Test: Rival Kings

Der König ist tot, willkommen im Chaos! Mit dem letzten Atemzug des Königs ist auch der Kampf um die Thronfolge rasch entbrannt. Es gibt ein Hauen und Stechen, in dem jeder versucht, für sich das Beste aus der neuen Situation herauszuschlagen. Bis zu vier potentielle Könige treten im Kartenspiel Rival Kings gegeneinander an. Dabei ist ihnen jedes Mittel Recht, die Macht an sich zu reißen.

 

Traditionell ist der Oktober ein Festmonat für Brettspieler. Passend zur Messe in Essen veröffentlichen viele Verlage gleich mehrere hochkarätige Neuheiten auf einen Schlag. Bei der großen Menge an neuen Titeln gehen die kleinen Kartenspiele leider meist ein wenig unter. Während es die dicken Strategiebrocken schaffen, genügend Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, wird über die kleinen schnellen Spiele oft nur unzureichend berichtet. Auch Rival Kings von Huch & Friends fällt vielleicht in diese Kategorie. Mit Mittelalter-Thematik, dem Spinnen von Intrigen und den zwölf unterschiedlichen Charakteren ist Rival Kings allerdings ein Titel, der für uns Videospieler doch ziemlich spannend klingt.

 

Ohne viel Vorbereitungszeit ins Spiel

 

Rival Kings kommt in einer kleinen Spielverpackung daher, die außer 76 Karten nur noch 30 Marker sowie acht Wappen beinhaltet. Entsprechend übersichtlich gestaltet sich auch der Spielaufbau.  Von den 32 Gebäudekarten legt ihr zweimal acht Karten als offene Stapel aus. Gleiches passiert mit den 32 Untertanenkarten.  Die verbleibenden Spielkarten dienen als Münzen. Auf den Rückseiten der Karten ist entweder eine oder zwei Münzen abgebildet. Unterhalb der Gebäude- und Untertanenkarten platziert ihr noch jeweils eine Münzkarte mit einem Wert von zwei Münzen. Die restlichen Münzkarten legt ihr sortiert nach Wert in den allgemeinen Vorrat.

 

Jeder Spieler wird außerdem noch mit fünf Münzen, den beiden Wappen seiner Farbe, sowie einem Konfliktmarker ausgestattet. Jetzt mischt ihr noch die zwölf Charakterkarten, von denen zu Spielbeginn jeder drei Karten erhält. Nach rund zwei Minuten Vorbereitungszeit kann es damit auch schon losgehen.

 

Das Hauen und Stechen kann beginnen

 

Die Aktionen führt ihr mit den Charakterkarten aus. Der Rang der einzelnen Charaktere ist hierbei von großer Bedeutung. Die mächtigsten Figuren im Spiel sind Reichsverweser und die Königin, sie besitzen den Rang A. Dann geht es runter bis zu Rang F, dem Händler. Wie es im Mittelalter war und auch heute noch ist, wird von oben nach unten gehauen. Die Reichen vergehen sich an den Armen. Niemand würde es wagen, dem Reichsverweser, der Königin oder auch dem Herzog und dem Graf vor den Karren zu pinkeln. Der vergleichsweise arme Händler hingegen gerät recht häufig in das Visier der Reichen und Adligen.

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In Rival Kings sind die Animositäten klar verteilt. Während es Reichsverweser und Königin immer auf Schatzmeister und Ritter abgesehen haben, so bedienen sich Höfling und Priester stets beim Händler. Letzterer bildet das schwächste Glied in der Kette und wird sogar von vier Charakteren bestohlen. Neben den beiden bereits genannten Charakteren wollen ihm auch noch Komtesse und Diplomat an den Kragen.

 

Geräubert wird im Spiel allerdings kein Gold, sondern Aktionen. Hier sind wiederum die Händler im Vorteil. Spielt ihr einen Händler aus, könnt ihr mit der Karte gleich vier Aktionen ausführen. Die mächtige Königin hingegen bringt es nur auf eine einzige Aktion. Die Königinnen-Aktion kann euch auch nicht streitig gemacht werden. Der Händler ist hingegen auf sein Glück angewiesen. Werden viele Charaktere gespielt, die mit ihm in Konflikt stehen, hat er auch weniger Aktionen zur Verfügung. Ein gespielter Höfling zum Beispiel darf sich eine beliebige Aktion des Händlers aneignen und sie an seiner statt ausführen.

 

Es ist jedoch keinesfalls nur das Glück, das dem Händler in die Karten spielt. Wenn ihr die schon ausgespielten Karten der Gegner gut im Blick behaltet, könnt ihr das Risiko des Diebstahls minimieren. Das Gefühl dabei erinnert ein wenig an Poker. Geübte Spieler werden auch häufiger Siege einfahren. Rival Kings ist, wie Poker, eben nicht ein reines Glücksspiel. Pro Runde werdet ihr nur zwei der drei ausgeteilten Charaktere spielen, die dritte Karte verfällt. Nach zwei gespielten Karten bekommt jeder Spieler wieder drei neue Charakterkarten auf die Hand und der Vorgang wiederholt sich.

 

Schneller Rundenablauf

 

Eine Runde dauert in aller Regel nicht sonderlich lange. Von den drei ausgeteilten Charakterkarten legt jeder Spieler eine Karte verdeckt vor sich ab. Haben alle Spieler eine Karte gewählt, werden die Charaktere aufgedeckt. Jetzt überprüft ihr, ob es bei den ausgespielten Karten zu Diebstählen, im Regelheft Konflikte genannt, kommt. Auf jeder Karte ist angegeben, mit welchen Charakteren die gespielte Karte in einen Konflikt geht. Auch Charaktere des gleichen Rangs gehen immer miteinander in einen Konflikt. So würden sich ein gleichzeitig ausgespielter Priester und ein Höfling gegenseitig behindern, sie gehören beide zum Rang C. Den ebenfalls ausgespielten Händler wird es freuen. Da Priester und Höfling nun genug mit sich selbst zu schaffen haben, wird er selbst von ihnen verschont. Mehr noch: Die Streitereien der beiden bringen ihnen ein schlechtes Ansehen ein. Sie bekommen beide einen Konfliktmarker, der am Spielende mit Punktabzug geahndet wird. Außerdem dürfen sie nur noch eine einzige ihrer eigenen Aktionen ausführen.

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Wenn es schlecht läuft, kriegen Priester und Höfling auch noch Lack von der anderen Seite der Nahrungskette. Der Herzog bedient sich schamlos an den Aktionen des Priesters und auch des Höflings. Das bringt ihnen einen weiteren Konfliktmarker ein. Die Marker kommen immer ins Spiel, wenn ein Charakter in einen Konflikt mit einem ranghöheren oder gleichrangigen Charakter gerät.

 

Raffgieriger Hofstaat

 

So habt ihr schnell ermittelt, welcher Spieler nun welche Aktion ausführen darf. Jedem Charakter stehen von Haus aus unterschiedliche Möglichkeiten zur Verfügung. Mit der Aktion „Konflikt lösen“ könnt ihr einen der eigenen Konfliktmarker wieder entfernen und zum allgemeinen Vorrat geben. Noch schöner ist es aber, wenn ihr mit „Konflikt weitergeben“ einen der lästigen Marker an einen Mitspieler weiterreichen könnt. Bei der Aktion „Geld nehmen“ dürft ihr einen der vier Geldstapel, die sich unter den Gebäude- und Untertanenkarten befinden, an euch nehmen. Ihr müsst euch allerdings merken, wo die meiste Kohle gebunkert ist. Ein vorheriges Nachsehen ist nicht erlaubt. Das Geld auf den Stapeln sammelt sich über die letzten beiden Aktionen an.

 

Da wäre zunächst die Möglichkeit „Untertan anwerben“. Es dürfen nur die offen ausliegenden Untertanen angeworben werden. Der Preis steht direkt auf der Karte. Genauso wird auch die Aktion „Gebäude kaufen“ durchgeführt. Das gezahlte Geld wird auf dem Stapel unterhalb des gekauften Gebäudes oder Untertanen platziert.

 

Mehret die Macht

 

Gebäude und Untertanen sind auch der Schlüssel zum Sieg. Sie bringen euch die meisten Siegpunkte ein. Sowohl Gebäude als auch Untertanen sind jeweils einer Farbe zugeordnet. Zusätzlich befindet sich auf jeder dieser Karten ein Symbol. Kommt ihr in den Besitz von einem Paar des gleichen Symbols, habt ihr ein perfektes Paar. Bergmann und Bergwerk ergänzen sich beispielsweise zu einem solchen Pärchen. Bei der Endauswertung zählt ihr den Geldwert von beiden Karten zusammen und erhaltet die entsprechende Anzahl an Siegpunkten.

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Zwei Karten der gleichen Farbe sind ebenfalls nicht schlecht. Hier bekommt ihr allerdings nur den Geldwert der höheren Karte in Form von Siegpunkten zugesprochen. Für einzelne Karten ohne passende Farbe oder das gleiche Symbol bekommt ihr nur noch einen Siegpunkt, egal wie teuer diese vorher war. Für je drei Münzen gibt es noch einen weiteren Punkt, während euch jeder Konfliktmarker drei Minuspunkte einbringt.

 

Die Macht der Untertanen

 

Die Untertanen sind allerdings nicht nur im Spiel, um euer Siegpunkt-Konto zu erhöhen. Jeder Untertan bringt auch eine ganz spezielle Fähigkeit mit sich, die ihr zu euren Gunsten einsetzen könnt. Zur besseren Übersicht legt ihr die Untertanenkarten untereinander an. Nur die zuletzt ausgelegte Karte ist aktiv. Mit allen anderen Karten könnt ihr ab sofort keine Sonderfähigkeiten mehr ausspielen. Pro Durchgang könnt lässt sich so immer nur eine einzige dieser Fähigkeiten nutzen.

 

Die Bandbreite der Möglichkeiten ist weit gestreut. Je nach aktiver Fähigkeit könnt ihr beispielsweise einen Charakter mit einem Mitspieler tauschen, zusätzliche Münzen bekommen, Bonusaktionen ausführen oder bestimmte Karten tauschen. Die Untertanen in ihrer Breite bieten auf jeden Fall genug Potenzial, um die Gegenspieler gehörig zu ärgern. Und genau das macht doch immer noch am meisten Spaß!

spielt sich schnell und flüssig
bringt Schadenfreude
einfache Regeln
kein Spiel für beleidigte Leberwürste

Sebastian Hamers

Rival Kings ist ein schnelles Kartenspiel, das eine taktische Tiefe aber dennoch nicht vermissen lässt. Gerade, wenn ihr die schon ausgespielten Karten gut im Blick habt und die Fähigkeiten der Untertanen geschickt einsetzt, kommt ihr dem Sieg schon um einiges näher. Schadenfreude ist jedenfalls immer mit von der Partie. Meistens ist das Vergnügen aber auch schon schnell wieder vorbei. Ein Match dauert selten länger als 20 Minuten. Gerade bei vier Spielern kann ein Spiel schon ziemlich schnell wieder vorbei sein. Das Spiel endet, sobald einer der vier offenen Stapel leer ist. Das kann unter Umständen recht schnell der Fall sein, wenn sich alle Spieler oft am gleichen Stapel bedienen. Rival Kings steht ab sofort im Handel und kostet etwa 15€.
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