Test: Riverboat

Mit Raddampfer-Romantik und Landwirtschafts-Idylle entführt euch Michael Kieslings neues Brettspiel Riverboat in den Norden der Vereinigten Staaten im 19. Jahrhundert. Dabei begleitet ihr den gesamten Weg unterschiedlicher Ackerfrüchte von der Aussaat bis hin ihrem Verkauf in New Orleans. Beim Transport ist euch natürlich der legendäre Mississippi River behilflich. Als Verkäufer von Agrarprodukten ist allerdings viel logistisches und kaufmännisches Geschick gefordert. Außerdem warten die Konkurrenten nur auf eure Fehler. Schließlich will jeder das größte Agrar-Imperium am Mississippi errichten.

Riverboat führt euch in jeder Runde durch eine ziemlich klare Struktur. Dabei bewegt sich das Spiel an der natürlichen Handelsroute der Ackerfrüchte. Zunächst setzt ihr Arbeiter auf eurem Grund und Boden ein. Diese bepflanzen in der nächsten Phase die Äcker, bevor es zur Ernte und zum Verschiffen der Waren kommt. Bevor die Ackerfrüchte in New Orleans verkauft und in Siegpunkte umgewandelt werden, ergibt sich zwischenzeitlich sogar noch eine günstige Gelegenheit, um auf anderem Weg an Geld zu kommen. Diesem Rundenablauf folgt ihr im Spiel insgesamt viermal. Dann wird der erfolgreichste Kaufmann am Mississippi gekürt.

Der Boden wird bestellt

Als Grundlage für den Erfolg dient jedem Spieler ein eigenes Spielertableau, das den Ackerboden für den Anbau von Rüben, Weizen, Mais, Kartoffeln und Kürbissen darstellt. Dazu gibt es noch gleich zwei allgemeine Spielpläne. Auf einem Plan findet ihr die Möglichkeiten wieder, die euch die Stadt New Orleans bietet, während auf dem zweiten allgemeinen Spielplan die unterschiedlichen Ackerfrüchte in Form von Plättchen geparkt werden. Für jeden Spieler gibt es zu Beginn eine weitere Starthilfe in Form von dreizehn Arbeitern, zwei Gutachtern und drei Münzen.

In der ersten Phase setzt ihr einen Teil eurer Arbeiter auf den Feldern ein. Auf dem Spielertableau seht ihr fünf unterschiedliche Anbaugebiete, jedes bietet euch später Zugriff auf eine andere Ackerfrucht. Beim Einsatz der Arbeiter seid ihr ein wenig auf das Glück angewiesen. Ihr werdet acht Gebietskarten ziehen, die euch anzeigen, auf welchen Feldern ihr die Arbeiter nun einsetzen dürft. Strategisch geschickt wäre es, möglichst geschlossene Blöcke mit Arbeitern im Feld aufzustellen. Keine ganz leichte Aufgabe, da ihr durch die Verteilung der Gebietskarten nicht immer die freie Wahl habt.

Aussaat der Ackerfrüchte

Wurden alle Arbeiter auf dem Feld verteilt, dürft ihr nun die Äcker bestellen. Auf jedes Feld, auf dem nun ein Arbeiter steht, darf ein Plättchen mit einer Ackerfrucht von der allgemeinen Auslage auf das Spielertableau gelegt werden. In der allgemeinen Auslage befinden sich Ackerfrucht-Plättchen, die entweder ein, zwei oder gleich drei Felder auf eurem Spielertableau belegen. Zweier- oder Dreier-Plättchen bringen euch zusätzliche Siegpunkte ein. Deshalb lohnt es sich, die Arbeiter in großen Blöcken auf dem Tableau anzuordnen. So könnt ihr ganz nebenbei einige Extra-Siegpunkte generieren.

Im dritten Schritt der Handelskette geht es endlich auf den Mississippi River. Im Hafen liegen einige Schiffe aus, die ihr nun mit euren Waren beladen könnt. Jedes Schiff verfügt über eine bestimmte Landemenge, die ihr auch ausschöpfen müsst. Kann ein Schiff also drei Waren laden, dann seid ihr auch in der Pflicht, ebenso viele Ackerfrüchte an Bord zu schaffen. Dazu nehmt ihr einfach die passende Anzahl von Arbeitern wieder vom Spielertableau. In der nächsten Runde könnt ihr sie erneut einsetzen. Neben ein paar Siegpunkten bekommt ihr für das Befüllen eines Schiffs auch noch ein oder zwei zusätzliche Belohnungen.

Es läuft nichts ohne den Hafenmeister

Die befüllten Schiffe nehmt ihr aus der allgemeinen Auslage und legt sie anschließend an eurem eigenen Spielertableau an. Die ausgelobten Siegpunkte bekommt ihr allerdings nur, wenn ihr eine weitere Voraussetzung erfüllt. Durch bestimmte Aktionen müsst ihr den Hafenmeister auf seiner Laufleiste weiter nach vorne bewegen. Nur wenn er auf der Leiste das Schiff erreicht, bekommt ihr dafür auch die Siegpunkte gutgeschrieben.

In den oben schon erwähnten Belohnungen für das Befüllen eines Schiffs findet ihr ein paar Möglichkeiten, den Hafenmeister nach vorne zu bewegen. Darüber hinaus ergeben sich hier viele Chancen, Einfluss auf eure Strategie zu nehmen. Zu erwähnen wären insbesondere die sogenannten Anschaffungen, die ihr über die Belohnungen ergattern könnt. Da wären zunächst die Scheunen, die ihr auf einem freien Ackerfeld auf eurem Spielertableau einsetzt. Sie bringen euch Siegpunkte für angrenzende Ackerfrüchte einer Sorte. Eine gute Planung in den vorherigen Phasen kann somit also zusätzlich belohnt werden.

Ähnliches gilt auch für die Brunnen, die zweite Anschaffung in Riverboat. Diese werden allerdings auf einem schon bepflanzten Ackerfeld eingesetzt. Punkte gibt es hier für zusammenhängende Ackerfrüchte einer Sorte. Ob ihr mit Scheune und Brunnen aber tatsächlich Siegpunkte abgreifen könnt, hängt von der dritten Anschaffung ab, den Gutachtern. Zwei von ihnen habt ihr schon zu Spielbeginn. Weitere Gutachter könnt ihr über die Belohnungen akquirieren. Ihr könnt sie in der letzten Phase einer Runde verwenden, um Scheune oder Brunnen zu werten. Erst dann gibt es auch dafür Siegpunkte für euch.

Günstige Gelegenheiten nutzen

Jetzt ihr euer Schiff also endlich auf dem Weg nach New Orleans. Bevor es dort ankommt, gibt es nun aber noch eine „Günstige Gelegenheit“ für euch. Pro Runde liegen vier Karten offen aus, die euch eine solche Zusatzchance bieten. Im Spiel befinden sich siebzehn verschiedene Karten, jede bietet euch einen anderen Bonus. Mal gibt es Sondersiegpunkte für Felder mit bestimmten Ackerfrüchten, mal dürft ihr den Hafenmeister nach vorne rücken oder zusätzliche Punkte für Brunnen oder Scheunen erhalten. Der Bonus wird jedoch, wie schon bei den anderen Anschaffungen, nur dann ausgeschüttet, wenn ihr einen Gutachter dafür verwendet.

Dieser kommt, wie schon erwähnt, in der fünften und letzten Phase einer Runde zum Einsatz. Hier werden bestimmte Aspekte im Spiel gewertet und mit Siegpunkten belohnt. Neben den Brunnen, Scheunen und „Günstigen Gelegenheiten“, die mit einem Gutachter belegt werden, gibt es noch Punkte für Kommissionäre. Bestimmte Belohnungen oder „Günstige Gelegenheiten“ im Spiel lassen euch Arbeiter in Kommissionäre umwandeln. Diese könnt ihr ab sofort dann aber nicht mehr als Feldarbeiter einsetzen. Sie bleiben in New Orleans stehen und sind dort für euch aktiv. Jede in der Stadt eingesetzte Figur bringt euch nun Siegpunkte, Runde für Runde.

Schluss, Aus, Ende

Nach vier Durchläufen wird das Ende des Spiels eingeläutet. Dann kommt es nochmals zu einer großen Schlusswertung. Siegpunkte gibt es jetzt nochmal für gesammelte Münzen, vollständig bepflanzte Anbaugebiete und für noch nicht gewertete „Günstige Gelegenheiten“. Außerdem steht euch noch die Hafenwertung bevor. Für die verwendeten Schiffe, die ihr an eurem Spielertableau angelegt habt, gibt es jetzt die entsprechenden Siegpunkte, allerdings nur, wenn der Hafenmeister das jeweilige Feld unter dem Schiff auch erreicht hat. Es gibt allerdings noch eine weitere Gemeinheit. Die volle Punktzahl erhält nur der Spieler, dessen Hafenmeister den weitesten Weg zurückgelegt hat. Alle anderen Spieler müssen mit der halben Punktzahl auskommen. Weitere Punkte gibt es außerdem nochmals für die eingesetzten Kommissionäre. Der Spieler mit den meisten Figuren in New Orleans bekommt einen dicken Punktebonus. Die Spieler auf den Plätzen bekommen natürlich deutlich weniger Siegpunkte zugesprochen.

Ein besonders interessanter Kniff von Riverboat sollte zum Abschluss aber auf jeden Fall noch erwähnt werden. In jeder Phase einer Runde wird die Spielerreihenfolge neu festgelegt. Neben dem Startspielerrecht für diese Phase gibt es auch noch ein Sonderprivileg. Mal gibt es einen zusätzlichen Arbeiter, eine weitere Münze, einen Zusatzschritt des Hafenmeisters und einiges mehr. Die schon einige Male erwähnten Münzen erfüllen im Spiel eine besondere Funktion. Sie erlauben Abweichungen von der Regel. Beispielsweise könnt ihr in der ersten Phase eine Gebietskarte ignorieren und einen Arbeiter auf ein beliebiges Feld stellen. Gezielt eingesetzt, kann sich die Investition einer Münze richtig lohnen. Andernfalls bringen sie am Spielende weitere Siegpunkte ein.

Riverboat ist bei Lookout Games erschienen und sollte mittlerweile im Handel gut zu finden sein. Preislich müsst ihr mit ungefähr 45€ bis 50€ rechnen. Das Spiel ist für zwei bis vier Spieler ab zehn Jahren geeignet. Eine Partie dauert etwa 90 Minuten.

planerisch anspruchsvoll
leicht zu erlernen
phasenweise rotierender Startspieler sorgt für Schwung
zunächst etwas sperrig

Sebastian Hamers

Riverboat bedient den Bereich für Spieler, die sich gerne aus dem Segment der Familienspiele herauswagen möchten, ohne jedoch in einem megakomplexen Regelwerk zu versinken. Planerisch gibt es allerdings viele Aspekte zu beachten. Die Siegpunkteausbeute wird durch viele unterschiedliche Faktoren beeinflusst. Da ist es manchmal gar nicht so leicht, den Überblick zu behalten. Die ersten Partien bringen so möglicherweise einen überraschenden Sieger hervor, mit dem zunächst niemand gerechnet hatte. Nach einigen Partien könnt ihr die Bedeutung der Spielelemente aber schon viel besser einschätzen und es entsteht ein spannender Wettbewerb unter den Spielern. Gebt dem Spiel also ruhige einige Partien, dann wird sich der volle Reiz von Riverboat auch entfalten. Besonders gut gefallen hat mir die Rotation des Startspielers. In jeder Phase hat ein anderer Spieler einen kleinen Vorteil, was sich sehr belebend auf das Spiel auswirkt. Riverboat ist ein anspruchsvolles und dennoch leicht erlenbares Brettspiel, das am Anfang etwas sperrig wirkt, bei intensiveren Spielen aber richtig Fahrt aufnimmt.
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