Test: Speedmaster Pro (Rennsitz)

Test-Speedmaster-Pro-Bild-1Wer dem virtuellen Rennsport frönt, wird, egal auf welcher Plattform er spielt, schnell an Grenzen in der realen Welt stoßen. Und so geht es schnell, dass ihr euren Controller oder eure Tastatur in die Ecke haut, um auf Lenkräder umzusteigen. Mit diesem Entschluss steht ihr aber gleich vor dem nächsten Problem –  wohin damit? Die beste Lösung sind hierbei Rennsitze wie sie die Firma Speedmasterseats anbietet. Und ob sich solch ein Kauf auch wirklich lohnt, haben wir mit dem Test des Speedmaster Pro für euch herausgefunden.

Eine Platzfrage

Bevor wir ins Detail gehen, noch ein paar kleine Anmerkungen vorab. Für einen solchen Rennsitz solltet ihr vor allem Platz und Leidenschaft mitbringen. Beides muss ausreichend vorhanden sein, damit sich solch eine Anschaffung auch wirklich lohnt. Ein Grund dafür ist auch der Preis, denn der Speedmaster Pro ist mit 489€ nicht gerade günstig, auch wenn in dem Produktsegment noch deutlich höhere Preise aufgerufen werden.Test-Speedmaster-Pro-Bild-3

Dafür könnt ihr aber gleich aus sechs unterschiedlichen Farbvarianten auswählen, von komplett auffällig rot bis dezent in schwarz. Bei wem die Leidenschaft noch ein Stück stärker ist, der kann für knappe 100 Euro mehr noch aus drei offiziell lizenzierten Nürburgring Editionen wählen. Solltet ihr euch für den Kauf entscheiden, bekommt ihr kurze Zeit später zwei Kartons zu euch noch Hause geliefert, die dank schicker Artworks deutlich machen, dass nun der Rennsport endgültig bei euch daheim angekommen ist.

In einem Karton findet ihr alle wichtigen Teile in Sachen Sitz und Lehne und im anderen Karton die gesamte Monocoque Rahmenkonstruktion mit Halterungen des Lenkrads, Pedale und Gangschaltung. Erfreulicherweise seid ihr damit komplett und nicht wirklich auf weiteres Zubehör angewiesen. Trotzdem sollten gerade Parkettbesitzer noch knappe 40 Euro locker machen, um sich einen speziellen Teppich zuzulegen, welcher den Rennsitz rutschfest dastehen lässt und zudem den Boden schont.Test-Speedmaster-Pro-Bild-2

Rohre und Schrauben

Beim Auspacken werdet ihr schnell merken, warum wir das Thema Platz gleich zu Beginn erwähnt haben. Mit 1,60m x 0,70m x 1,20m ist die gesamte Rohrrahmen-Konstruktion nämlich nicht gerade klein, was vor allem beim Zusammenbau natürlich noch mehr Platz benötigt – heißt für euch: Am besten Zimmer leerräumen. Im Übrigen wäre ein Freund während des Aufbaus hilfreich, da sich der Speedmaster Pro mit einem Gewicht von über 30Kg bei euch breitmachen wird.

Zudem solltet ihr ausreichend Werkzeug bei euch haben, weil ihr beispielsweise unterschiedliche Inbusgrößen benötigt, sowie manchmal doppeltes Werkzeug, um Schrauben auf der einen festhalten und auf der anderen Seite festziehen zu können. Leider erspart euch hierbei die Gebrauchsanleitung kaum Zeit, da sie nur einen groben Überblick darüber gibt, welche Teile vorhanden sind und wie diese grundlegend zusammensetzt werden. Sehr positiv ist jedoch, dass ihr für viele Rahmenverbindungen gar kein Werkzeug benötig, da sich an vielen Stellen ein Schraubknauf oder Schnellspanner befindet.Test-Speedmaster-Pro-Bild-4

Matt und edel

Die eben erwähnte, recht einsilbige, Anleitung fällt jedoch nicht schlimm ins Gewicht, da die 30mm Stahlrohre meist nur auf eine logische Art und Weise zusammenpassen und ihr so eigentlich auch ohne Hilfe zurecht kommen könntet. Nur die Montage der Sitzfläche fanden wir wir ein bisschen tricky, da ihr nicht wirklich viel Platz zum Schrauben habt. Ansonsten solltet ihr den Aufbau je nach Platz, Werkzeug und Geschick in maximal 1,5 Stunden hinter euch gebracht haben. Besitzer von Fanatec Schaltungen müssen jedoch noch ein bisschen mehr Zeit einplanen, da die Ganghalterung leider nur für die Klemmmontage ausgelegt ist und keine Bohrungen besitzt. Was am Ende des Tage heißt, dass ihr selbst den Bohrer ansetzen müsst. Dies sollte aber mit dem entsprechenden Werkzeug nicht länger als 15-30 Minuten dauern.

Damit wären wir auch schon beim Material angelangt, welches sich, wie sich unschwer erkennen ist, in zwei Bereiche teilt. Einmal die mehrfach erwähnte 30 mm Rundrohr-Rahmenkonstruktion und der Rennsitz, der auf diesem Rahmengestell thront. Das komplette Paket macht sowohl optisch als auch haptisch einen tollen, hochwertigen und langlebigen Eindruck. Einer der Gründe dafür ist die schicke matte Pulverbeschichtung, welche sich auf dem kompletten Gestellt befindet. Somit müsst ihr euch auch keine Sorgen um unschöne Ecken und Kanten machen. Dieses tolle Bild setzt sich beim Kunstleder Racecar-Sitz weiter fort. Dieser fasst sich nicht nur toll an, sondern wurde auch sorgfältig bezogen und mit tollen Sticknähten verzierrt. Diese unterstreichen das Rennsportfeeling nochmal deutlich.Test-Speedmaster-Pro-Bild-5

Echter Racing Look

An dieser Stelle natürlich noch ein paar Worte zum Design des Speedmaster Pro, welches uns sehr gut gefallen hat. Gerade der Sitz wirkt mit seinen sehr markanten Linien, der Rennsport Front und dem Heckdiffusor als würde er direkt aus einem Sportwagen stammen. Diese Linien werden vom Rohrahmen schön aufgenommen und in einem Monocoque-Design eingefangen. Das schaut nicht nur cool und „racy“ aus, sondern hat auch noch eine besondere Funktion. Damit wird nämlich erreicht, dass ihr keine störende Mittelstange zwischen euren Füßen habt. Doch dazu später mehr.Test-Speedmaster-Pro-Bild-6

Eins für alle

Bleibt natürlich die Frage, ob der Sitz überhaupt zu eurem Setup passt. Auch hier können wir positive Nachrichten verbreiten, denn in Sachen Lenkräder passen sowohl Logitech, Fanatec als auch Thrustmaster auf das Setup. Um maximale Flexibilität zu garantieren, hat der Speedmaster Pro jeweils eine Lenkrad- und Pedalplatte, welche die unterschiedlichsten Bohrungen besitzen, sodass ihr immer ein passendes Paar Löcher finden solltet. Glücklicherweise ist das nicht der Schlussstrich, denn die eben erwähnten Platten lassen sich, je nach Bedarf, in ihrem Winkel anpassen.

Um den Speedmaster Pro dann noch besser auf euch anzupassen, lässt sich die Entfernung und die Höhe des Lenkrades dank Schnellspanner leicht nachjustieren. In diese Individualisierung reiht sich noch der Sitz mit ein, der dank leichtgängiger Sliderfunktion nach vor und hinten gefahren werden kann. Hierbei sollten selbst Person mit leicht über zwei Metern noch gut Platz nehmen dürfen. Am Ende lässt sich natürlich auch die Rücklehne selbst nach vorne und hinten arretieren, um auch wirklich die perfekte Sitzposition zu finden.Test-Speedmaster-Pro-Bild-7

Speedmaster Pro in der Praxis

Bleibt natürlich die Frage: Wie schlägt sich das gute Stück in der Praxis? Nach mehrwöchigen Testfahrten und wechselnden Testpersonen sind wir schlichtweg begeistert. Die ersten Punkte auf unserer Liste sind eindeutig die Verarbeitung und Stabilität. Habt ihr erstmal alle Schrauben festgezogen, wobei ihr keine Angst haben solltet, wackelt so gut wie nichts mehr. Sicherlich, wenn ihr es mit aller Gewalt darauf anlegt, könnt ihr den Rahmen zum Wackeln bringen, jedoch wird das beim Zocken so gut wie nie passieren.Test-Speedmaster-Pro-Bild-9

Schade allerdings, dass gerade der Schaltarm hier ein wenig die Ausnahme bildet und nicht bombenfest mit den Standardmitteln fixiert werden kann. Trotzdem bleibt das Gefühl beim Zocken unglaublich fest und sicher, sodass ihr ordentlich am Lenkrad, selbst mit vollen Force Feedback-Kräften, arbeiten könnt. Das Gleiche gilt auch für die Pedale, bei denen ihr im Speedmaster Pro keine Angst haben müsst, ordentlich in die Eisen zu steigen. Getestet haben wir dies gleich mit mehreren Personen von klein, groß, sehr kräftig bis schmal, die alle beschriebenen Eindrücke teilten.Test-Speedmaster-Pro-Bild-10

Ein richtiges Erlebnis ist der Sitz an sich. Dieser sieht nicht nur markant sportlich aus, sondern fühlt ist auch so an. Aufgrund der höheren Polsterung an den Seiten der Rücken- und Sitzfläche werdet ihr fast wie in einem echten Autosportsitz mit jeder Menge Seitenhalt fixiert. Ein Gefühl, was ihr nicht mehr missen wollt, sobald ihr es einmal erlebt habt. Jedoch kann dies für deutlich breitere Gamer auch zum Nachteil werden, da zwar viele Spieler ohne Probleme gut in den Sitz passen, aber jedoch auch nicht jeder. Auch in Sachen Schwitzen braucht ihr euch kaum Sorgen machen, denn das schicke Kunstleder ist atmungsaktiv. Je nach Spielertyp, Spiel oder Rennen kann euch jedoch logischerweise warm werden, was auch Sinn und Zweck der Sache ist. Dies wird aber wie erwähnt vom Material des Sitzes so gut wie im Zaum gehalten.Test-Speedmaster-Pro-Bild-8

Und obwohl schon öfter auf den nötigen Platz erwähnt haben erweißt sich hier die verstellbarer Rücklehne als doppelt Sinnvoll, denn so lässt sich den Stuhl ein wenig zusammenklappen und nimmt bei Nichtbenutzung merklich weniger Platz weg. Besonders positiv ist auch die schon angesprochene Multiplattformfähigkeit. Gerade wenn ihr auf mehr als nur einer Plattform zockt, oder mehr als ein Lenkrad besitzt kann dies ein großes Plus darstellen. Gerade für uns als Redaktion ist dies ein unschlagbarer Vorteil, weshalb wir ab sofort immer den Speedmaster Pro für unsere Tests von Lenkrädern und Rennspielen benutzen.Test-Speedmaster-Pro-Bild-11

Tolle Verarbeitung
Schickes Monocoque Design
Klasse Sitz mit sehr gutem Seitenhalt
Hohe Anpassbarkeit für die ideale Sitz-, Lenkrad und Pedalposition
Sehr stabil
Nutzbar mit Fanatec, Thrustmaster und Logitech
Bedienungsanleitung etwas sparsam mit Informationen
Aufbau leicht fummelig
Arm für Gangschaltung nicht bombenfest

Marco Kruse

Wer Rennsport im Blut hat und virtuell gerne die Reifen qualmen lässt, der wird nur sehr ungern wieder aus dem Speedmaster Pro aussteigen wollen. So schaut der Rennsitz nicht nur sportlich aus, sondern überzeugt gerade in den Bereichen Material, Verarbeitung und Stabilität. Zwar braucht ihr das nötige Kleingeld und den entsprechenden Platz, jedoch bekommt ihr hier ein Rundumpaket, welches nur wenig Wünsche offen lässt.
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