Test: Pyramids

Von Sommerloch keine Spur. Auch bei schweißtreibenden Temperaturen schieben die Verlage weiter fleißig ihre Spiele in den Handel. Aber vielleicht darf es ja mal ein kleines Spiel für zwischendurch sein, das sich auch draußen am Gartentisch bequem spielen lässt? Eine mögliche Alternative ist da Pyramids von Iello. Das Spiel dauert gerade einmal eine halbe Stunde und lässt sich mit bis zu fünf Personen spielen.

In Sachen Aufmachung macht Iello keiner etwas vor. Der Verlag ist bekannt für seine Spiele mit toller Optik. Da macht Pyramids keine Ausnahme. Schon die Spieleschachtel mit seinem Magnetverschluss weiß zu gefallen. Die Spielkarten, das Kernelement von Pyramids, sind qualitativ allerdings eher Standardkost. Der Hochglanzdruck ist schick, doch grafisch erwartet euch kein Feuerwerk. Das ist zum Teil auch dem Spielkonzept geschuldet. Wie opulent lassen sich schon Steine darstellen?

Auf ins alte Ägypten

Ihr könnt es euch sicher denken: Das Spiel entführt euch natürlich ins alte Ägypten. Ihr huldigt den Göttern, indem ihr ihnen beeindruckende Denkmäler erschafft. Jeder Spieler stellt einen Baumeister dar, der versucht jeweils eine Pyramide, einen Obelisken und eine Grabkammer aufzubauen. Baumaterial ist reichlich vorhanden, es geht mehr darum, wie ihr die einzelnen Bauten zusammenstellt.

Es stehen euch Steine in fünf unterschiedlichen Farben zur Verfügung, die ihr möglichst geschickt in Pyramide, Obelisk und Grabkammer anordnen müsst. Die Steine werden im Spiel durch die Baukarten dargestellt. Jede Baukarte beinhaltet jeweils ein Feld aus 2×2 Steinen. Dabei ist ein Zweierfeld jedoch immer durch einen größeren Stein belegt. Die zweite Spalte besteht hingegen immer aus zwei Steinen unterschiedlicher Art. Entsprechend weist jede Karte insgesamt drei Bausteine auf, die sich farblich voneinander unterscheiden.

Zu Spielbeginn erhält jeder Spiele einer Baukarte. Der Rest wird als verdeckter Nachziehstapel bereitgelegt. Beginnt eine neue Runde, zieht ihr pro Spieler zwei Karten vom Stapel nach und legt sie in die offene Auslage. Achtet darauf, dass die gezogenen Karten immer paarweise angeordnet werden. Dies ist für die nachfolgende Sequenz von Bedeutung.

Den Göttern huldigen

Hier kommen dann die ägyptischen Götter ins Spiel. Namentlich vertreten sind Horus, Anubis, Khepri, Sekhmet und Thoth. Jedem dieser Götter ist eine Zahl zwischen eins und fünf zugeordnet. Der Startspieler darf sich zuerst einen der Götter aussuchen, den er in dieser Runde anbeten möchte. Reihum wählen sich dann die anderen Spieler ihren Gott aus. Die weitere Spielerreihenfolge des laufenden Zuges ergibt sich nun aus der Zahl auf der gewählten Götterkarte. Der Spieler mit der niedrigsten Zahl beginnt, es folgen die Spieler in aufsteigender Reihenfolge mit ihrer jeweiligen Nummer.

Der Spieler mit der niedrigsten Nummer auf der Götterkarte darf sich nun zuerst ein Kartenpaar mit Bausteinen aus der offenen Auslage nehmen. Anschließend werden die erworbenen Steine direkt verbaut. An welchem Denkmal ihr bauen dürft, entscheidet abermals der von euch angebetete Gott. Horus, der Gott mit der Nummer eins, erlaubt euch lediglich, eine Karte in die Pyramide zu legen. Die Möglichkeiten sind also ziemlich eingeschränkt. Das ist der Preis dafür, dass ihr als erster Spieler eure Bausteine wählen konntet. Bei Thoth mit der Nummer fünf, dürft ihr gleich in alle drei Gebäude jeweils eine Karte anlegen.

Leider dürft ihr auch nicht beliebig viele Baustein-Karten mit in die nächste Runde nehmen. Lediglich eine einzige Karte kann am Rundenende auf der Hand verbleiben. Alle anderen Karten müsst ihr ungenutzt abwerfen. In die Pyramide werden übrigens in jedem Fall Steine gebaut. Jeder der fünf Götter erlaubt es euch, dort eine Karte anzulegen. Im Falle der Pyramide gibt es sogar eine Baupflicht. Beim Obelisken und bei der Grabkammer ist das Anlegen einer Karte optional.

Altägyptisches Puzzeln

Natürlich legt ihr die Bausteine nicht einfach irgendwie an. Es gibt ein System, das euch für eine bestimmte Bauweise mit Siegpunkten belohnt. Eine Pyramide besteht aus insgesamt zehn Karten. Die Basis besteht aus vier Karten, auf die ihr weiterhin drei, dann zwei und eine Karte als Krone obenauf setzt. Für jede der fünf Steinfarben zählt ihr nun jeweils die Anzahl der Steine in der größten zusammenhängenden Fläche. Für jeden Stein gibt es einen Siegpunkt. Die insgesamt größte Fläche darf sogar doppelt gewertet werden.

Den Obelisken baut ihr einfach von unten nach oben auf. Besondere Legeregeln gibt es nicht zu beachten. Im Obelisken wird nur die Steinfarbe, die in den meisten Baukarten vertreten ist, gewertet. Die Belohnung steigt hierbei progressiv an. Kommt eine Farbe in fünf unterschiedlichen Baukarten vor, kassiert ihr satte 15 Punkte. Bei drei Baukarten gibt es beispielsweise nur sechs Punkte.

Kommen wir zum Grabmal und zugleich letztem Gebäude. Legt ihr eine Baukarte in das Grabmal, bildet ihr einfach einen Stapel mit verdeckten Karten. Jede neue Karte legt ihr einfach verdeckt auf diesen separaten Stapel. Im Grabmal geht es ausschließlich um Mehrheiten. Habt ihr etwa die meisten Karten gesammelt, auf denen sich mindestens ein roter Stein befindet, bekommt ihr fünf Punkte. Für die anderen Farben wird auf die gleiche Art gewertet.

Bleiben noch die Glyphen, die sich auf einigen Karten befinden. Im Spiel findet ihr sie in drei unterschiedlichen Sorten wieder: Pyramide, Obelisk und natürlich Grabmal. Die Glyphen tauchen zusätzlich zu den farbigen Steinen auf den Baukarten auf. Legt ihr eine Glyphenkarte in das passende Gebäude, dürft ihr euch zwei Bonuspunkte notieren.

sehr zugänglich
spaßiges Puzzleelement
optisch ansprechend
wenig innovativ

Sebastian Hamers

Eine Partie Pyramids dauert selten länger als eine halbe Stunde, bedarf kaum Vorbereitungszeit und ist schnell erklärt. Es eignet sich als Spielesnack für zwischendurch und zielt vor allem auf Familien- und Gelegenheitsspieler ab. Einen Innovationspreis gewinnt das Spiel zwar nicht, dennoch greifen die einzelnen Mechaniken schön ineinander. So entsteht ein wirklich sehr angenehmer Spielfluss. Es sei denn ihr habt ein paar wirklich unangenehme Grübler in der Gruppe, die alles bis ins letzte Details analysieren. Durch die Kombination aus Götter- und Baukarten habt ihr immer wieder eine schwierige Entscheidung zu fällen. Horus gewährt euch zwar eine sichere Auswahl an Baukarten, limitiert euch aber dafür beim Ausbau der Denkmäler. Auch das Puzzeln macht richtig Spaß, obwohl die Möglichkeiten natürlich ziemlich beschränkt sind. Unter dem Strich bleibt ein sehr unterhaltsames Spiel, das euch nicht zu viel Gehirnschmalz abverlangt, aber immer wieder gut ist für eine schnelle Runde mit Gelegenheitsspielern.
Test: Rime Test: Citadels
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