Test: Spyro Reignited Trilogy

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Im Test: Spyro Reignited Trilogy

Insomniac genießen aktuell ein ziemlich rosiges Jahr dank ihrem GOTY-Kandidaten Spider-Man. Generell hat sich das Entwicklerstudio aus Burbank, Kalifornien in den letzten zwei Jahrzehnten durch ein paar große Titel einen recht prestigeträchtigen Namen gemacht. Vielen dürften Reihen wie Resistance oder Ratchet & Clank noch ein Begriff sein, die alle im Hause Insomniac ihren Ursprung fanden. Begonnen hat der große Siegeszug des Studios aber mit einem kleinen, lilanen Drachen auf der PlayStation 1. Spyro hieß der kleine Kerl und galt zusammen mit Crash Bandicoot als DAS Maskottchen der PS1.

Tatsächlich gelten die Trilogien der beiden Charaktere bis heute noch als definierende Jump ’n Runs auf der Plattform. Nicht selten kommt es vor, dass beide im selben Atemzug genannt werden. Das kommt nicht von ungefähr, Insomniac hegen schon seit damals eine enge Partnerschaft mit Naughty Dog, den Entwicklern von Crash Bandicoot. Beide Studios verstecken regelmäßig Seitenhiebe auf die jeweils andere Reihe und sogar gegenseitige Demoversionen in ihren Spielen und brannten sich so als eine Einheit in das Bewusstsein der Gamer ihrer Zeit.

 

Auch heute besteht noch die enge Bindung der beiden tierischen Maskottchen. Crash Bandicoot hat letztes Jahr mit der N.Sane Trilogy schon eine Aufhübschung seiner Spiele bekommen und in bester Tradition zieht jetzt auch Spyro nach. Die Trilogie der drei von Insomniac entwickelten Ur-Spyros erscheint jetzt als Spyro Reignited Trilogy für PS4 und Xbox One. Ihr bekommt mit der Reignited Trilogy also sowohl Spyro the Dragon, als auch Ripto’s Rage (In Europa damals als Gateway to Glimmer erschienen) und Year of the Dragon in einem Bündel auf die Konsole serviert. Als verantwortliches Studio hierfür zeichnet sich Toys for Bob verantwortlich, das schon früher die Skylanders-Reihe entwickelte, die auf Spyro basiert.

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Bildquelle: Toys for Bob

Schuppig, lila, frech

Natürlich können wir nicht davon ausgehen, dass jeder sich noch an Spyros erste Auftritte erinnern kann. Viele kennen den Drachen eher als Teil des Skylanders-Ensembles oder haben gar noch nie von ihm gehört. Also fangen wir ganz vorne an: Was haben wir in Spyro überhaupt zu tun? Hauptsächlich Sammelgegenstände zusammenklauben. In jedem der drei Teile läuft der Aufhänger dafür ähnlich ab. Irgendein Schurke macht irgendetwas Fieses und Spyro ist der einzige, der es rückgängig machen kann. Von da an bereist ihr verschiedene Welten, sucht die jeweiligen Key-Items und sammelt nebenbei noch haufenweise Edelsteine.

Besonders in Spyro the Dragon ist dieses Konzept noch recht puristisch. Die meisten Level bestehen primär aus simplen Jump ’n Run-Aufgaben, in deren Verlauf ihr ziemlich linear die nötigen Ziele erreicht. Ripto’s Rage erweitert darüber hinaus den Ablauf um kleine separate Challenges, in denen ihr zusätzliche Sammelgegenstände erhalten könnt. Zuletzt steuert ihr in Year of the Dragon nicht mehr nur Spyro, sondern auch Nebencharaktere wie Sheila das Känguru und Jäger den Geparden. Dadurch bleibt auch bei direkt anschließendem Spielen der einzelnen Teile das Gameplay frisch genug und abwechslungsreich. Erstaunlich, vor allem da Toys for Bob das Leveldesign nahezu 1-zu-1 aus den Originalen übernommen hat. Alles andere wurde allerdings komplett generalüberholt.

 

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Bildquelle: Toys for Bob

Charmant und originalgetreu aufpoliert

Tatsächlich wurden die Spiele in der Unreal Engine 4 von Grund auf neu entwickelt. Die Grafikpower der Engine haben sich Toys for Bob vor allem zu Nutze gemacht, um jede noch so kleine Felsspalte bis oben hin mit Persönlichkeit und Charisma zu füllen. Natürlich sieht die Collection grundsätzlich schon fantastisch aus, mit üppig ausgebesserten Texturen, schicken Lichteffekten und knallbunten Farben, gar keine Frage. Was aber den Braten wirklich fett macht, sind die fantastischen Animationen der Charaktere und NPCs. Schon in den Zwischensequenzen macht sich das bemerkbar, ein Lieblingsbeispiel dafür sind die kurzen Szenen in Spyro 1, in denen die befreiten Drachen kurze Dialoge mit uns führen. Die Gesichtsanimationen in diesen Cutscenes sind unglaublich ausdrucksstark und spiegeln schön die Persönlichkeit der Charaktere wider. Guckt euch nur mal diesen kleinen Ausschnitt an:

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Bildquelle: Toys for Bob

Aber nicht nur auf die Hauptcharaktere beschränkt sich diese Liebe zum Detail. Selbst die Gegner strotzen vor Ausdruck, ob sie uns mit Keulen in den Boden rammen oder zitternd vor uns flüchten. Dadurch fühlt sich jede Welt, ob Wüste, Eis oder Lava, lebendig und einzigartig an. Was bei der grundsätzlich sehr schönen Grafik aber etwas negativ hervorsticht, ist die übertriebene Bewegungsunschärfe, die sich durchs Spiel zieht. Selbst bei normaler Laufgeschwindigkeit setzt schnell ein Unschärfeeffekt ein, der viele der schönen Anblicke kurzerhand verschluckt. Besonders für Fans von Screenshots dürfte das stark auffallen, gute Bilder in der Bewegung sind kaum hinzubekommen. Auch minimale Einbrüche der sonst stabilen 30 FPS sind aufgefallen, auch wenn diese wirklich selten den Spielfluss stören. Letzten Endes tun diese kleinen Macken dem visuellen Charme des Remakes keinen Abbruch. Auch auditiv weiß Spyro wieder zu bestechen.

Ausgebessert, wo angebracht

Die originalen und bis heute ziemlich guten Kompositionen für den Soundtrack von Stewart Copeland sind nahezu unangetastet geblieben, dafür wurden sie lediglich modernisiert und auf aktuellen Standard gehoben. So bietet die Reignited Trilogy einen dynamischen Soundtrack, der sich dem aktuellen Spielgeschehen anpasst. Freunde alter Schule können die Musik aber auch auf die Urfassung umschalten – ein schöner Touch für langjährige Fans. Auch die Soundeffekte kommen mit etwas mehr Wumms daher. Das Gefühl, Gegner mit Spyro’s Rammattacke umzuhauen, wird dadurch nur umso befriedigender.

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Bildquelle: Toys for Bob

Generell kommt die Reignited Trilogy mit einer schön überarbeiteten Steuerung daher. So gut sich Spyro früher gespielt hat, etwas gealtert ist die Steuerung auf PS1 schon, vor allem aufgrund mangelnder Analogsteuerung. Auch die Bewegung wirkte immer etwas rutschig und ungenau durch Spyros recht großen Wendekreis. Alldem haben die Entwickler sich angenommen und sind sogar noch ein weniger darüber hinausgegangen. Spyro spielt sich geschmeidiger als je zuvor, mit knackiger Steuerung per Analogstick und direkter Bewegung bei Input. Spyros Animationen tun ihr Übriges und geben der Steuerung das letzte nötige Bisschen Gewicht. Vor allem in Passagen, in denen hohe Geschwindigkeiten vonnöten sind, kommt so schlussendlich ein wunderbares Zusammenspiel aus Leveldesign und Gameplay zustande und sorgt für ein schönes Flowgefühl.

Trotz kleiner Mängel ein tolles Paket

Ein paar nervige Ungenauigkeiten und Fehltritte fallen im Gesamtbild aber dennoch auf. Die Steuerung versagt zum Beispiel bei besonders langen Sprüngen, die eine Reihe von Inputs benötigen, da diese nicht immer oder unzureichend ausgeführt werden. Speziell in Ripto’s Rage sorgt das für die ein oder andere unnötig frustrierende Sprungpassage. Auch aufgefallen sind beizeiten sehr schwammige Hitboxen der Gegner. In einer Flug-Herausforderung sollten wir umherfahrende Autos abfackeln, die wir manchmal aus mehreren Metern Entfernung trafen, andere Male aber wurden wir bei einem vermeintlichen Treffer aus unmittelbarer Nähe einfach überfahren. Durch solche Unannehmlichkeiten entstehen auf Dauer unnötige Ausbrecher im sonst recht simplen Schwierigkeitsgrad des Spiels.

Dennoch dürften sich Nostalgiker am Ende des Tages freuen, dass eines ihrer Lieblingsspiele aus der PS1-Ära in einem so liebevollen neuen Gewand daherkommt, während Kinder der aktuellen Generation eine Reihe verspielter 3D-Jump ’n Runs erwartet. Spyro Reignited Trilogy ist die aktuell lohnenswerte Version der klassischen drei Spyro-Spiele.

Drei Spiele mit insgesamt über 20 Stunden Spielzeit
Abwechslungsreiches Leveldesign
Toll überarbeitete Grafik und Animationen
Gameplay weitestgehend auf aktuellen Standard angehoben
Soundtrack sowohl überarbeitet als auch original verfügbar
Kleinere technische Mängel
Beizeiten unnötig frustrierende Passagen
Steuerung nicht ausnahmslos verbessert

Joost Rademacher

Spyro hat die "N.Sane Trilogy"-Behandlung verpasst bekommen und kommt mit seinen drei ersten Spielen in kernsanierter Fassung endlich zurück auf die PS4 und Xbox One. Wie auch bei Crash Bandicoot ist das Grundgerüst so originalgetreu wie möglich nachgebaut worden und wartet mit sinnvollen Ausbesserungen auf, welche die drei Teile auch heute noch spielenswert machen. Ganz fehlerfrei ist das Remake zwar nicht, bietet aber mehr als genug Inhalt und Spielspaß, um sowohl Nostalgiker als auch Neulinge in die quietschbunte Comicwelt von Spyro zu entführen.
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