Test: Sid Meier’s Civilization – Ein neues Zeitalter

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Im Test: Sid Meier’s Civilization – Ein neues Zeitalter

Es gibt Spiele, die schon wenige Wochen nach dem Release wieder in Vergessenheit geraten sind. Andere Spiele bleiben etwas länger in den Köpfen der Gamer haften: ein Jahr, vielleicht sogar einige Jahre. Und dann gibt es noch diese wenigen Ausnahmetitel. Sie haben die Gaming-Szene nachhaltig geprägt, sind heute noch gut spielbar und werden regelmäßig mit modernen Updates versorgt. Tetris etwa ist eines dieser Spiele und natürlich auch der Strategiespiel-Klassiker Sid Meier’s Civilization.

Bereits seit 1991 sorgt das Spiel dafür, dass sich Spieler frei nach dem Motto „nur noch einen Zug“ die Nächte um die Ohren schlagen. Vom Computerspiel inspiriert, erschien auch 2002 das Brettspiel zu Sid Meier’s Civilization. Für das Brettspiel gelten ähnliche Eigenschaften wie für das digitale Vorbild. Es erfreut sich bis heute einer treuen Fangemeinde und wird ebenso regelmäßig neu aufgelegt und mit frischen Varianten versorgt. Ganz neu im Handel steht nun wieder eine neue analoge Version. Sid Meier’s Civilization: Ein neues Zeitalter möchte die Grundtugenden des Spiels erhalten, dabei jedoch ein wenig Ballast abwerfen, um das Spiel zugänglicher zu gestalten.

Civilization Revolution

Die Idee, dem immer komplexer gewordenem Civilization eine Entschlackungskur zu verordnen, ist nicht ganz neu. Schon 2008 reduzierte Entwickler Firaxis Games das Spielprinzip auf das Wesentliche, um das Spiel auch für Konsolen und später sogar Smartphones und Tablets zugänglich zu machen. Was damals für die Konsolen gut gelungen ist, soll nun auch für die Brettspiel-Variante geschehen. Das originale Civilization ist ein fantastisches Brettspiel, benötigt aber auch viel Einarbeitungszeit und hat vor allem eine Spieldauer von drei bis vier Stunden. Sid Meier’s Civilization: Ein neues Zeitalter hingegen kommt mit vergleichsweise schlankem Regelwerk daher und spielt sich tatsächlich in weniger als zwei Stunden.

Erneut führt ihr euer Volk durch verschiedene Epochen der Geschichte. Dabei müsst ihr euch zunächst für eines von insgesamt acht Völkern entscheiden. Jedes Volk spielt sich ein wenig anders und erhält eine individuelle Sonderfähigkeit. Die Ägypter bauen Weltwunder etwas günstiger, die Sumerer erhalten Bonus-Ressourcen für das Besiegen von Barbarenstämmen und in Skythien wird besonders effektiv auf bestimmten Landschaftstypen gekämpft.

Mit der Fokusleiste zur Weltherrschaft

Ansonsten unterscheiden sich die Völker in ihrer Spielweise jedoch kaum. Jeder Spieler erhält zu Spielbeginn eine sogenannte Fokusleiste, unter der fünf Karten platziert werden. Diese Karten sind bei jedem Spieler gleich. Sie stehen für den Fortschritt eines Volkes in den Kategorien Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft, Industrie und Militär. Je weiter eine Karte nach rechts gerutscht ist, desto höher ist der Fokus. Die Karte wird so entsprechend mächtiger. Spielt ihr eine Karte von der Fokusleiste aus, müsst ihr sie wieder ganz links in der Leiste anlegen. Alle anderen Fokuskarten wandern so nach rechts und werden damit aufgewertet.

Seid ihr am Zug, dürft ihr genau einer dieser Fokuskarten spielen. Mit der Kulturaktion weitet ihr euren Einflussbereich auf der Karte aus. Ihr legt Kontrollmarker auf das Spielfeld und nehmt die markierten Kartenbereichen somit in Beschlag. Dabei gibt es jedoch einige Einschränkungen zu beachten. Es gibt Gebiete, die leicht zu annektieren sind, für andere bedarf es etwas mehr Aufwand. Um etwa ein Gebirgsfeld einzunehmen, muss die Kultur-Karte schon einen Fokus von fünf Punkten gesammelt haben und somit ganz rechts in der Fokusleiste liegen.

Es lebe der Fortschritt

Bei den anderen Arten von Fokuskarten sieht es ganz ähnlich aus. Je weiter die Fokuskarte nach rechts in der Leiste gewandert ist, desto mehr Möglichkeiten stehen euch damit offen. Mit dem Wissenschaftsfokus dreht ihr euren Fortschrittsanzeiger auf der Technologiescheibe weiter. Liegt die Wissenschaftskarte ganz rechts auf der Fokusleiste, bekommt ihr fünf Fortschrittspunkte, auf dem ganz linken Feld gibt es nur einen Punkt hinzu. Über die Technologiescheibe treibt ihr eure Forschungen voran. Sammelt ihr hier fleißig Punkte, dürft ihr schon bald neue Fokuskarten dazu nehmen. Die neue Fokuskarte ersetzt dabei immer eine alte Fokuskarte der gleichen Kategorie. Wählt ihr die Wissenschaftskarte der zweiten Epoche, müsst ihr die gleiche Karte der ersten Epoche ablegen. Je weiter eine Fokuskarte in der Epoche vorangeschritten ist, desto machtvoller wird sie.

Der Wirtschaftsfokus bringt einen Handelswagen ins Spiel. Mit ihm könnt ihr die Städte der anderen Spieler ansteuern, um Handel zu betreiben. Der weite Weg zu anderen Städten kann sich lohnen, er wird mit einer Diplomatiekarte belohnt, die euch einen Bonus einbringt. Auf dem Spielfeld befinden sich zudem einige neutrale Stadtstaaten, mit denen ebenfalls Handel betrieben werden kann.

Weltwunder in Civilization

Mit dem vierten Fokusbereich kommt die Industrie ins Spiel. Mit ihr könnt ihr neue Städte oder auch Weltwunder errichten. Der Städtebau funktioniert ganz unkompliziert. Spielt ihr die Industriekarte, dürft ihr eine neue Stadt innerhalb eines gewissen Einflussbereichs setzen. Gebirgsfelder sind wieder schwerer zu bebauen als etwa Graslandschaften, hier benötigt ihr wieder den passenden Fokus-Level.

Um tatsächlich ein Weltwunder zu errichten, bedarf es schon etwas mehr Aufwand. Ihr müsst erst die geforderten Produktionspunkte aufbringen. Jedes Weltwunder gewährt euch einen einzigartigen und mächtigen Effekt. Pro Stadt dürft ihr jedoch nur ein Weltwunder errichten. Wenn ihr euch auf das Bauen von Weltwundern konzentrieren möchtet, müsst ihr also mehrere Städte bauen und sie auch entsprechend militärisch schützen. Wird eine Stadt mit Weltwunder erobert, wechselt auch die Kontrolle über das Weltwunder.

Militärische Dominanz

Ihr benötigt also auch etwas militärische Power. Damit wären wir auch gleich bei der fünften und letzten Fokuskarte. Mit dem Militärfokus könnt ihr die Stärke eurer Kontrollmarker verstärken. Das ist vor allem ganz hilfreich, wenn wieder einer dieser Barbarenstämme sein Unwesen in der Region treibt. Doch auch gegen Angriffe anderer Spieler bieten die verstärkten Kontrollmarker einen gewissen Schutz. Der Verteidigungswert erhöht sich mit jeder Kontrollmarker-Verstärkung in unmittelbarer Nähe des angegriffenen Ziels. Unwegsames Gelände wie das Gebirge erschwert den Angriff ebenso.

Mit dem Militärfokus könnt ihr natürlich auch selbst als Angreifer auftreten. Die eigene Kampfstärke errechnet sich ganz einfach. Sie steigt mit der Höhe des Militärfokus, hinzu kommen etwaige Boni für Militärkarten höherer Epochen. Um den Kampfausgang zu ermitteln vergleicht ihr lediglich die Stärken von Angriff und Verteidigung. Als kleines Glückselement kommt lediglich noch ein handelsüblicher sechsseitiger Würfel hinzu, den beide Parteien werfen. Der militärische Aspekt wurde in Civilization: Ein neues Zeitalter somit also gehörig runtergeschraubt und stark vereinfacht.

Immer wieder diese Barbaren

Dafür sind die bereits erwähnten Barbarenstämme jedoch wieder mit im Spiel. Auf dem Spielfeld befinden sich bereits zu Beginn gleich mehrere dieser Stämme. Sie wandern nach dem Zufallsprinzip auf der Karte umher und tauchen auch immer wieder neu auf, selbst wenn sie im Kampf vernichtet werden. So seid ihr gezwungen, euch zumindest ein wenig militärisch gegen die guerillaartigen Angriffe zu rüsten.

Neutrale Positionen nehmen ebenso die Stadtstaaten im Spiel ein. Mit ihnen könnt ihr Handel treiben, um wertvolle Diplomatiekarten zu erhalten. Kriegerische Naturen dürfen jedoch auch den Kampf eröffnen und die Stadtstatten erobern. Etwaige bereits erhaltene Diplomatiekarten gehen dann allerdings wieder verloren. Gleiches gilt übrigens auch, wenn ihr andere Spieler angreift, von denen ihr schon diplomatische Boni erhalten habt. So findet selbst der diplomatische Anteil von Civilization, wenn auch in abgespeckter Form, Berücksichtigung.

Missionsziel erfüllt

Damit die Spieldauer von Civilization: ein neues Zeitalter tatsächlich die Spieldauer von zwei Stunden nicht überschreitet, endet das Spiel, wenn zuvor festgelegte Missionsziele erfüllt wurden. Vor dem Spiel werden drei zufällig gezogene Agendakarten offen ausgelegt. Jede Agenda verfügt über zwei Spielziele. Um das Spiel zu gewinnen, müsst ihr als erster Spieler von jeder Karte mindestens ein Ziel erfüllt haben.

Die Aufgaben fallen dabei ziemlich unterschiedlich aus. Baue acht Städte, kontrolliere zwei Wirtschaftsweltwunder, erreiche Feld 24 auf der Technologiescheibe… dies sind nur einige der vielen Ziele, die euch zum Spielsieg führen. Die magische Grenze von zwei Stunden Spieldauer wird dabei tatsächlich auch nur selten überschritten, selbst wenn ihr in der Maximalbesetzung mit vier Spielern antretet. Civilization: Ein neues Zeitalter ist ab sofort erhältlich und kostet zwischen 40€ und 45€.

unkomplizierter Einstieg
modularer Spielaufbau
acht unterschiedliche Völker
geringe Wartezeiten
gutes Spielmaterial
kürzere Spieldauer
gut funktionierende Kartenfokus-Mechanik
beinhaltet viele liebgewonnene Civ-Zutaten
reduzierter Militär-Aspekt
Entdeckungsanteil fällt weg

Sebastian Hamers

Als Firaxis Games vor rund zehn Jahren sein Civilization Revolution für die Konsolen vorstellte, waren die Meinungen über das Spiel gespalten. Während sich die eine Seite über die hohe Zugänglichkeit freute, mokierten sich andere Spieler über die eingeschränkten Möglichkeiten der Konsolenfassung gegenüber dem Original. Vor dem gleichen Dilemma steht auch Civilization: Ein neues Zeitalter. Der Vergleich mit dem großen Bruder ist etwas unfair. Das Original bietet eine immense Spieltiefe und richtet sich an Spieler, die eine große strategische Herausforderung suchen. Der militärische Aspekt kommt beim neuen Serienableger ziemlich kurz und das Erkunden der Umgebung fällt gleich ganz hintenüber. Die vorliegende Fassung spielt sich dafür deutlich schneller und auch entspannter. Ihr müsst euch vor der ersten Partie nicht eine halbe Ewigkeit mit einer Unmenge von Regeldetails belasten. Ebenso stellt ein Durchlauf des Spiels auch keine abendfüllende Aktivität dar, geübte Spiele erreichen das Spielende sogar noch oft vor Ablauf der eingeplanten zwei Spielstunden. Weitere Pluspunkte sammelt das neue Civilization durch die geringen Wartezeiten. Der eigene Zug ist blitzschnell abgehandelt, es wird lediglich die Aktion einer einzigen Karte abgehandelt und schon ist bereits wieder der nächste Spieler an der Reihe. Der Fokuskarten-Mechanismus hat mir ziemlich gut gefallen, nicht nur weil er so schnell abgehandelt werden kann, sondern auch, weil er sich frisch und unverbraucht anfühlt. Nur wer ein umfangreiches Strategie-Epos mit großer Spieltiefe sucht, sollte sich besser nach dem Original-Civilization-Brettspiel umsehen, das im Handel immer noch problemlos zu finden ist. Alle anderen finden in Civilization: Ein neues Zeitalter ein vielseitiges Strategiespiel mit moderater Spieldauer und einfachem Regelwerk.
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