Test: Plants vs. Zombies – Garden Warfare

Plants vs. Zombies ist eigentlich ein sehr beliebtes Mobile-Game und vor allem bisher immer ein Tower-Defense-Spiel gewesen. Dies hat sich mit EAs neuestem Spiel Plants vs. Zombies – Garden Warfare gleich auf zwei Arten drastisch geändert. Aus Mobile wird Konsole und aus Tower Defense ein Third-Person-Shooter. Ob dem Spiel dieser Imagewechsel geschadet hat, das lest ihr in unserem Test.

Auch auf Kompost wachsen Blumen

Plants vs. Zombies – Garden Warfare 1Es ist der altbekannte Krieg, den wir alle schon in so vielen Facetten und Formen gesehen haben. Russland gegen die USA, Großbritannien gegen Deutschland, Menschen gegen Aliens, Orcs gegen Hobbits, Pflanzen gegen Zombies und so weiter. Moment…was war das letzte? Pflanzen gegen Zombies? Das  ist in der Tat relativ neu. Klar, wir alle kennen bereits Plants vs. Zombies als Tower Defense-Variate für unsere Smartphones oder Tablets, aber als Shooter? Das hat die Welt noch nicht gesehen, das ist mal was innovatives.

Okay, Zombies sind im ersten Moment nichts neues, werden sie doch aktuell in so vielen Spielen, Filmen und büchern nahezu schlimmer ausgeschlachtet, als die Vampire seit der Twilight-Saga. Um so erfreulicher ist es, wenn man sein Tablet oder Smartphone aus der Tasche holen und mal ganz ungeniert mit Samenkörnern, Kakteennadeln und anderem auf die etwas anderen Zombies abfeuern kann. So auch in Plants vs. Zombies – Garden Warfare, dass an dem Design seines Mobilen Pendants ebenso festhält wie an seinem Humor, was insofern etwas besonders ist als das gerade im gewählten Genre Humor oft an letzter Stelle steht.

Test: Plants vs. Zombies – Garden Warfare

Von geteilten Bildschirmen und Stickerheften

Doch beginnen wir von vorne. Ich habe mir die Xbox One-Version des Shooters geschnappt und diese auf meiner heimischen Konsole installiert. Viel Zeit wurde dafür nicht benötigt und auch die heutzutage obligatorische Aktualisierung fiel recht kurz aus. Über den Bildschirm fliegen die Logos der beteiligten Parteien. Entwickelt wurde das Spiel auf Basis der schon in Battlefield 4 zum Einsatz gekommenen Frostbite 3-Engine von PopCap, welche auch das Originalspiel schufen. Vertriebspartner ist, wie bei der Engine schon klar sein sollte, natürlich EA.

Test: Plants vs. Zombies – Garden Warfare

Erwähnen sollte ich, dass es sich um ein reines Online-Spiel handelt, welches bedingt zwar auch alleine genossen werden kann, aber keine klassische Story oder Kampagne hat und mit einer Online-Pflicht daher kommt, selbst wenn ihr alleine spielen wollt. Das erste was ich in dem recht einfach gehaltenen Menü sehe, lässt mir fast schon Freudentränen aus den Augen kullern. Sollte es wahr sein? Ja! Plants vs. Zombies – Garden Warfare bietet nicht nur einen Online-Koop-Modus, sondern tatsächlich eine Splitscreen-Option! Etwas, was abseits von Nintendo heutzutage nur noch sehr wenige Spiele bieten.

Plants vs. Zombies- Garden Warfare bietet neben dem Splitscreen-Modus auch noch den klassichen Third-Person-Online-Multiplayer, bestehend aus fünf verschiedenen Spielvarianten und einen Mix aus Tower Defense und Shooter, den Koop-Modus „Gartenkommando“. In diesem gilt es alleine oder mit Freunden und Fremden als Pflanze einen selbst angelegten Garten zu verteidigen. Dieser Garten passt den computergesteuerten Zombies aber gar nicht in den Kragen und wird von bis zu 10 Zombiewellen nach und nach angegriffen. Zwischenzeitlich dürft ihr gegen zig Untote und bisweilen auch per Einarmigem Bandit ausgeloste Bosszombies antreten. Eine Aufgabe die wir im Test selbst auf niedrigster Stufe und zu viert nur mit Mühe und Not gemeistert haben, aber sehr viel Spaß hatten, der vor allem durch die Verbundenheit im Chat aufkam. Dieser Modi ist perfekt für Koop-Action für bis zu vier befreundete Spieler geschaffen.

Test: Plants vs. Zombies – Garden Warfare

Ihr selbst habt nun die Möglichkeit, zuvor erworbene Sticker einzulösen und in festgesetzte Blumentöpfe Helfer einzupflanzen, die selbstständig auf die Zombies schießen, Fallen legen oder euch auch heilen können. Die Zombies können aber natürlich auch diese Helfer bekämpfen und zerstören. Einmal eingesetzt ist ein Sticker aber verwirkt und steht euch auch nicht in zukünftigen Sitzungen zur Verfügung, es sei denn, ihr kauft euch ein neues Pack mit fünf bis sieben Stickern. Keine Angst, obwohl Plants vs. Zombies – Garden Warfare von EA veröffentlicht wird, erwarten euch keine Microtransaktionen. Stattdessen erhaltet ihr nach jedem Match (und nur durch die Matches) basierend auf eurer spielerischen Qualität eine gewisse Anzahl an Spielgeld-Münzen, von denen ihr euch Stickerpakete kaufen könnt.

Diese Pakete enthalten Accessoirs für die Pflanzlichen- und die Zombie-Charaktere, Helferlein und Teile für ein Sammelbildchen, welches neue Charaktere freischaltet. Drei dieser Packs bestehend aus einem reinen Pflanzen-, einem Zombie- und einem Charakterpack (Kaktus der Zukunft) bekommt ihr schon zum Start des Spiels geschenkt. Auf Zombie-Seite stehen hier vor allem jene Sticker im Vordergrund, die es euch erlauben kurzfristig einen weiteren Zombie zu beschwören.

Plants vs. Zombies – Garden Warfare 9

Immer dieser Rassen- und Klassenkampf

Ob ihr nun als Pflanze oder Zombie in die Gefechte von Plants vs. Zombies – Garden Warfare startet, ihr habt jeweils vier Klassen zur Auswahl, die gut aufeinander ausbalanciert daherkommen. Das Erbsengemüse stellt dabei auf Seite des Grünzeugs den einfachen Fußsoldaten dar, während die Fleischfressende-Pflanze zu Beginn nur über Nahkampfmöglichkeiten verfügt und sich unterirdisch anschleichen kann. Die Sonnenblume übernimmt die Afgabe des Sanitäters, kann aber auch Sonnenblumenkerne und Sonnenstrahlen verschießen. Schließlich wäre da noch der Kaktus, der seine Nadeln als Waffe nutzt und zu dessen Spezialfähigkeiten eine fliegende MG-Drohne und ein Schild, sowie Minen gehören.

Plants vs. Zombies – Garden Warfare 10Bei den Zombies gibt es den mit einem Raketenrucksack ausgestatteten Infanterist, der als einziger die Fähigkeit hat, durch die Lüfte zu fliegen, den Engineer, welcher sich auf einem Presslufthammer fortbewegt und den Professor, der die Fähigkeit hat sich von A nach B zu warpen und mit einer Art Schrotflinte ausgestattet ist. Langsamste aber stärkste Klasse ist der All Star, welcher eine Football-Kanone und einen Tackle sein Eigen nennt. Ebenso kann er ab einem bestimmten Level auch einen Schild aufstellen hinter dem er sich schützen kann. Alle Klassen erhalten durch Erfahrungspunkte Fähigkeiten hinzu, die auch im Klassen-Menü ausgetauscht werden können.

In manchen Modi bietet euch Plants vs. Zombies – Garden Warfare zudem auch einen Gott-Modus, der es euch erlaubt, ähnlich der Commander-App in Battlefield 4 das Schlachtfeld von oben zu betrachten, eure Truppen zu heilen, Bomben abzuwerfen oder einen Gebiets-Scan durchzuführen. Vorausgesetzt ihr sammelt genug Sonnen ein, die durch das Bild flackern. Gesteuert wird im Boss-Bildschirm mittels Kinects Gestensteuerung, was auch besser funktioniert als erwartet.

Test: Plants vs. Zombies – Garden Warfare

Fallende Blätter und rollende Köpfe

Kommen wir nun aber zum eigentlichen Kern des Spiels, den Multiplayer-Schlachten mit bis zu 24 Spielern. Hier zeigt sich leider, wie so oft in derartigen Spielen, dass jene, die fähiger und länger dabei sind, auch klare Vorteile gegenüber Anfängern haben. Da sind Modifikationen freigeschaltet, die selbst noch längst nicht erreicht werden konnten und auch die Vorteile des Kaktus beziehungsweise All Star macht sich gegen die schnelleren und wendigeren Gegner kaum bemerkbar.

Test: Plants vs. Zombies – Garden WarfareVerfügbare Modi in Plants vs. Zombies – Garden Warfare sind neben der Domination-Variante „Gärten und Friedhöfe“ und dem Team Deathmatch, die es beide in zwei verschiedenen Varianten, nämlich einmal mit und einmal ohne Anpassungen der Charaktere, noch ein Anfängermodus, der vor allem damit besticht, dass ihr hier mehr Lebenspunkte erhaltet, je schlechter ihr spielt.

Platz finden diese epischen Schlachten der etwas anderen Art auf einer von 10 Karten, zu denen sich im Lebenszyklus von Plants vs. Zombies – Garden Warfare aber noch weitere gesellen sollen. Diese sind mal mehr und mal weniger hell und farbenfroh gestaltet, bestechen aber alle mit einem unkonventionellen Stil, der an einen Animationsfilm erinnert. Ermöglicht wird dieses sehr ansehliche Bild durch die Frostbite 3-Engine, wenngleich Zerstörungen wie aus Battlefield 4 bekannt nicht möglich sind und aufgrund des speziellen Looks auch nicht der Detailgrad notwendig ist, wie in einem Need for Speed – Rivals oder Battlefield 4.

Plants vs. Zombies – Garden Warfare 5Auf Ladezeiten zwischen den Gefechten müsst ihr euch auf beiden Plattformen einstellen, wenngleich sie auf der Xbox One nicht ganz so lang ausfallen, wie auf ihrer Vorgängerin. Störend sind die Ladezeiten auch nicht, denn immerhin bieten sie nützliche Tipps und Hinweise. Apropos: Schaltet ihr aufgrund eines Levelaufstiegs eine neue Fähigkeit frei, präsentiert euch das Spiel mit seinem eigenen Humor die Auswirkungen dieser Fähigkeit. Das ist lustig anzusehen und stört auch nicht im Spielfluss, da diese Zwischensequenzen einfach übersprungen werden können.

Trotz der 60 Frames und der kraftvollen Engine wirken die Bewegungsanimationen jedoch manchmal hölzern und simpel, was weniger die Zombies als eher die Pflanzen betrifft. Im Vergleich mit anderen Shootern ist ein deutlicher qualitativer Unterschied zu sehen und zu spüren, während eines kurzen Matches zwischendurch aber definitiv zu verkraften.

Test: Plants vs. Zombies – Garden Warfare

Die Unterseite des Blattes

Zuletzt noch ein paar Punkte, die mir an Plants vs. Zombies – Graden Warfare trotz der frischen Idee, dem tollen Humor und dem infrage stellen des Shooter-Konzepts nicht gefallen haben. Da wäre zum einen die Tatsache, dass ich zu Beginn sehr viel Trial & Error-Prinzip zu spüren bekam. Erklärungen wie was funktioniert und was mich insbesondere in Gartenkommando erwartet waren rar gesät. Ebenso wie und wo ich gewisse Übersichten und Einstellungen finde, wie zum Beispiel eine Übersicht der Sticker, die mir noch zur Verfügung stehen. Weiterhin störte mich im Spiel selbst die fehlende Möglichkeit effektiv in Deckung zu gehen, wie es für einen Shooter üblich ist. In Verbindung mit den kleinen „Magazinen“ der Pflanzenwaffen war ich sehr schnell Kanonenfutter für die Zombies.

Auch das Zielsystem ist insbesondere für First-Person-Shooter-Veteranen wie mich gewöhnungsbedürftig. Zielhilfen lassen sich einstellen, das freie Zielen ist aber recht schwerfällig und auf dem ohnehin sehr hektischen Schlachtfeldern oft ungenau. Die eigene Spielfigur behindert dabei zusätzlich das Sichtfeld. Allerdings ist zumindest ein kleiner Zoom möglich. Nun aber VORSICHT, denn was mir am meisten missfallen hat ist, dass EA sich gemäß den Voreinstellungen das Recht heraus nimmt, eure Daten zu sammeln. Standardmäßig ist diese Option im Menü auf „ein“ gestellt. Wollt ihr eure Daten nicht an EA übermitteln müsst ihr hier selbst erst die Funktion deaktivieren. Einen Hinweis darauf gibt euch Plants vs. Zombies – Garden Warfare nicht.

Plants vs. Zombies – Garden Warfare 11

  • Super Humor
  • Preis-Leistung
  • Liebevolles Design
  • Unkonventionelle Waffen
  • Bruch mit dem Shooter-Ernst
  • Kurzweiliger Spaß für zwischendurch
  • Kaum Erklärungen
  • Verwirrendes Stickersystem
  • Kaum Langzeitmotivation
  • Teils schlechtes Balancing

Marco S.

Die Macher von PopCap haben sicher nicht das Rad neu erfunden, aber im übertragenden Sinne coole Sticker, Fähnchen und eine neue Lackierung angebracht. Es ist eine willkommene Abwechslung, einmal nicht mit menschlichen oder außerirdischen Elitesoldaten aufeinander ein zu schießen, dafür aber einen Zombie mal so richtig mit einer Pflanze zu verhauen. Das Figurendesign und das erfrischende Gameplay sind dabei besonders positiv zu erwähnen. Aber auch negative Aspekte wie teilweise schlechtes Balancing und die Datenfreigabe an EA müssen erwähnt werden. Aufgrund des Preis-Leistungs-Verhältnisses kann ich einen Kauf aber durchaus empfehlen.
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