Test: Star Wars Battlefront 2

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Das hatte sich Electronic Arts bestimmt anders vorgestellt! Der Start von Star Wars Battlefront 2 sorgte im Internet für den wohl größten Shitstorm des Jahres 2017 und das mit einem Trend, der immer beliebter bei Spielentwicklern wird: Lootboxen. Wie schwer dieser Trend am Ende wirklich wiegt und was der neuste Ableger des Franchise sonst noch zu bieten hat, erzählen wir euch in unserem PC-Test.

Rebellin aus der Asche

Nach dem mäßigen Erfolg der Neuauflage von Star Wars Battlefront und der massiven Kritik der Fans wollte man sich der Vorschläge der Fans annehmen und viele davon im zweiten Teil umsetzen. Am lautesten riefen die Star Wars-Anhänger nach einem Story-Modus, welcher in Star Wars Battlefront 2 nun tatsächlich Realität geworden ist.

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Ihr spielt Iden Versio, die Kommandantin des Inferno-Trupps und Anhängerin des Imperiums. Angesiedelt ist die Story gegen Ende der Episode VI, kurz vor der Schlacht auf Endor. Nachdem der zweite Todesstern zerstört ist und das Imperium vor dem unmittelbaren Untergang steht, sollt ihr als Inferno-Trupp die Operation „Asche“ ausführen, um so die Macht über die Galaxie zu behalten. Abgeschreckt von der Gnadenlosigkeit des Imperiums findet ihr euch jedoch relativ schnell auf der Seite der Rebellen wieder und geltet ab diesem Zeitpunkt als Abtrünnige des Imperiums. Statt Angst und Schrecken zu verbreiten, kämpft ihr nun Seite an Seite mit euren bisherigen Feinden für die Freiheit der Galaxie.

Wem dieser Plot-Twist nun zu schnell ging, der steht genau so da wie wir. Denn nachdem uns Iden Versio als fanatische Imperiums-Anhängerin vorgestellt wurde, ist der Weg zur Rebellion leichter als man glauben mag, sodass wir gar nicht so schnell gucken können wie wir unsere Protagonistin in einem X-Wing sitzend auf ihre ehemaligen Kollegen schießen sehen. Dieser wackelige Handlungsstrang zieht sich leider durch die gesamte Kampagne, weswegen die Story mit zunehmender Dauer immer mehr an Intensität verliert. Hier und da übernehmt ihr immer wieder die Rolle bekannter Helden wie Lando Calrissian oder Luke Skywalker, jedoch dienen ihre Einsätze höchstens zur Befriedigung der Fan-Nostalgie.

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Obwohl die Kulisse äußerst stimmig daherkommt, lässt sich schnell erkennen, dass EA den Fokus nicht auf den Singleplayer gelegt hat. Statt neuer Schauplätze für Idens Reise bekommt ihr recycelte Teile der Multiplayer-Karten geboten, in die ziemlich belanglose Aufgaben gepackt wurden, die der Map entsprechen. Da auch Gameplay-technisch keine großen Wunder vollbracht wurden, sorgt der Story-Modus höchstens für einen seichten Einstieg in den Hauptteil von Star Wars Battlefront 2: Den Multiplayer.

Ein Sturm zieht auf…

Glücksspiel? Abzocke? Das Loot-System der Zukunft? Bevor wir uns um die technischen Aspekte des Multiplayers kümmern, sind wir euch Spielern zuerst ein Wort zum Thema Lootboxen schuldig. Obwohl es momentan kaum ein anderes Thema in der Gaming-Welt gib, hier nochmal für die Unwissenden: EA führt in Star Wars Battlefront 2 ein Lootbox-System ein, welches euch mit neuen Waffen und Perks versorgt und mit dem Ingame-Währung erworben werden kann. Außerdem müssen Helden ebenso durch Credits freigeschaltet werden. Das wäre nicht weiter schlimm, wenn es ein faires Credit-Modell geben würde, was es euch erlaubt, mit angemessenem Aufwand Inhalte freizuschalten. Stattdessen bekommen wir völlig überhöhte Preise, die euch praktisch dazu zwingen, mit euren echten Euros nachzuhelfen.

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Da ihr sämtliche Objekte im Spiel ausschließlich über die Lootboxen erhaltet, war das Label „Pay2Win“ schnell fett auf das Cover gedruckt, noch bevor Star Wars Battlefront 2 überhaupt im Laden stand. Die Diskussionen gingen sogar so weit, dass in manchen Ländern nun ermittelt wird, ob ein unerlaubtes Glücksspiel-System im Spiel erkennbar ist. Zwar gab EA schon ein Statement zur Lage ab und passte zumindest die Preise für Helden an, senkte jedoch im gleichen Zug signifikant den Credit-Bonus am Ende der Matches.

War never changes!

Fernab vom Loot- und Perk-System bietet euch der Multiplayer, wie schon im Vorgänger, wieder verschiedene Modi des galaktischen Krieges. Diese haben sich im Vergleich zum ersten Star Wars Battlefront kaum geändert und bestehen aus „Galactic Assault“, „Team-Deathmatch“, „Strike“, „Helden vs. Schurken“ und neuerdings „Sternjäger Angriff“. Letzterer sorgt für großes Aufsehen, da auch dieser Modus lautstark von den Spielern gefordert wurde.

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Zurecht wie wir finden, denn die Raumschiff-Kämpfe machen so richtig Laune! Die Atmosphäre, die aufkommt, wenn ihr in einem der legendären Starfighter sitzt, bringt eure Nerd-Seele schon ordentlich zum kochen, sodass die intensiven und intuitiven Kämpfe euch einfach fesseln. Wählen könnt ihr immer jeweils aus drei Raumschiff-Klassen, welche natürlich alle ihre spezifischen Stärken und Schwächen haben. Mit genügend Punkten dürft ihr dann auch in die wahren Schätze des Star Wars-Universums hüpfen und das Schlachtfeld mit dem Millennium Falken, Darth Vaders Bomber oder der Slave I dominieren.

Eure Ziele sind bei den Weltraumschlachten nie gleich, denn passend zur Map gibt es immer ein Szenario, welches in verschiedene Etappen eingeteilt ist und das ihr als Angreifer bewältigen müsst, um zu gewinnen. Als Verteidiger schützt ihr eure Basis solange, bis die gegnerischen Tickets verbraucht sind. Die Matches bleiben so sehr dynamisch und beschränken sich nie auf simples Abschießen der Feinde.

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Die ganze Schönheit der Galaxie

Nach all der Kritik an Star Wars Battlefront 2 muss man jedoch hervorheben, wie gut EA die gesamte Kulisse gelungen ist. Abwechslungsreiche und imposante Schauplätze bieten sich uns zu Boden und in der Luft. Sei es auf dem verwucherten Yavin 4 oder direkt vor dem Raumhafen von Fondor, oft hätten wir gern die Schlacht pausiert, um uns die tollen Gegenden genauer anzuschauen. Noch schöner ist es, dass all diese Schauplätze eine wichtige Rolle in den Filmen einnehmen und daher einen hohen Wiedererkennungswert für Fans haben. Grafisch ist Battlefront 2 außerdem eine Wucht und momentan wohl eines der schönsten Spiele auf dem Markt.

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Doch nicht nur optisch weiß Star Wars Battlefront 2 zu punkten, denn auch die akustische Inszenierung ist eine Meisterleistung. Die bekannten Star Wars-Melodien und Themen werden wunderbar in das Geschehen einbezogen und sorgen für den ein oder anderen Gänsehaut-Moment. Gerade die Musik macht das Battlefront-Erlebnis so charmant und bringt euch mit ikonischen Tönen so richtig ins Schwärmen.

Singleplayer-Modus wurde integriert...
Fesselnde Weltraum-Kämpfe
Unglaublich gutes audiovisuelles Gesamtpaket
...wirkt jedoch lieblos und recycelt
Story nicht schlüssig dargestellt
Lootbox-System überschattet solides Gameplay
Multiplayer bekommt "Pay2Win"-Charakter
Spielmodi weitestgehend unverändert

David O.

Liebes EA-Team, musste all das wirklich sein? Musstet ihr einem Spiel mit so viel Potential ein solch spielerunfreundliches System aufdrücken, in der Hoffnung, dass die breite Spielerschaft die bittere Pille wortlos schluckt? Star Wars Battlefront 2 hätte so viel mehr verdient, als durch den unbändigen Groll einer ganzen Community Bekanntheit zu erringen und als wohl "schlechtestes Spiel des Jahres 2017" in die Chroniken einzugehen. Wir konnten tolle Ansätze erkennen und hatten vor allem bei Weltraumschlachten enorm viel Spaß! Fangen wir gar nicht erst von den umwerfenden Schauplätzen an, oder dem Soundtrack, der uns immer noch feuchte Träume bereitet. So richtig überwiegen können diese durchaus positiven Punkte aber leider nicht. Es werden noch viele Monde über dem Outer Rim aufgehen und wer weiß was nach Lootboxen und Co. kommt? Wir werden euch wieder vertrauen, aber momentan haben wir da einfach nur ein ganz mieses Gefühl...
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