Test: Rajas Of The Ganges

Jetzt wird es bunt! Das Brettspiel Rajas Of The Ganges siedelt sich im Indien des sechzehnten und siebzehnten Jahrhunderts an.  Diese Ära wurde geprägt durch den florierenden Handel mit Seide, Tee und Gewürzen, steht aber auch für die Schaffung von so bedeutenden Bauwerken wie Taj Mahal oder Rotes Fort. Optisch ist Rajas Of The Ganges ein echter Hingucker und fängt mit seiner quietschbunten Grafik das Flair der indischen Kultur dieser Zeit sehr schön ein. Veröffentlicht wurde Rajas Of The Ganges bereits im Herbst 2017 und kam bei den Brettspielern so gut an, dass die erste Auflage rasch vergriffen war. Nachdem das Spiel zuletzt kaum im Handel zu bekommen war, hat der Verlag wieder für Nachschub gesorgt.

Mit seinen vielen Markern, Plättchen sowie seiner Vielzahl an Würfeln wirkt Rajas Of The Ganges zunächst erschlagend. Dabei ist das Spiel im Grunde sogar ziemlich klar strukturiert. Ein großer Teil des Spiels besteht darin, seine Arbeiter möglichst effizient einzusetzen und die gewonnenen Ressourcen klug zu investieren. Es ist wohl mehr die immense Zahl der Einsatzmöglichkeiten eurer Arbeiter, die Rajas Of The Ganges zu einer taktischen Herausforderung macht. Das Spielfeld ist in mehrere Sektoren unterteilt, die ihr mit euren Arbeitern beackern könnt. Jeder Spieler bewirtschaftet zudem noch eine eigene Provinz mit eigenen Märkten, Gebäuden und Wegen. Bei so vielen Möglichkeiten solltet ihr das Ziel nie aus den Augen verlieren. Als Sieger werdet ihr aus dem Spiel hervorgehen, wenn ihr möglichst schnell viel Geld und Ruhm erwirtschaftet habt.

Ruhm und Reichtum

In Rajas Of The Ganges existieren Geld und Ruhm als Siegpunkt-Währung friedlich nebeneinander. Um das Spielfeld herum befinden sich zwei Leisten, eine für Ruhm und eine für das Geld. Die beiden Marker auf den Leisten bewegen sich jedoch in der entgegengesetzten Richtung nach vorne. So laufen sich die beiden Marker auf ihren jeweiligen Leisten einander entgegen. Das Spielende wird eingeläutet, wenn es dem ersten Spieler gelungen ist, dass Ruhm- und Geldmarker einander begegnen. So entsteht ein spannender Wettlauf der Spieler.

Bis es soweit ist, wird jedoch noch viel Wasser den Ganges herunterlaufen. In der Zeit setzt ihr eure Arbeiter in vier verschiedenen Bereichen auf dem Spielplan ein. Im Steinbruch könnt ihr eine Bauaktion durchführen. Schickt ihr einen Arbeiter dorthin, dürft ihr euch ein sogenanntes Provinzplättchen nehmen und es auf eurem eigenen Tableau, eurer Provinz, direkt anlegen. Auf dem Provinztableau darf nun ein wenig gepuzzelt werden. Am Kopf des Tableaus befindet sich eure Residenz. Achtet beim Legen des Plättchens darauf, dass immer eine Wegverbindung zu eurem Haupthaus existiert. Je nach gewähltem Plättchen könnt ihr so Gabelungen oder Kreuzungen in eurer Provinz verlegen. Auf den Plättchen befinden sich zusätzlich noch Märkte oder auch Gebäude, die euch nun wiederum weitere Vorteile einbringen. Mit Märkten könnt ihr zu Geld kommen, Gebäude bringen euch Ruhmespunkte ein.

Doch auch ein geschicktes Verlegen der Wege kann euch einige Boni bescheren. Am Rand des Provinztableaus befinden sich einige Sonderfelder. Verbindet ihr diese Felder über eine durchgehende Wegstrecke mit der Residenz, bekommt ihr sofort einen Zusatzertrag, der je nach Feld ganz unterschiedlich ausfallen kann.

Viele bunte Würfel

Um ein Provinzplättchen zu nehmen und es auf dem Tableau anzulegen, reicht es allerdings nicht aus, einfach nur einen Arbeiter einzusetzen. Für den Bau eines solchen Plättchens benötigt ihr eine weitere Ressource, die in Rajas Of The Ganges eine ganz zentrale Rolle einnimmt: die Würfel. Nicht ohne Grund liegen dem Spiel ganze 48 (!) Würfel in vier verschiedenen Farben bei. Um ein Plättchen tatsächlich auch in die eigene Provinz anlegen zu dürfen, müsst ihr eine vorgegebene Augenzahl in einer bestimmten Würfelfarbe ausgeben. Dazu müssen gegebenenfalls mehrere Würfel gleichzeitig investiert werden.

Damit ihr immer einen guten Überblick über eure Würfelressourcen habt, bekommt jeder eine Kali-Statue mit zehn Händen. In jeder Handfläche könnt ihr einen Würfel parken. Mehr als zehn Würfel könnt ihr also niemals zwischenlagern. Durch die Würfel als Ressource gewinnt Rajas Of The Ganges weitere Komplexität. Damit ihr weitere Provinzplättchen erwerben könnt, für die ihr wiederum Geld und Ruhm erhaltet, benötigt ihr also nun auch die passenden Würfel, die ihr wiederum über andere Aktionen gewinnt. Das geschickte Hantieren mit den Ressourcen ist somit ein Kern des Spiels.

Auf dem Markt

Der Markt ist eine weitere Möglichkeit, um einen Arbeiter einzusetzen. Hier könnt ihr eure Geldreserven ordentlich aufstocken. Geld hilft euch, das Spiel zu gewinnen, da ihr dadurch den Geldmarker wieder etwas auf den Ruhmesmarker zubewegen könnt. Allerdings müsst ihr Geld auch häufig wieder reinvestieren.  Bevor ihr Arbeiter in den Steinbruch oder auch in den Hafen entsenden könnt, müsst ihr zuvor immer einen kleinen Obolus in Form von ein paar Münzen lockermachen. Sorgt also immer gut dafür, dass ihr ausreichend flüssig bleibt.

Die Marktaktion spült frisches Geld in euren Geldspeicher. Je nach gewählter Marktaktion bekommt ihr einen bestimmten Betrag abhängig von der Situation auf eurem eigenen Provinztableau. Ihr könnt durch den Einsatz eines Arbeiters zum Beispiel alle Gewürzmärkte in der Provinz werten, die mit eurer Residenz über einen Weg verbunden sind. In Rajas Of The Ganges findet ihr Märkte in den drei Kategorien Gewürze, Seide und Tee. Es gibt jedoch auch gemischte Wertungen, bei denen ihr eine Kombination aus den drei Markttypen abrechnet.

Der Palast des Großmoguls

Aktionen unterschiedlichster Art könnt ihr mit einem Arbeiter im Palast durchführen. Einige Aktionen lassen sich ohne weitere Kosten abhandeln, andere müsst ihr erst mit einem passenden Farbwürfel bezahlen. Für einige Aktionen müsst ihr die geforderte Augenzahl sogar ganz genau bezahlen, dürft also nicht mehr als die geforderten Farbpunkte ausgeben. Das erfordert zusätzliche Planung oder aber auch etwas Würfelglück. Im Palast könnt ihr Geld oder Ruhmespunkte erhalten, Würfel in eurem Vorrat neu würfeln, neue Würfel erhalten oder auch Würfel tauschen. Der Palast bietet euch aber auch die Möglichkeit, Karma zu erhalten. Karmapunkte könnt ihr im laufenden Spiel ausgeben, um eure Würfel zu manipulieren, was sehr hilfreich sein kann, wenn ihr vielleicht gerade eine ganz bestimmte Augenzahl auf einem Farbwürfel benötigt.

Als vierte Option bleibt euch noch die Flussaktion. Jeder Spieler verfügt über ein eigenes Schiff, das sich im Verlauf des Spiels über den Ganges bewegt. Durch die Flussaktion sowie den Einsatz eines Würfels, könnt ihr euer Schiff nun auf dem Ganges ein Stück nach oben schieben. Nach jeder Bewegung erhaltet ihr sofort den Bonus des Feldes, auf dem das Schiff zum Stehen kommt. Hier findet ihr ein Sammelsurium an Belohnungen. Oft gibt es einfach nur Ressourcen wie Geld, Würfel, Karma oder auch Ruhmespunkte. Einige Felder bringen euch Belohnungen, abhängig von den Märkten in eurer Provinz oder der Zahl eurer aktuellen Karmapunkte ein. Weiterhin habt ihr hier die Chance einen Gebäudetyp aufzuwerten, sodass er euch mehr Ruhmespunkte einbringt, wenn ihr ein entsprechendes Bauwerk in eurer Provinz auslegt.

Neue Arbeiter braucht das Land

So legt ihr nun reihum eure Arbeiter auf den Spielplan, sammelt und reinvestiert eure Ressourcen. Seid ihr am Zug, dürft ihr immer nur einen Arbeiter einsetzen und übergebt dann an den nächsten Spieler. Die Reihenfolge der Spieler ist von Bedeutung, da die Plätze für den Einsatz von Arbeitern teilweise limitiert sind oder zunehmend teurer werden. Hat jeder Spieler seine ganzen Arbeiter verwendet, werden sie wieder vom Spielplan abgeräumt und es beginnt eine neue Runde. Bei Spielbeginn verfügt jeder Spieler über drei Arbeiter. Beim Erreichen bestimmter Felder auf dem Spielplan können aber bis zu zwei weitere Arbeiter hinzukommen.

Rajas Of The Ganges ist über den Huch-Verlag erschienen und sollte mittlerweile wieder problemlos im Handel zu beziehen sein. Preislich müsst ihr mit etwa 40-45€ rechnen. Eine Partie dauert zwischen 45 und 75 Minuten, je nach Zahl der Mitspieler.

atmosphärische Grafik
hochwertiges Spielmaterial
immer noch zugänglich
taktisch fordernd
sehr vielseitig
wirkt anfangs erschlagend

Sebastian Hamers

War es Liebe auf den ersten Blick? Bei vielen Spielern schlug das Herz sicherlich schon beim Anblick der tollen Grafik von Rajas Of The Ganges höher. Vielleicht ist auch dies ein Grund dafür, dass das Spiel schon kurz nach seiner Veröffentlichung total vergriffen war. Rajas Of The Ganges hat aber auch abseits der Optik einiges zu bieten. Euch erwartet ein gut durchdachtes Spiel, das euch taktisch einiges abverlangt. Obwohl die Regeln im Wesentlichen doch noch recht einfach sind, das Hantieren mit den vielen Ressourcen hat es in sich. Jede Leiste, auf der ihr voranschreitet, bietet euch einen Vorteil, doch müsst ihr euren Fortschritt auch mit dem Ausbau der eigenen Provinz in Einklang bringen. Pluspunkte sammelt Rajas Of The Ganges auch mit seiner Vielseitigkeit. Schon das Grundspiel selbst bietet euch viele Möglichkeiten, um den Wettlauf gegen die Konkurrenz zu gewinnen. Doch auch im Regelwerk findet ihr einige Hinweise, wie ihr das Spiel dann auch nochmals modifizieren könnt, wenn ihr schon ein paar Erfahrungen damit gesammelt habt. Dabei haben die Autoren sogar an einen Handicap-Modus für erfahrene Spieler gedacht, wenn sie gegen etwas ungeübtere Spieler antreten. Rajas Of The Ganges hat bei mir in ganzen vielen Bereichen satt gepunktet: Zugänglichkeit, taktische Tiefe, Vielseitigkeit, Grafik, Spielmaterial und Abwechslungsreichtum. Für anspruchsvolle Spieler ist Rajas Of The Ganges eine ganz besondere Empfehlung.
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