Test: Splatoon

Test: SplatoonDie Ankündigung von Splatoon auf der E3 2014 kam aus dem Nichts. Ein neues Nintendo Entwicklerteam, ein neues Franchise und ein für die Japaner bis dahin völlig unbekanntes Genre: Third-Person-Shooter. So viel Innovation hatte man lange nicht bei Nintendo gesehen und dementsprechend groß war und ist der Hype um Splatoon auch heute noch. Heute wollen wir gemeinsam mit euch ein wenig in der kunterbunten Tinte abtauchen und der Frage auf den Grund gehen, ob das Projekt womöglich sogar die Rettung für die schwach abgesetzte Wii U sein kann.

Mensch oder Tintenfisch?

Natürlich handelt es sich bei Splatoon nicht um einen typischen Kriegs-Shooter, sondern viel mehr um eine riesige Paintball Party. Mit Farbrollern und Sprühpistolen ist es im Spielmodus Revierkampf eure Aufgabe, einen möglichst hohen Anteil der Karte in der Farbe eures vierköpfigen Teams einzufärben. Dabei kommt es zwangsweise auch zur Konfrontation mit dem gegnerischen Team, welches ihr durch genügend Treffer zum Platzen bringen könnt. Der primäre Fokus liegt aber wirklich nicht auf eurer K/D, sondern einzig und allein auf eurer Fertigkeit und Effizienz als Maler.

Sehr gelegen kommt es, dass ihr zwischen eurer menschlichen und der Form eines Tintenfischs wechseln könnt. Ersterer greift an und letzterer eignet sich zur schnellen, unerkannten Fortbewegung in der eigenen Tinte. Im gewerteten Modus Splatzones ist es das gleiche, nur dass es hier einen bestimmten Bereich gibt den ihr einfärben und kontrollieren müsst um eurem Gegner Punkte abzuziehen. Leider konnten wir nur sehr wenige Runden in diesem Modus spielen, da vor Release nur sehr wenig Spieler mit dem geforderten Level unterwegs waren.

splatoon nintendo wii u review screenshot 03

Dieses Problem sollte sich aber zum Release von selbst lösen, zumal Nintendo Splatzones erst freischalten will, sobald genügend Spieler das benötigte Level 10 erreich haben. Level 20 bildet dabei übrigens das aktuelle Maximum, wobei davon auszugehen ist, dass künftige DLC’s und Updates jenes weiter erhöhen werden. Problematisch wird es dann jedoch wirklich, falls sich das Matchmaking mal länger hinziehen sollte, da ihr selbiges nur durch ausschalten der Konsole verlassen könnt.

Hier muss Nintendo dringend einen „Zurück“-Button oder ähnliches nachpatchen.

Bei all der Innovation stören wir uns vor allem am geringen Umfang, den die aktuelle Version des Spiels zu bieten hat. 2 Spielmodi und 5 Maps. Zwar sind diese allesamt gut designed und auch nach 20 Stunden noch nicht langweilig geworden, aber ob das bis zum ersten Update im August ausreichen wird? Immerhin sollen sowohl Maps als auch kommende Waffen dafür kostenlos sein. Von letzteren gibt es mit 25 Konfigurationen, also im Gegensatz zu den Maps genug.

Wir sprechen hier gezielt von Konfigurationen, da ihr eure Klasse nicht wie in anderen Shootern üblich selbst zusammenbauen könnt. Stattdessen bekommt ihr immer ein vordefiniertes Paket aus Primär- und Sekundärwaffe sowie Spezialfähigkeit. Ungewöhnlich, aber auch clever, da so keine Kombination zu stark im Vorteil ist, sodass selbst Anfänger direkt eine Chance gegen höhere Level haben. Neben der Waffe setzt sich euer Inkling auch noch aus 3 Kleidungsstücken, namentlich Kopfbedeckung, Shirt und Schuhe zusammen. Bis zu 4 Perks von Angriffskraft, über Verteidigung bis hin zur Respawn-Geschwindigkeit kann ein solches Objekt besitzten. Wir hätten jedoch gerne die Möglichkeit gesehen uns Perks und Optik unserer Ausrüstung unabhängig voneinander aussuchen zu können, statt mit einer Army-Jacke zu spielen nur weil sie die besten Perks für uns hat.splatoon nintendo wii u review screenshot 02

Story am Rande…

Wer Splatoon zum ersten Mal startet wird sich fragen, wo eigentlich der Story-Modus ist. Normalerweise sollte jener als Bestandteil eines Spiels nicht zu übersehen sein, aber Splatoon scheint sich schon fast für seinen Singleplayer Teil zu schämen. Prunkvoll steht der Multiplayer und seine Lobby im Zentrum und ganz klein in Form eines Gulli-Deckels daneben finden wir schließlich den Eingang zur Kampagne. Dort erwartet euch zwar dann eine recht hübsche Oberwelt und über 30 Level sowie diverse Bosskämpfe, doch würden wir die Bezeichnung Challenges dem Wort Story hier vorziehen. Zwar versucht der olle Käpt’n Kuttelfisch euch die Oktarianer als eure Erzfeinde zu verkaufen, doch so richtig funktioniert das ganz ohne Zwischensequenzen und mit Hilfe der wenigen Dialoge nicht.

Versteht uns nicht falsch, die Level sind Nintendo-typisch sehr abwechslungsreich und zeigen, viel mehr noch als der Multiplayer, welche Moves alles so möglich sind, aber die Geschichte an sich ist leider zu 100% austauschbar, als hätte es den Entwicklern an Zeit gefehlt diese fertig zu stellen. Einzig der letzte Bosskampf tanzt aus der Reihe, da er wirklich fordernd und toll in Szene gesetzt wurde. Die vier Stunden ist es zwar durchaus wert sich in die Schlacht gegen die Oktarianer zu stürzen, aber Widerspielwert hat die Geschichte kaum und abgesehen von einigen Waffen und mittelmäßigen Outfits schaltet ihr euch keine Belohnungen für den Multiplayer frei.splatoon nintendo wii u review screenshot 01

Kein Einheitsbrei

Schon die vielen Farben lassen vermuten, dass wir hier den innovativsten Shooter seit Jahren vor uns haben. Für uns allemal reizvoller als ein zehn Mal aufgewärmtes Call of Duty. In Splatoon kommt es auf Teamwork an und der Multiplayer macht Laune und eignet sich perfekt für ein paar Runden zwischendurch. Dabei erleben wir technisch genau das was wir von Nintendo gewöhnt sind: Saubere 60 Bilder pro Sekunde die bei einem Shooter auch extrem wichtig sind. Nur im lokalen Multiplayer, bei dem ein Spieler auf das Gamepad und der andere auf den Fernseher guckt, sowie der Hubwelt, wird die Bildrate auf 30FPS reduziert.

Die Global Testfire Events haben zudem gezeigt, dass Nintendo seine Server im Griff hat und wir zu Release kein Debakel wie bei Driveclub erwarten sollen dürften. Akustisch als auch optisch präsentiert sich Splatoon als kinderfreundlich, aber als ein Spiel für Kinder sollte es dennoch nicht bezeichnet werden. Zumindest würde es uns nicht überraschen, wenn am Ende mehr Erwachsene vor Splatoon sitzen als bei einem Battlefield.splatoon nintendo wii u review screenshot 04

Abwechslungsreiche Kampagne,...
Spaßiger Multiplayer
Kommender Gratis Content
Artstyle
...aber schwach erzählte Story
Wenig Content
Teils umständliche Menüführung

Yannick D.

Nintendos Einstand im Shooter Bereich stellt sich als eine harte Nuss heraus, wenn es darum geht es zu bewerten. Splatoon macht Spaß, ist innovativ und über die kommenden Monate soll noch viel gratis Content zum Spiel dazu kommen. Genau da liegt aber auch das Problem, denn betrachtet man das Spiel zum jetzigen Zeitpunkt sind 2 Modi und 5 Maps, inklusive des wenig aufregenden Singleplayers nicht sonderlich viel Inhalt. Dennoch hat Splatoon allemal das Zeug dazu das Mario Kart der Shooter zu werden, auch wenn es bis dahin noch ein langer Weg sein dürfte. Einen Weg den wir gerne begleiten werden, denn trotz der genannten Mängel hat uns Splatoon schon jetzt unzählige Stunden an die Wii U gefesselt, die ein weiteres großartiges Spiel zu ihrem Repertoire hinzu zählen kann. Deswegen achtet nicht unbedingt zu sehr auf die Zahl mit der wir Splatoon bewertet haben, denn für eine faire Bewertung werden wir vermutlich die nächsten Monate abwarten müssen.
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