Test: Skyjo

Die großen thematischen Spiele mit haufenweise Miniaturen, dichter Atmosphäre und möglicherweise gar noch einer starken Lizenz strahlen natürlich eine große Faszination aus. Schon beim Anblick des Materials bekommt man richtig Lust aufs Spiel. Oft sind es dann aber doch die kleinen Kartenspiele, oft noch mit abstraktem Thema, die immer wieder auf den Tisch kommen. Klassiker wie Poker, Uno oder Phase 10 gehören nicht ohne Grund zu den meistgespielten Titeln. Die immense Beliebtheit dieser Spiele ist zwar schön für die betreffenden Verlage, diese sorgt aber auch dafür, dass viele andere Kartenspiele unter dem Radar schweben und wenig Beachtung finden. Gerade kleine Verlage haben es schwer, sich wichtige Verkaufsflächen im Handel zu sichern. Das vorliegende Skyjo vom Ein-Mann-Verlag Magilano ist so ein Fall. Deshalb möchten wir euch das Spiel einmal etwas genauer vorstellen.

Optisch macht Skyjo nicht sonderlich viel her. Die schmale Verpackung enthält neben einem kleinen Schreibblock nur noch die 150 Spielkarten. Auf den Karten findet ihr nicht viel mehr als eine Zahlenangabe, dessen Reichweite von -2 bis 12 beträgt. Rückwärtig seht ihr ein ganz schickes Regenbogenmuster, dennoch bringt Skyjo grafisch nicht wirklich etwas Spektakuläres aufs Parkett. Skyjo muss also mit seinen spielerischen Qualitäten auftrumpfen.

Schneller Einstieg

Beim Betrachten der Anleitung ist diesbezüglich durchaus Skepsis vorhanden. Gerade mal zwei Seiten hat Autor Alexander Bernhardt, gleichzeitig für die Verlagsleitung und das Design von Skyjo zuständig, für die Beschreibung der Regeln gebraucht. In der Tat ist die Spielidee auch verblüffend einfach.

Jeder Spieler erhält bei Spielbeginn zwölf Karten. Diese legt ihr in einem Raster von drei Reihen mit jeweils vier Karten verdeckt aus. Eine weitere Karte wird noch offen auf den Ablagestapel gelegt, die restlichen Karten bilden den Nachziehstapel. Seid ihr am Zug, dürft ihr entweder die oberste Karte aus der Ablage oder aber eine Karte vom Nachziehstapel ziehen.

Wählt ihr die erste Option, dann müsst ihr die gezogene Karte mit einer Karte aus eurer Auslage tauschen. Dabei ist es egal, ob sie verdeckt ist oder offen ausliegt. Die ausgetauschte Karte legt ihr dann wiederum offen auf den Ablagestapel. Sie steht dem nächsten Spieler in seinem Zug als Wahlmöglichkeit zur Verfügung. Nehmt ihr hingegen eine Karte vom Nachziehstapel, ergeben sich gleich zwei Möglichkeiten. Wollt ihr die Karte nehmen, dann tauscht ihr sie wie oben beschrieben einfach gegen eine Karte in der eigenen Auslage aus. Ihr könnt die Karte aber auch ablehnen. In diesem Fall landet die Karte offen auf dem Ablagestapel. Jetzt müsst ihr allerdings eine verdeckte Karte in der Auslage herumdrehen.

Was soll das Ganze?

Bei der Gestaltung der Auslage achtet ihr stets darauf, eine möglichst geringe Gesamtsumme zu besitzen. Eine Runde endet, sobald ein Spieler seine gesamte Auslage aufgedeckt hat. Dann werden etwaige noch verdeckte Karten in den Auslagen der Spieler herumgedreht und alle Punkte zusammengezählt. Dann kann auch schon die nächste Runde starten. Das Spiel dauert so lange, bis der erste Spieler eine Gesamtsumme von einhundert Punkten erreicht hat. Der Spieler mit den wenigsten Punkten gewinnt das Spiel.

Ihr solltet euch allerdings gut überlegen, ob ihr der Spieler sein möchtet, der die Runde zum Abschluss bringt. Dreht ihr die letzte verdeckte Karte der Auslage zuerst herum und könnt die Runde nicht mit den wenigsten Punkten abschließen, werden eure Strafpunkte verdoppelt. Diese kleine Regel kann am Ende einer Runde nochmal für richtig Spannung sorgen und den Gesamtpunktestand erheblich beeinflussen.

Spalten ausradieren

Im Spielverlauf habt ihr zudem noch eine weitere Möglichkeit, die Zahl der Strafpunkte zu minimieren. Gelingt euch das Kunststück, eine Spalte mit drei gleichen Ziffern auszulegen, könnt ihr die Spalte komplett entfernen. So bietet sich euch eine Chance, mit einem Schlag gleich eine große Zahl an Punkten loszuwerden. Eine Taktik könnte es also durchaus sein, auf drei gleiche Karten in der Spalte zu spekulieren. Das kann allerdings auch tüchtig nach hinten losgehen. Geht der Plan nämlich nicht auf, dann steht ihr am Ende der Runde mit besonders vielen Punkten da und rückt der 100-Punkte-Grenze bedrohlich nahe.

Skyjo lässt sich gut zu zweit spielen, bietet aber auch genug Kartenmaterial für bis zu acht Spieler. In der ganz großen Runden müsst ihr dann aber natürlich mit etwas längeren Wartezeiten rechnen, da ihr während der Züge der Mitspieler keine Einflussmöglichkeiten mehr habt. Mit vier oder fünf Spielern lässt sich Skyjo aber wirklich ziemlich flüssig spielen. Da jeder Spieler seinen Zug im Normalfall binnen weniger Sekunden abhandeln kann, kommt keine Langeweile auf.

Laut der Angabe auf der Verpackung dauert eine Partie Skyjo etwa eine halbe Stunde. Tatsächlich hängt die Spieldauer aber stark von der Zahl der Mitspieler ab. Zu zweit oder zu dritt könnt ihr einen Durchlauf auch deutlich schneller abschließen. Die Spielzeit könnt ihr durch das Festlegen einer anderen Punktegrenze aber ohnehin leicht nach oben oder unten verändern. Im stationären Handel ist Skyjo leider nur punktuell zu bekommen. Bei vielen Online-Händler ist das Spiel aber verfügbar, preislich müsst ihr mit ungefähr 15-16€ rechnen.

sehr zugänglich
spielt sich sehr flüssig
findet breite Zielgruppe
genug Material für acht Spieler
Spielblock ist ziemlich klein

Sebastian Hamers

Skyjo ist ein echter Geheimtipp für den kleinen Spiele-Snack zwischendurch. Für die Regelerklärung benötigt ihr kaum mehr als zwei Minuten. Große Vorbereitungszeit braucht ihr ebenso nicht. Einmal Kartenmischen, verteilen, auslegen und fertig. Schon seid ihr mitten im Spiel. Der Glücksfaktor im Spiel ist recht hoch, dennoch gibt es schon einige Möglichkeiten, wie ihr dem Glück etwas auf die Sprünge helfen könnt. Mich hat Skyjo auch emotional angesprochen. Die Freude ist groß, wenn mein Mitspieler die passende Karte auf den Ablagestapel wirft, die es mir ermöglicht, eine ganze Spalte in meiner Auslage zu killen. Umgekehrt greift auch die Schadenfreude, wenn der Plan eines Gegenspielers nicht ganz so gut aufgeht. Die größte Stärke von Skyjo ist aber die sehr flüssige Spielweise. Das Spiel kommt nicht ins Stocken, selbst wenn ihr mit den ganz hartnäckigen Grüblern und Planern spielt. Wunderbar spielt sich Skyjo auch mit Kindern und Jugendlichen, die sich mit dem Spiel ebenso wohl fühlen können wie die Erwachsenen. Deshalb ist Skyjo mein Tipp, wenn ihr ein fluffiges Spiel sucht, das Viel-, Gelegenheits- und sogar Nicht-Spieler unter einen Hut bringt.
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