Test: Skyrim VR

Test Skyrim VR (8)

Alles so wie immer in Skyrim, oder?

Die Begeisterung ist groß, besonders für alle Himmelsrand-Liebhaber: Endlich könnt ihr euch noch mehr wie ein Teil der Welt von Skyrim fühlen und mit der VR die Abenteuer des Dovahkiin aus der eigenen Perspektive erleben. Allerdings könnt ihr nur in diesen Genuss kommen, wenn ihr Besitzer der PlayStation 4 und der zugehörigen PSVR-Brille seid. Und ist das Ganze eigentlich so toll, wie es im ersten Moment wirkt?

So viele Details… nur wer bin ich eigentlich?

Nachdem ihr das Spiel gestartet und den Ladescreen geduldig überstanden habt, folgt die erste große Überraschung: Das normale Skyrim Intro nur ihr sitzt doch tatsächlich höchstpersönlich in der Kutsche und lauscht dem Gespräch der anderen Gefangenen! Das mag an sich nichts Neues sein, doch das Gefühl ist einfach überwältigend. Es entsteht der Eindruck, wirklich direkt vor Ort zu sein – im Endeffekt ist es ja genau das, was erreicht werden sollte. Dies ist auch das erste, was im Vergleich zu allen anderen Plattformen ein großes Plus ist. Schaut ihr euch während der Fahrt um, könnt ihr die verschiedensten Details wahrnehmen, die euch sonst wahrscheinlich nie auffallen würden: Hinter der Kutsche reitet eine Wache, wie viele andere Gefangenen in der Kutsche vor euch sitzen, wie schön die Berge hinter euch eigentlich sind und so weiter.

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Alles so wie immer bei der Enthauptung

Kommt man aber bei der Charaktererstellung an, entsteht erst einmal Verwirrung. Denn ihr habt lediglich einen schwarzen Hintergrund mit den ganzen Einstellungsoptionen vor euch. Nun, irgendwo verständlich, da man sich selbst spielt und die Third-Person Perspektive sowieso keinen Nutzen hat. Im Hinterkopf bleibt dann zwar der Gedanke, dass ihr, sofern ihr an den Reglern bei den Einstellungen etwas gemacht habt, wohl der hässlichste Ork in ganz Tamriel seid, es aber selbst zum Glück nicht sehen müsst. Und ob ihr nun Männlein oder Weiblein seid, hört ihr spätestens dann, wenn ihr irgendwo runterfallt und eure Figur einen Schmerzenslaut von sich gibt.

Grafische Achterbahnfahrt

Habt ihr euch damit abgefunden und streift endlich als Held durch das Land, dürfte sich hin und wieder bemerkbar machen, dass sich die Umgebung etwas inkonsistent verhält. So kommt es manchmal vor, dass sich das ein oder andere Gebäude oder gar ein Berg ruckartig bewegt. Das ist nicht unbedingt schön für’s Auge. Ebenfalls nicht besonders toll sind Bugs, die wohl den typischen Skyrim-Fehlern zugeordnet werden können. So steht einer der NPCs plötzlich nicht mehr neben, sondern über euch irgendwo in der Luft und ihr müsst zu ihm aufschauen. Oder die Figuren bewegen sich alle etwas unkontrolliert und roboterartig steif. Gerade bei VR ist das doch recht nervig und zerstört auch das aufgeregte Feeling, das anfangs zustande kam.

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Schönheit liegt im Auge des Betrachters

Auch grafisch kann die VR Fassung nicht mit den anderen Konsolen mithalten. Damit man sich in der Egoperspektive in der virtuellen Realität überhaupt flüssig bewegen kann, musste daran eben etwas gespart werden. Bücher, Briefe und Texte sind auf jeden Fall lesbar, aber alles andere wirkt dann doch recht verpixelt. Daran kann man sich aber gewöhnen, besonders, da Skyrim an sich flüssig läuft. Störend sind allenfalls erwähnten die Bugs, die hin und wieder auftreten.

Beim Spielen dürftet ihr dann recht schnell feststellen, dass ihr beim Gehen einen Tunnelblick bekommt. Das heißt, die Ränder werden dunkler und ihr seht weniger von dem, was um euch herum passiert, damit euch beim Wandern durch die riesige Open-World nicht sofort schlecht wird. Der Radius der Ränder ist individuell verstellbar. An sich ist das ein super Feature, aber es hätte gereicht, dies nur beim Sprinten einzustellen.

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Das Gehen durch den Tunnel

Das Chaos des Interfaces

Logischerweise stürzt ihr euch kurz nach dem Start auch in Kämpfe. Gegen Wölfe, Soldaten der kaiserlichen Armee oder die Rebellen der Sturmmäntel, was euch über den Weg läuft eben. Das Anvisieren funktioniert ohne Probleme, da ihr euer Gegenüber lediglich ansehen müsst. Jedoch ist uns hier aufgefallen, dass es sehr umständlich ist, auf sein Leben, seine Ausdauer und sein Mana (gleichzeitig) zu achten.

Die bunten Leisten dafür sind recht weit unten, ihr müsst im Gefecht selbst euren Blick also manchmal vom Gegner nehmen, wenn ihr euer Leben überprüfen wollt. Meistens führt das aber nur zum Tod und ist absolut nicht hilfreich. Selbiges mit dem Balken, auf dem euch Orte in der Umgebung und die Questziele angezeigt werden. Dieser ist ebenfalls unter euch und erfordert meistens einen Blick nach unten. Bewegt ihr euch, bewegt sich der Balken auch nur minimal mit und sorgt weniger für Orientierung als für Verwirrung.

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Die Anzeigen finden wir zusammen mit der Leiche am Boden

Bethesda sollte an diesem Punkt eventuell die Umsetzung des Interfaces überdenken. Natürlich kann man das Ganze auch ausblenden, aber für diejenigen unter euch, die darauf nicht verzichten mögen, ist es leider nicht optimal umgesetzt worden. Ein weiteres Beispiel ist das Menü für die Fertigkeiten. Zwar wurde alles schön angeordnet und man findet sich inmitten der Sternenbilder wieder, aber sobald ihr einen Skillzweig näher anschaut, wird sehr weit reingezoomt und lässt das Ganze unübersichtlich und teils verwirrend wirken.

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Anfangs noch sehr übersichtlich…

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…verliert man dennoch schnell die Übersicht

Dazu kommt noch, dass manchmal die Dialogboxen bei NPCs und besonders bei Händlern etwas deplatziert und dadurch schwer zu entziffern sind. Gerade, wenn man nah an seinem Gegenüber dransteht, kommt es vor, dass dessen Kopf den Text blockiert.

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Alvor, wie er den Text blockiert

Übersichtlicher und vor allem hübscher wird es bei der Karte. Ihr schwebt praktisch über einer ganzen Map von Himmelsrand. Ihr könnt euch bewegen, um näher an andere Orte zu kommen, und wählt euren Zielort, indem ihr darauf zeigt. Dies vereinfacht, zumindest bei der Nutzung der Move-Controller, ein roter Strahl.

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Die Karte im Überblick

Steuerung: Dual Shock oder Move Controller?

Ihr habt insgesamt zwei Möglichkeiten, wie ihr Skyrim VR spielen könnt. Entweder mit dem klassischen Dual Shock Controller oder mit PlayStation Move. Entscheidet ihr euch für den Dual Shock, könnt ihr ganz normal vorwärts gehen, euch umsehen und wie mit der normalen Tastenbelegung auf der PlayStation 4 spielen. Störend ist allerdings, dass ihr beim Gehen scheinbar am Boden öfters hängenbleibt. Es fühlt sich an, als wäre alles voller Unebenheiten und das macht das Spiel auf Dauer etwas unangenehm zu spielen.

Wählt ihr die Move Controller, sieht das schon ganz anders aus. Eine flüssige Bewegung wie beim Laufen mit dem Stick gibt es nicht. Mit diesen Controllern seid ihr dazu gezwungen, euch durch Himmelsrand Schritt für Schritt zu teleportieren. Große Sprünge kosten dabei auch immer wieder Ausdauer und man hat keine Chance, wegrennende Gegner wieder einzuholen. Der Vorteil liegt hier allerdings, dass es sich – zumindest für uns – angenehmer beim Spielen anfühlt und uns nicht so schnell schlecht wurde. Das könnte unter anderem daran liegen, da wir nicht überall hängen bleiben. Anstrengend wird es allerdings, wenn man eine längere Strecke zurücklegen muss und sich minutenlang eigentlich nur vorwärts bewegt. Das geht mit der Zeit wirklich auf die Augen.

Habt ihr euch erst einmal mit der Tastenbelegung zurechtgefunden, kommt bald auch der Fun-Faktor in Spiel. Dieser ist nämlich besonders hoch mit der Steuerung durch die Move Controller. Beispielsweise müsst ihr beim Bogen den Pfeil selbst einlegen und mit eurem Körper zielen, um Feinde zu treffen. Da bekommt man schnell das Gefühl, ein echter Bogenschütze zu sein. Das Schwingen mit dem Schwert geht ebenfalls leicht von der Hand, genau wie das Wirken der Magie. Mit beidem könnt ihr gezielt ordentlich Schaden anrichten, unser Favorit bleibt dennoch der Bogen.

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Erfordert ein wenig Zielgenauigkeit: Der Bogen

Ein Manko, das in Kämpfen auffällt, ist das Ausweichen. Habt ihr nichts zum Blocken in der Hand, müsst ihr am Gegner vorbeischauen und euch erst wegteleportieren, um Angriffen zu entgehen. Dabei kann es passieren, dass der Feind kurz aus eurem Sichtfeld verschwindet und ihr euch erst neu orientieren müsst. Kann man sich dran gewöhnen, ist aber irgendwie auch nicht ganz das Wahre.

Bergsteigen kann seekrank machen

Viele spielen Skyrim, indem sie die Berge durch Springen ersteigen und auf der anderen Seite wieder herunterkraxeln. Manchmal stürzt ihr dabei auch in den Tod, wenn mal ein Sprung daneben geht. Sollte euch beim VR spielen schnell schlecht werden, hier ein kleiner Tipp von uns: Lasst es lieber! Ein Sprung von einem etwas höheren Abhang reichte bei uns schon, um das Gefühl einer Achterbahnfahrt zu bekommen. Je tiefer und länger ihr stürzt, desto drückender wird auch das Gefühl im Magen.

Auch zu häufiges Umherspringen solltet ihr vermeiden, denn das wirkt ähnlich. Seid ihr hingegen jemand, dem das alles nichts ausmacht, müsst ihr das nicht weiter beachten und könnt euch von so vielen Bergen stürzen, wie ihr lustig seid. Habt ihr euch für eine Steuerung durch die Move Controller entschieden, müsst ihr euch darum ebenfalls keine Sorgen machen, denn ihr könnt das alles im Endeffekt nicht einmal. Durch das Teleportieren könnt ihr nur an Stellen springen, die mit der Markierung als erreichbar eingestuft werden. Ein tiefer Sturz  in den Tod scheint nicht möglich, war er bei uns zumindest nicht.

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Hübsche Aussicht

Ende gut, Skyrim gut?

Am 17. 11. 2017 ist es erschienen, und so wirkt es auch. Das Spiel hat im Ansatz alles, was es braucht, um ein gutes Skyrim zu werden, das man gerne im VR-Modus spielt, aber auf Dauer gehen uns die Bugs dann doch auf den Geist. Sollte Bethesda noch einige Patches dazu bereitstellen und das Spielerlebnis dadurch verbessen, dann würde sich das Ganze auf jeden Fall lohnen. Skyrim VR in diesem Zustand allerdings als einen Vollpreistitel für knapp 65€ zu veröffentlichen, der dann nicht einmal einen normalen Modus ohne VR zur Verfügung stellt, ist doch schon etwas fragwürdig. Immerhin kommt das Spiel zusammen mit allen Addons auf den Markt und bietet somit einiges an Content. Spaß macht das Spiel trotz allem noch, und auch die Lore, über die ihr mehr im Test für die Switch erfahren könnt, ist dieselbe. Besonders das Kämpfen mit der Move-Steuerung, die wir euch ans Herz legen, hat uns positiv überrascht.

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Dramatische Kämpfe

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Und der Busch im Menü

Hoher Fun-Factor beim Kämpfen
Beeindruckendes Feeling, selbst in Himmelsrand zu stehen
Alle Addons enthalten
Suboptimales Interface-Design
Pixelige Texturen
Flüssiges Bewegen sorgt schnell für Übelkeit

Alexa J.

Alles in allem macht es zwar ungeheuer viel Spaß, als Bogenschütze Chaos in Skyrim anzurichten, aber das ist nun einmal nicht alles. Durch die Häufung der Fehler und durch das etwas katastrophale Interface fällt es einem schwer, sich einfach nur zu freuen und das Skyrim in VR komplett zu genießen. Vielleicht machen kommende Patches das Erlebnis etwas besser, aber das bleibt noch abzuwarten. Wer jedoch einen festen Magen in Sachen VR hat und auf Abenteuer steht, mag mit Skyrim VR sogar eine lohnenswerte Investition tätigen. Immerhin handelt es sich hierbei trotz allem um eins der besten Spiele der letzten Jahre.
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