Test: Project CARS

project cars test thumbnailNormalerweise läuft Spieleentwicklung so ab: Ein Entwickler arbeitet über viele Jahre im Geheimen an seiner Vision des Spiels bis es dann angekündigt und kurz darauf auf den Markt kommt. Project CARS bzw. Slightly Mad Studios haben sich früh für eine viel offenere Form der Entwicklung entschieden und ihre Rennsimulation Hand in Hand mit der Community entwickelt. Wie sehr das Projekt davon profitieren konnte und wo sich Project CARS auf dem Markt der Rennspiele einsortieren muss verraten wir euch gerne in unserem Test.

Wert auf Details

Dabei greifen wir unserem Fazit mit folgendem Satz vorweg: Project CARS ist eine verdammt gute Rennspiel-Simulation mit viel Liebe zum Detail und trotzdem auch für Einsteiger geeignet. Dabei bricht das Spiel mit vielen nervigen Traditionen anderer Genrevertreter was vor allem in der Kampagne klar wird. Statt euch langsam von den Karts in die Klasse der Superkarossen vorzuarbeiten habt ihr die freie Auswahl, ob ihr die Saison lieber in Tourenwagen oder Formel Schlitten verbringen wollt. Vertrag auswählen, loslegen und (hoffentlich) Erfolge feiern. Genau so soll es doch sein. Ganz schön, dass ihr zudem in einem virtuellen Twitter-Klon von euren „Fans“ nach jedem Rennen gefeiert oder halt auch kritisiert werdet.

Das ist jedoch auch schon das witzigste Feature an der gesamten Kampagne, womit wir bei unserem ersten kleinen Problem mit Project CARS wären. So sehr wir den Flow und die Freiheit der Kampagne mögen, so wenig verdient sie sich es eigentlich, überhaupt als Kampagne bezeichnet zu werden. Zwar gibt es einen Kalender und irgendwie bekommt ihr auch ein paar Ziele von eurem aktuellen Team vordefiniert, aber davon abgesehen fehlt es der Story an Zusammenhang. Sicherlich eine Folge dessen, dass man die Rennen so abarbeiten kann wie man selbst will, aber der komplette Verzicht auf Zwischensequenzen oder eine Hintergrundgeschichte lassen die Kampagne trocken wie ein Wüstenrennen daherkommen. Da hilft auch die schicke Opern-Musik in den Menüs nicht um jene mit Spannung zu erfüllen.Test Project CARS (1)

Dafür werdet ihr im Verlauf des Spiels quasi rund um die Welt geschickt, denn die 31 Orte und über 110 Strecken sind vom Umfang her absolut ungeschlagen. Mit dabei natürlich Klassiker wie Silverstone oder die Nordschleife, aber auch hübsch in Szene gesetzte Fantasiekurse. Zwar sind die Umgebungen der Strecken teils etwas zu trist für unseren Geschmack, aber rein fahrtechnisch kommt viel Abwechslung auf. Der eigentliche Star die Autos sehen im Vergleich um Längen besser aus und sind von innen und außen nicht mehr allzu weit von ihren realen Gebrüdern entfernt. Einziges Manko: Als Preis für diesen Detailgrad musste an der Quantität gespart werden. Gerade ein Mal 70 Autos hat Project CARS ab Release zu bieten und kann hier nicht mit den Kollegen bei Forza und Gran Turismo mithalten. Auch das Schadensmodell wirkt nicht immer realistisch.

Die Welt wie sie dir gefällt

Fangen wir mit den Umständen an unter denen ihr eure Rennen bestreiten könnt, denn schon hier hebt sich Project CARS meilenweit von seiner Konkurrenz ab und lässt euch in den Einzelevents genau bestimmen wann, wie und wo ihr fahren wollt. Als wäre die Streckenauswahl nicht schon groß genug, könnt ihr euch auf Tag und Stunde genau aussuchen wann ihr jene befahren wollt. Desweiteren dürft ihr auch bis zu vier Wettereinstellungen pro Rennen vornehmen, die dann dynamisch ineinander übergehen können. Von Sonnenschein über Nebel bis hin zu Starkregen und Gewitter lässt sich so einiges einstellen, zumal die Regentropfen auf der Linse besonders nett aussehen.Test Project CARS (4)

Wer es mit seinen bis zu 40 KI Konkurrenten aufnehmen will, der braucht natürlich auch das richtige Setup. Wobei man sagen muss, dass die KI sich nicht immer schlüssig verhält. Hierbei handelt es sich wohl eher um Motorsport Mittelmaß. Beeindruckender ist da schon die gefühlte Möglichkeit jeden Zylinder eures Wagens einzeln zu optimieren. Federung und Reifendruck sind nur Kleinigkeiten in einem Pool von hunderten Einstellungen um euer Fahrzeug zu optimieren. Für Liebhaber die sich mit der Materie auskennen interessant, zumal sich über viele von der Community entwickelten Apps die Telemetrie Daten live aus dem Spiel heraus auslesen lassen.

Spätestens hier verdient sich Project CARS den Status als ernst zu nehmende Simulation, die dennoch für Anfänger geeigneter ist. Denn wer nichts mit dem genannten anfangen kann schaltet einfach Fahrhilfen hinzu und ignoriert den Rest. Dennoch ist Vorsicht geboten, denn die aus anderen Genrevertretern bekannte Zurückspulfunktion gibt es nicht. Im Zweifelsfalle kostet euch eine schlechte Kurve also alles.Test Project CARS (2)

Bilderbuch voll schöner Autos

Von uns getestet wurde die PC Version und das auch auf einem recht performanten Rechner. Den werdet ihr auch brauchen, wenn ihr Project CARS in voller Pracht genießen wollt, dafür sind dann (in der Theorie) auch Auflösungen bis zu 12K für das Spiel möglich. In simplen 1080p und 60FPS machte das Spiel bei uns jedoch auch schon eine gute Figur. Die Zeiten in denen der Tacho nur eine Grafik im Wageninneren war sind vorbei und stattdessen können wir aus der Helm-Perspektive beobachten wie Tacho, Scheibenwischer und diverse andere Anzeigen realistisch das Innere eines Wagens wiederspiegeln. Nur die Strecken wirken wie bereits erwähnt etwas trister als sie für unseren Geschmack hätten sein können.

Ansonsten treffen Sound und der sonstige Umfang des Spiels unseren vollen Geschmack. Wuchtige Motoren von eurem und den Fahrzeugen eurer Kontrahenten die zudem auch alle zu dem jeweiligen Auto passen machen Spaß und der Online Modus tut sein Übriges um zu motivieren. Zumindest mit den richtigen Mitspielern. Ein Punkt wo wir kritisieren könnten, dass ein Splitscreen Modus leider nicht vorhanden ist. Finden wir allerdings gar nicht mal so tragisch, da eine Simulation wie Project CARS am besten im Vollbild und mit Lenkrad genossen wird.Test Project CARS (3)

Wert auf Realismus
Rennen stehen im Vordergrund
Detailgetreue Wagen
Riesige Streckenauswahl
"Nur" 70 Wagen
Kampagne trocken erzählt

Yannick D.

Hunderte von Spielern, aber auch Profis aus dem Motorsport haben die Entwicklung von Project CARS über viele Jahre hinweg begleitet. Das Endergebnis kann sich dementsprechend sehen lassen, denn eine so realistische und dennoch einsteigerfreundliche Simulation für Rennspiele bekommt ihr sonst nirgends. Der Fokus liegt ganz klar auf den Rennen und hier sind euch praktisch keine Grenzen gesetzt. Eine spannend erzählte Geschichte solltet ihr jedoch nicht erwarten und auch der Fuhrpark wirkt im Vergleich zur Konkurrenz eher unbeeindruckend. Wer noch ein Lenkrad für seinen PC oder seine Konsole im Schrank hat, hat nun jedenfalls einen ernsthaften Grund selbiges wieder hervorzuholen.
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