Test: Scubi Sea Saga

Scubi Sea Saga: Arielle meets App

Die Liaison von Brettspiel und Smartphone-App sorgt bei einigen Brettspiel-Traditionalisten für gerümpfte Nasen. Dabei gibt es mittlerweile zahlreiche Brettspiele, die beweisen, dass in dieser Kombination ziemlich viel Potential liegt. Die österreichischen Spieleerfinder von rudy games haben das längst erkannt. Bei ihnen zählt die Integration von technischen Hilfsmitteln schon seit Jahren zum festen Bestandteil ihrer Strategie. Mit einem guten Gespür für den richtigen Einsatz einer App brachte das Rudy-Team schon das Strategiespiel Leaders in den Handel und deutete mit dem Partyspiel Interaction an, über welche Bandbreite ihr Repertoire verfügt.

In der Tat fordert die Einbindung einer App ein gutes Gefühl dafür, was ein Brettspiel ausmacht. Bestimmte Aktionen wollen wir als Spieler nicht mit technischen Hilfsmitteln durchführen. Sonst besteht die Gefahr, dass in der Spielerunde alle nur noch am Smartphone hängen und das Brettspiel-Erlebnis so den Bach runtergeht. Bislang hat sich rudy games in dieser Disziplin immer gut geschlagen. Ist dieser Coup auch bei ihrem neuen Werk Scubi Sea Saga gelungen?

Unten im Meer

In Scubi Sea Saga wagen wir einen Ausflug tief hinunter ins Meer. Dort warten schon zahlreiche Meeresbewohner auf uns. Seesterne, Krebse, Tintenfische, Quallen, Kugelfische und Seepferdchen erstrahlen in einer Optik, die mit ihrem Comic-Look ein schönes Disney-Arielle-Gefühl hervorzaubert. Etwas ungewöhnlich erscheint auf den ersten Blick das Spielbrett. Es enthält acht reihenförmige Ausstanzungen, in die ihr bei Spielbeginn gleich haufenweise Spielchips einlegt. Auf diesen befinden sich die eben schon erwähnten Meerestiere.

Der Spielaufbau ist leider auch der nervigste Aspekt des Spiels. In jede Reihe platziert ihr nach dem Zufallsprinzip, durch Ziehen der Chips aus einem Stoffbeutel, gleich acht Spielchips. Bevor ihr mit dem Spiel loslegen könnt, dürft ihr also gleich erstmal 64 Chips auslegen. Im Verlauf des Spiels werden viele Chips auch wieder aus den Reihen entfernt und neue ausgelegt. Damit seid ihr im Spielverlauf oft damit beschäftigt, das Spielfeld mit neuen Chips zu bestücken.

 

Bejeweled als Brettspiel?

Spielerisch erinnert Subi Sea Saga ein wenig an das Knobelspiel Bejeweld oder einen der vielen anderen Vertreter des Match-Three-Genres. Statt mit Juwelen müsst ihr nun jedoch mit den unterschiedlichen Bewohnern des Meeres jonglieren. Aus dem Meerestier-Gewimmel müsst ihr mindestens drei Tiere der gleichen Art herausfischen, die sich unmittelbar nebeneinander in einer Reihe oder in einer Spalte befinden.

Ihr kennt das Prinzip. Die benachbarten Tiere werden aus dem Spiel entfernt, anschließend fallen alle Chips nach unten, die nun in der Luft hängen. Durch das Verrücken der Meeresbewohner ergeben sich möglicherweise neue Konstellationen, die ein erneutes Entfernen von Spielchips möglich machen. Mit etwas Glück und Geschick könnt ihr euch so einige Kombis erspielen, die euer Punktekonto klingen lassen. Irgendwann ist jedoch auch der schönste Spielzug zu Ende, da nach dem Entfernen von Meerestieren keine neuen Spielchips von oben nachgeworfen werden. Dadurch hält sich die Wartezeit für den anderen Spieler auch immer in erträglichen Grenzen.

Bevor es weitergeht, werden alle entfernten Chips wieder in den Beutel geworfen. Dann wird das Spielfeld wieder vollständig mit neuen Spielchips befüllt. Dann kann es aber auch schon weitergehen. Der nächste Spieler darf, bevor er seinen Zug beginnt, dann auch immer noch die Position von zwei benachbarten Chips vertauschen. So habt ihr immer zumindest ein wenig Kontrolle über die möglichen Kombinationen der aktuellen Runde und seid nicht vollständig auf die Glücksfee angewiesen.

Schwarmeffekt

Bei den Meerestieren, die vom Spielfeld genommen werden, ergibt sich zudem noch ein gewisser Schwarmeffekt. Es werden dabei nicht nur die Tiere entfernt, die sich in der gleichen Reihe oder Spalte befinden, sondern auch alle benachbarten Tiere der gleichen Art. So könnt ihr über Eck manchmal gleich eine Vielzahl von Chips aufnehmen und sie eurem Punktekonto hinzufügen.

Eine besondere Funktion nehmen dabei die Seepferdchen ein. Diese Tierchen sind in mehreren Farben vorhanden, die an die anderen Meeresbewohner angeglichen sind. Die Kugelfische interagieren etwa mit den grünen Seepferdchen, der Seestern kann mit den gelben Seepferdchen verbunden werden. Konntet ihr gemeinsam mit den anderen Tieren auch mindestens ein farblich passendes Seepferdchen entfernen, wird die Punktzahl für euch verdoppelt.

Punktestand-Verwaltung per App

Den Punktestand könnt ihr dabei ganz bequem in der App verwalten. Für jedes vom Spielfeld entnommene Meerestier, ausgenommen sind dabei die Seepferdchen, erhaltet ihr einen Punkt. Die Seepferdchen können, wie oben beschrieben, die Punkteausbeute verdoppeln. Es bringt dabei allerdings nichts, wenn ihr mehr als ein Seepferdchen mit vom Feld nehmt. Mehr als einen Zweier-Multiplikator könnt ihr nicht erzielen.

Solange ihr noch passende Kombinationen auf dem Spielfeld entdeckt, mit denen ihr Chips aus dem Spiel nehmen könnt, dürft ihr euren Zug fortsetzen. Zwischenzeitlich streut die App allerdings immer wieder Zufallselemente ein. Es kann zum Beispiel passieren, dass der Hai, der sich seitlich am Spielfeldrand bereithält, aktiviert wird. Er saust einmal durch eine Reihe des Spielfelds und verscheucht alle Meerestiere, die sich dort befinden.

Das ist manchmal ziemlich ärgerlich, wenn euch dadurch eine aussichtsreiche Kombi zerstört wird. Hin und wieder ergeben sich durch solche Zufallsereignisse aber auch neue Chancen, da die Situation auf dem Feld stark verändert wird. So liegen Freude und Ärger oftmals ziemlich dicht beieinander. Gespielt wird immer über sechs Runden, dann verrät euch die App, wer die meisten Punkte gesammelt hat. Für ein Spiel benötigt ihr eine knappe halbe Stunde. Scubi Sea Saga ist ab sofort im Handel und kostet etwa 25€. Bestellen könnt ihr es auch über den hauseigenen Online-Shop von rudy games.

Arielle-Disney-Wohlfühloptik
wertiges Spielmaterial
Match-Three-Mechanik à la Candy Crush
Zufallselemente per App
Nachlegen von Chips hemmt den Spielfluss

Sebastian Hamers

Mit seiner bonbonbunten Optik erweckt Scubi Sea Saga den Anschein, dass es sich hierbei um ein Spiel für Kinder handelt. Stimmt, bereits junge Spieler ab etwa sechs Jahren kommen mit der einfachen Mechanik von Scubi Sea Saga gut zurecht. Allerdings weiß das Spiel auch Erwachsene gut zu unterhalten. Spielerisch erinnert es an Bejeweled oder andere Vertreter des beliebten Match-Three-Genres. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Stunden ich in meinem Spielerleben bereits in derartige Titel versenkt habe. Ein ähnliches Suchtpotential steckt auch in Scubi Sea Saga von rudy games. Wenn ihr Bejeweled & Co. schon immer mal gerne zu zweit spielen wolltet, dann solltet ihr mal einen Blick auf dieses Spiel werfen. Einzig der doch etwas aufwändige Spielaufbau trübt das Vergnügen ein wenig. Denn eigentlich ist Scubi Sea Saga ein schnelles Spiel mit einfachem intuitivem Ablauf. Durch das ständige Nachlegen des Spielchips wird der Spielfluss aber immer wieder unterbrochen. Trotz dieses kleinen Makels hatte ich mit Scubi Sea Saga viel Freude und kann es all jenen empfehlen, die von Candy Crush & Co. nicht genug bekommen können.
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