Test: Star Trek – Bridge Crew

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Der virtuelle Weltraum – Unendliche Mehrspieler-Weiten. Eine galaktische Macht hat das verzweifelte Flehen vieler Trekkies erhört, woraufhin sich Ubisofts Tochterentwickler Red Storm Entertainment endlich ein Herz gefasst hat und die Kultserie rund um Kirk, Spock und Co. prompt in die virtuelle Realität verfrachtete. Star Trek: Bridge Crew heißt das gute Stück, welches euch wahlweise auf dem modernen Chefsessel der USS Aegis oder auf dem Deck der guten alten Enterprise Platz nehmen lässt. Ob sich der Trip auf die wohl berühmteste Raumstation der Filmgeschichte lohnt und welche kommunikativen Herausforderungen uns das Spiel auf den Schirm brachte, erfahrt ihr in unserem Test.

Im Weltall nichts Neues

Bereits vor einem Monat haben wir umfassend über Ubisofts VR-Umsetzung der Serie informiert und euch die Gameplay-Features und das frische Spielkonzept in unserer Vorschau ein wenig näher gebracht. Seitdem hat sich auf der Brücke nicht allzu viel getan. Dennoch fassen wir die gründsätzlichen Spielinhalte einmal kurz für euch zusammen.

Ihr seid Teil der interstellar bekannten Bridge Crew auf der USS Aegis, einem ebenso bekannten Raumschiff, das für allerlei Furore in der Galaxis sorgt. Als Teil der Sternenflotte ruhen die wachsamen Augen eures Vorgesetzten Tag und Nacht auf euch. In einer von vier Rollen, die ihr auf dem Schiff einnehmen könnt, gilt es gefährliche Rettungsmissionen zu bestehen, Forschungsdaten zu ermitteln oder schlicht und einfach den verhassten Klingonen ihre Birds of Prey um die Ohren zu jagen. – Alles im Dienste der Flotte.

Vier Freunde sollt ihr seinTest Star Trek - Bridge Crew3

Das umfassende Tutorial absolviert ihr als Captain des Schiffes und werdet somit ohne viel Federlesen in die beliebteste und gleichwohl anspruchsvollste Rolle gesteckt. Seinen Lebensunterhalt verdient der Captain vor allem durch eine Tätigkeit: Die anderen Crewmitglieder davon abzuhalten, sich selbst und das Schiff in die Luft zu jagen. Er allein hat Zugang zu den Missionsbefehlen der Flotte und muss diese möglichst präzise an seine Mitspieler weitergeben.

Hierzu verfügt der Captain über ein wahres Arsenal an Kommando-Funktionen, mit denen er seiner KI-Besatzung direkte Anweisungen erteilen kann – diese reichen von schlichten Kursänderungen bis hin zum Scharfmachen der Torpedos. Spielt ihr lieber online mit euren Freunden – dank Ubisofts praktischem Quick-Join innerhalb von Sekunden möglich – könnt ihr euch die Befehle natürlich auch per Voicechat entgegenbrüllen.

Maßgeblich zum Erfolg einer Mission tragen vor allem die anderen drei Mitglieder der Besatzung bei, wenn sie vom Captain mit den richtigen Informationen versorgt werden. Sie sind der exekutive Part auf dem Raumschiff. Als Steuermann obliegt euch die Koordination von Warp- und Impulsantrieb sowie die Navigation. Seid ihr als Chefinigenieur eingeteilt, präsentiert sich euch eine Vielzahl an Reglern. Mit ihnen kontrolliert die Energieversorgung und Reparaturmaßnahmen auf der Brücke. Versorgt ihr die Waffensysteme, Schilde und Scanner mit genügend Saft, hat der taktische Offizier schließlich den Oberbefehl über Weltraum-Gefechte und die praktischen Scanner, die euch eine unauffällige Vorgehensweise ermöglichen.

Niemals allein auf der Brücke – Crossplay sei Dank

Egal in welcher Rolle ihr euch letztendlich wiederfindet: Alles auf der virtuellen Brücke wird mithilfe eurer Finger kontrolliert. Seit dem 30. Mai können VR-Nerds aller Couleur für 49,99€ auf der Brücke Platz nehmen. Die von uns getestet PlayStation VR-Version, bietet euch zwar die Möglichkeit, Bridge Crew auch ganz herkömmlich mit dem Controller zu steuern, für ein Spielerlebnis mit deutlich mehr Wucht empfehlen wir euch jedoch die PlayStation Move Drücker, die Vive Controller oder im besten Fall die Oculus Touch „Schlagringe“. Alle drei harmonieren wunderbar mit der simplen Bedienung von Star Trek: Bridge Crew.

Darüber hinaus habt ihr die Möglichkeit, auf allen Systemen dank Crossplay gemeinsam zu zocken – Ein Schritt in die richtige Richtung wie wir finden, schließlich befindet sich die VR-Technologie noch in Preisregionen, bei denen nicht jeder sofort zuschlagen kann. Ihr findet also immer jemanden, mit dem ihr euch in die Weltraum-Abenteuer stürzen könnt.

Wenn ihr euch auf einer gnadenlos schwierigen Mission befindet und wie wild mit euren Händen über die Anzeigen fliegt, fühlt ihr euch in Windeseile als würdet ihr schon seit 20 Jahren als Offizier auf der Brücke dienen – Immersion garantiert. Wer sein Setup vorab gut eingestellt hat, wird sich sofort mit der für VR-Verhältnisse kompromisslos präzisen Steuerung anfreunden, auch wenn die Interaktion mit KI-Mitspielern per Augenkontakt in den ersten Minuten etwas ungewohnt daherkommt.

Bridge Crew: Sci-Fi-Simulation in schicker OptikTest Star Trek - Bridge Crew10

Wenn man Star Trek: Bridge Crew mit einem Wort beschreiben müsste, wäre es ohne Zweifel eben jene Interaktion. Die perfekte Handhabung der Displays und Crew-Funktionen ist nämlich nur der Grundstein einer erfolgreichen Brückenbesatzung. Nur wer aktiv mit seinen Mitspielern kommuniziert, sei es per Geste, mithilfe der Kommandos oder über den Voicechat, wird die immer knackiger werdenden Story-Missionen und Fortlaufenden Reisen mit Bravour bestehen. Selbst im Einzelspielermodus sorgen die gekonnt vertonten und gameplay-technisch umgesetzten Interaktionen mit dem KI-Personal für echte Star Trek-Atmosphäre.

Auch wenn ihr die beiden Raumschiff des Spiels nicht eigenhändig erkunden könnt, ist das, was man sieht, während man die Galaxie rettet, aller Ehren wert. Für einen VR-Titel sieht Star Trek: Bridge Crew nämlich erstaunlich gut aus. Auch wenn uns die Entwickler nicht mit Polygonen überhäufen, so haben sie sich für einen schlichten und sehr sauberen Stil entschieden, der nicht nur zu Star Trek passt wie spitze Ohren zu Mr. Spock, sondern auch Franchise-Fremden einiges bietet. Die übersichtlichen Anzeigen ohne Schnörkel und Zierrat, das aufgeräumte Innere der Brücke und die wunderschönen Planeten, an denen man mit Lichtgeschwindigkeit vorbeirast: All dies sorgt für einen atmosphärischen und grafisch einwandfreien Gesamteindruck.

Die Missionen ein galaktisches Vergnügen…Test Star Trek - Bridge Crew9

Vor jedem erneuten Start ins All habt ihr die Wahl: Spielt ihr die Kampagne, welche euch im Verlauf von fünf Leveln eine Geschichte erzählt, die ihrem Serienvorbild leider etwas zu sehr nacheifert und dementsprechend immer ein wenig hölzern und aufgesetzt daherkommt oder tobt ihr euch doch lieber in den Fortlaufenden Reisen aus. Diese besitzen immer den Überbau eines bestimmten Missionstypus (Verteidigung, Bergung, Rettung, Forschung), konfrontieren euch aber bei jedem erneuten Durchgang mit immer neuen Herausforderungen und anderen Voraussetzungen.

Nur in diesem Modus habt ihr die Wahl, ob ihr mit der modern ausgestatteten Aegis auf Erkundungstour geht oder lieber in Nostalgie schwelgt und die leicht angestaubte Enterprise von Sternensystem zu Sternensystem warpt. Die kleinen Geschichten, die in beiden Varianten erzählt werden, sind allerdings zu jeder Zeit spannend und verfügen über den guten alten Star Trek-Charme.

In puncto Schwierigkeit kann man Bride Crew absolut keinen Vorwurf machen. Alle Missionen abseits des Tutorials sind anspruchsvoll und sorgen für die nötige Portion Ernsthaftigkeit, die selbst in den Multiplayer-Partien unweigerlich Einzug erhält. Wer sich wirklich mit dem Spiel messen will, sollte sich im Anschluss am Kobayashi-Maru-Test versuchen, der wohl schwierigsten Prüfung, die Star Trek: Bridge Crew zu bieten hat. Ganz im Sinne des Vorbilds werdet ihr hier mit beinahe unschaffbaren Missionen malträtiert, die eurem Squad alles abverlangen: Tempo, Koordination, Kommunikation und Timing.

…der Umfang eine interstellare Katastrophe

Habt ihr auch diese Hürde gemeistert, folgt jedoch die Ernüchterung. Denn wie viele VR-Titel zuvor krankt auch Star Trek: Bridge Crew an seinem katastrophalen Mangel an Content. Die sechs Missionen im Singleplayer sind schnell abgearbeitet und auch wenn die Fortlaufenden Reisen im ersten Augenblick massenhaft neue, zufällig generierte Spielinhalte versprechen, wiederholten sich diese in unserem Test bereits nach wenigen Partien.

Auch der Multiplayer lässt in dieser Beziehung zu wünschen übrig. Abseits der 5 Missionen aus dem Einzelspieler-Modus, die ihr als menschliche Brückenbesatzung neu erleben könnt, fehlt auch hier schlichtweg die Abwechslung und Langzeitmotivation. Irgendwann sind eben alle Systeme erforscht und Klingonen nurmehr ein lästiger Punkt auf der lokalen Karte, um den ihr gewissenhaft herumschippern müsst. Wir hoffen, Red Storm hat für die Zukunft noch einiges mehr an Content im Gepäck und liefert alteingesessenen Trekkies und denen, die es werden wollen, jede Menge neuer Geschichten.

Vier gut durchdachte Rollen
Sauberer Stil mit Star Trek-Feeling
Spannende Missionen mit Biss
Frisches VR-Konzept: Interaktion ist das A und O
Kein Spielermangel dank Crossplay
Unterirdischer Spielumfang

Christian Böttcher

Mit Star Trek: Bridge Crew bringt Red Storm Entertainment ein virtuelles Schmankerl nicht nur für Trekkies, sondern alle, die auf dem derzeit flauen VR-Markt nach einem frischen Sci-Fi-Abenteuer suchen. Als Teil der Besatzung nehmt ihr eine von vier grundverschiedenen Rollen ein. Ob als Captain, taktischer Offizier, Chefingenieur oder Steuermann: Bridge Crew macht vor allem im Multiplayer richtig Laune, wenn ihr euch mit den Mitspielern absprechen müsst, um die knackigen Missionen im All zu bewältigen - Chaos ist vorprogrammiert. Gerade Fans der Originalserie werden dank der spannend gehaltenen Aufgaben, dem Oldschool-Feeling auf der Enterprise und der für einen VR-Titel erstaunlich schicken Optik bei Stange gehalten. Leider hat diese Stange ein recht kurzes Ende und so müssen wir beim Umfang einige Punkte abziehen. Wenn Red Storm in Zukunft deutlich mehr Content nachschiebt, sollten Besitzer eine VR-Brille zugreifen, denn Star Trek-Bridge Crew gehört zu den besseren Vertreter des Genres.
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