Test: Santorini

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Santorini ist eine Insel, eine sehr kleine Insel. Genau genommen besteht Santorini nur aus einem kleinen Eiland von insgesamt 5×5 Feldern. Außerdem ist man auf Santorini den griechischen Göttern sehr nahe. Zumindest, wenn man dem Brettspiel des gleichen Namens glauben darf. Diese Götter bestimmen das Schicksal der Menschen auf Santorini und verfolgen jeden ihrer Schritte sehr genau. Das ist nicht allzu viel Aufwand, da die Bevölkerung von Santorini mit 4-6 Arbeitern sehr bescheiden ist. Da kann man sich schnell fragen, für wen diese Arbeiter eigentlich permanent neue Häuser bauen. Aber vermutlich werden bei so vielen Neubauten die Touristen nicht lange auf sich warten lassen…

Ein Brettspiel ist auch eine Insel

Möchte man bei Santorini einfach starten, beginnt man am besten mit dem Grundspiel ohne jegliche Sonderfähigkeiten. Jeder Spieler stellt zwei Arbeiter seiner Farbe auf beliebige Felder der 25 Felder großen quadratischen Insel und schon kann es losgehen. Sowohl die Arbeiter sind als hübsche Weiblein- und Männlein-Plastikfiguren schön gestaltet, als auch das Inselspielfeld, das etwas erhoben auf ein paar Klippen thront. Dazu kommen die Häuser, die aus drei verschiedenen Stockwerken bestehen, auf die ggf. noch ein blaues Kuppeldach gesetzt wird. Durch unterschiedlich aussehende Seiten der Stockwerke sehen die entstehenden Häuser letztlich sehr unterschiedlich aus, was zu sehr hübschen Landschaften auf dem Spielplan führt.

Seid ihr am Zug, wählt ihr einen Eurer Arbeiter und zieht die Figur um 1 Feld, wobei ihr auch diagonal ziehen dürft. Dabei dürft ihr den Arbeiter entweder auf dem gleichen Stockwerk bewegen, ein Stockwerk nach oben oder beliebig weit nach unten ziehen. Danach baut ihr mit dem gleichen Arbeiter, ebenfalls auf einem benachbarten Feld, wobei auch hier die diagonalen Felder mitzählen, ein Stockwerk eines Hauses auf einer beliebigen Höhe. Auf einem freien Feld ist dies das Erdgeschoß eines neuen Hauses oder eben der erste oder zweite Stock auf einem bestehenden Haus. Nach dem zweiten Stockwerk kann oben drauf das blaue Kuppeldach gebaut werden. Hiermit ist das Haus dann beendet und kann auch nicht mehr von Arbeitern betreten werden. Ziel des Spiels ist es schließlich, mit einem Eurer Arbeiter durch einen normalen Zug auf den zweiten Stock eines Hauses zu ziehen. Schafft ihr das, habt ihr gewonnen.

Kurz und bündig

Das klingt nun erst einmal sehr einfach. Die Regeln von Santorini sind auch tatsächlich so einfach und sehr schnell erklärt. Die Raffinesse und der Spielspaß ergibt sich erst durch die Interaktion zwischen den Spielern, denn wie viele abstrakte Spiele, lebt Santorini davon, dass die Spieler sich gegenseitig versuchen in die Irre zu führen und auszutricksen, um einen entscheidenden Spielvorteil zu erhalten. Das mag zu Beginn schwierig erscheinen, wenn beide Spieler gut aufpassen.

Spätestens, wenn viele Häuser durch Dächer abgeschlossen wurden und die Felder nicht mehr betreten werden können, werden die Räume enger und das Spielende rückt immer näher. Durch diesen Umstand dauert eine Partie Santorini immer nur kurz und die Möglichkeit eins Patts ist ausgeschlossen. Im schlimmsten Fall kommt eine Sonderregel zum Tragen, durch die ein Spieler verliert, wenn er keinen seiner Arbeiter mehr bewegen kann, wenn er an der Reihe ist.

Bei den Göttern

Selbst dieses einfache Grundprinzip vermag schon eine Weile zu fesseln. Nimmt man die Götterkarten und ihre Fähigkeiten mit hinzu, erhöht sich die Wiederspielbarkeit von Santorini noch einmal deutlich, ohne dass die Komplexität wirklich zunimmt. Beim Spiel mit den Götterkarten zieht jeder Spieler zu Beginn des Spiels eine davon und legt sie offen aus. Die Fähigkeit eurer Karte bestimmt dabei die eine Sonderfähigkeit, die euer Gott euch für den Verlauf des Spiels erlaubt.

Die Fähigkeiten sind mit Piktogrammen auf den Götterkarten abgedruckt und werden auch in der Spielanleitung noch einmal ausführlich mit Worten erklärt. Dabei befinden sich sehr unterschiedliche Fähigkeiten, die entweder eine weitere Gewinnbedingung ermöglichen (mit Chronos gewinnt man auch, sobald fünf Türme mit Dach vollendet wurden), den eigenen Spielzug verbessern (Hephaistos darf beim Bauen direkt zwei Stockwerke setzen) oder auch den des Gegners erschweren (Limos verbietet es dem Gegner, direkt neben der eigenen Figur zu bauen).

Dies sind oft kleine, aber entscheidende Veränderungen, die den Spielverlauf deutlich prägen. Da es 30 verschiedene Karten im Grundspiel gibt, kommt bei der Vielzahl unterschiedlicher Kombinationsmöglichkeiten so schnell keine Langeweile auf. Für Einsteiger sind die einfacheren Götterkarten extra mit einer Blume markiert, so dass ihr zunächst auch nur mit diesen spielen könnt. Nicht alle Götterkarten sind gleich stark, denn einige zwingen den Gegner mehr als andere, bei jedem Zug sehr genau aufzupassen, um keine Niederlage davonzutragen. Keine der Götterkarten erwies sich jedoch bei aufmerksamem Spiel als unschlagbar.

Zwei mal Zwei sind Zwei

Santorini ist sehr gut als Duell für zwei Spieler geeignet. Aber auch mit erhöhter Spieleranzahl kann das Spiel aufwarten. Bei drei Spielern erhält jeder Spieler zwei Arbeiter und eine Götterkarte und muss sich gegen beide Gegner durchsetzen. Das spielt sich ebenso flüssig wie zu zweit, nur dass es dabei zu typischen „Kingmaking“-Situationen kommen kann, bei denen ein Spieler nur den Sieg eines seiner Gegner verhindern kann und den anderen dadurch zwangsläufig zum Sieger macht. Dies ist jedoch eher selten und bei der Kürze des Spiels zu verschmerzen.

Bei vier Spielern werden Teams gebildet, bei dem jeweils zwei Spieler zusammen die beiden Arbeiter einer Farbe kontrollieren. Abwechselnd ist ein Spieler jedes Teams an der Reihe. Da jeder Spieler dennoch seine eigene Götterkarten erhält, wird das Spiel dadurch noch einmal taktischer, da ihr in Eurem Zug nur Eure eigene Götterfähigkeit nutzen könnt. So müsst ihr genau überlegen in welchem Zug welche Möglichkeiten und Einschränkungen zu beachten sind und wie ihr im idealen Moment das gegnerische Team ausmanövrieren könnt.

raffiniertes und einfaches Spielprinzip
schnell erklärt und schnell gespielt
taktische Tiefe
viele Kombinationsmöglichkeiten durch Götterkarten
sehr schöne Ausstattung
im Kern ein abstraktes Spiel

Dennis Schwarz

Obwohl Santorini im Kern ein abstraktes Spiel ist, ermöglicht sein einfaches Spielprinzip und seine kurze Spieldauer auch Spielern, die eigentlich nur ungern abstrakte Spiele mögen, einen guten Einstieg. Die liebevoll gestalteten Götterkarten und die optische Aufmachung der Häuser, Arbeiter und des Inselspielplans laden außerdem zum Spielen und Bauen ein. Sogar versierte Kinder können bei Santorini mitspielen, da sie das Spielprinzip sehr schnell verstehen und an den Häusern ihre Freude haben. Für das Herausfinden von optimalen Zügen braucht es aber natürlich etwas Einarbeitung. Aber auch für eingefleischte Taktiker kann Santorini interessant sein, da hier die wesentlichen Grundzüge eines abstrakten Denkspiels mit der zufälligen Vielfalt der Götterkarten kombiniert werden und so jedes Spiel eine neue Herangehensweise fordert.
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