Test: Sword Art Online: Fatal Bullet

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Die virtuelle Realität erobert langsam aber sicher immer weiter unsere Welt, sowohl im Gaming als auch in der Wirtschaft. Doch obwohl die Technologie bereits seit einiger Zeit zugänglich ist, fehlt es noch deutlich an Akzeptanz. Entsprechend dauert es noch etwas, bis die Technologie gänzlich auf dem Massenmarkt angekommen ist. Dies hängt an vielen Faktoren, wozu unter anderen der hohe Preis, die klobigen und kabelgebundenen Headsets und natürlich auch ein breiter Support seitens der Entwicklerstudios zählen. In der Welt von Sword Art Online ist dies hingegen kein Problem mehr, hier hat sich die virtuelle Realität durchgesetzt, in der man sogar mit dem gesamten Körper eintauchen kann. Im neuesten Ableger des beliebten Franchises, welches den Titel Sword Art Online: Fatal Bullet trägt, gilt es wieder in eine fantastische Welt einzutauchen. Gerade Fans sollen dieses Mal in einem gänzlich anderen Ambiente auf ihre Kosten kommen, doch leider wartet am Ende mehr Frust als Spielspaß auf euch.

Die Simulation eines MMOs

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Als der Anime Sword Art Online 2012 veröffentlicht wurde, war dies der Anbeginn eines weltweiten Erfolgs. Das war dabei natürlich zum einen dem sehr attraktiven Zeichenstil und der Gaming-Thematik zu verdanken, aber insbesondere lag dies an der düsteren Story. Denn als im Anime das VRMMO SAO veröffentlicht wurde, konnte sich kein Spieler mehr ausloggen, ergo waren diese in der Online-Welt gefangen. Besonders perfide: Sollte die HP-Leiste im Spiel obendrein auf Null fallen, so frittiert das NerveGear, also das VR-Headset, das Gehirn des jeweiligen Spielers.

Sword Art Online: Fatal Bullet ist deutlich später als der Anime angesiedelt. Hier finden sich Spieler im dystopischen SciFi-VRMMO Gun Gale Online (GGO) wieder. Im Vergleich zu früheren Ablegern der Serie wendet man dem altbekannten Fantasy-Genre den Rücken zu und präsentiert ein gänzlich neues Setting, in dem auf Schusswaffen der Fokus gelegt wird. Eine frische und andere Erfahrung, bei der gerade alteingesessenen Fans Lust auf mehr bekommen dürften!

Direkt zum Spielstart gilt es sich zunächst für ein Geschlecht zu entscheiden, Anschließend wählt ihr zwischen zahlreichen visuellen Optionen, um den eigenen Charakter zu erstellen. Ist dies geschehen, finden wir uns direkt in der Welt von GGO  wieder und werden auch schnell von unserer Sandkasten-Freundin Kureha begrüßt, die schon etwas längere Zeit mit dem Spiel beschäftigt ist. Diese zeigt uns direkt die wichtigsten Tricks und Kniffe, sodass wir schnell im Spiel zurechtkommen und nimmt uns zudem direkt mit, um an einem großen Turnier teilzunehmen.

Um gegen die Veteranen von GGO in diesem Wettstreit zu obsiegen, bedarf es natürlich einem höheren Level und entsprechender Ausrüstung. Das Ziel unserer übereifrigen neuen Kampfgefährtin ist entsprechend nicht das Turnier zu gewinnen, sondern vielmehr ein rares Item zu ergattern, welches auf dem Gelände versteckt sein soll. Und wie es das Schicksal so will, erlaubt uns der Zufall, dieses Item selbst zu finden: Ein sogenanntes ArFA-Sys! Dabei handelt es sich um einen niedlichen weiblichen Androiden – eine künstliche Intelligenz, die mit dem letzten Patch in GGO integriert wurde. Obendrein ist dies sogar eine ganz seltene Sorte, die uns mit vielen kleinen Hilfen zur Seite stehen kann, wozu unter anderem das Überwachen unserer Finanzen zählt.

Das Melken der Milchkuh und die saure Milch

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Technisch hat sich Sword Art Online: Fatal Bullet insbesondere seit der spielbaren Fassung auf der Gamescom 2017 stark weiterentwickelt. Die damalige Version war kaum spielbar und die Steuerung fiel hier besonders frustrierend aus. Dies hat sich zum Launch glücklicherweise geändert. Was allerdings andere Bereiche des Spiels angeht, so bleibt im gesamten Spielverlauf ein äußerst fader Beigeschmack haften, denn rund läuft hier ansonsten nur wenig.

Hier ist insbesondere der japanische Entwickler Dimps zu kritisieren, denn in fast allen Bereichen stoßen wir auf unterschiedlichste Probleme. Dies beginnt beim aberwitzig langen Tutorial, welches uns über zwei Stunden mit langweiligen Aufgaben und nicht enden wollenden Dialogen quält. Hier merkt man förmlich wie der Entwickler versucht, den Spieler in alle bekannten Charaktere des Anime und der vorangegangenen Spiele einzuführen, was allerdings nur marginal gelingt. Neueinsteiger dürften hier ihre liebe Mühe haben, mit den vielen quirligen Charakteren etwas anzufangen. Obendrein bleiben im Verlauf des Tutorials zahlreiche Aspekte des Spiels ungeklärt, sodass ein deutliches Maß an Verwirrung bestehen bleibt. Aber auch die Spielwelt selbst ist alles andere als attraktiv gestaltet. Schlauchlevel und fehlende Detailliebe im Leveldesign, aber auch ein unsteter Verlauf des Schwierigkeitsgrads und ein miserables Balancing sorgen hier für Frustration und Irritation.

Den Kern des Spiels nimmt die Hubwelt ein. Von dieser aus können wir uns auf Missionen begeben, Quests annehmen, in die Online-Modi des Spiels eintauchen und auch Dialoge mit den bekannten Charakteren des Franchises erleben. Doch auch hier kommen zahllose Probleme auf uns zu, die der unrunden Gesamtpräsentation zutragen. Jeder noch so kleine Wechsel der Location wird durch lange Ladesequenzen unterbrochen und führt so zu einem Bruch im Spielfluss. Auch Dialoge werden oft ohne den Willen des Spielers initiiert und selbst der Online-Modus kommt ideenlos daher. In letzterem können wir uns beispielsweise mit anderen Spielern zusammentun, um Bosse zu bekämpfen oder gleicherweise im PvP gegeneinander anzutreten. Statt hier jedoch auf herausfordernde Missionen und Duelle zu stoßen, warten anspruchslose Begegnungen auf uns, sofern sich dafür denn überhaupt genügend menschliche Spieler finden lassen.

KI-tastrophal veraltetes Spieldesign

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Aber zum Glück liegt nicht das Spielen mit anderen Menschen im Fokus des Titels. Stattdessen gilt es im Story-Modus mit einem eigenen Team aus NPCs loszulegen. Zumindest theoretisch sollte dies eine gewisse Erleichterung bieten, aber praktisch ist gerade die künstliche Intelligenz in Sword Art Online: Fatal Bullet oftmals der größte Feind. Sei es die Wegfindung, Gegner die sich in einer Endlosschleife gegenseitig wiederbeleben oder Mitstreiter, die eine Wiederbelebung nicht hinbekommen. Gerade im letzteren Fall mussten wir oftmals sprachlos zusehen, wie sich unsere KI-Mitstreiter wild um unseren leblosen Körper mit Hechtsprüngen bewegten. Geschieht dies ein geschlagene Minute lang und resultiert im Tod unserer Mitstreiter und einem Fehlschlag der aktuellen Quest, dann steigt das Fruststrationslevel schnell in ungeahnte Höhen.

Was sich Bandai Namco und die Spieleschmiede Dimps bei der Entwicklung von Sword Art Online: Fatal Bullet gedacht haben, bleibt ungewiss. Hat man hier ein unerfahrenes Team an die Entwicklung gesetzt, oder war schlichtweg ein Melken der Lizenz das Ziel? Wir möchten sogar so weit gehen und infrage stellen, ob auch nur ein Teammitglied hinter dem Titel je die Hand an ein modernes MMO gelegt hat. Nach Sword Art Online: Fatal Bullet tendieren wir dazu, dies klar zu verneinen, denn dafür hat man den Stand der MMO-Entwicklung der letzten 15 Jahre zu schamlos ignoriert. Es ist traurig mitanzusehen, wie sehr eine Simulation eines MMO derart weit am Ziel vorbeischießen kann.

Neues Setting im Vergleich zum Vorgänger
Japanische Synchro mit dabei
Größtenteils eine präzise Steuerung
Viele und lange Ladezeiten
Gelegentliche Framerateeinbrüche
Langatmiges Tutorial
Lieblose Hubwelt
Uninspiriertes Leveldesign
Grauenvolle KI
Unrund inszenierte Geschichte
Vergessenswerter Mehrspieler-Modus

Daniel M.

Spiele sollen Spaß bereiten, Herausforderungen bieten und Unterhaltung liefern. Man möchte meinen, dass dies simple und klare Ziele sind, die ein jeder Entwickler versteht. Doch gerade diese Aspekte werden mit Sword Art Online: Fatal Bullet allenfalls angekratzt. Entsprechend richtet sich der Titel allerhöchstens an Die-Hard-Fans des SAO-Franchise, aber selbst hier sollte man nicht allzu viel erwarten. Zumindest ist es schön zu sehen, dass man die japanische Synchronspur mit ausgeliefert bekommen hat, wenn schon sonst kaum etwas funktionieren möchte. Sword Art Online: Fatal Bullet war ein nett gemeiner Ansatz, der allerdings von Grund auf hätte überarbeitet werden müssen. Lediglich eine bekannte Lizenz zu verwenden und somit auf hohe Absatzzahlen hoffen, das funktioniert heute nur noch marginal.
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