Test: Republique

Über die vergangenen 30  Jahre haben sich Videospiele von einem Nischenprodukt zu einem vollständigen und beliebten Medium entwickelt. Wir können uns in diesen verlieren, dem Alltag entkommen und sogar die Rollen von Drachentötern, Weltraumpiraten oder einfachen Agrarwirten übernehmen. Hin und wieder lassen uns  Spiele aber auch völlig alltägliche und normale Dinge hinterfragen und vor allem wertschätzen. So geschieht dies auch im Schleichspiel Republique, in dem wir uns in einer dystopischen Zukunft wiederfinden, in der Menschen statt Namen nur Nummern erhalten und Gedanken weniger frei sind, als man es annehmen möchte.

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Ein etwas anderer Blickwinkel auf die Dinge

Wie schon viele andere Spiele wurde auch Republique via Kickstarter finanziert und kommt zudem in Episodenform daher. Nachdem die erste Episode bereits zum Beginn des Jahres 2014 unter anderem auf dem PC erschienen ist, konnte die Geschichte nun, nur knapp zwei Jahre später, mit der fünften und letzten Episode abgeschlossen werden. Die Wurzeln der Kickstarter Kampagne lassen sich von aufmerksamen Spielern auch im Verlauf der Story vielfach erkennen, denn die Wachen der Welt besitzen eigene Personalakten, die ein Bild des jeweiligen Kickstarter Unterstützers enthalten und vom Spieler eingesehen werden können.

Die Geschichte hinter Republique ist in einem totalitären Staat angesiedelt, welcher den Namen Metamorphosis trägt. Der Spieler übernimmt hier die Rolle eines Hackers, der sich in das Sicherheitssystem einer Einrichtung für besondere Schüler einschleust, die sogenannten Pre-Cals. Hier begegnen wir der Schülerin Hope, deren richtiger Name allerdings 390-H lautet. Wir beobachten, wie sie von Sicherheitskräften abgeführt wird, weil sie in Kontakt mit einem Buch gekommen ist, welches ihren Geist verunreinigt haben soll. Ihr nächster Stopp soll deshalb eine Gedächtnis-Rekalibrierung sein und spätestens an diesem Punkt wird klar, dass hier ganz und gar etwas im Argen liegt.

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Das auffälligste Merkmal hinter Republique kommt in Form der Steuerung und Kameraführung daher, wobei letzterer Punkt wortwörtlich genommen werden kann. Die Kameraperspektive erinnert dabei an frühe Resident Evil-Spiele, denn als Hacker hat der Spieler hier Zugriff auf die Überwachungssysteme der Einrichtung. Die Kameras der Welt können dabei oftmals frei geschwenkt werden und erlauben ebenso einen Wechsel zwischen diesen nach Belieben. Entsprechend gilt es mit Voraussicht zu agieren und frühzeitig auf vorausliegende Überwachungskameras zu wechseln, denn hinter der nächsten Ecke könnte Wachpersonal stecken, welches Hope nur allzu gerne in die Finger bekommen würde.

Vom Leveldesign her erinnert Republique an Metroid und Zelda Games, denn ein Zurückkehren zu bereits besuchten Orten ist im späteren Verlauf des Spiels immer wieder notwendig, um an neue Items zu kommen oder Zugang zu bislang verschlossenen Bereichen zu erhalten, wobei dies durch neue Fähigkeiten ermöglicht wird, die der Spieler nach und nach lernt. Zusätzliche Informationen über die Geschichte können durch bestimmte Sammelobjekte wie verbotene Bücher, oder das Scannen via Kamerasystem erlangt werden. Solche Inhalte können an speziellen Terminals auf dem Schwarzmarkt verkauft werden, wodurch sich zusätzliche Fähigkeiten freischalten lassen. Hierzu gehört beispielsweise das Überladen von Schaltkreisen, um Wachen abzulenken oder aber die Möglichkeit den E-Mail Verkehr von bestimmten Personen einzusehen.

Während die Herangehensweise, das komplette Spiel nur durch Kamerasysteme zu betrachten und zu steuern, ein erfrischendes, wenngleich aber auch kein neu erfundenes Feature darstellt, so ist dieses leider auch gleichzeitig das größte Problem, mit dem sich Spieler in Republique auseinandersetzen müssen. Denn der Wechsel zwischen verschiedenen Kamera wird sowohl manuell als auch automatisch durchgeführt. Dies kann besonders frustrierend sein, wenn man Hope um eine Ecke lotst, nur um sie dann darauffolgend durch einen ungewollten Kamerawechsel direkt wieder in die falsche Richtung zu steuern. Auch stellen die Ladezeiten zwischen den einzelnen Kameras stellt oft eine, wenn auch nur kleine, Unannehmlichkeit dar, denn selbst ein paar Sekunden können den Spielfluss hier erheblich beeinträchtigen.

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Die stete Ungewissheit darüber, was in Metamorphosis und der Welt hinter Republique tatsächlich steckt, stellt fast im Ganzen Spielverlauf den Spieler auf die Probe. Befinden wir uns wirklich in einer dystopischen Realität oder ist die ganze Propaganda, die man den Pre-Cal hier auftischt, etwa doch wahr? Dies gilt es im Verlauf des Spiels herauszufinden, wozu auch die zahllosen Audiologs, Zeitungsartikel und  weitere Sammelobjekte benötigt werden.

Während zum Ende zwar der eigentliche Plot geklärt wird, warum es dieses totalitäre System gibt und worum es denn überhaupt geht, so werden viele weitere Fragen leider nicht gänzlich beantwortet. Schlimmer noch: Die immense Anzahl an Nebeninhalten liefert im Verlauf des Spiels zwar viele Informationen über die verschiedenen Geschehnisse, wer aber am Sammeln und Lesen solcher zahlreicher Objekte nicht interessiert ist, der wird am Ende mit drei großen Fragezeichen über dem Kopf zurück bleiben, da hier der Faden komplett verloren zu gehen droht.

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Fazit:

Republique stellt ein erfrischendes Projekt dar, welches insbesondere durch seine soziopolitischen Inhalte zu bestechen weiß. Gerade in unserer heutigen Zeit, in der wir durch Terrorakte immer weiter in Richtung eines Überwachungsstaates gedrängt werden in sozialen Medien oftmals unsere Privatsphäre vernachlässigen, setzt Republique gekonnt an und wirft geschickt Fragen auf, die wir uns selber stellen sollten. Auch spielerisch kommt der Titel sehr solide daher, obwohl das Kamerasystem durch ungewollte Wechsel stark an den Nerven zerrt. Sicherlich setzt Republique keine neuen Maßstäbe im Stealthgenre und auch die künstliche Intelligenz ist ziemlich in Frage zu stellen, aber es ist ein ambitioniertes kleines Projekt, welches sich vor bekannten Marken nicht verstecken braucht und zugleich viel Potential für Verbesserungen bietet.

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