Test: Skyrim für die Switch

Vor genau sechs Jahren, im November 2011, erschien es zum ersten Mal: Skyrim zu jener Zeit für die Xbox 360, PlayStation 3 und den PC. Im Oktober letzten Jahres kam es dann für die Next-Gen Konsolen Xbox One und PlayStation 4. Nun ist es soweit und ihr könnt euer Abenteuer endlich auch unterwegs genießen. Die Switch Version erschien diesen Freitag, am 17. November 2017. Doch wie schlägt sich das Open-World Game auf Nintendos neuester Konsole?

Willkommen (zurück) in Himmelsrand

An der Lore hat sich jedenfalls nichts geändert: 200 Jahre nach den Ereignissen in Oblivion findet ihr euch als Gefangener auf einer Kutsche wieder. Ihr seid in Himmelsrand angekommen. Die Provinz der Nord, nördlich von Cyrodiil, empfängt euch allerdings nicht gerade mit offenen Armen. Da ihr wie zufällig unter die Gefangenen geraten seid und keiner euch kennt, sollt ihr einfach zusammen mit den anderen hingerichtet werden. Doch bevor euer Leben ein schnelles Ende findet, lenkt ein mystisches Wesen die Aufmerksamkeit aller auf sich: Ein Drache!

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Gleich zu Anfang rollen schon die Köpfe

Dies ist der Beginn eurer Geschichte als „Dovahkiin“, dem Drachenblut. Es bleibt jedoch euch allein überlassen, ob ihr diese Rolle sofort, später oder überhaupt in Anspruch nehmen wollt. Ihr seid eures Schicksals Schmied. Wollt ihr einfach durch das Land reisen und kleine Abenteuer durch Nebenquests erleben? Schließt ihr euch einer der beiden Parteien im Bürgerkrieg an? Werdet ihr gar Teil der Diebesgilde oder der Dunklen Bruderschaft und sorgt für Angst und Schrecken? Wie zuvor ist es ganz euch überlassen, wer (oder was) ihr sein wollt. Ja, auch auf der Switch! Denn das Spiel steht euch hier im kompletten Umfang zur Verfügung. Nicht nur das Hauptspiel, sondern auch alle drei DLCs sind mit dabei. Ihr habt also die Chance, auch nach Solstheim zu reisen, ein Haus zu bauen oder sogar zum Vampir zu werden.

Schwinge das Schwert, Dovahkiin!

Mit der Switch habt ihr bekannterweise den Vorteil, unterwegs und überall spielen zu können. Doch das ist noch nicht alles: Skyrim nutzt die Bewegungssteuerung der Joy-Cons, die es euch ermöglicht, eben diese zu bewegen und so einen Schwerthieb auszuführen. Ebenfalls könnt ihr so auch gegnerische Angriffe blocken bzw. mit der Zweitwaffe angreifen. Stellt ihr eure Switch in die Dockingstation und verbindet sie so mit einem Bildschirm eurer Wahl, könnt ihr wie ein wahrer Held die Klinge schwingen. Klingt spaßig, ist es auch. Allerdings nur, wenn man nicht gerade von einer Masse von Feinden umgeben ist. Zwar könnt ihr mit Bewegungen die Waffe benutzen, aber effektiver und vor allem schneller geht es dann doch mit der normalen Tastensteuerung.

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Oder ihr verbrennt einfach alles, was euch in die Quere kommt

Außerdem ermöglicht es euch die Bewegungssteuerung, mit einem Bogen zu zielen. Spannt dazu einfach einen Bogen und bewegt den rechten Joy-Con, bis ihr euer Ziel im Auge habt. Dies funktioniert interessanterweise auch, wenn ihr die Switch im Handheld-Modus nutzt. Bewegt einfach die Konsole in die entsprechende Richtung und nehmt eure Feinde ins Visier.

Ein Problem gibt es bei dieser Funktion dann doch. Trotz des Fun-Faktors ist es ziemlich nervig, wenn man eben diese Steuerung – gerade als Bogenschütze – nicht benutzen will. In unserem Falle hat man dann oft danebengeschossen und die Daedra und Banditen auf einen aufmerksam gemacht, anstatt sich ihrer zu entledigen.

Gewöhnungsbedürftige Steuerung

Seid ihr noch nicht richtig mit der Switch vertraut, bereitet euch darauf vor, euch erst einmal mit den Joysticks vertraut zu machen. Denn während das Zielen mit dem Bogen durch die Bewegungssteuerung vielleicht noch relativ präzise ist, trifft das nicht unbedingt auf die gewöhnliche Steuerung zu. Besonders die Joysticks an den Joy-Cons sind sehr unsensibel, wenn ihr sie benutzt. Bei Doom war das ein etwas größeres Problem, da es ein sehr actionreiches Game ist, bei dem man ohne schnelle Reaktion stirbt. Bei Skyrim ist das Problem eher, dass man ausversehen Dinge stiehlt und plötzlich 100 Gold Kopfgeld hat, obwohl man nur jemanden ansprechen wollte oder in eine Wand rennt, weil man die Sensitivität nicht richtig abschätzen kann. Dennoch haben wir uns nach fast sieben Stunden Spielzeit sehr gut dran gewöhnen können, damit umzugehen.

Spielt ihr lieber oder spontan am Fernseher, könnt ihr die Joy-Cons selbst, wie bereits erwähnt, schwingen. Oder ihr nutzt den Contoller, den es extra für die Switch gibt. Je nachdem, wie ihr selbst am besten spielen könnt.

Genau so schön wie damals

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Das Bergsteigen wird mit einem schönen Nachthimmel belohnt

Skyrim ist und bleibt vor allem eins: Ein Spiel voller Berge, Schnee und Drachen mit einem schier unendlichen Haufen an Quests. Und genau so sieht es auch aus. Wer hier allerdings eine Grafik wie auf dem PC in der Special Edition erwartet, dürfte eventuell ein wenig enttäuscht sein. Da das Display der Switch selbst nur eine 720p-Auflösung bietet, bewegt sich die Grafik des Ganzen scheinbar zwischen der Originalfassung und der Special Edition. Allerdings können wir euch sagen, dass man im ersten Moment vielleicht noch denkt, dass es auf dem PC ja deutlich schöner aussieht, aber diese Gedanken verschwinden nach einer Weile von ganz allein. Denn fängt man einmal an zu spielen, genießt man irgendwann einfach nur das klassische Skyrim-Feeling, das hier auf jeden Fall auch aufkommt. Mag sein, dass die Texturen, besonders in sehr weiter Ferne, etwas schwammig sind und kleine Details wie Sträucher oder Büsche manchmal fehlen, aber dem Game an sich tut dies keinen Abbruch. Vor allem sollte man berücksichtigen, dass ihr trotz allem auf einer Handheld-Konsole spielt. Dieses System legt den Schwerpunkt nicht auf die Grafik, sondern auf die Mobilität, und dennoch ist hier ein gekonnter Balanceakt zwischen beidem zu sehen.

Spielt man nun im TV-Modus, mit der Switch in der Dockingstation, wird euch auffallen, dass die Szenerie sogar noch einen Tick verschwommener erscheint. Dafür läuft Skyrim super flüssig, ohne auffallende Lags oder Verzögerungen und bietet ein super Spieleerlebnis für euch.

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Unglaubliche Szenerie, doch in der Ferne etwas unscharf

Das ist aber nicht alles, denn auch der Sound ist absolut klasse. Bewegt ihr euch, bewegt sich auch der Sound und kommt aus entsprechendem Kopfhörer bzw. entsprechendem Lautsprecher. Sprecht ihr beispielsweise mit jemandem rechts von euch, wird dessen Stimme eben auch aus dieser Richtung ertönen. Dazu ist der Klang sehr klar, und auch der Soundtrack liegt immer noch gut in den Ohren.

Spielen lässt sich das Spiel natürlich auch auf Deutsch, jedoch müsst ihr dazu erst das Sprachpaket aus dem E-Shop herunterladen. Sollte die Systemsprache eurer Konsole Deutsch sein, werdet ihr vor dem Start von Skyrim sowieso erst einmal danach gefragt. Spielt ihr lieber auf Englisch, zumindest was die Audio der Charaktere angeht, wählt ihr einfach „Nein“ aus. Dann ist das Menü, sämtliche texte sowie Untertitel in der Systemsprache der Konsole, und die Sprachausgabe in Englisch.

The Legend of Skyrim – Kreativität in Maßen

Solltet ihr zu denjenigen gehören, die Skyrim vorzugsweise mit Mods verschönern, folgt eine schlechte Nachricht für euch. Die Switch Version hat, im Gegensatz zu der PS4 und PC-Fassung, keine Option zum Modden. Auf der PS4 hielt sich der Spaß mit den Modifikationen schon in Grenzen, und es wäre wohl zu viel gewesen, das Ganze auch für die Switch einzurichten. Dafür haben Nintendo und Bethesda sich aber etwas anderes einfallen lassen. Das Spiel verfügt über eine Funktion, die es euch erlaubt, mit amiibo-Figuren neue Ausrüstung freizuschalten. Zu den kompatiblen Figuren gehören unter anderem alle aus den „The Legend of Zelda“-Reihen und die der „Super Smash Bros.“-Serie. Wollt ihr sie benutzen, müsst ihr im Spiel bei euren Kräften die „amiibo“-Kraft auswählen und sie einsetzen. Dann könnt einmal am Tag eine Figur einscannen und erhaltet, je nach gewählter Figur,  ein Ausrüstungsteil. Mit den Zelda-Figuren besteht sogar eine 20-prozentige Chance, Links Tunika, das Masterschwert oder das Hylia-Schild freizuschalten.

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Zwar kein Modden, aber immerhin: Kleidet euch wie Link

Ihr besitzt keine amiibos? Das ist nicht weiter schlimm, denn die drei besonderen Rüstungsteile von Link könnt ihr auch im Spiel selbst finden. So gibt es auf dem „Hals der Welt“, dem höchsten Punkt der Karte, eine Truhe mit diesen Gegenständen. Um diese jedoch zu erreichen, müsst ihr die Hauptquests bis zu einem gewissen Grad verfolgen, da ihr ansonsten nicht durch den tödlichen Nebel auf dem Berg durchkommt.

Allerdings…

Wer Skyrim kennt, weiß, dass – egal auf welcher Plattform – die KI manchmal Dinge tut, die einfach nicht richtig sind. Ob man selbst von Riesen durch einen Schlag irgendwo ins Nirwana gefeuert wird oder der Begleiter stehenbleibt und dann plötzlich mit 180 km/h lossprintet und irgendwo im Boden versinkt. Solche Dinge bleiben auch auf der Switch nicht aus. So fanden wir beispielsweise einen Herren, der vor einer Bank in der Luft saß, ein Mädchen in der Schmiede und die verschiedenste KI, die sich gerne mal durch die Gegend teleportierte. Aber was wäre Skyrim schon ohne solche Glitches?

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It’s getting hot in here

Was jedoch schnell nervig werden könnte, ist, dass das Spiel an einigen Stellen sehr dunkel ist. Geht ihr ohne Fackel in einen spärlich beleuchteten Dungeon, könntet ihr schnell mal in Wände laufen, die ihr aufgrund des mangelnden Lichts nicht gesehen habt. Dasselbe gilt natürlich auch für Gegner, die dann auf eben dieser Stelle standen. Ist dann blöd gelaufen, wenn einen eine Schlammkrabbe das Leben nimmt, nur weil man sie nicht sieht. Leider könnt ihr im Spiel die Helligkeit nicht ändern. Dies könnt ihr nur in den Konsoleneinstellungen.

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Hello darkness my old friend

Zudem ist es noch so, dass die Switch selbst sehr schnell warm wird beim Spielen. Bekommt man, wie wir, schnell kalte Hände beim Zocken, mag dies sogar ein Vorteil sein, da ihr euch so die Hände wärmen könnt. Wen so etwas stört, der sollte lieber öfters Pausen einlegen und nicht im Dauerlauf in Himmelsrund umherlaufen.

… bleibt Skyrim immer Skyrim.

Zum Schluss sei gesagt, dass ihr mit der Switch ein weiteres Mal Skyrim spielen könnt, wie es leibt und lebt. Die Grafik ist angemessen und im Handheld-Modus schön anzusehen und von den Quests her könnt ihr mehrere hundert Stunden in Himmelsrand verbringen. Wolltet ihr dies schon immer einmal „To-Go“ machen, habt ihr seit Freitag die Chance dazu.

Test Skyrim für die Switch (2)

Wie immer durch die Dungeons schleichen

Test Skyrim für die Switch (7)

In Himmelsrand begegnet ihr einigen (grafisch) hübschen Gesichtern

Test Skyrim für die Switch (6)

Willkommen in Weißlauf, Reisender

Flüssiges Gameplay
Schöne Grafik
Fun-Faktor durch Bewegungssteuerung
Amiibo-Unterstützung
Kein Modden
Zu dunkles Setting

Alexa J.

Wer Skyrim mag oder sogar liebt, wird sich auch mit dem Ableger für die Switch wieder stundenlang beschäftigen können. Das Feeling ist dasselbe wie eh und je, nur dass ihr es endlich auch mobil und auf Reisen zocken könnt. Wer Zeit hat und Spielfiguren gerne einen eigenen Charakter verpasst, greift mit der Switch auf keinen Fall daneben. Schreit die Daedra mit einem kräftigen FUS RO DA quer durch den Raum, erklimmt Berge, werdet zum Staatsfeind Nr. 1 oder gar Teil der Unterwelt als Vampir oder Werwolf – das Schicksal liegt hier nur in euren Händen.
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