Test: Starlink – Battle for Atlas

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Test: Weltall-Action in Starlink – Battle for Atlas

Im Jahr 2011 haben Activision Blizzard einen recht kurzlebigen Trend losgetreten, als sie mit Skylanders das erste AAA-Spiel mit Toys-to-Life-Aspekten auf den Markt brachten. Der Gedanke bei diesem Konzept ist, physische Spielzeuge per Zusatzperipherie ins digitale Geschehen einzubinden. Ein Trend, der seit Skylanders mehrfach ausprobiert wurde, mittlerweile aber weitestgehend in der Versenkung verschwunden ist. Ubisoft hingegen sehen noch Potenzial in dem Konzept und haben mit Starlink – Battle for Atlas ihr eigenes Toys-to-Life-Kleinod entwickelt. Ob es denn auch neues Leben in die Spielzeug-gestützten Videospiele einhauchen kann, haben wir für euch ausgiebig getestet.

Auf zu neuen Ufern

Starlink – Battle for Atlas ist ein explorativer Open Universe-Space-Shooter. Ihr spielt die gesamte Starlink-Initiative, ein Team aus Weltraum-Abenteurern, angeführt vom Wissenschaftler Dr. Victor St. Grand. Als die Gruppe mit ihrem Mutterschiff, der Equinox, im Atlas-Sonnensystem ankommt, wird sie prompt von der stereotypisch bösen Legion überfallen und St. Grand wird entführt. Von da aus liegt es an euch, die Legion mitsamt Anführer Grex zurückzuschlagen und St. Grand zu retten. Ihr selbst beginnt das Spiel gestrandet auf Kirite, dem ersten der sieben erforschbaren Planeten und habt am Anfang des Spiels ein einzelnes Ziel: Euer Raumschiff zu reparieren und zurück ins Weltall zu gelangen.

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Zu Beginn ist es um euer Schiff noch recht schlecht bestellt.

Klingt irgendwie nach No Man’s Sky, nicht wahr? Tatsächlich zieht das Spiel eine ganze Menge Inspiration aus dem Open Universe-Vorreiter. Sei es das Quest-Layout am Anfang, die von Planet zu Planet grundverschiedene Flora und Fauna, oder aber der nahezu nahtlose Übergang, wenn ihr einen Planeten verlasst und ins Weltall abhebt. Das alles haben wir schon einmal gesehen. Der große Unterschied zu No Man’s Sky ist allerdings, dass ihr in Starlink alle Hände voll zu tun habt.

Grindfest auf Planet Ubisoft

Ganz im Stile aktueller Ubisoft-Spiele sind alle Planeten bis zum Rand vollgestopft mit Markern, an denen ihr kleine Nebenaktivitäten abarbeiten könnt, um euer Konto mit Elektrum und Nova (den Hauptwährungen im Atlas-System) aufzufüllen, oder um ordentlich Loot für Schiff und Waffen einzuheimsen. Beispielsweise könnt ihr Schiffswracks der Legion hacken, Siedlungen befreien, Außenposten für euch gewinnen oder kleinere Rätseleinlagen an Hütertürmen lösen. Der Umfang an Beschäftigung ist denkbar groß, Tiefgang bietet er dafür leider kaum. Die Rätsel sind entweder beleidigend einfach, oder so schlecht kommuniziert, dass sie ohne frustrierenden Trial-and-Error kaum lösbar sind.Starlink_Screenshot_1

Alle anderen Aufgaben bestehen hauptsächlich aus ausgelutschten Fetch-Quests und Zerstöre-Alles-und-Jeden-in-diesem-Bereich-Aufgaben. Das alles sorgt ganz schön schnell für ziemliche Monotonie im Spielablauf. Besonders schlimm sind die Nebenmissionen, in denen ihr für Außenposten eine Spezies von Lebewesen scannen müsst. Jeder Scan erfordert, dass ihr einmal im vollen Kreis um Exemplar der jeweiligen Spezies fliegen müsst. Damit ihr die Mission besteht müsst ihr das drei Mal tun. Noch dazu müsst ihr diese Mission unter Umständen mehrfach auf ein und demselben Planeten wiederholen. Wenn ihr Pech habt, müsst ihr auf einem einzigen Planeten also bis zu 15 Mal das ewig gleiche Getier scannen. Das ist kein gutes Missionsdesign, das ist langweilige Arbeit.

Erschwerend kommt noch hinzu, dass ihr als Spieler in den ersten Spielstunden vom Spiel nur ein knappes Minimum an Information bekommt. Tutorials gibt es kaum und viele der Nebenaktivitäten werden marginal bis gar nicht erklärt. In den ersten Stunden fühlten wir uns deshalb unter den ganzen Symbolen auf der Map regelrecht begraben und arg überwältigt.

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Das ist noch nicht einmal meine finale Form: Je mehr ihr einen Planeten erforscht, desto mehr Nebenbeschäftigungen entdeckt ihr.

Das Spielgefühl macht‘s

So weit, so problematisch. Was Starlinks überladenen und monotonen Open World-Karren aber aus dem Dreck zieht, ist ein starkes Gameplay-Pferd. In Sachen Spielgefühl bietet Starlink nämlich nicht weniger als die beste Space-Shooter-Erfahrung der letzten Jahre. Das Erforschen der Planeten wird um ein Vielfaches angenehmer und aufregender, wenn ihr die Bewegungsmöglichkeiten der Schiffe völlig ausreizt. Ihr könnt springen, boosten, dashen, Fassrollen machen und auf Knopfdruck zwischen Flug- und Schwebemodus hin und her wechseln. Habt ihr alle diese Techniken erst einmal drauf, brettert ihr wie junge Götter über die Planetenoberfläche hinweg, vorbei an herumlungerndem Getier und in waghalsigen Manövern zwischen der Vegetation hindurch. Dabei vermittelt das Spiel ein wunderbares Geschwindigkeitsgefühl und belohnt euch für gelungene Tricks mit Erfahrungspunkten und einer kleinen Extraladung Boost-Energie.

Aber nicht nur auf Reisen, auch im Schlachtgetümmel glänzt Starlink. Die Kämpfe sind dank der knackigen Schiffsteuerung schnell, actionreich und vor allem dynamisch. Ihr könnt Angriffen geschickt ausweichen, eure Gegner durch cleveres Movement flankieren, um Schwachstellen anzugreifen und ihr aktiviert auf Knopfdruck einen temporären Schutzschild. Dieser nutzt die gleiche Energie wie euer Boost und leert die Leiste extrem schnell, sparsamer Einsatz ist also gefragt. Für gutes Timing werdet ihr zusätzlich belohnt, im richtigen Zeitpunkt abgefangene Projektile können nämlich reflektiert und für zusätzlichen Schaden auf eure Gegner zurückgeworfen werden.

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In der Offensive wartet Starlink mit einem interessanten Zwei-Waffen-System auf. An jedem Flügel eures Schiffes könnt ihr zwei Waffen montieren, die ihr mit den beiden Triggern am Controller abfeuern könnt. Aufgeteilt sind diese Waffen sowohl in elementare Schadenstypen (Feuer, Eis, Gravitation, Stasis, Kinetik) und in jeweils unterschiedliche Schussarten. Manche Waffen feuern Raketensalven, manche laden einen starken Einzelschuss auf, andere durchsieben Gegner mit automatischem Dauerfeuer. Hier setzt Starlink auf eure Experimentierfreudigkeit, denn je nach Waffenkombination könnt ihr mit starken Elementarkombis erheblichen Schaden verursachen. Dabei haben die Waffen allesamt ein schön wuchtiges Schussgefühl und Trefferfeedback, wofür das knackige Sounddesign sein Übriges tut.

Eine 1 mit Abzügen

Komplett makellos ist das Kampfsystem leider trotzdem nicht. Zum einen ist die Gegnervielfalt recht knapp bemessen. Die Standardgegner kommen in drei verschiedenen Größenordnungen daher und sind unter Umständen mit einem von drei Elementareffekten versehen. Mehr Gegnertypen trefft ihr eigentlich kaum, abgesehen von zwei hin und wieder auftretenden, besonders großen Gegnern, die wir aus Spoilergründen aber nicht verraten werden. Nur so viel: die beiden weiteren Gegner sorgen für eine klare Hierarchie in der Legion, die euch dazu nötigt, gewisse Prioritäten zu setzen.

Dazu sind die Legion-Roboter mit einem von drei Elementareffekten versehen, die ihr mit dem jeweils gegenteiligen Element auskontern müsst. Das sorgt zwar für mehr kurzfristige, taktische Waffenwechsel, nach ein paar Stunden hatten wir aber eine Waffenkombination zusammengestellt, mit der wir recht problemlos alle Gegner aus dem Weg räumen konnten.

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Im Verlauf der etwa 17 Stunden langen Kampagne öffnet sich das Spiel allerdings überraschenderweise weiter, indem ab der Hälfte der Story eine Art Konfliktmeter eingeführt wird. Darauf könnt ihr für jeden Planeten erkennen, wie stark die Legion diesen Planeten in der Hand hat und wir sehr eure Allianz sich gegen diese zur Wehr setzt. Auf jedem Planeten verschieben sich diese Werte simultan und dynamisch. Das sorgt für eine gewisse Dringlichkeit in allem was ihr tut und erweckt den Eindruck eines waschechten offenen Konfliktes, der im gesamten Atlas-System tobt.

Upgrade-Galore für Zwei

Für mehr Feintuning im Kampf sorgt das Level- und Modsystem. An jeder Ecke bekommt ihr Module für eure Waffen und Schiffe hinterhergeschmissen, mit denen ihr sie aufrüsten und spezialisieren könnt. So könnt ihr eure Schiffe schneller, wendiger oder widerstandsfähiger machen und eure Waffen mit mehr Schaden, Reichweite und Feuerrate ausstatten. Noch dazu besitzt jeder einzelne Pilot einen ganz eigenen Skilltree, in dem ihr verdiente Fähigkeitspunkte für weitere Boni und Verbesserungen für die jeweilige Pilotenfähigkeit ausgeben könnt. Diese Upgrades bringen etwas mehr Tiefe ins Geschehen und wirken sich spürbar auf eure Kampfstärke aus.

Einen lokalen Coop-Modus bringt Starlink übrigens auch mit. Damit kann auf Knopfdruck ein zweiter Spieler ins Geschehen einsteigen und ihr könnt gemeinsam das Atlas-System erkunden. Einen Online-Modus gibt es allerdings nicht und auch auf PVP-Kämpfe müsst ihr verzichten.

Schaut’s denn schön aus?

Technisch bewegt sich Starlink in einem guten Mittelmaß. Die Beschränkung auf sieben feste, dafür klar durchdesignte Planeten sorgt dafür, dass sich alle stilistisch klar voneinander unterscheiden. Retorten-Himmelskörper á la No Man’s Sky werdet ihr hier zum Glück nicht finden. Besonders die Planeten, die ihr im späteren Verlauf des Spiels betretet, bestechen durch wunderbar außerirdische Landschaften. Das trägt einiges zur Orientierung bei, da ihr anhand eurer Umgebung jederzeit daran erinnert werdet, wo ihr euch derzeit im Sonnensystem befindet. Auch die Zwischensequenzen, die besonderen Fokus auf die Mitglieder von Starlink legen, sehen nett aus und sorgen für einen Hauch Kinofeeling. Bei aller Schönheit lässt sich hin und wieder zwar noch die gelegentliche matschige Textur ausmachen, dafür läuft das Spiel flüssig und ohne merkliche Einbrüche in der Framerate. Eine nette Dreingabe wäre noch ein Fotomodus gewesen, aber wirklich vermissen tun wir den nicht.

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Fantastische Welten: Die Landschaften im Altas-System wissen durchaus zu beeindrucken.

Spielzeug-Fummelei

Wo wir nun bei der Technik sind, müssen wir zuletzt noch einmal über die gefürchteten Toys-to-Life-Mechaniken reden. Mit dem Starter-Pack erhaltet ihr einen Aufsatz für euren Controller, auf dem ihr euch euer Raumschiff fürs Spiel frei zusammenbasteln könnt. Auswählen könnt ihr dabei einen Piloten, ein Schiff, die Flügel und eure bevorzugten Waffen. Positiv fällt dabei auf, dass ausgetauschte Teile ohne Pause oder Verzögerung direkt ins Spiel übernommen werden. Funktionstüchtig ist das Feature in der Hinsicht allemal.

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Wo das Modell aber zusammenbricht, ist der Preis, den ihr für zusätzliche Spielzeuge hinlegen müsst. Allein das Starter-Pack, bestehend aus dem Spiel, dem Controlleraufsatz und einem kompletten Raumschiff-Set kostet schon 80€. Möchtet ihr nun weitere Schiffe kaufen, müsst ihr pro Schiff zusätzlich 30€ hinlegen und wenn ihr dann noch neue Waffen nutzen möchtet, werdet ihr pro Waffenset noch einmal weitere 12€ los. Das ist ein mehr als stolzer Preis, vor allem für Inhalte, die ihr digital eigentlich schon besitzt. Für Spieler, die keine Lust auf Schiffbau haben, ist das Spiel nämlich komplett digital spielbar. In der Standardversion von Starlink sind im digitalen Modus bereits sechs Piloten, vier Raumschiffe und zwölf Waffen freigeschaltet. Das ist immerhin ein netter Kompromiss, wenn für weitere Spielzeuge der Wille oder das Geld fehlen. Mit der Ausstattung in der Standard-Edition könnt ihr das Spiel allemal mit genügend Freiheit durchspielen.

  • 18.10.2018 um 15:36
Spannende, dynamische Kämpfe am Boden und im Weltall
Knackige Steuerung
Umfangreiches Mod- und Skillsystem
Sieben Planeten mit reichlich Inhalt
Nahtloses Fliegen ohne Ladezeiten
Spielzeuge sind optional
Monotone bis langweilige Aufgaben
Weitere Spielzeuge sind ziemlich teuer
Überfordernder Einstieg
Gelegentliche matschige Texturen

Joost Rademacher

Starlink – Battle for Atlas hat es uns nicht leicht gemacht. Erst gestaltet es uns den Einstieg unnötig schwierig, dann besticht es durch sein knackiges Kampfsystem. Es frustriert mit eintönigen Nebenbeschäftigungen, weiß aber durch seine wunderschönen Landschaften zu beeindrucken. Bei allem Mangel an Fokus hat Starlink uns schließlich mit seinem Gameplay, seinem Design und dem Konfliktsystem für sich gewinnen können. Sollte Ubisoft das Toys-to-Life-Konzept überdenken und die Nebenaktivitäten überarbeiten, hätte Starlink in Zukunft das Potenzial, nicht nur einen guten, sondern einen großartigen Nachfolger zu bekommen.
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