Test: Schüttel’s

Hättet ihr nicht auch gerne einen fleißigen Wichtel, der euch all die unliebsamen Aufgaben abnimmt? Die Bürger vom Rappeltal haben Glück. Sie können sich auf die faule Haut legen, während die Wichtel das geschäftliche Treiben im Dorf auf Vordermann bringen. Es ist allerdings nicht ganz einfach, die Arbeitswut der Wichtel in die richtigen Bahnen zu lenken.

Das kleine Dorf im Rappeltal beseht aus fünfzehn Gebäuden. Dort findet sich alles, was man zum Leben braucht. Ob Apotheke, Schmiede, Schreinerei oder Wirtshaus, das alles und einiges mehr hat sich im Dorf angesiedelt. Da die Bürger selbst keinen Handschlag tun, um die Produktion anzukurbeln, müssen wohl die Wichtel in die Bresche springen.

Würfeln mit Wichteln

An jedem der fünfzehn Orte lassen sich mit den Wichteln Aktionen durchführen. Bei knapp der Hälfte handelt es sich um Handwerkshäuser. Dort könnt ihr mit einer Aktion eine Ware aus eurem persönlichen Vorrat einsetzen. Besitzt ihr an diesem Ort schon mindestens eine Ware, könnt ihr jetzt alternativ beliebig viele eigene Waren verkaufen.

Eine Ware wird potenziell immer wertvoller, je länger sie an Ort und Stelle bleibt und nicht verkauft wird. Die erste Ware der Schreinerei ist etwa nur 80 Taler wert. Kommt eine zweite Ware hinzu, egal von welchem Spieler, so rutscht die schon ausliegende Ware um eine Position nach vorne. Sie bringt euch jetzt schon 120 Taler ein, während die neu hinzu gekommene Ware auf die erste Position gelangt und somit 80 Taler wert ist.

Jeder Handwerksbetrieb verfügt über fünf Lagerplätze. Je weiter oben eine Ware in den Lagerplätzen steht, desto höher ist auch ihr Verkaufspreis. Doch was passiert, wenn nun eine sechste Ware hinzukommt? In diesem Fall wird das eben noch so wertvolle Produkt, das im Spielverlauf immer teurer geworden ist, plötzlich vollkommen wertlos und kommt aus dem Spiel.

Dieser Umstand macht die Entscheidung zwischen Ware einsetzen oder verkaufen nicht gerade einfach. Auf der einen Seite wollt ihr natürlich bei einem Verkauf möglichst viele Taler absahnen, auf der anderen Seite besteht jedoch auch die Gefahr, plötzlich mit leeren Händen dazustehen. Mit etwas Pech habt ihr euch schnell verzockt.

Glück und Pech liegen nahe beieinander

Im Rappeltal-Dorf gibt es aber auch noch einige Orte, die nicht dem Handwerk angehören. Der Pranger etwa ist kein besonders schöner Ort für einen Besuch. Trotzdem haben die Bürger gleich drei dieser Plätze im Dorf installiert. Steht ihr am Pranger, müsst ihr 40 Taler in die Dorfkasse einzahlen. Das Bußgeld legt ihr auf den Marktplatz. Wohl dem, der in seinem Zug auf eben jenem landet. Dieser Spieler kassiert jetzt die gesamte Kohle, die sich dort in der Zwischenzeit angesammelt hat.

Auch in die Schweinegrube stolpert ihr besser nicht. Tappt ihr doch einmal hinein, so geht dies auf Kosten einer beliebigen Ware, die ihr von einem Gebäude entfernen müsst, ohne dafür auch nur einen einzigen Taler zu sehen.

Zum Glück haben die Dorfbewohner aber auch ein paar Highlights im Ort. Dazu zählt zum Beispiel das Zelt der Wahrsagerin. Dank ihrer visionären Kraft dürft ihr eine eigene Ware an einem beliebigen Ort platzieren. Durchaus lohnenswert kann außerdem eine Warenlieferung zum Wirtshaus sein. Für jede Lieferung erhaltet ihr Geld von allen Mitspielern. Das Beste daran: Je mehr Waren ihr schon zum Wirt gekarrt habt, desto höher fällt der Betrag aus.

Ähnlich funktioniert auch die Bank. Für das Einlagern einer Ware wird zunächst eine Gebühr von 10 Talern erhoben, die ihr an jeden Mitspieler entrichten müsst. Der Verkauf ist dafür lukrativ, von jedem Mitspieler kassiert ihr jetzt den Betrag von 30 Talern. Das lohnt sich besonders, wenn ihr Schüttel’s in einer größeren Gruppe spielt.

Die Kraft des Schüttelzaubers

Am Rande des Dorfes befindet sich außerdem noch der allgemeine Lagerplatz. Hier landen alle Waren, die verkauft oder anderweitig aus dem Spiel entfernt wurden. Sobald der Lagerplatz bis auf den letzten Platz gefüllt ist, endet auch das Spiel. Der reichste Spieler gewinnt die Partie.

Bleibt noch zu klären, wie die Wichtel denn nun an den fünfzehn Orten im Dorf eingesetzt werden können. Damit kommen wir dann endlich auch zum Clou des Spiels, dem absoluten Highlight. Als aktiver Spieler greift ihr zum Würfelbecher. In diesem befinden sich fünfzehn Wichtel, die durch kleine Holzfigürchen dargestellt werden. Jetzt könnt ihr den Schüttelzauber aktivieren. Werft dazu in einem Schwung einen Teil der Wichtel in den Wichtelfänger. Bei diesem handelt es sich um einen Filzzuschnitt, den ihr mit Druckclips zu einem kleinen Teller formt.

Zählt nun die Holzfiguren, die im Wichtelfänger hängengeblieben sind. Entsprechend der Anzahl der Figuren führt ihr nun die Aktion am dazugehörigen Ort aus. Die numerische Anordnung der Gebäude birgt dabei einige Gemeinheiten. Es ist natürlich ein Leichtes, einfach sämtliche fünfzehn Figuren in den Fänger zu kippen. Einen Vorteil könnt ihr daraus aber nicht ziehen, in diesem Fall landet ihr nämlich am Pranger und müsst 40 Taler in die Dorfkasse schmeißen.

Ebenfalls ungünstig ist die „mittlere 7“. Sie bringt euch leider in die Schweinegrube. Auf der andern Seite wäre der Marktplatz ein lukratives Ziel, um dort einen Zwischenstopp einzulegen. Um dort zu landen, müsst ihr aus dem Becher allerdings genau vierzehn Wichtel ausschütten, keine leichte Aufgabe. Nur ein Wichtel mehr und ihr landet erneut am Pranger.

Schüttel’s ist ein Spiel für zwei bis sechs Spieler ab acht Jahren. Für eine Partie müsst ihr etwa eine halbe Stunde einplanen. Das Spiel ist über den Zoch-Verlag erschienen und kostet rund 25€.

frische Schüttel-Mechanik
mit bis zu sechs Spielern spielbar
unterhaltsam für jüngere und ältere Spieler
Aktionen kaum kontrollierbar
Geldscheine sind sehr klein

Sebastian Hamers

Mir hat Schüttel’s überraschend gut gefallen. Ja, es sieht schon ziemlich nach einem Kinderspiel aus und es lässt sich natürlich auch prima mit jüngeren Spielern spielen. Schüttel’s kann allerdings auch für erfahrene Spieler reizvoll sein. Das Spiel stellt euch immer wieder vor die Entscheidung, ob ihr eine neue Ware einsetzen sollt oder doch lieber einen sicheren Verkauf abschließt. Richtig viel Kontrolle habt ihr aber natürlich nicht über eure Aktionen. Mit etwas Geschick könnt ihr eurem Glück jedoch vielleicht ein wenig auf die Sprünge helfen. Dafür wirkt die Schüttel-Mechanik ziemlich frisch und unverbraucht. Sie ist das Herzstück des Spiels. Daher bringe ich Schüttel’s immer wieder mal gerne in unterschiedlichen Konstellationen auf den Tisch. Viel gelacht wurde dabei immer.
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