Test: Project Zero – Priesterin des schwarzen Wassers

project zero priesterin des schwarzen wassers thumbnailWasser ist bekanntlich der Ursprung allen Lebens, obwohl uns der mittlerweile fünfte Teil der Fatal Frame Serie ein wenig an dieser Theorie zweifeln lässt. Kein Wunder, ist das nasse Element hier doch Wurzel allen Übels und von Tod und Schrecken! Die hierzulande als Project Zero bekannte Reihe hat in Japan bereits 2014 einen neuen Ableger für Nintendos Wii U erhalten, der nun als Project Zero – Priesterin des schwarzen Wassers endlich auch bei uns erscheint. Schocken Camera Obscura, Geister-Tempel und Japano-Horror noch immer oder fällt die Grusel-Stimmung dieses mal ins Wasser?

Stille Wasser sind…

Ein Berg. Eine dunkle Geschichte. Ein schreckliches Geheimnis. Irgendwo zwischen dem roten Sonnenuntergang, der den Himmel in Brand zu setzen scheint, und einem dichten Geflecht aus Mythen, Traditionen und Ritualen liegt der Hikami Berg. Dieser beherbergt nicht nur einen Schrein, in dem seit Generationen den Seelen Verstorbener gedacht wird, er übt auch magische Anziehungskraft auf jene aus, die vom Tod fasziniert oder spirituell empfänglich sind. Der Berg ist Schauplatz zahlreicher Selbstmorde und übernatürlicher Ereignisse, die alle mit Wasser in Verbindung stehen. Einst sollen die Priesterinnen des Schreins die Seelen der Toten ins Jenseits geleitet haben, doch unter der Oberfläche liegt ein düsterer Albtraum, der alles in einen Strudel aus schwarzem Wasser zu ertränken droht.Test Project Zero - Priesterin des schwarzen Wassers (8)

Auch Yuuri ist eine dieser spirituell empfänglichen Personen, die über die mysteriöse Fähigkeit Kagemi verfügen. Angeleitet von dem bekannten Medium und Nachfahrin der Priesterinnen des Hikami Berges Hisoka Kurosawa, ist Yuuri an diesen Ort gekommen, um den Umgang mit ihrer Fähigkeit besser zu lernen. Dazu soll sie auch reichlich Gelegenheit bekommen, denn als Hisoka spurlos verschwindet, ist es an Yuuri und dem Autor Ren Hojo den Geheimnissen auf den Grund zu gehen. Jeweils ausgerüstet mit einer Camera Obscura, einem mysteriösen Objekt, das Geister bannen kann, untersuchen die beiden den Vorfall und kehren wie die Fliegen zum Licht immer wieder zum Hikami zurück, um Hisoka zu retten. Heimtückische Geister lauern den beiden jedoch auf Schritt und Tritt auf und bald verschwimmen Vergangenheit und Gegenwart in den Fluten des schwarzen Wassers.

…gruselig und ein wenig zu kompliziert

Die Geschichte von Project Zero – Priesterin des schwarzen Wassers wird aus der Sicht der drei Protagonisten Yuuri, Ren und Miu geschildert, die auf ihre Art alle eine Verbindung zum Hikami haben. Konkreter Anlass für unsere Helden um den Berg zu besuchen ist dabei meist das Verschwinden eines Gegenstandes, das Verschwinden einer Person, die nach einem verschwundenen Gegenstand gesucht hat oder das Verschwinden einer Person, die nach einer verschwundenen Person gesucht hat, die nach einem verschwundenen Gegenstand gesucht hat. Und während wir mit den drei Protagonisten über den Hikami wandern, wird uns in Notizen, alten Schriften oder verschwommenen Rückblenden die ganze düstere Vergangenheit und ein alter Fluch offenbart. Außerdem warten wieder verschiedene Enden auf fleißige Spieler, die sich mit einer einzigen Wahrheit nicht zufrieden geben möchten.Test Project Zero - Priesterin des schwarzen Wassers (26)

Diese Konstellation aus verschiedenen Zeiten und Charakteren, zwischen realen Gegebenheiten und Illusionen, macht den recht simplen Grundplot schnell anspruchsvoll. Alle auftauchenden Charaktere hängen auf die eine oder andere Art mit den Geschehnissen der Vergangenheit zusammen. Gleichzeitig werden viele Aspekte bewusst ein wenig nebulös gehalten, doch gerade dieser leicht konfuse Erzählstil macht auch den Reiz des Spiels aus. Die Project Zero Reihe punktet seit jeher mit ihrer vom japanischen Glauben geprägten, spirituell-religiösen Story um Geister, Verstorbene und die Schrecken des Lebens und des Todes. Auch im aktuellen Teil ist dieser japanische Charme wieder deutlich spürbar. Die Erzählstruktur aus flackernden schwarz-weiß Rückblenden, unzähligen Notizen und Schriften, und ständig wechselnden Charakteren kann allerdings etwas ermüdend sein. Selbst dem fünften Volkskunde-Buch über die Traditionen des Tempels noch volle Aufmerksamkeit zuschenken ist da nicht immer einfach.

Und im Klartext, ist die Story jetzt gut oder schlecht? Nun, sie ist anders und gerade diese Andersartigkeit hat für mich den Reiz im Vergleich zu anderen Genre-Vertretern ausgemacht. Ein kleines Problem ist allerdings das Pacing der einzelnen Kapitel. Während der Spannungsaufbau bis zum furiosen Höhepunkt eigentlich in jedem Kapitel hervorragend funktioniert, uns fesselt und meisterlich die Angst in uns schürt, wird dafür aber auch fast immer der perfekte Moment für das Kapitelende verpasst. Nicht selten müsst ihr daher nachdem der Endgegner besiegt ist noch mehrere Minuten den Weg zum Fuß des Berges zurück laufen und euch mit lästigen Klein-Geistern rumärgern, ohne dass dies einen Einfluss auf die Story hätte. Möglicherweise steckt auch ein tieferer Sinn dahinter, der sich mir nicht erschlossen hat, aber die Luft ist nach dem Kapitelhöhepunkt einfach raus, da möchte ich möglichst schnell mit dem nächsten Abschnitt weitermachen und nicht erst noch einen lahmen Fußmarsch einlegen.Test Project Zero - Priesterin des schwarzen Wassers (13)

Fotogener Gruselspaß

Doch genug zum Plot, denn ebenso großes Highlight von Project Zero – Priesterin des schwarzen Wassers sollte ja das Gameplay und die Integration des Gamepads sein, das als Kamera fungiert. Für alle, die neu in der Serie sind, eine kurze Einführung in die Spielidee. Anders als in anderen Horror-Spielen werden in Project Zero auftauchende Gegner nicht mit Schießeisen oder Schlagwaffen unschädlich gemacht, sondern mittels der mysteriösen Camera Obscura. Dieses Werkzeug sieht zwar aus wie eine normal, etwas in die Jahre gekommene Kamera, kann allerdings Geister lokalisieren und sie auf Film bannen, wodurch sie verschwinden.

Dabei wechselt die Kamera aus der Third-Person-Perspektive in die Ego-Sicht, sobald ihr durch den Sucher der Kamera blickt. Das gibt euch zwar die Chance den Geistern zu Leibe zu rücken, allerdings ist euer Sichtfeld stark eingeschränkt und das Gefühl verfolgt zu werden steigt. So treibt es euch durch düstere Umgebungen, Höhlen und gerne auch mal obskure Tempel, wohl wissend, dass der nächste körperlose Widersacher plötzlich aus der Wand brechen könnte. Und selbst wenn euch das Spiel mal ein Bonbon in Form von Heilkräutern oder Ähnlichem hinwirft, müsst ihr ständig auf der Hut sein. Greift ihr in einer nervenaufreibend langsamen Videosequenz nach dem Gegenstand, dann packt euch ab und an eine Geisterhand, falls ihr nicht rechtzeitig ausweicht. Dann gilt es sich mit den Analogsticks frei zu kämpfen. Ihr haltet das für nervig und recht sinnlos? Ist es auch, aber es sorgt dafür, dass wir selbst beim Aufheben von Items aufmerksam und angespannt sind, was der Grusel-Atmosphäre durchaus zuträglich ist. Ganz davon abgesehen, dass das Duell Spieler gegen Geisterhand mit zunehmender Spielzeit zur Ehrensache wird.Test Project Zero - Priesterin des schwarzen Wassers (4)

Fatal Frame – Alles zu seiner Zeit

Und im Wesentlichen ist dies auch schon alles, was es über das Gameplay von Project Zero – Priesterin des schwarzen Wassers zu wissen gilt, denn abgesehen von den Kämpfen und dem Erkunden der Umgebung gibt es nicht viel zu tun. Die Kämpfe sind dabei allerdings stets spannend und erfordern ein hohes Maß an Timing. Abhängig vom richtigen Zeitpunkt sind eure Gegner mal mehr und mal weniger anfällig für Attacken. Ertönt kurz vor einem gegnerischen Angriff ein Alarmsignal, könnt ihr eines oder sogar mehrere “Tödliche Fotos” (Fatal Frames) schießen, die schweren Schaden verursachen und Geister zurückdrängen. Das genau Abpassen des Zeitfensters macht den Reiz der Kämpfe aus. Knipst ihr zu früh oder zu spät, werdet ihr getroffen und zurückgeschlagen. Durch Modifikationen könnt ihr eure Kamera zusätzlich ausrüsten, um etwa den Schaden zu erhöhen, Gegner zusätzlich zu lähmen und mehr.

Und wie ist es um den Grusel-Faktor des Spiels bestimmt? Wie bei jedem Horror-Spiel hängt das natürlich maßgeblich davon ab, welche Ängste man persönlich hat und für welche Art von Horror man empfänglich ist. Project Zero – Priesterin des schwarzen Wassers verzichtet fast vollständig auf Mittel wie Jump-Scares und erzeugt seine Schrecken eher durch stetiges Zermürben mit Psycho-Spielchen. Beispielsweise irren wir zeitweise durch den Schrein der Puppen, der, ihr ahnt es, mit unzähligen Puppenstatuen in Form kleiner Mädchen gefüllt ist. Als wäre dies nicht schon creepy genug, ändern die Puppen auch noch ihre Positionen, wodurch man sich ständig bedroht und nervlich belastet fühlt. Der eigentliche große Schocker- oder gar Splatter-Moment wird nur sparsam benutzt oder ganz weggelassen. Das erspart uns zwar den von ähnlichen Spielen gewohnten abrupten Schrecken, aber auch das kurze Durchatmen nach ihm.Test Project Zero - Priesterin des schwarzen Wassers (20)

Spiel mit dem Wasser

Da in Project Zero – Priesterin des schwarzen Wassers das Thema Wasser eine große Rolle spielt, wurde es auch im Gameplay aufgegriffen. Wann immer ihr mit dem nassen Element in Berührung kommt füllt sich eine kleine Anzeige. Ist diese voll, richtet ihr bei Geistern deutlich mehr Schaden an, seid aber gleichzeitig auch anfälliger für deren Attacken und werdet öfter heimgesucht. Da es im Spiel aber eigentlich ohnehin die ganze Zeit regnet oder ihr im Wasser steht und das einzige Item um euch abzutrocknen recht rar ist, verliert sich der Effekt dieses Features ein wenig.

Ebenfalls neu sind die Geisterschatten, die nach dem Verschwinden eines Feindes kurzzeitig zurückbleiben. Berührt ihr diesen formlosen weißen Nebel, erhaltet ihr nicht nur Zusatz-Punkte, sondern erfahrt häufig in einem kurzen Clip etwas über die Hintergrundgeschichte des Gegners. Allerdings erscheinen diese Erinnerungen nur für wenige Sekunden, weshalb es sich durchaus lohnen kann, während des Kampfes nicht zu viel Distanz zwischen sich und den Gegner zu bringen. Eine kleine, aber umso großartigere Idee, um den Kämpfen ein neues Element hinzuzufügen und gleichzeitig mehr über Gegner und die Welt zu erzählen!Test Project Zero - Priesterin des schwarzen Wassers (19)

Kamera nach Wunsch?

Während das Spiel ansonsten einen guten Eindruck macht, ist die Steuerung aber einmal mehr die Achillesferse. Ja, ich gebe zu, eine gewisse Trägheit der Charaktere leistet durchaus einen Beitrag zur Atmosphäre und auch die nicht vollkommen frei drehbare Kameraperspektive mag das Gefühl der Beklemmung verstärken. Praktisch ist das Handling an vielen Stellen aber schlicht spielerunfreundlich gestaltet. Yuuri und Co. reagieren meist recht langsam und ungelenk, dreht ihr die Kamera über einen bestimmten Punkt hinaus, dreht sich auch der Charakter und sobald ihr anfangt zu laufen wird die Kameraposition hinter euch zentriert. Das mag unbedeutend scheinen, führt allerdings in Kombination meist dazu, dass ihr gegen Wände oder Büsche lauft und alle paar Meter irgendwo festhängt. Nur damit wir uns richtig verstehen, die Steuerung funktioniert grundsätzlich, hat aber einige Macken, die den Spielfluss stören.

Wie bereits erwähnt, habt ihr die Möglichkeit den Bildschirm des Wii U Gamepads als Camera Obscura zu benutzen. Bei dieser Option haltet ihr das Gamepad vor euch und sucht den Raum nach euren Gegnern ab, indem ihr euch dreht und umseht. Zweifelsohne schafft dies natürlich eine ganz besondere Atmosphäre, da das Gefühl eine echte Kamera zuhalten schon recht authentisch ist. Ganz ausgereift ist diese Form der Steuerung noch nicht, so könnt ihr beispielsweise immer nur das aktuelle Sichtfeld des Charakters absuchen und müsst erst via Analogstick den Charakter drehen um weitere Bereiche zu sehen, Spaß macht sie dennoch. Für neue Spieler und experimentierfreudige Hardcore-Zocker ist das eine reizvolle Sache, allerdings dürfte der Großteil der Spielerschaft nach kurzer Zeit in den normalen Kamera-Modus wechseln, der weniger intuitiv, aber deutlich gewohnter ist. Ich empfehle jedoch allen Spielern der Gamepad + Analogstick Steuerung zu Spielbeginn eine Chance zu geben, denn die immersive Wirkung ist außergewöhnlich.Test Project Zero - Priesterin des schwarzen Wassers (2)

Je hübscher die Ladies, desto trister die Umgebung

Wann immer es in Sachen Wii U an Third-Party-Spiele geht, wird gleichzeitig auch die Frage nach der Hardware und der technischen Umsetzung des Spiels laut. Das Positive vorweg, die japanische Synchro ist aller erster Güte und selbst mit englischen Stimmen lässt sich Project Zero – Priesterin des schwarzen Wassers noch hören. Die Soundkulisse ist stimmig und bietet eigentlich keinen Grund zu Klagen. Spannender ist das Thema Grafik, denn an der einen oder anderen Stelle musste eine Kompromisslösung für die Wii U herhalten.

Die Umgebungen sind vielfach unscharf, wenig detailliert und leblos, was häufig unter düsteren Lichtverhältnissen getarnt wurde. Auch die geringe Größe der Areale und regelmäßige Ladesequenzen, etwa beim Öffnen von Türen oder beim Aufheben von Gegenständen, sprechen eine deutlich, aber nur bedingt störende Sprache. Dafür sind die Charakter-Modelle sehr schön geworden und dürften japanophilen Spielern einige Freude bereiten. Ich zumindest hab mir Yuuri gerne angesehen, ob nun in ihrem normalen oder den freischaltbaren Outfits von Kimono bis zum Bunny-Puschelschwanz. Und wo wir schon bei freischaltbar sind, am Ende der Geschichte wartet übrigens auf Fans von Dead or Alive noch eine kleine Zusatzkampagne mit Ayane in der Hauptrolle. Nice!

getestet-auf-msi

Fordernde Story...
Atmosphärischer Japano-Grusel
Gelungene Einbindung des Gamepads als Kamera
Diese verdammte Geisterhand
Geisterschatten als Ergänzung zu Kämpfen und Story
...mit zeitweise unglücklichem Pacing
Träge Steuerung
Grafisch kein Kracher
Diese verdammte Geisterhand

Martin W.

Auch wenn es Ansätze gibt, um die Serie der allgemeineren Spielerschaft zugänglicher zu machen, Project Zero - Priesterin des schwarzen Wassers bleibt ein sehr eigener Titel, auf dessen Stil man stehen muss und mit dem sich viele Spieler schwer tun dürften. Ich persönlich mag den The Ring-artigen Japano-Creep in der Shinto-Geister-Tempel-Atmosphäre. Die Idee und Umsetzung der Camera Obscura finde ich gelungener und spannender, als das Shooter-Gameplay zahlreicher Genre-Kollegen und ich mag den Kontrast, zwischen dem zerbrechlichen Mädchen in Röckchen und Rüschen unter der lebensfeindlichen Umgebung. Ja, sogar der Geisterhand, die nur dem Zweck dient, mich zu nerven, kann ich irgendwie eine positive Seite abgewinnen. Da kann ich auch über die Schwächen der Steuerung und über die zeitweise ein wenig zu umständlich erzählte Story hinwegsehen. Wer sich von genannten Vorzügen angesprochen fühlt, der wird trotz der Mängel auf die eine oder andere Art Spaß an Project Zero - Priesterin des schwarzen Wassers haben.
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