Test: Saints Row IV: Re-Elected – Gat Out of Hell

Saints Row IV war schon auf der letzten Konsolen-Generation kein Meisterwerk, wusste aber, dank dem Humor der Serie, mit den endlosen Pop-Kultur Anlehnungen, sowie der abgedrehten Handlung, viele Gamer zu begeistern. Mit dem Remake Saints Row IV: Re-Elected – Gat Out of Hell Edition bekommen wir vom Entwicklerstudio Volition allerdings nicht nur den vierten Ableger des Franchises in 1080p mit allen DLCs präsentiert, sondern auch das neue eigenständige Spiel Gat out of Hell.

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The United Saints of America

Das Saints Row Franchise war schon immer mehr als schräg aufgezogen und damit wird auch in Saints Row IV: Re-Elected nicht gebrochen. Die Saints haben es bis ins Weiße Haus geschafft und sogar die Präsidentschaft über die Vereinigten Staaten an sich gerissen. Also was kann da noch passieren außer ordentlich Party, viele Drinks und massig Spaß? Die Antwort ist simpel: Eine Alien-Invasion! Das Zin Imperium hat es auf die Erde abgesehen, entführt die Saints, tötet die gesamte Restbevölkerung und schmeißt unsere Helden in eine virtuelle Realität, ganz im Matrix-Stil. Nun heißt es, sich gegen die Zin aufzulehnen, aus der Simulation auszubrechen und ordentlich Rache zu nehmen, sowie wie es sich für die Saints gehört!

Damit wäre dann im Grunde auch der Großteil der Story von Saints Row IV: Re-Elected schon erzählt. Im Verlauf der Geschichte gilt es in der virtuellen Stadt diverse durchgeknallte Story Missionen zu erleben oder auch die bekannten alten Side-Quests durchzuführen, die wirklich überaus zahlreich sind. Bespielsweise wäre da die Versicherungsbetrug-Quests, in denen ihr euch vor Fahrzeuge werfen müsst und daraufhin Dank Ragdoll-Mechanik quer durch die Luft geschleudert werdet. Das Ziel: Möglichst viele Fahrzeuge zu treffen, bevor ihr bewegungslos am Boden liegenbleibt.

Objektiv betrachtet ist Saints Row IV: Re-Elected an sich allerdings genauso wenig ein Meisterwerk, wie es auf der letzten Konsolen-Generation eines war. Es mangelt an einer widerspruchsfreien Story, die in der Regel auch etwas zu albern aufgezogen ist und meist das Gefühl aufkommen lässt, es wolle nur halbstarke Möchtergern Gangsta unter den Spielern ansprechen. Auch technisch ist es nicht mehr als halbgar zu bezeichnen, sodass Spieler sich hier kein optisches Feuerwerk von versprechen sollten. Nichtsdestotrotz ist es ein solider Titel, der noch immer für einige Stunden Unterhaltung sorgen kann, vorausgesetzt man lässt sich drauf ein und hat sonst nichts mehr zu zocken. Gerade mit einem Freund im Coop loszulegen verspricht ein wahres Action-Feuerwerk.

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DLCs Inklusive!

Um Saints Row IV: Re-Elected noch abzurunden hat Volition uns Spielern auch gleich noch die zwei DLCs Enter the Dominatrix und How the Saints Saved Christmas oben draufgelegt, die beide zwar nicht sonderlich lang sind, dafür aber auf ihre eigene Weise sehr einzigartig sind. In Enter the Dominatrix hat sich die gleichnamige AI der Simulation selbstständig gemacht und die Kontrolle übernommen, mit dem Ziel alle Einwohner der Stadt in pervertierte S/M-Charaktere zu verwandeln. An sich eine nette Idee, wenn auch der Humor dahinter recht flach gehalten ist.

Wesentlich unterhaltsamer hingegen fällt How the Saints Saved Christmas auf. Hier bekommen es unsere Saints mit Santa Clawz zu tun, einem finsteren und bösen Weihnachtsmann, der den Nordpol zu übernehmen versucht um fortan die Welt zu zerstören. Auch wenn die Weihnachtszeit für uns bereits vorbei ist, wurde dieser DLC sehr stimmungsvoll aufgezogen und auch die bitterbösen Reime von Santa Clawz sind für den einen oder anderen Lacher gut.

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Gat out of Hell –  oder Das Beste kommt zuletzt

Nun möchte man natürlich meinen, dass Volition nahezu alles Potential aus dem Saints Row Franchise gezogen hat, zumindest was die Abgedrehtheit und den Irrsinn angeht. Falsch gedacht! Mit Gat out of Hell wird Protagonist Jonny Gat zusammen mit Nerd Kinzie Kensington in die Hölle verfrachtet, wo sie gegen Satan selbst aufbegehren sollen.

Auf den ersten Blick ist die Hölle allerdings nicht sonderlich anders als Steelport selbst, und dies ändert sich auch auf den zweiten Blick nicht. Zugegeben, es ist eine verwahrloste Welt, in der Schwefel in der Luft liegt, Lavaströme durchs Land ziehen und verwahrlosten Seelen durch die Straßen wandern, aber ansonsten fühlt sich die Stadt mehr recycelt als neu erschaffen an. Abgesehen davon bleibt auch das Gameplay nahezu identisch und die zahlreichen sammelbaren Orbs in der Welt und die vielfältigen Nebenmissionen sind selbstverständlich auch wieder dabei. Selbst diese Side-Quests ähneln oftmals denen aus Saints Row IV: Re-Elected. Statt einer bestimmte Versicherungssumme zu erreichen, gilt es beispielsweise eine möglichst hohe Zahl an Jahren der Verdammnis zu erzielen – nett aber nicht einfallsreich.

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Aber natürlich gibt es auch einige Neuerungen in Gat out of Hell. Im Gegensatz zum vierten Teil könnt ihr euch nicht einfach so durch die Lüfte gleiten lassen, sondern bekommt stattdessen ein Relikt aus vergangener Zeit: Den zerbrochenen Heiligenschein von Lucifer selbst. Dank dieses netten Relikts, erhalten unsere Helden ein paar Engelsschwingen mit denen sie in bahnbrechender Geschwindigkei durch die Lüfte sausen können. Bemerkenswert ist, wie gut Volition hier die Steuerung in der Luft gestaltet hat. Sie ist äußerst präzise und schnell, wodurch das Fliegen durch enge Häuserschluchten und über Lavaströme hinweg zu einem echten Erlebnis wird.

Aber auch in der Erzählweise der Geschichte hat sich Volition wieder als kreativ erwiesen. Ein perfektes Beispiel hierfür ist die Inszenierung der Story, in welcher der Präsident der Vereinigten Staaten von Satan entführt wurde, um eine Zwangsheirat  mit dessen Tochter Jezebel durchzuführen. Verständlicherweise sind davon weder Präsident noch Tochter begeistert. Dies wird in hitzigen Debatten präsentiert, die in Form von fast schon Disney-artigen Gesangseinlagen daherkommen – einfach grandios.

Massive Action dank Superkräfte
Abgedrehter Humor...
2 Spiele + 2 DLCs in einem
Eigener Charakter in Re-Elected
Tolles Flugsystem in Gat out of Hell
Durchgehender Coop-Modus verfügbar
Technisch nicht das Maß der Zeit
... der bisweilen nicht allzu anspruchsvoll ist
Kämpfe sind repetitiv und anspruchslos
Story mit Widersprüchen

Daniel M.

Wer den vierten Ableger noch nicht gespielt haben sollte und sonst nichts mehr groß auf der Gaming To-Do Liste hat, der kann mit der Saints Row IV: Re-Elected - Gat Out of Hell Edition ohne Zweifel einige Arcade-lastige Stunden abgedrehten Wahnsinn erleben. Die Spiele sind zwar allesamt keine Meisterwerke, wissen aber durch die humorvolle und actionreiche Präsentation zu bestechen. Insbesondere das Stand Alone Spiel Gat Out of Hell setzt dem ganzen dabei noch das i-Tüpfelchen des bekannten Wahnsinns auf. Jedoch sollte man hier kein technisches Wunderwerk erwarten und auch könnte der Humor für manch einen etwas zu flach ausfallen. Lässt man sich jedoch erst mal drauf ein und schaltet das Gehirn für ein paar Stunden aus, dann kann das Actionspektakel, insbesondere im kooperativen Modus, für einigen Spielspaß sorgen.
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