Test: Phoenix Wright – Ace Attorney Trilogy

Test: Phoenix Wright - Ace Attorney TrilogySogar in unseren Breiten hat der charismatischste Anwalt der Videospiel-Welt inzwischen einige Jahre auf dem Buckel. Höchste Zeit also, dass seine frühen Fälle einer Überarbeitung unterzogen und Neulingen der Einstieg in die Serie erleichtert wird. Mit der Phoenix Wright – Ace Attorney Trilogy erwartet alle Nintendo 3DS-Besitzer nun eine feine Sammlung der ersten drei Abenteuer von Phoenix Wright, die mit altem Charme und neuer Optik punktet.

Star-Anwalt und Showman

Bekanntlich fängt ja jeder klein an, sogar ein Star-Anwalt! Der Gerichts-Frischling Phoenix Wright hat gerade seinen ersten Fall hinter sich gebracht, da wird sie seine Chefin Opfer eines Mordes. Ihre kleine Schwester Maya wird angeklagt und Phoenix Wright bleibt nichts anderes übrig, als sich mit Hirn und Herz der Verteidigung der jungen Frau zu widmen. Da müssen Zeugen verhört, Tatorte auf Hinweise untersucht und Beweise gedreht und gewendet werden, um die Unschuld seiner Mandantin zu beweisen und nebenbei der arroganten, überheblichen Staatsanwaltschaft eins auszuwischen. Und eigentlich legt dies auch schon den Grundstein für eine ganze Reihe weiterer Prozesse, die gewonnen werden wollen.

In Phoenix Wright – Ace Attorney Trilogy erleben wir die ersten drei Abenteuer des ikonischen Verteidigers mit Gelfrisur und blauem Anzug. Jedes der bei uns bereits für Nintendo DS erschienenen Spiele Phoenix Wright – Ace Attorney, Phoenix Wright – Ace Attorney: Justice For All und Phoenix Wright -Ace Attorney: Trials and Tribulations stellt uns dabei vor eine Handvoll kniffliger Kopfnüsse mit zumeist mörderischem Setting. Im Laufe der Zeit erleben wir so den Aufstieg des Anwalts vom belächelten Neuling zum ausgefuchsten Profi, der bei seinen Rivalen im Gerichtssaal für schweißnasse Hände sorgt. Neben den spannenden, gut durchdachten Fällen ist es vor allem der Humor, der die Serie so unterhaltsam macht. Die einzelnen Charaktere übertrumpfen sich gerade zu in ihrer Skurrilität, sind auf so viele Arten überzeichnet und übertrieben emotional, dass wir eigentlich immer ein Schmunzel im Gesicht haben.Ganz Profi wahrt Phoenix nach Außen natürlich meist seine Fassung, während ihm innerlich sämtliche Gesichtszüge entgleisen. Die Dialoge sind eine wahre Freude! Story und Charaktere nehmen sich selten zu ernst, driften dabei aber nie ins Lächerliche ab und wahren ihren Anspruch, fast wie in einer guten Sitcom.Test Phoenix Wright - Ace Attorney Trilogy

Lesen, Grübeln, Klicken

In Sachen Gameplay ist Phoenix Wright – Ace Attorney Trilogy definitiv speziell, denn Point & Click-Adventures sind nicht unbedingt jedermanns Sache. Strikt folgen wir einer Storyline, die uns nur in sehr begrenztem Maße spielerische Freiheiten erlaubt. In der Regel gibt es genau einen Weg zur Lösung und den gilt es zu finden. Meißt klicken wir auf Standbildern eines Tatorts umher, sammeln so wertvolle Hinweise und lauschen beim Prozess den Aussagen der Zeugen, ob sich da nicht die eine oder andere Ungereimtheit finden lässt. Überhaupt dürft ihr keine Lesemuffel sein, wenn ihr euch der Phoenix Wright – Ace Attorney Trilogy widmet. Der überwiegende Teil des Gameplays besteht aus Dialogboxen mit animationslosen Hintergründen und Charakteren.

Das mag für einige Spieler eintönig und nur mäßig spannend klingen, hat aber seine Reize und einen gewaltigen Vorteil. Die begrenzten Möglichkeiten lenken den Fokus auf das Wesentliche, die Nutzung unseres Verstands. Wie kann ich mit den Beweisstücken die Aussage des Zeugens widerlegen, wie könnte dieser eigentlich unmögliche Mord doch begangen worden sein und an welcher Stelle habe ich einen Fehler in meiner Schlussfolgerung gemacht? Die Rätsel sind dabei knifflig aber doch meist mit Logik oder Um-die-Ecke-Denken zu lösen. Alle verfügbaren Beweisstücke und beteiligten Personen könnt ihr euch jederzeit während des Prozess ansehen. Moment, hat der Zeuge nicht gerade gesagt, er habe die Leiche um 13 Uhr gefunden? Im Autopsie-Bericht stand doch was von 16 Uhr… Zeit für Wrights Catchphrase: OBJECTION!Test Phoenix Wright - Ace Attorney Trilogy

Mr. Wright im besten Anzug

Nun hat dieses sehr story- und rätsellastige Gameplay natürlich einen Haken. Der Wiederspielwert hält sich verständlicherweise in Grenzen, wenn man die Lösung des Falls schon kennt. Warum also sollten sich Spieler, die schon das Original gespielt haben also überhaupt für die 3DS-Neuauflage interessieren? Abgesehen davon, dass man wie ich seit dem ersten Teil aus dem Jahr 2006 inzwischen wieder alles vergessen haben könnte, punktet vor allem das optische Update der Phoenix Wright – Ace Attorney Trilogy. Aus dem 3DS lässt sich natürlich einiges mehr rausholen, als seinerzeit dem Vorgänger und so wurden die Bilder der Charaktere und Schauplätze neu gezeichnet. Sie sind schärfer, größer und auch in 3D eine wahre Pracht. Für gewöhnlich bin ich nicht unbedingt ein Fan des 3D-Effekts, aber in diesem Fall fügt er sich so gut in das ganze Spiel ein und verleiht ihm zusätzliche Tiefe, dass ich dafür bereitwillig den Handheld stillhalte.

Dem gegenüber gibt es relativ wenig über den Sound der Phoenix Wright – Ace Attorney Trilogy zu sagen. Der Soundtrack ist der gleiche, wie schon im Original und wurde unverändert gelassen. Die Synchronisation beschränkt sich auf einige wenige Phrasen wie “Objection!”, insofern gibt hier auch wenig zu Loben oder zu Meckern. Wer den Japano-Charme aber trotzdem noch ein wenig steigern will, für den liefert die Phoenix Wright – Ace Attorney Trilogy das japanische Skript gleich mit. Ansonsten müsst ihr mit der englischen Sprach-Fassung Vorlieb nehmen.Test Phoenix Wright - Ace Attorney Trilogy (4)

Lustige, absurde Charaktere und Story
Kurbelt die grauen Zellen an
Drei Spiele zum Preis von Einem
Gutes grafisches Update
Für Kenner nicht genügend Neuerungen
Sehr lineares Gameplay

Martin W.

Die Frage, ob ihr euch die Phoenix Wright - Ace Attorney Trilogy nun zulegen solltet oder nicht, ist einfach zu beantworten. Kennt ihr die Fälle und ihre Lösungen noch, dann liefert die Sammlung definitiv zu wenig Neues, um euch die Spiele nochmal zu kaufen. Kennt ihr sie nicht und könnt ihr dem Spielprinzip etwas abgewinnen, dann solltet ihr zuschlagen. Es erwarten euch aberwitzige, lustige Charaktere und Dialoge, knifflige, aber meist nachvollziehbare Rätsel und vor allem sehr viel Spiel für wenig Geld.
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