktisch anspruchsvolles Legespiel, das besonders im Zwei-Spieler- und Team-Spiel seine Stärken hat.
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