Test: Shin Megami Tensei IV

Test: Shin Megami Tensei IV

Das Warten hat ein Ende

Mit Shin Megami Tensei IV erreicht uns nach langer Wartezeit ein kleines Großereignis für den Nintendo 3DS. Während amerikanische Zocker bereits Anfang 2013 Hand anlegen durften, wurde die Geduld der Europäer auf eine harte Probe gestellt. Auch wenn wir uns mit einer digitalen Veröffentlichung zufrieden geben müssen, bleibt uns nach den vielen Stunden mit Shin Megami Tensei IV zumindest die Gewissheit, dass uns Atlus für einen schlanken Preis, eines der genialsten Handheld-Rollenspiele der letzten Zeit abliefert. Dabei lastet auf Shin Megami Tensei IV nicht mehr als der Druck seiner drei Vorgänger, die auf damals heißen Konsolen wie SNES und PlayStation 2 Genre-Liebhaber vor ihren Bildschirmen fesselten und den Grundstein für den Erfolg von Persona 4 legten.

Samurai der Zukunft

Shin Megami Tensei IV wirft uns zunächst in ein überraschend neues Setting. Statt in einer post-apokalyptischen Welt, finden wir uns in einem eher mittelalterlich wirkenden Ort wieder. Wir sind Flynn, ein junger Bursche aus dem verarmten Dörfchen Kiccigiorgi, der sich nichts sehnlicher wünscht, als den im Mikado-Schloss ansässigen Samurai beizutreten. Die sind dafür zuständig, das keine Dämonen aus den Tiefen Narakus zu den Menschen vordringen, ein bisschen so wie die Night’s Watch aus Game of Thrones.

Doch längst nicht jeder verfügt über die Voraussetzungen und so werden Bewerber einem besonderen Test unterzogen. Die Gemeinde der Samurai erkennt Flynn als einen der ihren an, denn auch er verfügt über die Gabe, mithilfe eines besonderen Geräts, Dämonen zu beschwören. Schnell lernen wir auch seine drei Verbündeten Isabeau, Jonathan und Walter kennen, die passenderweise je für ein freischaltbares Ende stehen. Im Laufe unseres Abenteuers werden wir mit unterschiedlichen Fragen konfrontiert, die in einigen Fällen über Leben und Tod entscheiden und uns dazu zwingen Partei zu ergreifen. Welche Ideale uns am ehesten zusagen, bestimmen unser Schicksal in Shin Megami Tensei IV. Bevor wir uns aber über das Ende den Kopf zerbrechen, gilt es die Tiefen der Dämonenbrutstätte Naraku zu erforschen, bis uns eine der feinsten Story-Wendungen seit bestehen der Reihe überrascht und uns auf eine spannende Reise mitnimmt.

Test: Shin Megami Tensei IV

Flynn stellt sich seiner Bestimmung

Im Bann der Dämonen

Dabei präsentiert sich die Mutter aller Atlus-Rollenspiele wie gewohnt sehr nischenmäßig. Ob es nun am Geld lag oder man der Reihe treu bleiben wollte, der Mix aus 2D-, 3D- und Top-Down-Passagen fällt auf. Billig wirkt Shin Megami Tensei IV aber in keiner Sekunde. Gegner und NPCs werden vorwiegend in klassischen 2D-Sprites dargestellt und für Dialoge zwischen den Hauptcharakteren werden schicke Zeichnungen verwendet. Auf der Karte kommt dann die klassische Top-Down-Ansicht zum Einsatz, die man bereits aus den Vorgängern kennt und sicher nicht jeden Geschmack trifft. Optisch zeitgemäßer geht es dann innerhalb der Areale zu, wenn wir Gebäude betreten oder Viertel durchforsten. Mit dem Protagonist – dessen Ausrüstung übrigens sichtbar ist – darf in Third-Person-Perspektive nach Aufträgen und Herausforderungen gesucht werden, was natürlich die Aufmerksamkeit von Dämonen und anderem Gesindel auf uns lenkt.

Dabei müssen wir uns jedoch nicht mit nervigen Zufallskämpfen abmühen. Alle Gegner sind als verpixelte (kein Grafik-Bug!) Gestalten zu erkennen, denen wir aus dem Weg gehen können, falls uns nicht nach Konfrontation ist. Sind wir aber gerade doch auf Krawall gebürstet, können wir uns einen kleinen Vorteil verschaffen, in dem wir versuchen, die Plagegeister mit einem gekonnten Hieb zu treffen. Die versuchen es natürlich auch, sind wir aber schneller, steigen unsere Gegner leicht angeschlagen in den Ring. Anschließend geht es dann wieder sehr klassisch zur Sache. Runde um Runde werden Schläge ausgetauscht bis einer nicht mehr kann und sich geschlagen geben muss. Dabei spielen auch wieder Elemente und unterschiedliche Angriffstypen eine wichtige Rolle, da sowohl wir als auch unsere Gegner Schwächen und Stärken besitzen, die uns ständig zum Mitdenken fordern.

Wer mit den Spielen von Atlus vertraut ist, weiß aber auch, dass die Kämpfe nicht nur strategisches Gespür abverlangen. Jeder Kampf geht an unsere Ressourcen und fordert seinen Tribut. Gerade die Gesundheit der eigenen Dämonentruppe steht an höchster Stelle, wenn man sich vorgenommen hat, einen der Dungeon zu meistern. Heilitems wachsen nicht auf Bäumen und hat man erst zu viel MP verbraucht, helfen auch keine heilenden Fähigkeiten mehr. Hier beweist sich Shin Megami Tensei IV allerdings als das einsteigerfreundlichste Spiel der Reihe. Zwar startet ihr gleich zu Beginn mit dem härteren Schwierigkeitsgrad, habt ihr eure Lektion jedoch nach euren ersten beiden Toden gelernt, kann in den einfachen Schwierigkeitsgrad gewechselt werden. So oder so wird der Tod in Shin Megami Tensei IV weniger hart bestraft als in den Vorgängern. Wo früher ein melancholischer Text über die Vergänglichkeit des Lebens eingeblendet wurde, um sich wenig später von einem Game Over-Bildschirm ins Boxhorn jagen zu lassen, findet man sich nun vor den Pforten des Jenseits wieder, wo man sich gegen Macca oder Playcoins das Leben zurückerstatten kann.

Test: Shin Megami Tensei IV

Gleich gibts was aufs Fressbrett!

Aus Feind wird Freund

Anders als in Pokémon, wo man schon zum Start ein Monster in die Hand gedrückt bekommt, sind wir zunächst auf uns allein gestellt. Eine unserer ersten Missionen lautet, drei Dämonen zu rekrutieren, was anfangs gar nicht so leicht ist. Die Biester lassen sich nämlich nicht fangen, sondern müssen aus freien Stücken Teil unserer Bande werden. Findet man sich im Kampfbildschirm wieder, kann man Dämonen direkt ansprechen. Was folgt ist eine Aneinanderreihung von Fragen. Manchmal geht es um den Sinn des Lebens, mal werden Beleidigungen ausgetauscht und manchmal wird auch bestochen. Ein Feature, das manchmal zu aberwitzigen Dialogen führt und hoch motivierend ist, weil es a) immer anders kommt als man denkt und b) meist von Erfolg gekrönt ist und dadurch nie frustrierend wird.

Hat man sich dann eine nette Truppe zusammengestellt, kommen die Fusionen ins Spiel. Dämonen leveln zwar ungehindert weiter, lernen aber irgendwann keine neuen Fähigkeiten mehr. Lasst ihr jedoch zwei oder drei Dämonen miteinander verschmelzen, kommt ein stärkeres dabei heraus. Wir entscheiden übrigens selbst, welche Attacken unser neuer Mitstreiter von seinen Vorgängern vererbt bekommt. Glich das Fusionieren in alten Shin Megami Tensei-Ablegern eher der Teilnahme am Glücksrad, wurde eine Suchfunktion eingebaut. Dadurch bekommt man endlich einen Überblick über die zahlreichen Fusionsmöglichkeiten.

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Ein neuer Verbündeter

Apps für Workaholics

Kurz bevor wir uns ins Getümmel stürzen können, werden wir mit der künstlichen Intelligenz Burroughs bekannt gemacht, die im Inneren unseres Dämonen-Beschwörungs-Devices lebt. Die charmante Stimme weist uns regelmäßig auf neue Missionen und Herausforderungen hin, die uns in der Geschichte vorantreiben oder uns helfen, an Bares oder seltene Ausrüstungsgegenstände zu kommen. Später können wir uns auch fordernden Trainings-Matches stellen, die uns mit Macca eindecken, nebenbei lernen wir dadurch ein paar hilfreiche Tricks für zukünftige Kämpfe.

Weitere Funktionen lassen sich durch das Kaufen von Apps dazu gewinnen. So können wir Slots für Fähigkeiten, neue Gesprächsoptionen für die Kämpfe und viele weitere Apps hinzufügen, die uns das Leben in der Dämonen-Apokalypse deutlich einfacher machen. Es fühlt sich so befreiend an, Optionen wie das Fusionieren, Speichern und Missions-Management stets griffbereit zu haben. Früher musste man mühselig von Hub-Aeral zu Hub-Areal wandern, um bestimmte Aktionen auszuführen, heute reicht das Betätigen der Y-Taste, um die grundlegenden Dinge zu erledigen.

Test: Shin Megami Tensei IV

Mal eben die Termine checken

 

Sehr gute Sprachausgabe
Fordernder Schwierigkeitsgrad
Einsteigerfreundlich
Spannende Story
Leider nicht auf Konsolen
Leblose NPCs

Cliff A.

Da hat sich die lange Wartezeit doch wirklich gelohnt. Atlus liefert uns mit Shin Megami Tensei IV ein gewohnt solides Rollenspielerlebnis mit allem ab, was man sich als Fan wünscht: Eine spannende Story, ein forderndes Kampfsystem und geniale Dämonen-Designs. Zwar dienen die Charaktere um den Hauptprotagonist hauptsächlich als Wegweiser, die gut gelungene Sprachausgabe macht aber auch die Dialoge sehr hörenswert. Auch die Atmosphäre des Spiels weiß durch einen düsteren Soundtrack und der Endzeit-Optik zu überzeugen. Shin Megami Tensei IV ist sicher kein Meilenstein, trotzdem möchte man den Nintendo 3DS nicht mehr weglegen, wenn man einmal mit der Dämonenjagd begonnen hat.
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