Test: Prey: Mooncrash – Das erste Rogue-Lite von Bethesda

Test: Prey: Mooncrash - Das erste Rogue-Lite von Bethesda-Bild11

Prey: Mooncrash – Der Mond ruft

Die E3 wird alljährlich zum Anlass genommen, Spiele überraschend anzukündigen und dann doch wieder zum Mond zu schießen. Anders war es bei Prey: Mooncrash. Im Rahmen der Pressekonferenz hat Bethesda die Erweiterung zum Weltraumepos der Arkane Studios nicht nur angekündigt, sondern direkt an die Spielerschaft übergeben. Das Ergebnis ist ein erstaunlich mutiges Spielkonzept, das kaum noch etwas mit dem ursprünglichen Titel gemein hat und besonders spielerisch überzeugen kann. Das erste 3D-Rogue-Lite im Weltraum führt euch auf die von Typhon verseuchte Mondoberfläche. Ob die Rückkehr zu Prey funktioniert, verraten wir euch in unserem Test.

Auf der Flucht5

Test: Prey: Mooncrash - Das erste Rogue-Lite von Bethesda-Bild5

Die Fluchtkapsel ist erst der Anfang

Anders als noch das Hauptspiel wirft euch Mooncrash ohne große Vorgeschichte ins Geschehen. Nach dem Fiasko auf der Thalos 1 wagen nur noch verzweifelte Unternehmen den Schritt in den Weltraum. Die KASMA Corporation ist eins dieser Unternehmen, das weiterhin auf dem Mond nach Ressourcen forscht. Das Problem: Genau bei dieser Firma seid ihr angestellt und müsst im Rahmen einer Simulation euren Fluchtplan schmieden, um von der Mondbasis zu entkommen, sobald euch KASMA aus dem Dienst freistellt. Ihr begebt euch also auf die Oberfläche und stellt schnell genug fest: Ohne Waffe bin ich hier aufgeschmissen. Nur mit einem Brecheisen bewaffnet macht ihr euch auf die Suche nach einer Rettungskapsel, die euch nach Hause schicken soll. Der Weg dorthin ist jedoch ein harter und ihr trefft auf etliches Typhon-Getier, das sich schon im Hauptspiel getummelt hat. Sterben ist also vorprogrammiert.

Nach dem Tod erwartet euch allerdings kein Game Over-Screen. Stattdessen wacht ihr auf und die Simulation startet von Neuem. Der Weg zur Fluchtkapsel bleibt gleich, die Verteilung der Items und Gegner ist jedoch komplett über den Haufen geworfen. Ein weiteres Mal macht ihr euch auf den Weg, sammelt alles ein, was nicht niet- und nagelfest ist und schafft es unter größten Mühen zum rettenden Schiff. Nur noch ein Knopfdruck und der DLC ist vorbei…Neustart! Wieder erwacht ihr in der Mondbasis, nun wartet jedoch ein anderer Charakter darauf, von euch gerettet zu werden. Insgesamt fünf Figuren, allesamt mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Equipment ausgestattet, müsst ihr zurück nach Hause schicken, um die Erweiterung abzuschließen – keine leichte Aufgabe, denn schnell wird klar: Die erste Kapsel ist logischerweise weg und ihr müsst euch einen neuen Fluchtweg suchen. Jeder Durchgang bietet also eine gänzlich neue Erfahrung. Und glaubt mir, ihr werdet viele Durchgänge brauchen!

Der nächste bitte!

Test: Prey: Mooncrash - Das erste Rogue-Lite von Bethesda-Bild2

Ein Anblick, den ihr häufiger zu sehen bekommen

In Sachen Spielwelt haben die Arkane Studios wieder ganze Arbeit geleistet. In der Mitte der Mondbasis liegt ein offener Krater, der eine Art Hub darstellt, von dem aus ihr vier große Bereiche der Raumstation erkunden könnt – sofern ihr den Charakter mit der entsprechenden Fertigkeit bereits freigespielt habt. Ihr habt es also mit einer Spielwelt zu tun, die nicht von Anfang an frei zugänglich und offen ist, sondern sich im Laufe des Spiels entfaltet und euch immer mehr Möglichkeiten der Erkundung liefert. Die Nähe zum Hauptspiel ist hier offensichtlich. Das Spielgefühl ist allerdings ein ganz anderes als noch mit Morgan Yu.

Wie für ein Rogue-Lite üblich reicht es nämlich nicht, einen Charakter zu retten, um den nächsten freizuschalten. In einem übersichtlichen Menü gilt es zunächst herausfinden, welche Aufgabe ihr abschließen müsst, um eine weitere Figur ins Team aufnehmen zu können. Um beispielsweise den Waffenexperten Vijay Bhatia freizuspielen, müsst ihr auf der Raumstation zunächst die Leiche seiner Schwester ausfindig machen. Jeder Charakter fügt darüber hinaus über ein optionales Ziel, das euch bei Abschluss mit einem kurzen Video zur Lebensgeschichte der Figur belohnt. Für Spieltiefe über die Rettung der fünf Mondbewohner hinaus ist also gesorgt.

Fortschritt dank Wiederholung

Test: Prey: Mooncrash - Das erste Rogue-Lite von Bethesda-Bild6

Fünf Charaktere warten auf ihre Rettung

Damit euch auf der Station nicht langweilig wird, weil ihr immer den gleichen Weg geht, verfügt Mooncrash über ein Punktesystem, das es euch erlaubt, zu Beginn jeder neuen Runde auf große Einkaufstour zu gehen. Habt ihr einen der über die Spielwelt verteilten Baupläne für Waffen, Medikits und Co. gefunden, könnt ihr euch vor dem Neustart mit den entsprechenden Items eindecken. Bereits entdeckte Gebiete durchquert ihr somit im Schlaf, während neue Abschnitte euch trotzdem an eure Grenzen treiben. Je mehr Typhon ihr in einem Run erledigt, desto mehr Punkte warten nach dem nächsten Tod darauf, von euch ausgegeben zu werden.

Auch Neuromods, mit denen ihr eure Psy-Fähigkeiten, Schrauber-Skills und Waffen-Techniken verbessert, bleiben nach dem Tod erhalten. Ihr verstärkt eure Figuren so lange, bis sie einen Levelabschnitt endlich ohne Probleme hinter sich bringen können. Mit jedem neuen Item macht ihr in der Welt von Mooncrash also Fortschritte, bis ihr nach rund 20 Stunden Spielzeit alle Charaktere gerettet und das Ende des DLC erreicht habt – richtig guter Umfang für 20€ Anschaffungspreis!

Gegen die Zeit

Test: Prey: Mooncrash - Das erste Rogue-Lite von Bethesda-Bild10

Die Zeit rennt

Wer dafür allerdings eine ausgeklügelte Story innerhalb eines Rogue-Lite erwartet, erlebt leider eine Enttäuschung. Der Fokus lag bei den Entwicklern ganz klar bei der Generalüberholung des Spielkonzepts, worunter die Geschichte etwas zu leiden hat. Warum genau ihr von der Mondbasis fliehen wollt und wer die fünf Charaktere eigentlich sind, verrät euch das Spiel nur sporadisch. Ganz ohne Informationen steht ihr allerdings nicht dar, denn über die Computer der toten Besatzungsmitglieder erfahrt ihr immer noch eine ganze Menge über das, was auf der Station so vor sich geht. Sei es die Buchhaltung, die beim wöchentlichen Anti-Gravity-Baskettball überrascht und frei nach Space Jam in Stücke gedunkt wird oder der Techniker, dessen Erotikzeitschrift sich unglücklicherweise als Mimik herausstellte. Auch in Mooncrash findet ihr viele dieser Mikrokosmen, die Prey schon so spielenswert gemacht haben.

Ihr habt allerdings kaum die Gelegenheit, die großartig entworfene Spielumgebung und vielen kleinen Geschichten zu genießen, denn sobald ihr den ersten Mondflüchtling gerettet habt, tickt die Uhr. Knapp eine halbe Stunde bleibt euch für jeden Durchgang, ihr müsst also Prioritäten in dem setzen, was ihr tut. Überlegt euch besser zwei Mal, ob ihr jeden Technopathen aus dem Weg räumen wollt oder doch lieber an den tödlichen Typhons vorbeischleicht, um Zeit zu sparen. Es gibt zwar Items, mit denen ihr ein wenig Zeit schinden könnt, das unausweichliche Ende eures Charakters verhindern sie allerdings nicht. Dieses zeitliche Element bringt noch einmal Tempo in die Sache und lässt die schwache Story recht schnell in Vergessenheit geraten. Den Wettlauf gegen die Zeit gewinnt Prey: Mooncrash vor allem deshalb, weil es neue Wege geht und das Konzept DLC revolutioniert, indem es nicht nur die Geschichte weiterführt, sondern eine neue spielerische Perspektive auf das Hauptspiel eröffnet. Das hat zuletzt nur The Witcher 3: Blood&Wine geschafft.

Prey als Rogue-Lite
Neue spielerische Perspektive
Leveldesign und Spielwelt großartig
Guter Umfang für ein DLC
Identität von Prey bleibt erhalten
Schwache Story
Kaum Langzeitmotivation
Wiederholung als Spielkonzept

Christian Böttcher

Prey: Mooncrash wirft neues spielerisches Licht auf einen Titel, der von seiner Geschichte lebt - ein mutiger Ansatz. Als gut durchdachtes Rogue-Lite sorgt der rund 20-stündige Trip auf den Mond für jede Menge Spielspaß, der ausgezeichnet mit den Mechaniken des Hauptspiels verzahnt ist. Die Geschichte rückt dabei jedoch stark in den Hintergrund, sodass vor allem diejenigen mit Mooncrash etwas anfangen können, die Prey aufgrund des präzisen Gameplay geliebt haben. Wiederholung als Spielkonzept mag nicht jedem gefallen, die ausgeklügelte Spielwelt und das hervorragend umgesetzte Fortschritts-System sorgen allerdings dafür, dass die Motivation nie verloren geht.
Test: Mario Tennis Aces Test: Moonlighter - Die Geschichte eines Ladenhüters
Comments