Test: Rone

Neben Fantasy, Science-Fiction und der Zombieapokalypse zählt das postnukleare Setting zu den beliebtesten Spielewelten. In so einem Fallout-ähnlichen Szenario hat sich auch das Kartenspiel Rone angesiedelt. Das Spiel wurde per Crowdfunding finanziert und war so erfolgreich, dass es in Kürze ein zusätzliches Kartenpaket geben soll. Die Kampagne für die deutschsprachige Ausgabe läuft gerade in der Spieleschmiede. Grund genug, sich das Hauptspiel einmal im Detail anzusehen.

Rone erinnert ein wenig an den Megaseller Magic: The Gathering. Auch in Rone treten zwei Spieler mit einem eigenen Deck gegeneinander an und versuchen sich gegenseitig mit ihren Armeen zu vernichten. Im Gegensatz zum erfolgreichen Sammelkartenspiel, müsst ihr bei Rone allerdings keine Boosterpakete erwerben. Neben dem Hauptspiel gibt es nur noch das erste Addon „Erweckung“ und in Kürze das zweite Zusatzpaket „Neue Mächte“. Mit knapp 50€ könnt ihr ein Komplettset von Rone erwerben.

Das Lebenselixier Wasser

Passend zur reichlich heruntergekommenen Welt von Rone müsst ihr im Spiel im Wesentlichen auch nur mit einer Ressource hantieren: Wasser. Ohne den Einsatz dieses Lebenselixiers geht kaum etwas. Das Ressourcenmanagement ist folglich ein wichtiger Bestandteil des Spiels. Jeder von euch startet das Spiel mit einem Helden, der praktisch euer Alter Ego darstellt. Der Held beschert euch in jeder Spielrunde ein gewisses Maß an Wasservorräten, mit denen ihr in der Runde auskommen müsst. Durch den Einsatz anderer Karten könnt ihr außerdem zusätzliche Wasserreserven generieren.

Durch den Einsatz von Wasser habt ihr die Möglichkeiten, Karten von der Hand zu spielen. So bringt ihr Einheiten aufs Schlachtfeld, stellt euch neue unterstützende Technologien zur Seite oder spielt überraschende Taktik-Karten aus. Die Karten haben jedoch noch eine weitere Bedeutung. Sie stellen im Prinzip eure Lebenspunkte dar. Habt ihr keine Karten mehr im Nachziehstapel und auch keine mehr auf der Hand, dann habt ihr das Spiel verloren.

Auf in die Schlacht

Der Kartenvorrat ist dann auch schneller aufgebraucht als man denkt. Ihr startet das Spiel mit 24 Karten im Deck. Das Regelheft sieht dabei eine zufällige Verteilung der Spielkarten aus dem Gesamtpool vor, beinhaltet aber auch eine kleine Anleitung, wie ihr euch eigene Decks zusammenbauen könnt. Hier müsst ihr euch über die Verteilung der verfügbaren Karten irgendwie einig werden, sofern ihr nicht gleich zwei komplette Spiele in eurem Besitz habt.

Neben den schon erwähnten Helden, gibt es in Rone drei unterschiedliche Kartenkategorien. Da wären zunächst die Einheiten. Sie stellen eure Angriffs- und Verteidigungslinie dar. Jede Einheit verfügt eine bestimmte Anzahl von Lebenspunkten, die ihr mit den beigelegten Markern auf dem Stand haltet. Als aktiver Spieler ist es an euch, den Angriff zu starten. Jede Einheit startet dabei eine Attacke für sich alleine und wird separat abgehandelt. Als Angreifer dürft ihr das Ziel des Angriffs frei wählen. Dies kann eine feindliche Einheit sein oder aber auch der Held des Gegners.

Das Kampfsystem von Rone enthält viele Facetten, die das Spiel zu einer ziemlich strategischen Angelegenheit werden lassen. Zum Beispiel dürft ihr mit einer Einheit nicht jede Runde angreifen. Je nach Angriffsgeschwindigkeit kann es sein, dass ihr auch mal zwei oder drei Runden warten müsst, bevor ihr erneut in die Schlacht ziehen könnt.  Angreifende Einheiten werden entsprechend ein- oder mehrfach erschöpft und um jeweils 90° gedreht. In jeder neuen Spielrunde dürft ihr dann eure Einheiten wieder um 90° zurückdrehen. Während des Kampfes dürfen beide Seiten mit den Taktik-Karten auch noch zusätzliche Effekte spielen. Das sorgt schnell für das ein oder andere Überraschungsmoment und macht das Spiel spannend.

Als Verteidiger seid ihr den Angriffen des Gegners aber auch nicht wehrlos ausgesetzt. Jede nicht erschöpfte Einheit gilt als Wächter. Sofern ihr wenigstens einen Wächter auf dem Schlachtfeld habt, kann der eigene Held nicht attackiert werden. Der Angriff richtet sich dann immer gegen einen Wächter. Verteidigende Einheiten werden allerdings nach dem Angriff ebenfalls erschöpft.

Es gibt beim Kampf also schon einiges zu bedenken. Zusätzlich unterscheidet Rone auch noch in Nah- und Fernkampf. Kommt es zu einer Auseinandersetzung wird zuerst der Fernkampfschaden verteilt. Sollten anschließend noch Angreifer und Verteidiger stehen, wird noch der Nahkampfschaden vergeben. Auch das beschert dem Spiel noch einmal eine weitere taktische Facette.

Aus alt mach neu

Strategisch eingesetzt werden kann auch der Friedhof. Auf den Karten findet ihr eine Angabe zu den Wiederverwertungskosten. Hat eine Karte auf dem Friedhof einen Wert von 3 bei den Wiederverwertungskosten, dann könnt ihr einfach die drei nächsten Karten im Friedhof ganz aus dem Spiel nehmen, um die besagte Karte zu aktivieren und direkt ins Spiel zu bringen. Wiederverwerten könnt ihr aber immer nur die oberste Karte des Friedhofs. Immer wenn ihr ihr eine Karte auf den Friedhof legen müsst, dann dürft ihr sie entweder obenauf oder ganz nach unten legen. Das erlaubt es euch den Akt der Wiederverwertung viel gezielter anzugehen.

Richtig komplex wird es dann mit den Technologie-Karten. Dabei handelt es sich um Karten, die dauerhaft im Spiel bleiben. Die Technologien werden nicht ins Deck mit eingemischt, sie werden separat abgelegt und können jederzeit ins Spiel gebracht werden, sofern ihr die notwendige Menge an Wasser zur Aktivierung bereitstellt. Da diese Karten besonders mächtig sind, dürft ihr immer nur drei Technologien gleichzeitig im Spiel haben.

Vielseitiges Kartendeck

Das Spiel bietet euch eine Vielzahl von Möglichkeiten, dem Gegner das Leben schwer zu machen. Viele Karten warten dabei auch noch mit zusätzlichen Effekten oder auch passiven Fähigkeiten auf. Einheiten mit der Fähigkeit „Verteidiger“ werden etwa beim Einsatz in der Defensive nicht erschöpft. Die Fähigkeit „Unsichtbarkeit“ lässt eine Einheit unbemerkt an den Wächtern vorbeischlüpfen, es sei denn einer von ihnen besitzt das Merkmal der „Enttarnung“. Dazu kommen etliche aktivierbare Fähigkeiten von bleibenden Karten, die euch eine breite Auswahl an strategischen Möglichkeiten bieten.

Rone ist im Grunde ein reines Zwei-Personen-Spiel. Das Regelheft bietet euch aber auch eine Variante für vier Spieler mit leicht abgeänderten Regeln an. In diesem Fall treten dann zwei Zweier-Teams gegeneinander an. Dafür reicht sogar schon das Basispaket mit seinen 156 Spielkarten aus. Wenn ihr ein wenig mehr Auswahl haben möchtet, dann sind die beiden Zusatzpakete eine gute Option, die preislich fair ausfällt. Derzeit könnt ihr das Spiel, wahlweise mit Erweiterungen über die Spieleschmiede der Spiele-Offensive im Crowdfunding unterstützen. Dort könnt ihr das komplette Set für 49€ erwerben. Die Auslieferung ist für den März 2018 vorgesehen.

taktisch sehr fordernd
schönes Artwork
gutes Regelwerk
nur zu zweit oder zu viert spielbar

Sebastian Hamers

Ich habe wirklich keine Lust mehr; hunderte von Euros in neue Boosterpakete zu stecken. Das war seinerzeit der Grund mit Magic: The Gathering aufzuhören. Mittlerweile gibt es zum Glück viele gute Alternativen dazu. Rone ist eine davon, eine sehr gute sogar. In jedem Basisspiel und in jeder Erweiterung findet ihr ein festes Set an Karten wieder. Glücks- oder Unglückskäufe sind somit ausgeschlossen. Das postnukleare Setting ist zwar inzwischen kein Exot mehr, ist aber dennoch bei weitem nicht so ausgelatscht wie das klassische High-Fantasy-Szenario. Die Artworks auf den Karten tragen ihren Teil zur Atmosphäre bei. Staubig schmutzig statt Hochglanz, passend zur Welt. Doch auch taktisch weiß Rone zu gefallen. Die Idee mit der Wiederverwertung von Karten aus dem Friedhof ist zwar auch nicht mehr taufrisch, diese mit dem Vernichten von anderen Friedhofskarten zu bezahlen, ist allerdings dann doch ein vergleichsweise unverbrauchter Ansatz im Spieldesign. Gut gefallen haben mir auch die Technologie-Karten, die das Spiel deutlich komplexer machen und an denen ihr ganze Strategien ausrichten könnt. Wenn ihr mit dem Nach-Atombomben-Szenario etwas anfangen könnt und dem klassischen Duell-Spiel zugetan seid, dann ist Rone eine echte Empfehlung.
Test: Aven Colony Test: Deja-Vu
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