Test: Super Smash Bros. Ultimate

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Im Test: Super Smash Bros. Ultimate! – Bildquelle: Nintendo

In der Geschichte der Unterhaltungsmedien hat es das ein oder andere bemerkenswerte Crossover gegeben. Kingdom Hearts gab uns ein kindgerechtes Slasher-RPG mit Final Fantasy-Charakteren in Disney-Welten, während in Street Fighter X Tekken zwei der größten Fighting-Franchises ordentlich Respektschellen austauschten. Unterdessen planierten zwei Filmgiganten in Godzilla vs King Kong ganze Städte und Marvel brüstete sich mit Avengers Infinity War als „ambitioniertestes Crossover-Event aller Zeiten“.

Da haben sie aber die Rechnung ohne Nintendo gemacht. Die beanspruchen erneut den Crossover-Thron für sich, mit einem wahren Powerhouse in Form von Super Smash Bros. Ultimate. Also packt den Hammer aus, schmeißt den Pokéball und geht auf die Jagd nach Ultra-Smash-Bällen, endlich ist wieder Smash-Zeit.

Nach der Ankündigung von Smash Ultimate gab es noch reichlich Diskussion. Viele vermuteten hinter dem Titel „nur“ einen erweiterten Port von Smash 4 für WiiU und zeigten sich enttäuscht. Das fertige Spiel zeigt: Das ist absolut nicht der Fall. Smash Ultimate strotzt so voller Inhalt, so voller Neuerungen und so voller Liebe, nicht nur für Nintendo, sondern für Videospiele allgemein, dass es fast schon überwältigend ist. Treten wir also für einen Moment einen Schritt zurück und betrachten erst einmal das große Ganze.

Smash like it’s 1999

Das Konzept von Super Smash Bros. ist seit seinem ersten N64-Release im Jahr 1999 immer das gleiche geblieben. Ihr haut euch mit Charakteren aus verschiedensten Franchises rund um Nintendo so lange auf die (rote) Mütze, bis einer aus der Arena fliegt.

Das Besondere: Statt einer Lebensleiste, die bis zum K.O. runterzählt, steigt mit jedem eingesteckten Treffer ein prozentualer Schadenswert. Je höher dieser ist, desto weiter werdet ihr Richtung Bildschirm katapultiert. Noch dazu benötigt ihr nur zwei Angriffstasten, die je nach Position und eingegebener Richtung auf dem Analog-Stick für verschiedene Moves sorgen. Dazu kommt ein Block-Button und eine Taste für Griffe, fertig ist die Klopperei.

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Bildquelle: Nintendo

Dieses simple Schema ist seit jeher einer der großen Anziehungspunkte des Spiels. Party-Zocker freuen sich über die einfache Eingabe, während Hardcore-Competitive-Gamer die komplexen Kombinationsmöglichkeiten und das Timing-basierte Kampfsystem würdigen. Tatsächlich ist das Gameplay schneller als in den letzten beiden Ablegern und orientiert sich wieder merklich stärker an Super Smash Bros. Melee, was besonders die E-Sportler freuen dürfte. Einige fortgeschrittene Moves wie das Wave-Dashing bleiben zwar weiterhin abstinent, dafür sehen andere Techniken wie Dashdancing eine Rückkehr zu alter Form.

Andere kleine Feinheiten sorgen dafür, dass das Kampfgeschehen härter und knackiger als je zuvor daherkommt. Besonders cool fanden wir die kleine Animation, die abgespielt wird, wenn ein Spieler den spielentscheidenden Treffer landet. In diesem Moment pausiert das Spiel für einen Bruchteil einer Sekunde und zoomt nah an die Kämpfer, um den finalen Treffer in aller Schönheit zu zeigen.

Charakter-Galore!

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Freischalt-Frenzy! Von 8… – Bildquelle: Nintendo

Wo wir vorhin schon einmal von N64-Zeiten sprachen, diese hält Smash Ultimate in allen Ehren. Zwar sind von Anfang an alle 103 (!) Arenen spielbar, zu Beginn sind aber nur die originalen 8 Charaktere freigeschaltet. Von da aus schaltet ihr nach und nach alle weiteren Figuren frei. Seid ihr damit erst einmal fertig, dürft ihr euch über mehr als 70 (nochmal: !) Charaktere freuen. Kämpferauswahl und Arenen bieten natürlich Neuerungen, aber auch hier zeigt sich, Smash Ultimate ist eine Würdigung der gesamten Reihe.

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…zu über 70 Charakteren! – Bildquelle: Nintendo

Abgesehen von den Neuzugängen sind nämlich ALLE Charaktere und Schauplätze der bisherigen Ableger von Smash Bros. enthalten. Im Übrigen gibt es für jede Arena ein „Schlachtfeld“- und ein „Omega“-Layout, die die Maps für kompetitive Matches anpassen. Ihr merkt, die möglichen Konstellationen sind schier endlos.

Wir müssen zugeben, nicht alle Charaktere sind Volltreffer. Der Inkling beispielsweise fällt einem gegenintuitiven Moveset anheim und die Echo-Kämpfer sind nur Neuanstriche bereits existierender Charaktere, zu denen auch Melinda weitestgehend gehört. Dafür erweisen sich Simon/Richter, Fuegro und King K. Rool als fantastische Neulinge. Letzten Endes gilt dennoch: Bei so viel Auswahl kommt es immer auf persönliche Präferenz an. Genug aber über die Kontrahenten und Arenen, schließlich müssen die ja irgendwo zum Einsatz kommen.

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Auch wieder mit von der Partie: Mii-Kämpfer – Bildquelle: Nintendo

Ich smashe mir die Welt, wie sie mir gefällt

Super Smash Bros. Ultimate wartet mit einer ganz schön fetten Ladung an Spielmodi auf. Hier wurde wieder darauf geachtet, dass so ziemlich jeder Spielertyp etwas zum Spaß haben findet. Das Herzstück bildet wie immer der Smash-Modus. Hier könnt ihr nach eigens bestimmten Regeln nach Lust und Laune mit bis zu 8 Spielern Prügel austeilen. Viel geändert hat sich dabei (glücklicherweise) nichts. Leider auch nicht, dass Matches mit mehr als 8 Spielern zu einem Test der Konzentrationsfähigkeit werden. Die Riesenrunden werden mitunter dermaßen unübersichtlich, dass es nicht selten vorkommt, seinen eigenen Charakter im Chaos nicht finden zu können.

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Bildquelle: Nintendo

Neu und ziemlich gut ist aber die Möglichkeit, Reglements in Presets abzuspeichern und zu laden. Ob auf Zeit oder mit Versuchen, mit oder ohne Items, eure Lieblingsregelwerke sind immer parat. Praktisch, so muss nicht mehr groß umstellt werden, wenn wir nach ein paar Runden mit Turnierregeln ein bisschen rumblödeln wollen.

Falls ihr aber noch mehr experimentieren wollt, könnt ihr in den Spezial-Smash schauen. Hier könnt ihr zum Beispiel den Wunsch-Smash spielen und jede noch so absurde Regel ins Spiel einbauen. Oder aber ihr spielt Smash-für-Alle, wo nach jeder Runde die gespielten Charaktere eliminiert werden.

Me and my Squad

Zusätzlich gibt es neue Squad-Smashes, quasi Staffelkämpfe á la Marvel vs Capcom und wieder einen Turniermodus für die Suche nach dem wahren Smash-König. Dank verbesserter KI, die jetzt schon auf Stufe 4 von 9 nicht ganz ungefährlich ist, könnt ihr jetzt auch bestens alleine gegen Bots kämpfen. Oder aber ihr nutzt den Online-Modus, um euch dort von viel besseren Spielern in die Schranken weisen zu lassen. Das funktioniert durch den besseren Netcode jetzt noch schneller und ruckelfreier als zuvor.

Wenn ihr damit erst einmal fertig seid, könnt ihr ja noch im klassischen Einzelspielermodus ein wenig Arcade-Spaß haben. Oder ihr geht ins Training und bereitet euch auf die nächste Online-Klatsche vor. Dieses kommt ebenfalls mit einigen sinnvollen Neuerungen daher. So könnt ihr jetzt nicht nur jede erdenkliche Kampfsituation simulieren, neu dabei sind auch Kurven, die für jeden Angriff je nach Schadenswert zeigen, wie weit eure Gegner weggeschleudert werden.

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Bildquelle: Nintendo

Du hast die Kampagne schön

Einen Modus müssen wir noch abdecken, nämlich die große „Stern der irrenden Lichter“-Einzelspielerkampagne. Die ist dermaßen groß und umfangreich, dass wir diesem gleich einen ganzen Absatz zusprechen müssen. In diesem Modus hat eine höhere Macht namens Kyra die gesamte Smash Bros.-Gang kurzerhand ihrer Körper beraubt und in Geister verwandelt. Alle mit Ausnahme von Kirby. Mit diesem habt ihr nun die Aufgabe, eine weitläufige Welt auf vorgegebenen Pfaden zu erforschen, alle Charaktere zu retten (aka spielbar zu machen) und Kyra schlussendlich zu besiegen. Tatsächlich bekommen wir hier eine ausufernde Einzelspielererfahrung, die gut und gern mehr als 20 Stunden in Anspruch nimmt.

Hier kommt mit den Geistern eine der größten Neuerungen ins Spiel, die Super Smash Bros. Ultimate vorzuweisen hat. Geister sind körperlose Formen von den verschiedensten Spielfiguren aus allen möglichen Franchises (nicht nur Nintendo-exklusiv) und eure hauptsächlichen Gegner in der Kampagne. Jeder dieser Geister wird im Kampf durch einen der spielbaren Charaktere repräsentiert. Dabei werden Kampfbedingungen und Gegneroptik so angepasst, dass sie möglichst genau auf den jeweiligen Geist zutreffen.

 

Die Geister, die ich rief

Diese Kämpfe werden je nach Stärke des Geistes progressiv schwieriger, teilweise so schwierig, dass es an Unfairness grenzt. So manches mal mussten wir uns an einem Gegner eine halbe Stunde lang die Zähne ausbeißen, bevor wir ihn entweder durch Glück besiegten, oder gar aufgaben und beschlossen, später mit mehr Power auf den Rippen zurückzukehren. Das kann vor allem bei Anfängern für eine ganze Menge Frust sorgen. Zumindest gibt es auf der Karte häufig Alternativrouten, um einigen der stärksten Gegner vorerst aus dem Weg zu gehen.

Habt ihr einen Geist besiegt, so schließt dieser sich euch an und ihr könnt ihn nutzen, um euren aktuellen Charakter damit zu verstärken. Daraus erwächst eine Art Pokémon-ähnlicher Sammeldrang, nur mit einer vollen Fan Service-Keule und etwa 10 mal umfangreicher. Satte 1.300 Geister könnt ihr im gesamten Spiel finden, von Detective Pikachu über Revolver Ocelot bis hin zu Akuma, hier ist alles möglich. Noch dazu könnt ihr die Geister trainieren und im Level wachsen lassen, und ein paar Rollenspielelemente wie einen Skill-Tree gibt’s obendrein auch noch. Da kann kaum noch jemand über mangelnden Singleplayer-Support meckern.

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Bildquelle: Nintendo

Große Liebe für das Videospiel-Medium

Hat da gerade jemand Fan Service gesagt? Mit diesem ist Super Smash Bros. Ultimate bis zum Überquillen vollgestopft. Das beginnt, wie erwähnt, schon bei den Geistern. Ein um’s andere Mal kamen wir nicht um ein kleines Grinsen herum, wenn wir gegen einen Geist antraten, den wir kannten. Vor allem, zumal auch die Musik und die Präsentation stets dem Kampf angemessen waren.

Generell ist der Soundtrack, wie für Smash Bros. üblich, randvoll mit bekannten Themes und Songs aus allen im Spiel vertretenen Spieleserien. In den Super Mario-Arenen läuft das Overworld Theme aus Super Mario World, in der Bayonetta-eigenen Map blärt der gewohnt abgefahrene Soundtrack von, ihr ahnt es schon, Bayonetta. Passend dazu könnt ihr über einen Musikplayer in alle Tracks reinhören, die das Spiel zu bieten hat. Die Tatsache, dass in Smash Ultimate merklich viele Franchises vertreten sind, die von Third-Party-Entwicklern stammen, stärkt dabei nur das Gefühl, dass hier nicht nur Nintendos eigene Spiele, sondern das Medium der Videospiele als solches gefeiert wird.

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Bildquelle: Nintendo

Abschließend noch ein paar Worte zur Performance: Wie so ziemlich jedes First-Party-Spiel für die Switch hat Smash Ultimate die typische Nintendo-Politur bekommen. Vor allem wichtig bei Fighting Games ist eine konstante Framerate und die ist hier zu jeder Zeit gegeben. Egal ob 2 oder 8 Kämpfer, im Dock oder mobil, hier ruckelt rein gar nichts. Auch die Ladezeiten haben sich im Gegensatz zu Smash 4 wieder drastisch verringert. Eine erstaunliche Leistung angesichts des Umfangs. Diesen auf nur 16 Gigabyte Speichergröße zu komprimieren ist nur noch umso erstaunlicher.

  • 11.12.2018 um 22:43
Gewohnt knackiges Smash Bros-Gameplay mit wiederkehrenden, fortgeschrittenen Techniken
Unzählige Modi für Party-Spieler und Hardcore-Enthusiasten
Umfangreiche Einzelspielerkampagne mit Rollenspielelementen
Gigantischer Umfang bei 70+ Kämpfern und 100+ Arenen
Butterweiche Performance und kurze Ladezeiten in jeder Konfiguration
Kampagnen-Kämpfe beizeiten besonders für Neulinge frustrierend
Manche Charaktere weniger spannend als andere
Bei mehr als 4 Kämpfern gleichzeitig verdammt unübersichtlich

Joost Rademacher

Was auch immer Masahiro Sakurai sich bei Super Smash Bros. Ultimate gedacht hat, es wird schwer für ihn sein, diesen Moloch von einem Kampfspiel noch einmal zu übertrumpfen. Smash Ultimate nimmt das gewohnt schnelle und kurzweilige Kampfsystem und versorgt es mit derart viel Inhalt und freischaltbarem Beiwerk, dass auch nach 50 oder 100 Stunden immer noch Spaß in ihm zu finden ist. Noch dazu läuft es fantastisch auf der Switch und hat damit eine ideale Plattform für sich gefunden. Ob in einer intensiven 8 Stunden-Session im Dock oder für ein paar schnelle Runden unterwegs mit Freunden, es macht zu jeder Zeit einen riesigen Spaß. Ungeachtet einiger kleiner Schönheitsfehler wird Super Smash Bros. Ultimate seinem Namen in jeder Hinsicht gerecht. Es ist eine Liebeserklärung, nicht nur an Prügelspiele und Nintendo, sondern an das Medium der Videospiele selbst.
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