Test: Street Fighter V

Lesezeit: 4 min

Street-Fighter-V-Test-Bild-1Hadouken! Street Fighter meldet sich mit der inzwischen fünften Inkarnation der Hauptserie zurück. Wir haben Herz und Nieren des Titels mit genügend Schlägen, Tritten und Kung Fu-Moves bearbeitet, sodass wir euch mit gutem Gewissen verraten können, ob Street Fighter V das Kampfspieljahr glorreich einläutet oder doch nach drei Runden in die Knie geht.

Ready? Fight!

Wer irgendwann in seinem Leben schon einmal Hand an ein Kampfspiel gelegt hat, dürfte ganz genau wissen was ihn in Street Fighter V erwarten wird. Keine Kompromisse, Experimente oder andere Schnörkel verwässern das Grundgerüst des Spiels, Street Fighter V ist in jeder Faser (oder eher in jedem Byte) ein Kampfspiel alter Schule. Zwei Kontrahenten prügeln solange aufeinander ein, bis der Energiebalken des Gegenübers ausradiert ist; zwei von drei gewinnt. Auf den ersten Blick mag das banal klingen, aber genau diese Simplizität ist das Beste, was Capcom mit seinem Prügeljuwel machen konnte. Es wäre vermutlich ein leichtes gewesen, durch aufgelockerte Spielmodi, Items oder Ähnliches neue Spielerschichten aufzuschließen. Sich dem aber vehement zu verweigern zeugt von Liebe und Vertrauen zu seinem Produkt. Im Kern ist Street Fighter V nämlich ein Spiel, das sich vor allem an Prügelspiel-Profis richtet und Neueinsteigern erst einmal gehörig vor den Kopf stößt.Street-Fighter-V-Test-Bild-2

Natürlich bleibt aber nicht alles beim Alten, das große neue Feature des Titels ist das Variable System, kurz V-System (V-System/ Street Fighter V Na? Na? Habt ihr es verstanden??). Je öfter ihr Schläge eures Gegners einstecken müsst, desto mehr füllt sich eure V-Anzeige. Jeder der derzeit 16 spielbaren Charaktere besitzt seine eigene V-Fähigkeit, die immer einsetzbar ist, V-Konter sowie eine Art V-Superfähigkeit, die allerdings bei Benutzung eure V-Leiste leeren. Das mag zunächst etwas verwirrend klingen, hat man allerdings selbst den Controller in der Hand führen die neuen Moves sich quasi wie von selbst aus. Schön ist, dass nahezu jeder Charakter auch wirklich eine einzigartige V-Fähigkeit bekommen hat: Während Ryu nun Projektil-Attacken blocken kann ohne irgendwelchen Schaden zu nehmen, darf Ken beispielsweise einen stürmischen Kick in seinem Repertoire verzeichnen, Neuzugang Rashid kann dagegen mit einem waghalsigem Sprung blitzschnell die Kampfseite wechseln und dabei seine Gegner mit einem Angriff aus der Luft überraschen.

Street-Fighter-V-Test-Bild-3

A New Challenger is Approaching

Abgesehen vom sich organisch einfügenden V-System wurden die Movepaletten der bekannten Kämpfer mit der ein oder anderen Detailanpassung bedacht. Manche Angriffe fallen weg, manche finden ihren Weg in das Spiel: Business as usual. Viel interessanter ist allerdings, dass es vier Neuzugänge in der Street Fighter Serie zu bewundern gibt. So geben die Brasilianerin Laura, Muskelprotz Necalli, Wirbelwind Rashid und der mysteriöse F.A.N.G. sich zum ersten Mal die Ehre. Toll ist, dass die neuen Kämpfer nicht unterschiedlicher ausfallen hätten können. Sowohl für aggressive, als auch für defensive Spieler gibt es einen Charakter, der bestens zum eigenen Spielstil passt. Zwar gibt es zunächst nur 16 Kämpfer im Roster, Capcom verspricht aber bis September noch 6 weitere Recken am Kampfspektakel teilnehmen zu lassen. Über die bisherige Auswahl lässt sich aber in jedem Fall streiten, denn vor allem Dauerbrenner wie Blanka oder Segat dürften so einigen Leuten fehlen.  Street-Fighter-V-Test-Bild-4

Hinzu kommt, dass das Design der neuen Charaktere meisterlich gelungen ist, wobei auch alte Hasen wie beispielsweise Ken ein komplettes Facelifting bekommen haben. Generell ist Street Fighter V mal wieder ein Genuss für die Sinne und läuft auf PlayStation 4 mit einer butterweichen sechsziger Framerate. Die Charaktermodelle sind sehr detailliert und die Animationen eine wahre Augenweide. Leider kann man das nicht immer von den, zwar durchweg lustigen, dennoch im Detailreichtum rapide heruntergeschraubten, Stages behaupten. Alles was im Hintergrund stattfindet, spielt auf einer ganz anderen Liga als die hübschen Kämpfe im Vordergrund. Trotz dieser kleinen Ärgernisse ist der Comiclook von Street Fighter V abermals gelungen und passt perfekt zur Serie.Street-Fighter-V-Test-Bild-5

“Können wir das so wirklich veröffentlichen?“ – “Muss hinhauen.“

Nach all dieser Lobhudelei auf Street Fighter V kommen wir zum eigentlichen Elefanten der im Raum steht: Das Spiel ist noch nicht fertig und sollte in diesem Zustand nicht veröffentlicht werden. Capcom kaschiert diesen Umstand derzeit recht geschickt mit beteuernden Aussagen, dass es zu Street Fighter V keine Turbo-Ultra-Hyper-Edition geben wird und Street Fighter V immer Street Fighter V bleiben wird und die definitive Version ist und bleibt. Im Laufe der Zeit soll das Spiel durch Updates (wie zusätzliche Charaktere) daher immer weiter ausgebaut und verbessert werden. Eigentlich eine lobenswerte Sache, wenn es der nun erscheinenden “Basisversion“ des Spiel nicht an allen Ecken und Enden an Modi und Features mangeln würde.Street-Fighter-V-Test-Bild-6

Es gibt beispielsweise keinen echten Storymodus, nur eine Art Prolog, der auf den im Juni erscheinende Story-Modus (der immerhin kostenfrei sein wird) vorbereiten soll. Der Ingame-Shop des Spiels öffnet erst im März dieses Jahres seine Pforten. Gleiches gilt für den Challenge-Modus, der auch erst ab März nutzbar sein wird. Ziemlich blöd, denn genau dieser sollte neue Spieler eigentlich in die Welt von Street Fighter einführen und die Feinheiten der einzelnen Kämpfer beibringen. Nun wird man einfach ins kalte Wasser geschmissen und hofft nicht unterzugehen.Street-Fighter-V-Test-Bild-7

Des Weiteren ist die Lobby für Online-Spiele, das Herzstück für ein kompetitives Videospiel, derzeit nur auf Basisfähigkeiten begrenzt und wird abermals erst im März in seiner ganzen Pracht online gehen. Dafür können jetzt aber sowohl PC als auch Konsolen-Spieler gegeneinander antreten. Trotzdem könnt ihr derzeit nur ein normales Online-Match bestreiten, euch durch die in wenigen Minuten vervollständigten Storyschnipsel kämpfen, gegen einen Freund im Versus-Modus antreten oder euch am Survival-Modus versuchen. Warum keine Veröffentlichung im März, für dieses offensichtlich nicht vervollständigte Spiel, in Betracht gezogen wurde, ist mir schleierhaft. Allerdings sei auch erwähnt, dass alles was es in das “fertige“ Spiel geschafft hat, wirklich exzellent umgesetzt wurde. Der Online-Modus ist verzögerungsfrei und funktioniert vorzüglich und auch der Survival-Modus, in dem es gilt Welle um Welle an Gegnern zu bezwingen, ist spaßig und fordernd zugleich.

Street-Fighter-V-Test-Bild-8

Street Fighter bleibt seinen Wurzeln treu
V-System fügt sich nahtlos ins Spielgeschehen ein
Hübsche Optik und tadellose Animationen
Butterweiche Framerate
Stabiler Online-Modus
Crossplay zwischen PC und PS4
Fordernder Survival-Modus
Noch recht kleines Kämpferfeld
Teils detailarme Stages
Viele Spielmodi fehlen und werden erst in den nächsten Monaten nachgeliefert
Blanka ist noch nicht spielbar :(

Jonas D.

Street Fighter V stellt einen weiteren erstklassigen Eintrag in der langen Historie der Kampfspielreihe dar. Für mich hat sich mit Teil V abermals bestätigt, warum Street Fighter sich ungeschlagen auf dem Genre-Thron breitmachen kann und darf. Während Anfänger ein kurzweiliges Vergnügen an seichten Duellen haben werden, mutieren Profis zu wahren Zauberern am Fighting-Stick und lösen spektakuläre Combos sowie punktgenaue Konter aus. Bei Street Fighter geht es darum immer besser zu werden und an seinen Fähigkeiten zu arbeiten, um schlussendlich die Nr.1 der Online-Leaderboards zu erklimmen. Genau diesen Geist fängt Street Fighter V wunderbar ein, spielt sich intuitiv und sieht dabei noch wundervoll aus. Einzig der Umfang enttäuschst noch ein wenig, was eine Topwertung zurzeit noch verhindert. Wen das nicht stört, dem sei Street Fighter V aber schon jetzt wärmstens ans Kämpfer-Herz gelegt. Wir sehen uns dann mit ziemlicher Sicherheit im Online-Modus. Hadouken!
Test: The Legend of Legacy Test: GIGABYTE P35X v5
Comments